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Alles, was wir geben mussten Roman

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Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-453-42154-7

Erschienen: 14.11.2016
Dieser Titel ist lieferbar.

Weitere Ausgaben: Gebundenes Buch, eBook (epub)

Bestseller Platz 30
Spiegel Taschenbuch Belletristik

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Ein großer Sportplatz, freundliche Klassenzimmer und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches englisches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so engagiert und freundlich sie auch sind, heißen hier Aufseher, und sie lassen die Kinder früh spüren, dass sie für eine besondere Zukunft ausersehen sind. Dieses Gefühl hält Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe zusammen – bis es an der Zeit ist, ihrer wahren Bestimmung zu folgen.

Kazuo Ishiguro (Autor)

Kazuo Ishiguro, 1954 in Nagasaki geboren, kam 1960 nach London, wo er später Englisch und Philosophie studierte. 1989 erhielt er für seinen Weltbestseller »Was vom Tage übrigblieb«, der von James Ivory verfilmt wurde, den Booker Prize. Kazuo Ishiguros Werk wurde bisher in 50 Sprachen übersetzt. Er erhielt 2017 den Nobelpreis für Literatur. Der Autor lebt in London.


Barbara Schaden (Übersetzerin)

Barbara Schaden studierte Romanistik und Turkologie in Wien und München, arbeitete anschließend als Verlagslektorin und ist seit 1992 freiberufliche Übersetzerin aus dem Englischen, Französischen und Italienischen. Sie übersetzt neben Kazuo Ishiguro unter anderem Patricia Duncker und Nadine Gordimer. Barbara Schaden lebt in München.

Aus dem Englischen von Barbara Schaden
Originaltitel: Never Let Me Go
Originalverlag: Blessing

Taschenbuch, Broschur, 352 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-453-42154-7

€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Heyne

Erschienen: 14.11.2016

  • Leserstimmen

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Tolles Szenario, das den Leser durch den Schreibstil leider nicht ganz mitreißen kann.

Von: hellomybook Datum: 02.11.2017

hellomybook.wixsite.com/hellomybook

Das Buch hat mich schon eher gefesselt, als ich es angefangen habe zu lesen. Das liegt daran, dass ich Teilnehmer eines Philosophie-Enrichment-Kurses war, in welchem wir auch mehrere Filme nach Moral und Ethik und sonstigen philosophischen Werten analysiert haben. „Alles, was wir geben mussten“ war einer dieser Filme. Diesen Streifen habe ich jedoch nur zur Hälfte gesehen, welche mich aber sehr begeistern konnte, und als ich gesehen habe, dass im Heyne-Verlag eine Neuauflage zu diesem Buch erscheinen würde, habe ich mir natürlich ein Rezensionsexemplar gesichert, um endlich diese Geschichte zu Ende verfolgen zu können. Ob das Buch dem Film gerecht wird und wie es mich überzeugen konnte, erfahrt ihr in der folgenden Rezension.

Was mich vollständig überzeugen kann – sowohl in Buch als auch Film, logischerweise – ist das packende und erschreckend realistische Szenario. Es wirkt jederzeit glaubhaft und man fragt sich tatsächlich die ganze Zeit, ob und wenn ja, wann die Menschheit diesen nächsten schrecklichen Schritt tun wird. Dabei wird das Szenario aus der Sicht der Probanden erzählt, die die Umstände nicht hinterfragen oder sich dagegen wehren, weil sie nach diesem Schema erzogen wurden. Dem muss man sich bewusst sein, denn eine Rebellion, wie es den heutigen Buchtrends entsprechen würde, findet hier in keiner Weise statt.

Daher wirkt das Buch zwar kraftvoll, aber auch hoffnungs- und ausweglos. Hier hätte man die Hintergrundgedanken sämtlicher Figuren stärker beleuchten müssen. Das liegt an dem Schreibstil, der mir leider an der Romanvorlage nicht gefallen hat. Er wirkt sehr distanziert, auch indem er die Leser in Höflichkeitsrede ab und an direkt anspricht. Es ist, als würde in einer Metaebene über das Geschehen berichtet werden und man beobachtet alles von oben. Daher bekommt man keinen lebendigen Einblick in die Figuren, was meiner Meinung nach nötig gewesen wäre. Das hat mir am Film, der die Figuren nah und lebensecht darstellt, wesentlich besser gefallen.

In diesem Buch ist die große Handlung die Entwicklung der Dreiecksbeziehung zwischen den Protagonisten Kathy, Ruth und Tommy, und natürlich erwartet man keine spannungsgeladenen und unvorhergesehenen Wendungen. Dies bekommt man auch nicht. Man bekommt eine Lebensgeschichte dreier Personen, deren Leben von bestimmten Umständen geprägt ist. Schade dabei ist, dass man sich nicht in die Figuren hineinversetzen kann, sondern auch beim nachträglichen Revuepassieren wie in der Vogelperspektive das Geschehen vor Augen hat. Manch ein Leser wird diesen distanzierten Schreibstil begrüßen, aber mich hat er hier sehr gestört. Dennoch lässt sich sagen, dass die Figuren mir im Laufe des Buches ans Herz gewachsen sind und sie eine unglaubliche, aber glaubhafte Charakterentwicklung durchmachen.


„Alles, was wir geben mussten“ ist ein sehr nachdenklich stimmendes Buch mit einem großartigen Szenario und guten Figuren, das jedoch unter einem zu distanzierten Schreibstil zu leiden hat und dem Leser dadurch emotionale Verbundenheit mit den Protagonisten verwehrt bleibt, was ich sehr schade finde. Dennoch kann ich jedem, der sich nach dem Klappentext angesprochen fühlt, eine Leseempfehlung aussprechen.

Sein Leben spenden: Kazuo Ishiguro mit "Alles, was wir geben mussten"

Von: Aufziehvogel (Marcel) Datum: 05.10.2017

misteraufziehvogel.blogspot.de/

Autor: Kazuo Ishiguro
Originaltitel: Never let me go
Erscheinungsjahr: Großbritannien 2005
Deutscher Verlag: Karl Blessing Verlag (Hardcover), btb (Taschenbuch)
Übersetzung aus dem Englischen: Barbara Schaden
Genre: Moderne Science Fiction, Coming of age, Drama




"Vor ein paar Tagen führte ich ein Gespräch mit einem meiner Spender, der sich beklagte, wie überraschend schnell die Erinnerungen aus dem Gedächtnis verschwinden, sogar die kostbarsten.
Das kann ich nicht bestätigen. Ich wüsste nicht, wie die Erinnerungen, die mir die liebsten sind, je verblassen sollten. Ich habe Ruth verloren, dann habe ich Tommy verloren, aber meine Erinnerungen an sie werden für immer bleiben.
Verloren habe ich wohl auch Hailsham. Man hört zwar noch gelegentlich, dass irgendein ehemaliger Hailshammer es zu finden versucht - oder vielmehr den Ort, an dem es einmal war. Hin und wieder kommen einem auch Gerüchte zu Ohren, was aus Hailsham geworden sei - ein Hotel, eine Schule, eine Ruine. Ich persönlich habe nie versucht, es zu finden, obwohl ich ständig kreuz und quer über Land fahre. Ich muss wirklich nicht unbedingt wissen, wie es jetzt dort aussieht." - Kathy H.


"Alles, was wir geben mussten". Was kann man sich unter solch einem Titel vorstellen? Geschweige, was wird man wohl von dem Originaltitel "Never let me go" erwarten können? Eine Geschichte über eine Familie die all Ihr Hab und Gut verpfänden mussten? Eine kitschige Liebesgeschichte über ein Pärchen, was am Ende der Geschichte endlich zueinander findet? Alles falsch. Auch wenn der deutsche Titel sich komplett von dem englischen unterscheidet, so finde ich ihn dennoch charmant. Und vielleicht sogar etwas besser als den Originaltitel. Doch ähnlich wie bei der Übersetzung des Romans von Haruki Murakami "Naokos Lächeln", wird der Inhalt etwas zweckentfremdet. Denn wie bereits "Norwegian Wood", ein fantastischer Song der Beatles, ist auch "Never Let Me Go" ein Song der den Leser die gesamte Zeit über durch die Geschichte begleitet. Hier handelt es sich allerdings um einen fiktiven Song, gesungen von der ebenso fiktiven Sängerin Judy Bridgewater.

Von vielen Kritikern wird Alles, was wir geben mussten als einer der herausragendsten Romane seit der Jahrtausendwende bezeichnet. Ishiguro zeichnet eine pessimistische Zukunftsvision. Allerdings gibt es hier keine Raumschiffe oder Außerirdische. Die Geschichte spielt in einer modernen Zeit. Sie könnte sogar jetzt in diesem Moment spielen. Im ersten Teil des Romans wird noch gar nicht klar, worauf der Japaner eigentlich hinaus will. Haben wir es etwa mit einer typischen Geschichte des Erwachsenwerdens zu tun? Hätte ich nicht bereits vorher gewusst, in welche Richtung die Geschichte einschlagen wird, hätte ich genau diese Vermutung gehabt. Allerdings sollte alles anders kommen. Und das Endergebnis ist eine hoffnungslose wie düstere und gleichzeitig auch todtraurige Zukunft. Es gibt keinen Ausweg aus dieser Zukunft. Und all dies hat mich nicht nur beinahe zu Tränen gerührt, auch hat mich all Geschehene sehr nachdenklich gestimmt. Alles, was wir geben mussten ist ein herausragendes Werk. Und es bereichert die englische Literatur in allen Hinsichten.

Die Geschichte wird erzählt von Ich-Erzählerin Ruth H.
Diese arbeitet seit beinahe zwölf Jahren als Betreuerin für ehemalige Kollegiaten aus ihrem alten Internat.
In 8 Monaten, so sagt sie, werde auch sie zur Spenderin werden. Dann könne sie all das hinter sich lassen und endlich mit allem Frieden schließen. Kathy beginnt ihre Geschichte zu erzählen. Sie erzählt sie den "normalen" Menschen. Der Gesellschaft von der sie nie ein Teil war. Ein letztes mal resümiert sie über ihr komplettes Leben. Von ihrer Zeit als Schülerin auf dem Hailsham Internat, über ihre Zeit in einer Wohngemeinschaft mit ihren besten Freunden bis hin zu der Zeit, wo sie als Betreuerin das ganze Land bereiste. Schon bald wird auch Kathy Spenderin sein. Und auch sie wird abschließen.

Beinahe könnte man meinen Autor Kazuo Ishiguro sei tatsächlich eine Frau. So gefühlvoll und einfühlsam schlüpft er in die Rolle seiner Protagonistin. Diese erzählt beinahe nüchtern und als wäre es das gängigste in der Welt von ihren Ereignissen, die sie in den letzten rund dreißig Jahren erlebt hat. Schon immer stellten sich Kathy und ihr Kumpel Tommy viele Fragen über die geheimnisvolle Einrichtung Hailsham. Wieso werden die eigentlichen Lehrer Betreuer genannt? Was hat es mit der seltsamen Galerie auf sich wofür Madame die ganzen kunstvollen Arbeiten der Schüler einsammelt? Und wieso verhält sich Miss Lucy eigentlich immer so seltsam und redet davon, dass die Kollegiaten die Wahrheit über ihre Bestimmung erfahren sollten? Viele merkwürdige Dinge geschehen in Hailsham. Doch ist man im Alter eines Teenagers, scheint dies doch das unwichtigste der Welt zu sein. Immerhin gibt es die alltäglichen Sorgen, die man so hat, seine Interessen und die Liebe. Wen interessiert da schon was die Erwachsenen vor einem verheimlichen? Doch die Welt sieht anders aus. Hinter den Toren von Hailsham wartet auf Kathy, Ruth und Tommy nur der unausweichliche Tod. Und sie können rein gar nichts daran ändern.

Ich will nicht all zu viel über den weiteren Verlauf der Handlung verraten. Einiges davon wird einem bereits direkt auf den ersten Seiten erklärt. Später wird man den bizarren Twist sogar selbst erahnen können. Doch bereits auf diesen ersten Seiten spürt man, dieser Geschichte haftet etwas ganz besonderes an. Obwohl Erzählerin Kathy teilweise über völlig belanglose Dinge aus ihrer Kindheit schreibt, weiß man ganz genau, all das wird für den weiteren Verlauf der Geschichte wohl noch relevant werden. Und in der Tat, einiges bleibt bedeutungslos von dem, was Kathy erzählt. Allerdings dienen all diese Passagen dazu, dass wir uns noch mehr den Charakteren anvertrauen, sie zu schätzen wissen, ihre Probleme nachvollziehen können. Das erschreckende an Ishiguros Dystopie ist einfach, wie realitätsnahe das ganze Szenario doch ist. Der bloße Gedanke an solch eine Zukunft lässt mich erschaudern.

Aufgeteilt ist der Roman in 3 Abschnitte. Jeder Abschnitt stellt dabei einen Lebensabschnitt der Protagonisten dar. Immer unausweichlicher wird das Schicksal der jungen Leute. Und irgendwann akzeptieren sie ihr Schicksal. Immer dabei ist irgendwie dieser Song, Never let me go. Da der Song rein fiktiv ist (zumindest war er das vor der Verfilmung), ließ er nicht nur von seinem Text her viele Interpretationen zu. Auch der Leser selbst dürfte sich seine komplett eigene Version während des Lesens komponiert haben. Wie ein Reisebegleiter folgt uns dieses Musikstück. Einfach beeindruckend wie präsent etwas sein kann, was gar nicht existiert.

Resümee

Alles, was wir geben mussten ist eine Geschichte über Träume, Hoffnung und Einsamkeit. Kazuo Ishiguro schafft es meisterhaft den Leser in die Geschichte zu integrieren, als ob dieser Teil jener Welt wäre. Dem System gibt es kein Entkommen. Es ist aussichtslos. Kathy schreibt ihre Geschichte nieder, damit wir einen Einblick von einer Welt bekommen, die uns ewig verwehrt bleiben wird (und hoffentlich Fiktion bleibt). Zerplatzte Träume sind ein geringer Preis dafür, wenn man weiß, dass man ein langes und erfülltes Leben führen darf. Kathy und ihre Freunde mussten alles geben. Alles was sie je besaßen. Ihnen wird nichts bleiben, bis auf ihre Erinnerungen.

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