Steimles Welt - Buch zur geleichnamigen TV-Serie mit Uwe Steimle

»Steimles Welt« Das Buch zur TV-Serie (MDR) mit Uwe Steimle

»Rum und num, fahr mer mitm Warti rum.«

... Immer auf der Suche nach der Philosophie des Alltags. Auf der Suche nach Geschichten, die sonst im Verborgenen bleiben. Aber was im Fernsehen dann immer so schön leicht und locker aussieht, ist beim Drehen oft sehr anstrengend. Ich habe schon viele Sendungen in meinem Leben gemacht, aber so eine Intensität, wie wir sie bei »Steimles Welt« erreichen, ist selten. Denn wenn die Leute erst ins Erzählen kommen, ist es meist so, als hätte man den Stöpsel von einem Weinfass gezogen. Es fließt und fließt und fließt. Dann gilt es für Uwe manchmal zwei Stunden lang die Konzentration hochzuhalten, neugierig zu bleiben, die Leute ernst zu nehmen und ab und an die richtigen Fragen zu stellen. Und für unseren Kameramann bedeutet dass, die 12 kg schwere Kamera die gleiche Zeit auf der Schulter zu halten, und dem Gespräch ruhig zu folgen. Das ist Schwerstarbeit. Davor ziehe ich meinen Hut!

Der Lohn dafür sind die Begegnungen mit Menschen und Landschaften, die man im normalen Leben nie getroffen oder besucht hätte. Ein Privileg, dessen wir uns bewusst sind. Die Herzlichkeit und Offenheit, mit der wir empfangen werden, fasziniert mich immer wieder. Das ist ein Vertrauensvorschuss, mit dem man nicht unbedingt rechnet, mit dem wir aber wohl überlegt umgehen. Wir führen niemanden vor und wollen auch niemanden verletzen. Das ist unser oberstes Gebot. Und ich hoffe, das merkt man der Sendung auch an. Uwe sagt immer: »Wir machen tschechisches Fernsehen mit Herz.«

Ich erinnere mich zum Beispiel an den über 80-jährigen Horst Voit im schönen vogtländischen Mehltheuer, der, mit seiner Concertina auf den Beinen, sein ganzes Leben vor uns ausbreitete. Er spielte und sang sich seine Trauer über die Verluste in seiner Familie von der Seele. Und die kleine Finnhütte, in der er wohnt, war plötzlich magisch erfüllt von dem tiefen Schmerz, den er erfahren hat, aber auch von seiner unbändigen Lebenslust und Hoffnung, die ihn am Leben hält. Und diese Hoffnung heißt Musik. Zum Schluss sang er für uns sein Lieblingslied. »… ich habe nur auf der Welt allein, Deine Liebe …«

Uwe heulte wie ein Schlosshund und wir brauchten danach erst mal eine Pause. Das sind Momente, die man nie vergisst und für die man sein Leben lang dankbar ist. Solche Begegnungen machen die Dreharbeiten zu etwas ganz Außergewöhnlichem. Und wir sitzen dann gemeinsam im Wartburg und gucken in die Welt, die in solchen Augenblicken wunderschön ist. Einfach, erklärbar und verletzlich.

Michael Seidel