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Agaat Roman

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Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-442-71327-1

Erschienen: 09.05.2016
Dieser Titel ist lieferbar.

Weitere Ausgaben: Gebundenes Buch, eBook (epub)

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Südafrika in den 90er Jahren: Milla Redelinghuys wartet auf den Tod. Durch ein Nervenleiden am ganzen Körper gelähmt, fällt es ihr schwer sich mitzuteilen. Ihre schwarze Haushälterin Agaat ist bemüht, ihr jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Doch Agaat lässt die zum Schweigen verdammte Milla auch ihre neu erworbene Macht über sie spüren. Und hat eine diebische Freude daran. Denn da ist der alte Groll über jene Frau, deren Sohn sie großzog, die ihr aber den Zugang zur Familie verwehrte. Und deren Ehemann alle drangsalierte. Zumindest darin sind sich die zwei Frauen einig. Und während Milla die letzten fünfzig Jahre Revue passieren lässt, loten die beiden die Grenzen ihrer Beziehung aus. Und nähern sich dabei Stück für Stück einander an.

Marlene van Niekerk (Autorin)

Marlene van Niekerk, geboren 1954, veröffentlichte zwei Gedichtbände, eine Sammlung von Kurzgeschichten sowie den vielgepriesenen Roman »Triomf«, für den sie den M-Net-Preis, den CNA-Preis und die NOMA-Auszeichnung für Publikationen in Afrika erhielt. Der Roman wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und verfilmt. »Agaat« wurde zum preisgekrönten internationalen Bestseller und besiegelte ihren Ruf als eine der wichtigsten und einflussreichsten zeitgenössischen Autorinnen Südafrikas. Marlene van Niekerk lehrt Afrikaans und Niederländisch an der Universität Stellenbosch.

Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer
Originaltitel: Agaat
Originalverlag: TinHouse

Taschenbuch, Broschur, 816 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-442-71327-1

€ 12,99 [D] | € 13,40 [A] | CHF 17,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: btb

Erschienen: 09.05.2016

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Das Leben ist es, das in einem Wimpernschlag vorübergeht.

Von: Alexandra (The Read Pack) Datum: 29.07.2016

www.readpack.de

Es fällt mir schwer, mich von “Agaat” zu trennen, die letzten Tage habe ich jede freie Minute mit diesem Buch verbracht, es eingeatmet. “Agaat” riecht für mich nach Fenchel und trockener Erde, eine lebendige und traurige Geschichte, die mich auch jetzt noch sehr beschäftigt. “Agaat” spricht vom Leben aber auch vom Sterben. Ein neues Buch zu beginnen ist gerade kaum möglich.

“Das Leben ist es, das in einem Wimpernschlag vorübergeht. Während Sterben eine Ewigkeit dauern kann.”

“Agaat” erzählt die Geschichte von Milla de Wet und ihrer Haushälterin und Kinderfrau Agaat. Milla liegt im Sterben, Agaat ist ihre letzte treue Begleiterin. Die Atmosphäre zwischen den beiden Frauen pendelt ganz dicht zwischen liebevoller Fürsorge einerseits und kleinen Grausamkeiten andererseits. Eine beklemmende Situation, wie Agaat ihrer alten Herrin zwar versucht alle Wünsche von den Augen abzulesen, aber auch ihre neue Macht über sie genießt.

In wechselnden Abschnitten werden Millas teils wirre Gedankenfetzen, alte Tagebucheinträge mit Erlebnissen aus dem gemeinsamen Leben der beiden Frauen und diese letzte beschwerliche Zeit erzählt. Durch den immer gleichen Wechsel dieser Erzählebenen entwickelt “Agaat” einen ganz eigenen Rhythmus, dem ich mich nicht entziehen konnte. Vor allem die Entwicklung der beiden Hauptfiguren nahm mir dabei den Atem: wie konnte sich ihre Beziehung so entwickeln? Wie stehen sie zueinander? Da Agaat nie selbst zu Wort kommt, bleiben ihre Gedanken und Empfindungen Großteils ein Rätsel. Durch ihre Taten jedoch, bekommt auch sie ein Gesicht. Manch seltsames Verhalten, wird durch die Rückschau in die Vergangenheit so plötzlich verständlich.

Kurz vor Ende der Apartheid in Südafrika angesiedelt, wird die Geschichte von Milla und Agaat auch durch die Konflikte mit den gesellschaftlichen Konventionen gelenkt. Die dadurch entstehenden, widerstreitenden Gefühle der Figuren sind wunderbar beschrieben und atmosphärisch dicht erzählt. Milla, die in ihrer Hilflosigkeit im Angesicht ihrer Gefühle auch Agaat viel Unrecht tut, zieht nun ein Resümee über ihr Leben.

Es gibt so viele Aspekte, die dieses Buch auf ganz eigene Art wunderbar machen: der überwältigend schöne Erzählstil, mal offen und direkt, mal schwärmerisch in der Beschreibung der Natur Südafrikas. Oder die wirren und zum Teil auch abschreckenden Abschnitte mit Millas Gedanken: ohne Punkt und Komma, oft nur in Assoziationen folgen wir ihren Empfindungen. Unbeschreiblich. Einzig der etwas sperrige Epilog scheint sich nicht in den flüssigen und beinahe magischen Erzählfluss einzureihen.

Für mich war “Agaat” ein Genuss. Ein Buch, welches mich eine Woche während der Lektüre begleitete und nun ein Leben lang begleiten wird.

Das Leben von Milla und Agaat

Von: Kaisu Datum: 18.07.2016

life4books.blogspot.de

Milla Redelinghuys leidet unter einem Nervenleiden, welches sie nach und nach lähmt. Mit dem Tod vor Augen, führt sie den Leser nun durch ihr Leben. Was sie gefühlt, erlebt, gedacht und gequält hat. Doch es ist nicht sie allein, die ihre Erlebnisse wiedergibt. Da wäre vor allem die Haushälterin Agaat, welche seit Jahren stets an ihrer Seite verweilt und mit ihr durch dick und dünn geht. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Letztlich ist aber aber nicht Milla oder Agaat, die hier über viele Seiten eine stürmische Lebensgeschichte von sich gibt. Es ist ihr Sohn, der von ihr berichtet. Der Sohn, der sie nach 11 Jahren wieder sieht. An ihrem Sterbebett.

"Alles wird seinem üblichen Trott weitergehen, alles so sein wie immer, [...]. Schon einen Tag nach meinem Tod werden überall wieder die normalen Geräusche ertönen, als wäre nichts geschehen." (S.77)

Was im ersten Moment schwer verdaubar und zugleich äußerst verwirrend klingt, ist es nicht im Geringsten. Die zwanzig Kapitel sind alle nach dem gleichen Prinzip aufgebaut: Zunächst befinden wir uns in der Gegenwart. Milla liegt im Bett und wird von Agaat versorgt. Diese Szenen spricht Milla selbst und man kommt ihr sehr nah dabei. Spürt ihr Ängste, die von Tag zu Tag schlimmer werden. Es ist aber nicht die Angst vor dem Tod, sondern eher, dass man sie nicht versteht und es ihr immer schwerer fällt, sich auszudrücken. Wenn man nur noch blinzeln kann, ist das wahrlich kein Zuckerschlecken.

"Mein Haus kann mehr Geräusche machen als ich." (S. 123)

So ist es Agaat, die ihr alles von den Augen abliest und ihre rechte Hand ist. Sie kümmert sich rührend um Milla und das, obwohl die beiden in den frühreren Jahren eher gegen- als miteinander gelebt haben. Zu Beginn merkt man als Leser deutlich das neue Machtgefühl von dem Hausmädchen über ihre Herrin. Die kleinen Spitzen zwischen den beiden sind dabei recht amüsant zu lesen. Da keine nachgeben will und ja, auch "schweigsame" Menschen können Giftspritzen abgeben!
Diese kommen vor allem dann zu Wort, wenn Milla Besuch am Krankenbett hat und man sich scheut ihr entgegen zu treten oder wie sie meint "den Topf auskratzen" will.

"Was würde sie wohl noch von sich sagen, um mich daran zu erinnern, wer sie ist? Glaub sie, ich wäre durch das Stillliegen vollkommen verblödet?" (S.320)

Nach dem innigen Einblick in Millas Gedankenwelt, geht es mit der Du-Perspektive weiter. Hier erfährt man vieles über ihre jungen Jahre. Ihre Ehe mit Jak. Die schweren Momente mit einem Mann, von dem sie glaubte, dass es die wahre Liebe ist und dann bitter enttäuscht wird. Da half auch nicht der Notanker einer Schwangerschaft. Nur die Schläge hörten zu der Zeit auf. Die Liebe sucht man vergebens. Und Milla fühlt sich schwach. Schwach als Mutter. Schwach als Ehefrau. Agaat kümmert sich derweil um Jakkie, zieht ihn quasi allein groß. Da sind Reibungen nicht ausgeschlossen. Zumal noch ein Bauernhof von der kleinen Familie versorgt werden muss.

Im letzten Teil jedes Kapitels folgen eigene Worte und kurze Tagebucheinträge von Milla. Sie beginnen im Jahre 1960 und werden fortlaufend chronologisch wiedergegeben. (Das Buch selbst spielt übrigens in den 90ern.) Es sind quasi die älteren Gedanken von der jungen Milla. Erst gegen Ende gibt es hier dann eine Abwechung von der Norm und einen Sprung noch weiter in die Vergangenheit zurück. Man bekommt also wirklich die volle Ladung eines langen Lebens präsentiert. Bis hin zu seinem traurigen (?) Ende.

"Ich bin eine Suite letzter Atemzüge. Soloatem. Mein Atem lastet auf mir. [...] Mein Atem ist Blei, das Gegenteil von dem, was Atem sein sollte." (S. 436)

Schon abgeschreckt? Oder eher angefixt? Zugegeben, die vielen Seiten wirken im ersten Augenblick recht abschreckend. Doch es lohnt sich, das Buch zur Hand zu nehmen. Die Lebens- und zugleich Leidensgeschichte der beiden Frauen ist ein interessantes und intensives Leseerlebnis. Neben ihren täglichen Problemen, kommen noch die der Gesellschaft hinzu. Dabei geht es nicht nur um die Anerkennung als Frau selbst, sondern vor allem der, als schwarzer Frau.

Das Buch sehe ich als absolute Leseempfehlung! Es war für mich mal etwas komplett anderes. Und es hat mich wirklich auf jeder einzelnen Seite unterhalten. Von Anfang bis Ende.
Ein einziges dickes Manko hab ich schließlich dennoch: Es zieht sich einfach. Ab dreiviertel des Buches möchte man nur noch zum Ende kommen. Egal wie informativ und unterhaltsam der Inhalt auch sein mag und danach auch noch ist. Irgendwann ist eine Grenze erreicht. Abgebrochen hab ich es aber natürlich nicht. Dafür war es mir widerum zu schade ;)

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