Alte Freunde

Roman

(7)
Taschenbuch
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Zwei alte Schulfreunde. Craig war früher der charismatische Anführer, zu dem alle aufschauten und der zum Rockstar avancierte. Alan stand stets im Abseits, war Mitläufer. Dreißig Jahre später haben sich die Vorzeichen radikal geändert. Alan ist erfolgreicher Gourmetkritiker und Bestsellerautor, während sich Craig als Obdachloser auf Londons Straßen rumtreibt. Das Schicksal führt die beiden wieder zusammen. Alan greift seinem alten Freund unter die Arme und versucht ihn wieder auf die richtige Bahn zu bringen. Und bald ist nichts mehr so wie es war.


Aus dem Englischen von Stephan Glietsch
Originaltitel: No Good Deeds
Originalverlag: Heineman
Taschenbuch, Klappenbroschur, 352 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-453-67728-9
Erschienen am  14. Oktober 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

- Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr -

Von: LACK OF LIES

08.11.2019

JOHN NIVEN - Alte Freunde (Heyne Hardcore) - Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr - Alan Grainger, seines Zeichens Gourmetkritiker und Bestsellerautor ist glücklich verheiratet, hat drei Kinder und geht straight auf die 50 zu. Er ist nach einem unzumutbaren Restaurantbesuch auf den Straßen Londons unterwegs und hängt seinen diesbezüglichen Gedanken nach. Als er gerade etwas in sein Notizbuch schreiben will, ruft ein auf dem Bürgersteig sitzender Obdachloser seinen Namen. Einigermaßen verwirrt, aber nicht minder neugierig, geht Alan auf den Penner zu. In einem kurzen Gespräch mit dem zerlumpt aussehenden Mann stellt sich heraus, dass es sich bei dem Obdachlosen mit den braunen Stumpen in der Kauleiste, um seinen alten Kumpel Craig Carmichael handelt. Verwundert darüber, wie es mit seinem ehemaligen Freund so weit bergab gehen konnte, fragt Alan, ob sie was trinken gehen sollen. Als Craig einwilligt, verändert sich Alan Graingers ganzes bisheriges Leben. Craig Carmichael, der früher in der sehr erfolgreichen Band THE RAKES gespielt hatte, schmiss sein Studium, als die Band gerade so richtig durchstartete und durch die Decke ging. Ihn riss der plötzliche Erfolg jedoch ins Bodenlose. Drogen, Entzug und endgültiger Absturz! Und so findet er sich unverhofft auf den Straßen Londons wieder. Kein Dach über dem Kopf, bettelnd, am Ende. Alan Grainger hingegen hat es geschafft. Er bewohnt gemeinsam mit seiner Frau und den drei Kindern ein großes Anwesen in Marham, Buckinghamshire, keine halbe Stunde von London entfernt. Probleme finanzieller Art haben die Graingers nicht und überhaupt scheint ihr Leben ziemlich perfekt. Alan und Craig gehen ins Groucho, nehmen ein paar Drinks und lassen gedanklich alte Zeiten wieder aufleben. Nachdem sie sich verabschiedet haben und Alan ein Taxi zum Bahnhof nimmt, überlegt er es sich kurzerhand anders und nimmt Craig mit zu sich nach Hause. Alans Frau Katie ist zwar alles andere als begeistert von dem Umstand Craig für ein paar Tage zu beherbergen, stellt sich dem Wunsch ihres Mannes aber nicht entgegen. Es ist kalt im Umland und so einigen sich Katie und Alan darauf, dass Craig noch übers Wochenende und später auch noch darüber hinaus bleiben kann. Der schottische Autor, Drehbuchautor und ehemalige A&R-Manager der Plattenfirma PolyGram John Niven pflegt einen flüssigen, teils ausladenden Schreibstil. Auch in "Alte Freunde", der achte Roman von ihm, der ins Deutsche übersetzt worden ist, skizziert er seine Protagonisten aufs Genaueste und plaudert dabei locker flockig aus dem Nähkästchen. Nivens mehr oder minder gehässigen, schwarzhumorigen Geschichten sind lebensnah gehalten und häufig mit Konversationen gefüllt, die auch die Gedankengänge und Monologe seiner Protagonisten einschließen. Der, in Ayrshire im Südwesten Schottlands geborene Schriftsteller, würzt schon mal belangloses mit herrlich beklopptem, dass einem beinahe die Tränen in den Augen stehen. Auch die immer mal wieder zwischengeschobenen Vergleiche, die John Niven anstellt, sind aberwitzig. Auf 352 Seiten erzählt er munter aus dem Leben von Katie, Alan und Craig und drückt dem Leser dabei schon mal ein seitenlanges Fäkalgespräch auf, das sich mitten in die Familienfeier von Katies Eltern ergießt. All das trägt zu einer intensiven Charakterzeichnung bei. Der Autor, der unter anderem als Journalist für "FHM", "Q", "Word", "Socialism" und "GolfPunk" gearbeitet hatte, selbst Musiker war und in den Achtzigern Gitarre bei der Indieband THE WISHING STONES spielte, baut immer wieder zum richtigen Zeitpunkt irrwitzige Ideen in seine leicht skurrilen und makaberen Geschichten ein. John Niven ist dabei so herrlich scheiße, bekloppt und politisch unkorrekt! Als Alan versucht Craig aus reinem Altruismus wieder auf die Beine zu helfen, kippt die anfängliche prima Stimmung. Craig macht sich fortwährend Notizen, durchforstet das Internet, grübelt darüber und heckt definitiv etwas aus, bis Alans Leben allmählich aus den Fugen gerät. Es wird quasi nach und nach demontiert. Die Story steigert sich ganz langsam und gemächlich, zu einem überbrodelnden Wahn und einer platzenden Bombe die aus Alans Leben ein Sodom und Gomorrha der Neuzeit macht. Alans Leben verläuft mit einem mal diagonal konträr, was ihn allmählich zu einem ausgewachsenen Alkoholiker avancieren lässt. Die Frage nach dem "Warum" wird vom Autor zwar plausibel erläutert, doch nimmt sich die Auflösung längst nicht mehr so perfide aus, wie der Aufbau des eigentlichen Storyboards. Niven, der heute in Buckinghamshire, England lebt, hegt einen flüssigen Schreibstil, der die eigentlich langatmige Geschichte gar nicht so langatmig erscheinen lässt. Dennoch ist sie leider kein Vergleich zu den herrlich verschrobenen älteren Damen aus seinem vorherigen Roman "Old School". "Alte Freunde" ist nicht Thriller, nicht Krimi und schon gar nicht Horror, sondern eher eine, aus dem Leben gegriffene Erzählung und ein Buch, dass ein Stück weit nachdenklich macht. Gerade heute in einer Welt der Zurückgezogenheit, des gegenseitigen Misstrauens und der allgemeinen Herzenskälte, hervorgerufen durch krankhaften Egoismus. Brutalität: 36 Spannung: 75 Action: 59 Unterhaltung: 78 Anspruch: 62 Humor: 80 LACK OF LIES - Wertung: 78 /100 Link zur Buchseite des Verlags: https://www.randomhouse.de/…/Joh…/Heyne-Hardcore/e550491.rhd John Niven Alte Freunde Aus dem Englischen von Stephan Glietsch Originaltitel: No Good Deeds Originalverlag: Heineman Aus dem Englischen von Stephan Glietsch Taschenbuch, Klappenbroschur, 352 Seiten, 11,8 x 18,7 cm ISBN: 978-3-453-67728-9 € 10,99 [D] | € 11,30 [A] | CHF 16,90* (* empf. VK-Preis) Verlag: Heyne Hardcore Find More Hard Stuff @ www.lackoflies.com

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Amüsant, bitterböse, nachdenklich stimmend und ein eher mittelprächtiges Ende

Von: Sandy

30.07.2018

Meine Meinung Das nicht jeder unter dem Wort »Freundschaft« das gleich versteht, ist nichts Neues. Ab wann ist ein Freund wirklich ein Freund? John Niven hat sich in seinem neuen Roman ALTE FREUNDE intensiv und auf seine ganz eigene Art mit dem Thema Freundschaft beschäftigt. Er schreibt in dieser dunklen Komödie über die Erinnerung an eine längst vergangene Freundschaft zweier Männer, sowie deren Erfolge bzw. Misserfolge. Während Alan es als bekannter Restaurantkritiker und durch die Ehe mit einer wohlhabenden Frau in die englische High-Society geschafft hat, sich aus dem ehemals übermenschlich großen Schatten seines Freundes Craig zu lösen, ist dieser nach einem Hoch als Rockstar tief gefallen. Nachdem sich die beiden zufällig wiedersehen, steht für Alan fest, dass er seinem obdachlosen Kumpel etwas unter die Arme greifen möchte. Doch ist Craig wirklich so hilfsbedürftig, wie er allen weismachen will? Niven platziert die Geschehnisse mit Verweisen auf Social-Media-Seiten wie Twitter, Tumblr und Häme auf den überteuerten Londoner Wohnungsmarkt in der heutigen Zeit. In mancher Hinsicht machte sich Protagonist Alan mit seiner Schadenfreude gegenüber anderer Leute Fauxpas und der selbstgefälligen Attitüde, fast etwas unbeliebt. Gleichzeitig ertappte ich mich dabei, wie ich ihn bemitleidete, als sich das Blatt schleichend für ihn wendet. Er genießt zwar das sorgenfreie luxuriöse Leben, aber man spürt auch das die Zeit seine Spuren hinterlassen hat. Ich mochte Alan als Familienmenschen sehr. Bei all der Oberflächlichkeit bekam ich von ihm das Gefühl von wahrer Liebe für seine Frau und Kinder vermittelt. In Bezug auf Craig hielt sich meine Empathie jedoch in Grenzen. Aus ihm schlau wird man lange nicht. Das mag auch daran liegen, dass obgleich John Niven aus wechselnden Perspektiven erzählte, man von Craigs Charakter nur sehr wenig geboten bekommt. ALTE FREUNDE war mein erstes Buch des Autors. Die Erwartungshaltung war daher relativ niedrig. Was mich von Beginn angenehm überraschte, war der tiefschwarze Humor [für welchen Niven wohl auch sehr geschätzt wird]. So las sich die Handlung amüsant, triefend vor Sarkasmus und irgendwann auch untergründig böse. Es fühlte sich an, als ob ich mir eine englische TV-Satire ansah. Aber auch die Message hinter dem Roman gefiel mir. Das Alan und Craig keine ebenbürtig gebende Freundschaft verbindet, merkt man relativ schnell. Was mir nicht gefiel war das Ende. Hier hatte es sich, meinem Gefühl nach, der Autor doch zu einfach gemacht und die gesamte Handlung nochmal in Frage gestellt. Das fand ich doch etwas schade. Nichtsdestotrotz bin ich neugierig geworden und werde mir in Zukunft gerne ein weiteres Werk des Autors näher anschauen. Fazit Mein erstes Leseerlebnis mit John Niven war durchaus unterhaltend und amüsant, aber auch nachdenklich stimmend und zum Ende hin etwas enttäuschend. Zwischen all der Satire findet man einen ernsten Kern. Man macht sich unweigerlich Gedanken darüber, wie man selbst Freundschaft definiert und ob man einander wirklich gleichwertig zu schätzen weiß.

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Vita

John Niven, geboren 1966 in Schottland, spielte in den 80er-Jahren Gitarre bei der Indieband The Wishing Stones und arbeitete nach dem Studium als A&R-Manager einer Plattenfirma, bevor er sich 2002 dem Schreiben zuwandte. 2006 erschien sein erstes Buch Music from Big Pink. 2008 landete er mit dem Roman Kill Your Friends einen internationalen Bestseller. Es folgten zahlreiche weitere Romane, darunter Kultklassiker wie Coma oder Gott bewahre. Neben Romanen schreibt John Niven Drehbücher. Er wohnt in der Nähe von London.

Zur AUTORENSEITE

Stephan Glietsch

Stephan Glietsch, geboren 1967, war lange Jahre Redakteur beim Musikmagazin Spex. Als freier Autor und Literaturübersetzer lebt und arbeitet er in Köln. Neben den Romanen von Irvine Welsh übersetzte er u.a. sämtliche Bücher von John Niven.

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Events

17. Okt. 2020

Doppellesung: Welsh: "Die Hosen der Toten". Das große Finale von Trainspotting / Niven: "Die F*ck-it-Liste" im Rahmen der Frankfurter Buchmesse

20:00 Uhr | Frankfurt am Main | Lesungen
John Niven, Irvine Welsh
Die Hosen der Toten | Die F*ck-it-Liste

18. Okt. 2020

Doppellesung: Welsh: "Die Hosen der Toten". Das große Finale von Trainspotting / Niven: "Die F*ck-it-Liste"

20:30 Uhr | Hamburg | Lesungen
John Niven, Irvine Welsh
Die Hosen der Toten | Die F*ck-it-Liste

19. Okt. 2020

Doppellesung: Welsh: "Die Hosen der Toten". Das große Finale von Trainspotting / Niven: "Die F*ck-it-Liste"

20:00 Uhr | München | Lesungen
John Niven, Irvine Welsh
Die Hosen der Toten | Die F*ck-it-Liste

20. Okt. 2020

Doppellesung: Irvine Welsh & John Niven Live: Die Hosen der Toten & Die F*ck-it-Liste

20:30 Uhr | Berlin | Lesungen
John Niven, Irvine Welsh
Die Hosen der Toten | Die F*ck-it-Liste