${alt}

Susanne Hasenstab im Interview zu ihrem Buch »Irgendwie zwischen Liebe und Musterhaus«

Wussten Sie, dass Susanne Hasenstab die Sprüche auf den Yogi-Tee-Beuteln immer gut findet?

Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen?
Ich habe Romanistik und Skandinavistik in Frankfurt/Main und Lausanne studiert. Während des Studiums besuchte ich Sprachkurse in Montpellier, Salamanca, Granada, Sinaia und Iaşi (Rumänien) und arbeitete bei Radio Prag und der Hermannstädter Zeitung in Sibiu (Rumänien). Seit 2011 schreibe ich als freie Autorin und Kolumnistin bei Printmedien und Radio. Zusammen mit meinem Bühnenpartner Emil Emaille bin ich auch mit kabarettistischen Leseprogrammen unterwegs. Irgendwo zwischen Liebe und Musterhaus ist mein zweiter Roman nach Der Zukunftsberg (2012).
Ich liebe Sprachen, Reisen, Theater, Kino und natürlich Bücher. Ich bin glücklich, wenn ich in einem Café sitzen, dort lesen, schreiben und Leute beobachten kann.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Als ich zur Uni pendelte, habe ich begonnen, die Dialoge bzw. Monologe der umsitzenden Fahrgäste mitzuschreiben. So entstanden meine ersten Minidramen. Mittlerweile habe ich über 500 davon geschrieben und als Kolumne veröffentlicht.

Was inspiriert Sie/Wie finden Sie Ihre Themen?
Einfach zuhören, anstatt selbst zu reden. Beobachten, anstatt selbst zu agieren.

ÜBER DAS AKTUELLE PROJEKT IRGENDWO ZWISCHEN LIEBE UND MUSTERHAUS

Bitte geben Sie uns eine kurze Zusammenfassung:
Die Ich-Erzählerin Katja ist 31 und arbeitet als Redaktionsassistentin beim »Sonntags-Blitz«, einer Gratis-Zeitung. Was eigentlich als Übergangslösung nach dem brotlosen Germanistik-Studium gedacht war, ist mittlerweile zum bequemen Dauerzustand geworden. Kinder, Karriere, Hochzeit? Katja ist eine Meisterin darin, schwierige Entscheidungen vor sich her zu schieben.
Allerdings drängt ihr langjähriger Freund Jonas darauf, dass nun bald ein Schritt in Richtung »Normaler Lebenslauf« zu erfolgen hat: Seinem »Projekt Eigenheim« steht Katja mit großer Skepsis gegenüber. Während ringsum die Freundinnen schwanger werden und Musterhaussiedlungen besichtigen, begibt sich die Hobby-Lyrikerin Katja lieber auf die alkoholgeschwängerten Veranstaltungen eines schrägen Provinz-Literatenzirkels, wo es zu einer folgenreichen Begegnung kommt ...
Das Buch ist eine Liebesgeschichte und zugleich eine tragikomische Schilderung der »modernen Frau Anfang 30, zerrissen zwischen Kinderwunsch, Selbstverwirklichung und Alkoholismus«, wie es eine Figur im Roman, Katjas beste Freundin Inga, an einer Stelle formuliert.

Welche Szene daraus war bisher am schwierigsten zu schreiben?
Sämtliche Knutsch-Szenen und was sich daraus sonst noch so ergibt. :-)

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Den veganen Geburtstagsbrunch bei Katjas Freundin Inga. Die anwesenden Jungmütter und Schwangeren unterhalten sich ausgiebig über mitwachsende Regale, Motorikwürfel, Test-Hochzeiten und den »letzten Urlaub vor dem Kind«. Katja fühlt sich mehr als fehl am Platz. Zum Glück bekommt sie währenddessen eine sehr nette SMS! (Von der ihr Freund jedoch besser nichts erfahren sollte.)

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
Den erfolglosen Künstler und frühpensionierten Wasserwirtschaftsamtleiter Heinrich Waldemar Ertel, der befreundete, noch erfolglosere Künstler zu obskuren Soireen unter dem Motto »Heinrich, still und leise« bei sich zu Hause im Wohnzimmer versammelt, um ihnen eine Auftrittsmöglichkeit zu bieten. Er selbst trägt dort einschläfernd langweilige Ausschnitte aus seinem epochalen Familienroman »Ackerkrume, damals« vor, den er im Eigenverlag veröffentlicht hat. Auf einer solchen Soiree kommt es für die Hauptfigur Katja zu einer folgenschweren Begegnung mit dem Krimi-Autor Robert Klotzky, dem mit dem bluttriefenden Regional-Thriller »Die Geschändeten von Heusenstamm« ein Überraschungs-Bestseller gelungen ist.

Arbeiten Sie schon an einem neuen Projekt?
Ich möchte ein Buch schreiben über eine Mutter-Tochter-Kreuzfahrt im Nordpolarmeer, inklusive Krabbendinner und Eisbärparty. Es wird die ganze Zeit gegessen. Die Kreuzfahrer werden immer dicker. Das Schiff droht aufgrund von Übergewicht zu kentern – zumindest in der Fantasie der Ich-Erzählerin, die eigentlich nur mit ihrer Mutter mitgefahren ist, um Abstand zu gewinnen von einer zermürbend anstrengenden Liebesbeziehung an Land. Doch auf dem Schiff warten neue Liebesverwirrungen.

Sind Sie für Ihr Werk bereits mit Preisen ausgezeichnet worden?
Künstlerpreis SPIRWES – Darmstädter Preis für Maulkunst und Lebensart, 2016

Gibt es bestimmte geographische Orte, zu denen Sie oder Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Rhein-Main-Gebiet und Umgebung

Was lesen Sie selbst gerne?
Bücher, die komisch und traurig sind zugleich. Aber auch gern Frauenzeitschriften mit Detox- und Schminktipps, die ich dann nie umsetze.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Max Goldt, Wilhelm Genazino, Norbert Meidhof, Ina Bruchlos, Gwendoline Riley, Laotse, Doris Knecht, Colette, Eckhard Henscheid

Wer sind Ihre liebsten Romanhelden/-heldinnen?
Der Brenner ist toll, der Privatdetektiv in den Wolf-Haas-Büchern. Und die traurige Esther Greenwood aus Sylvia Plaths Glasglocke.

Möchten Sie uns 3 Bücher für die einsame Insel empfehlen?
Rocko Schamoni: Sternstunden der Bedeutungslosigkeit
Madeleine Bourdouxhe: Auf der Suche nach Marie
Ben Lerner: Abschied von Atocha

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Bequemlichkeit in jeder Hinsicht.

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?
Ich kann gut Eiswürfel machen. Das Rezept bleibt mein Geheimnis.

Was ist für Sie die optimale Entspannung?
Yin-Yoga! Man sollte das nicht morgens machen, außer man will gleich wieder einschlafen.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Die Sprüche auf den Yogi-Tee-Beuteln finde ich immer gut. Dass man loslassen soll, mit Gelassenheit und Mitgefühl, damit der Fluss des Lebens ungehindert … Kann mir’s im Einzelnen immer nicht merken, aber die Aussage ist klar, oder?

Gibt es eine Person, die Sie persönlich fasziniert?
Oh ja, ich traf neulich eine Bekannte, die ich lange nicht gesehen hatte und die mir zwei Stunden lang ununterbrochen von ihrem sinnerfüllten, bedeutenden Leben berichtete. Sie übte eine wahre Faszination des Schreckens auf mich aus.

Welche menschliche Leistung des letzten Jahrhunderts bewundern Sie am meisten?
Evelyn Hamanns englische Serien-Ansage, North Cothelstone Hall, Nether Addlethrope etc.

Welche Organisation oder welches Projekt würden Sie gerne unterstützen?
»Fasten auf hoher See – Die Diätkreuzfahrt!« – Es ist unwahrscheinlich, dass es so ein Projekt jemals geben wird.

Gibt es Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen?
1. Ich mag Gruppen-Rundreisen durch fremde Länder im Reisebus. Wobei mich dabei fast mehr die Leute in der Reisegruppe interessieren als das bereiste Land.
2. Ich mache gerne Yoga, kann aber weder den Kopfstand, den Skorpion noch die seitliche Krähe. Dafür kann ich die Schildkröte, die gedrehte Katze und die taumelnde Fledermaus. Eine der Stellungen ist erfunden – welche? Ein Tipp: Darüber nachdenken kann man am besten im herabschauenden Hund.

Möchten Sie Ihren Leserinnen und Lesern noch etwa mitteilen?
Liebe Leserinnen und Leser,
vielen Dank, dass es euch gibt, denn sonst hätt ich mir die ganze Mühe ja umsonst gemacht! Ich hoffe, euch gefällt Irgendwo zwischen Liebe und Musterhaus, und mich würde interessieren, ob die Lektüre vielleicht den einen oder anderen zum Kauf eines schlüsselfertigen Musterhauses inspiriert hat. Wohl eher nicht – oder doch? Vielleicht sieht man sich mal bei einer Lesung, dann können wir darüber und über vieles andere mehr auch persönlich reden. Da würd ich mich freuen und schicke einstweilen viele liebe Grüße!

Eure
Susanne Hasenstab

Irgendwo zwischen Liebe und Musterhaus

€ 20,00 [D] inkl. MwSt. | € 20,60 [A] | CHF 28,90* (* empf. VK-Preis)
Bestellen Sie mit einem Klick:
Weiter im Katalog: Zur Buchinfo
Weitere Ausgaben: eBook (epub)

GENRE