Die neue Kurzgeschichte »Laurie« von Stephen King –
jetzt kostenlos downloaden

Die Fans von Stephen King haben doppelten Grund zur Freude: Am 27. August 2018 erscheint sein neuer großer Roman „Der Outsider“, und um die Wartezeit zu verkürzen, gibt es hier eine neue, exklusive und kostenlose Kurzgeschichte vom Großmeister des Horrors. Jetzt als PDF downloaden oder gleich hier reinlesen:

Ein halbes Jahr nach der Beerdigung von Lloyd Sunderlands Frau – sie waren vierzig Jahre verheiratet gewesen –, kam ihn seine Schwester besuchen. Sie war von Boca Rotan bis zum Cayman Key mit dem Auto gefahren und hatte einen dunkelgrauen Welpen dabei. Einen Border-Collie-Mudi-Mischling, wie sie sagte. Lloyd hatte keine Ahnung, was ein Mudi war. Es interessierte ihn auch nicht.
»Ich will keinen Hund, Beth. Ein Hund ist das Letzte, was ich jetzt brauche. Ich komme kaum mit mir selbst klar.«
»Das sieht man«, sagte sie und hakte die spielzeuggroße Leine vom Hundehalsband los. »Wie viel hast du abgenommen?«
»Weiß nicht.«
Sie musterte ihn. »Bestimmt acht Kilo. Kannst du dir gerade so leisten, mehr sollte es aber nicht werden. Ich mach dir schnell ein Bauernfrühstück. Und Toast dazu. Hast du Eier da?«
»Ich will kein Bauernfrühstück«, sagte Lloyd und betrachtete den Hund.
Das Tier hockte auf dem weißen Flauschteppich, und er fragte sich, wie lange es wohl dauerte, bis es dort eine Visitenkarte hinterließ. Der Teppich müsste mal kräftig gesaugt werden, und dem Ding würde wahrscheinlich auch eine Shampooreinigung guttun, aber wenigstens hatte noch nie jemand draufgepinkelt. Der Hund sah ihn mit seinen bernsteinfarbenen Augen an. Fast wie wenn er ihn abschätzte.
»Hast du jetzt Eier da oder nicht?«
»Ja, aber ...«
»Und Würstchen oder so? Nein, natürlich nicht. Wahrscheinlich lebst du allein von Tiefkühlwaffeln und Dosensuppe. Ich mach mal Kühlschrankinventur und guck, was du so alles brauchst. Und dann geh ich zu Publix einkaufen.«
Sie war fünf Jahre älter als er und hatte ihn nach dem Tod beider Mutter praktisch großgezogen. Als Kind hatte er nie eine Chance gegen sie gehabt. Nun waren sie beide alt, und er kam immer noch nicht gegen sie an, erst recht nicht jetzt, wo Marian nicht mehr da war. Lloyd hatte das Gefühl, dass dort, wo sein Rückgrat gesessen hatte, nur noch eine Lücke war. Vielleicht bildete es sich irgendwann wieder zurück; vielleicht auch nicht. Fünfundsechzig war ein bisschen zu alt für Regeneration. Dem Hund allerdings - dem würde er widerstehen. Was in Gottes Namen hatte sich Bethie nur dabei gedacht?
»Ich behalte ihn nicht«, sagte er. Sie hatte ihm den Rücken zugewandt und stakste auf ihren Storchenbeinen zur offenen Küche. »Du hast ihn gekauft, also bring auch du ihn zurück.«
»Es ist eine Sie. Und ich hab sie nicht gekauft. Die Mutter, eine reinrassige Border-Collie-Hündin, hat sich auf der Straße vom Nachbarshund besteigen lassen. Wie gesagt, das war ein Mudi. Der Besitzer ist die drei anderen Welpen sofort losgeworden, nur den Mickerling hier wollte niemand. Der Kerl - so ein kleiner Gemüsegärtner - war schon drauf und dran, die Kleine beim Tierheim abzuliefern, da habe ich im Vorbeigehen sein krakeliges Schild am Telefonmast gesehen. Wer will Hund stand da drauf.
»Und da hast du gleich an mich gedacht.« Er betrachtete weiterhin den Hund, der weiterhin zurückäugte. Die aufgerichteten Ohren schienen das Größte an der Kleinen zu sein.
»Genau.«
»Ich bin immer noch in Trauer, Beth.« Sie war der einzige Mensch, gegenüber dem er seinen zustand so unverhüllt beschreiben konnte, was ein echter Trost war.
»Das weiß ich doch.« Flaschengeklirr aus dem geöffneten Kühlschrank. Am Schatten an der Wand konnte er sehen, wie sie sich bückte und herumkramte. Sie ist wirklich ein Storch, dachte er, ein Storch in Menschengestalt, der wahrscheinlich ewig leben wird. »Wer trauert, braucht etwas, womit er den Kopf beschäftigen kann. Worum er sich kümmern kann. Das habe ich gedacht, als ich das Schild gesehen habe. Es geht nicht darum, wer einen Hund will, sondern wer einen braucht. Nämlich du. Herrje, der Kühlschrank ist die reinste Schimmelpilzfarm. Widerlich!«
Der Welpe richtete sich auf, tat zaghaft einen Schritt auf Lloyd zu, änderte dann aber seine Meinung (vorausgesetzt, er verfügte über so etwas) und setzte sich wieder.
»Behalt du sie doch.«
»Auf gar keinen Fall. Jim reagiert da allergisch.«
»Bethie, ihr habt zwei Katzen. Und gegen die ist er nicht allergisch?«
»Doch. Deshalb reichen die Katzen. Wenn du so darüber denkst, dann bringe ich die Kleine einfach ins Tierheim in Pompano Beach. Die gewähren denen da drei Wochen, bevor man sie einschläfert. So ein hübsches kleines Ding mit ihrem rauchgrauen Fell. Vielleicht holt sie ja jemand vorher ab.«
Lloyd verdrehte die Augen, obwohl sie das nicht mitbekommen konnte. Das hatte er schon als Achtjähriger immer getan, wenn sie ihm androhte, ihn mit dem Federballschläger zu versohlen, sollte er sein Zimmer nicht aufräumen.
Manche Dinge änderten sich nie.
»Greifen Sie zu!«, sagte er. »Beth Young verteilt wieder kostenlos Schuldgefühle.«
Sie schloss den Kühlschrank und kam ins Wohnzimmer zurück. Der Welpe sah sie flüchtig an und nahm dann wieder die eingehende Begutachtung von Lloyd auf. »Das werden bestimmt 100 Dollar bei Publix. Ich bringe dir den Kassenzettel mit, und du erstattest mir die Auslagen.«
»Und was soll ich so lange tun?«
»Wie wär´s, wenn du ein bisschen Bekanntschaft mit der wehrlosen Kleinen schließt, die du in die Gaskammer schicken willst?« Sie beugte sich hinunter und tätschelte dem Welpen den Kopf. »Schau dir nur die hoffnungsvollen Augen an.«
Lloyd konnte in den Bernsteinaugen nur Wachsamkeit erkennen.
Abschätzung. ... [Weiterlesen]

Jetzt vorbestellen: »Der Outsider« – ab 27. August bei Heyne

Im Stadtpark von Flint City wird die geschändete Leiche eines elfjährigen Jungen gefunden. Augenzeugenberichte und Tatortspuren deuten unmissverständlich auf einen unbescholtenen Bürger: Terry Maitland, ein allseits beliebter Englischlehrer, zudem Coach der Jugendbaseballmannschaft, verheiratet, zwei kleine Töchter. Detective Ralph Anderson, dessen Sohn von Maitland trainiert wurde, ordnet eine sofortige Festnahme an, die in aller Öffentlichkeit stattfindet. Der Verdächtige kann zwar ein Alibi vorweisen, aber Anderson und der Staatsanwalt verfügen nach der Obduktion über eindeutige DNA-Beweise für das Verbrechen – ein wasserdichter Fall also?

Bei den andauernden Ermittlungen kommen weitere schreckliche Einzelheiten zutage, aber auch immer mehr Ungereimtheiten. Hat der nette Maitland wirklich zwei Gesichter und ist zu solch unmenschlichen Schandtaten fähig? Wie erklärt es sich, dass er an zwei Orten zugleich war? Mit der wahren, schrecklichen Antwort rechnet schließlich niemand.

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