Zwei Freundinnen, drei Männer – und ein Geheimnis, zu groß für eine kleine Nordseeinsel ...

»Sterne sieht man nur im Dunkeln«

Eigentlich ist Anni glücklich. Mit ihrem Langzeitfreund Thies lebt sie in einem hübschen Bremer Häuschen, ihr Geld verdient sie als Game-Designerin und in ihrer Freizeit entwirft sie Poster- und Postkartenmotive. Doch dann will ihr Chef, dass sie das neue Büro in Berlin leitet. Und Thies will auf einmal heiraten. Nur Anni weiß nicht mehr, was sie will. Da meldet sich ihre Jugendfreundin Maria aus Norderney, und Anni beschließt spontan, eine Auszeit zu nehmen. 6 Wochen Sand und Wind, Sterne und Meer – einfach mal durchpusten lassen. Danach sieht sicher alles anders aus. Wie anders, das hätte Anni sich allerdings nicht träumen lassen ...

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Leseprobe

Es geschah auf unserer dritten Hochzeitsfeier in diesem Frühsommer. Thies saß neben mir, in seinem perfekt geschnittenen Anzug, mit ironischer Fliege und frisch gestutztem Dreitagebart. In seinem Gesicht kämpften Rührung und Belustigung. Ein Chor aus älteren Damen mit großen Schals stimmte »Oh Happy Day« an. Während Susanne im Brautkleid vor dem Altar niederkniete, tauchten vor meinem inneren Auge Bilder von ihr bei der Arbeit auf. Wie sie einen Praktikanten zusammenfaltete, weil er ihren Teamleiter-Parkplatz besetzt hatte. Wie sie sich vor Lachen über einen meiner Sprüche fast in die Hose machte. Der Pastor legte eine Hand auf ihren und eine auf Davids Kopf. Nachdem der Chor mit Inbrunst die letzten Töne des Liedes von der Empore geschmettert hatte, steckte das Brautpaar sich gegenseitig Ringe an die Finger. Ringe, um deren Design vorher bitter gestritten worden war. In der Bank vor uns wurden Taschentücher verteilt. Thies nahm meine kleine, kalte Hand in seine große, warme. Ich suchte seinen Blick, und er blinzelte mir mit feuchten Augen zu, wie er es immer tat, wenn wir mal wieder in einer Kirche saßen, bei einer Trauung wie heute oder, immer öfter, bei einer Taufe. Ich beugte mich zu ihm hinüber und legte meine Stirn an seine Schulter.
Später, als alle Unterschriften erledigt und alle Segen gesprochen waren, tanzten wir am Strand vor einem Lokal direkt an der Weser. Der Junimond spiegelte sich im Wasser, die Luft war klar und mild und roch nach Sommer. In der Ferne ragten die Scheinwerfer des Weserstadions wie riesige Fühler in den wolkenlosen Nachthimmel. Thies wirbelte mich zu irgendeinem Boney-M.-Song herum. Keiner von uns konnte besonders gut tanzen, was uns jedoch nie davon abhielt, es so ausgelassen wie möglich zu tun. Er lachte mich zwischen seinen Drehungen und Hüftschwüngen an, beugte sich zu mir herunter, und ich sah, dass seine Schläfen nass geschwitzt waren. »Kleine Pause?«, fragte ich am Ende des Songs. Er wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn und blickte in Richtung des hell erleuchteten Pavillons, an dessen Bar sich andere Gäste drängelten. »Sprudel?« »Gern, ich warte da drüben.« Ein Stück von der Musik und den Lichtern entfernt setzte ich mich ans Ufer. Ich streifte die flachen Riemchensandalen ab und grub meine Zehen in den kalten Sand. Wenige Meter von mir entfernt schob sich ein kleiner Lastkahn geräuschlos über das ruhige Wasser. Hinter mir hörte ich Thies’ Schritte. Er reichte mir eine eiskalte Glasflasche und ließ sich neben mir nieder. »Und, wie findest du die Feier?« Er atmete noch ein wenig schnell vom Tanzen. »Ich denke, wir können ein erstes Ranking wagen.« Ich wuschelte meinen Pagenkopf zurecht. »Ambiente?« Thies setzte die Flasche an seine vollen Lippen. »Zehn Punkte, mehr geht nicht.« Er brummte zustimmend. »Essen?«, fragte ich. Thies zupfte an seinen Bartstoppeln. »Ich fürchte, da sind wir unterschiedlicher Ansicht. Ich fand es lecker.« Ich nickte. »Doch, es hat geschmeckt. Aber Büfetts sind einfach nicht meins, von mir also nur fünf Punkte. Die Pasta aus dem Parmesanlaib war allerdings ein zweites Anstehen wert.« Eigentlich war Thies dran mit dem nächsten Stichwort für unser Hochzeits-Pingpong, doch er knibbelte nur schweigend am Etikett der Flasche herum.

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Meike Werkmeister
© Ulrike Schacht

Meike Werkmeister

Meike Werkmeister, Jahrgang 1979, lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Sie schreibt für verschiedene Magazine wie Brigitte, Hygge, Emotion und Maxi. Wann immer sie Zeit findet, fährt sie ans Meer – besonders gern nach Norderney, wo sie seit Kindertagen mit ihrer Familie Urlaub macht, und wo auch die Idee zu diesem Roman entstand.

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»Meermensch« oder die Liebe zum Meer

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mit einer guten Buchidee ist das ein bisschen wie mit der Liebe. Man findet sie eigentlich nur, wenn man sie nicht erzwingt – und oft dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Bei mir war es während einer Reise. Auf der Nordseeinsel Norderney, im Frühsommer. Die See war noch rau, der Wind noch frisch. Und plötzlich, in einem Moment der Stille, sah ich eine Geschichte vor mir: eine Frau, Anni, die hierherkommt, die etwas sucht, was sie in ihrem Leben vermisst – und etwas anderes findet.
Man hätte meinen können: Nur eine Idee, mehr nicht. Aber auch das ist wie mit der Liebe. Wenn etwas in einem brennt, einen nachts nicht mehr schlafen lässt, einen überallhin begleitet, spürt man es schnell: Das hier ist mehr.
Ich hoffe, Sie begleiten mich auf Annis Reise ans Meer, bei der mehr in ihr durcheinandergewirbelt wird als die Muscheln in der Brandung zu ihren Füßen. Auf eine Reise, bei der es um das geht, wonach wir alle suchen: ein Stück vom Glück.

Viel Freude beim Lesen wünscht

Unterschrift

Starke Frauen, Vorbilder & große Gefühle

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