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Amt für Mutmaßungen Roman

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Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-328-10082-9

Erschienen: 13.03.2017
Dieser Titel ist lieferbar.

Weitere Ausgaben: Gebundenes Buch, eBook (epub)

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Einst waren sie jung und schön, trunken vor Glück und sorglosem Übermut. Ihre Liebesbriefe versahen sie mit dem Absender »Amt für Mutmaßungen«. Sie heiraten, bekommen ein Kind und ganz allmählich, kaum wahrnehmbar, beginnt sich etwas zu ändern – bis sie plötzlich am Abgrund stehen.

Klarsichtig und wunderbar poetisch zeichnet Jenny Offill das Porträt einer jungen Frau in New York, deren Denken um alltägliche Freuden und Sorgen kreist, um Schlafmangel, Treue, die Liebe zu ihrem Mann und ihrer Tochter, sich aber auch davonmacht in die fernen Sphären der Raumfahrt, Meeresforschung und antiken Philosophie. Ein fein schwingendes Gedankenmobile.

»Selten hat jemand die Geschichte einer Liebe, die zu zerbrechen droht, so ungewöhnlich erzählt. … Ein kleines Fest, dieses Buch zu lesen.«

Christine Westermann, WDR frauTV

Jenny Offill (Autorin)

Jenny Offill (geb. 1968) lebt in New York, unterrichtet Kreatives Schreiben und schreibt Kurzgeschichten, Kinderbücher und Artikel u. a. für die Washington Post. "Amt für Mutmaßungen", ihr zweiter Roman, wurde in den USA und auch in Deutschland hymnisch besprochen, erhielt den Ellen Levine Award und wurde von der New York Times unter die zehn besten Bücher des Jahres 2014 gewählt.


Melanie Walz (Übersetzerin)

Melanie Walz, geboren 1953 in Essen, wurde 1999 mit dem "Zuger Übersetzer-Stipendium", 2001 mit dem "Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Preis" und 2015 mit dem Übersetzerpreis der Stadt München ausgezeichnet. Sie ist die Übersetzerin von u. a. Antonia Byatt, John Cooper-Powys, Lawrence Norfolk.

»Selten hat jemand die Geschichte einer Liebe, die zu zerbrechen droht, so ungewöhnlich erzählt. … Ein kleines Fest, dieses Buch zu lesen.«

Christine Westermann, WDR frauTV

»Offill formuliert mit dem Skalpell, zugleich mit einem ausgeprägten Sinn für Nuancen, Schattierungen, feinste Modulationen. ... Die Wucht dieses Buches entfaltet sich in seinem unhysterischen Realismus.«

Ijoma Mangold, DIE ZEIT

"Offill gibt uns das Gefühl, im Tagebuch eines anderen zu lesen - amüsant und genauso oft schmerzhaft, aufrichtig, aber auch ironisch, manchmal sogar skurril-verschmitzt."

James Wood in The New Yorker

»Jenny Offills Roman Amt für Mutmaßungen hat mir wahnsinnig gut gefallen; richtig klasse!«

Doris Dörrie

Das Buch ist fesselnd, aber auch ungewöhnlich, wunderschön geschrieben, blitzgescheit und hintergründig.

NPR

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ERSTMALS IM TASCHENBUCH

Aus dem Englischen von Melanie Walz
Originaltitel: The department of speculation
Originalverlag: Knopf, New York 2014

Taschenbuch, Broschur, 176 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-328-10082-9

€ 9,00 [D] | € 9,30 [A] | CHF 12,50* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Penguin

Erschienen: 13.03.2017

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Die Entwicklung einer Liebe - in treffsicheren, poetischen Momentaufnahmen skizziert

Von: artWORDising Diana Wieser Datum: 11.04.2017

schreiblust-leselust.de

Vom Verlieben, Entlieben und Wiederlieben beschreibt Jenny Offill die Stationen einer Beziehung in New York. Dabei beherrscht Jenny Offill die seltene Kunst, in wenigen Worten alles zu sagen. Sie reiht Momentaufnahmen, Gedanken und Dialoge aneinander. Jede dieser literarischen Szenen gleicht einem emotionalen Durchschuss. So hat schon lange niemand mehr über die Liebe in modernen Zeiten geschrieben.

Er macht Musik und arbeitet beim Radio, sie schreibt und arbeitet als Lehrerin und Ghostwriterin. Es scheint, als wären sie füreinander geschaffen. Sie sind verliebt, heiraten, bekommen ein Kind. Dann bricht das Leben über sie herein. Wohnungen voller Ungeziefer, stundenlanges Warten in Notaufnahmen mit verletztem Kind, graue Haarsträhnen und schmutzige Badezimmer. Plötzlich gilt sie als „kompliziert“. Kompliziert ist auch ihr neuestes Projekt – ein Buch über das Weltall, das sie für einen „Möchtegern-Astronauten“ schreiben soll. Nur zu gern entflieht sie der Enge ihrer eigenen, destruktiven Gedankenwelt, indem sie sich in den Kuriositäten der Wissenschaft verliert.

In punktgenau getroffenen Situationen stellt Jenny Offill die Entwicklung einer Beziehung dar. Erst schreiben sie sich Liebesbriefe, dann unterteilt die Babypflege ihren Tag in kleine Schnipsel. Erst macht er ihr CDs mit außergewöhnlichen Tönen, dann muss er sein Klavier beim Umzug zurücklassen. Ein alter Freund kommt zu Besuch, wundert sich über die nervtötende Technomusik im Hintergrund. In Wahrheit ist es eine CD mit Herzschlagtönen, die das Schreibaby beruhigen soll. Sie liebt ihre Tochter, hat aber ständig das Gefühl, als Mutter nicht zu genügen. Das Entlieben findet lautlos statt und wird der Protagonistin erst bewusst, als es „das Mädchen“ gibt, die Affäre ihres Mannes.

Wann genau kam es zum Bruch? Vielleicht war es jener Moment, in dem er sie fragte, wann sie am glücklichsten gewesen sei. Die vermeintlich falsche Antwort – zumindest aus Sicht des Fragestellenden – könnte den Anfang vom Ende eingeläutet haben. Doch schon Sokrates wusste: „Wer Mutmaßungen über den Kosmos anstellt, ist nichts anderes als ein Verrückter.“

Mit bewundernswerter Zielsicherheit greift sich Jenny Offill genau die Fragmente heraus, die den emotionalen Kern einer Thematik verkörpern. In ihrer schnörkellosen Sprache, manchmal nur in Form von Gedankenfetzen, gewährt die Autorin tiefe Einblicke in Seelenwelten. Spielerisch verknüpft sie die Auswertungen von psychologischen Tests, wissenschaftliche Fakten und Zitate großer Denker mit den Ereignissen des Plots, was bisweilen einen humorvollen Subtext schafft. Jenny Offill wundert sich über die Liebe und das Leben. Wir Leser können nicht anders, als es ihr gleich zu tun.

Fazit: Selten wurde eine Prosa über das Mysterium der Liebe so verdichtet und treffsicher auf den Punkt gebracht. Gehaltvoll und federleicht zugleich. Ein Buch, wie geschaffen, um es in einem Atemzug zu verschlingen.

Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Worte mit ambivalentem Klang

Von: Thomas Lawall Datum: 03.04.2016

www.querblatt.com


"Die Frau" hat endlich ein Baby bekommen, nachdem ihr erstes ungeborenes Kind starb, gerade als sie mit ihrem Mann die neue Wohnung in Brooklyn bezogen hatte. Doch irgendwie scheint sich das Drama fortzusetzen. Während andere in Mutterliebe vergehen, setzen sich ihre negativen Denkstrukturen fort, insofern sie aus ihrem Gebirge von Selbstzweifeln keinen Ausweg zu finden scheint.

Wie so oft schweift sie ab und driftet quer und scheinbar wahllos von der griechischen Mythologie über literarisch-schwergewichtige Zitate bis hin zur wenig fassbaren Realität des Universums. Beim Manichäismus kurz verweilend, fasziniert sie deren Lehre vom gefangenen Licht. Die Projektion auf ihr Kind ist in ihrer Wirkung kontraproduktiv, denn wenn sie ihr in die fast schwarzen Augen sieht, erntet sie, ihrer Auffassung nach, einen verlorenen Blick, "als wäre mein Körper eine Insel, an die es sie als Schiffbrüchige verschlagen hatte".

Sie wagt sich kaum aus dem Haus mit ihrem Kind. Ihre notwendigen Gänge plant sie stets so, dass sie mit dem schreienden Baby schnell wieder zu Hause sein kann. Auch den neugierigen Nachbarn bleibt nicht verborgen, dass ihr Kind oft weint. Kein Wunder, möchte man denken.

Ihre Erinnerungen tauchen auf, quälen sie eine Weile und verschwinden dann wieder. Wie die an jenen Trinker in New Orleans und an jene Bar, wo sie ihn einst getroffen hatte. Wochenlang fuhren sie "wortlos umher", und jeder schien auf seine Art allein zu sein. Auch das konnte nicht gutgehen, und schließlich packte sie ihre Sachen und fuhr allein umher. Die Zeit war schnell vergessen: "Da war nichts, woran ich mich erinnert hätte."

Eine Freude, wenn das Kind endlich zu schreien aufhört, gibt es offenbar nicht. Zwar hat sie plötzlich Momente der Ruhe, auch wenn es nur "eine winzige Stelle" in ihrem Kopf ist, doch kann sie Inseln der Freiheit nicht greifen. Statt dessen fällt sie wieder in ihre Erinnerungen zurück. Sechzehn war sie damals und lebte noch in Savannah/Georgia. Die Zeit ist verschwunden, doch fühlt sie heute wie damals, denn alles kommt ihr "befremdlich und nutzlos" vor.

Fast könnte man sich etwas aufregen über so viel selbstzweiflerische Destruktivität, wären da nicht Jenny Offills wunderbare Fähigkeiten, jenes Drama in Worte zu fassen. In einer geradezu selbstverständlichen Art und Weise skizziert sie die ungeheure Tiefe dieses Dramas. Fast leichtfüßig und auf seltsame Weise abgeschirmt, folgen wir der Spur einer Zweisamkeit, der das Glück alle Chancen gab.

Doch über jedem Anflug von Glückseligkeit schwebt unsichtbar der Untergang. Die Vergänglichkeit aller Dinge ist ständiger Gast, und als Leser kann man sich dem drohenden Ungemach nur schwer entziehen. Da sind Menschen, die nicht wissen, was sie wollen und in ihren immer weiter wuchernden Fragen die Orientierung verlieren.

Die Autorin verschenkt Worte mit ambivalentem Klang, und wenn wir ehrlich sind und den sonnigen Vorhang etwas beiseite schieben, kennen wir die Stimmungen, Momente und Erkenntnisse sehr gut. Man möchte ihnen nur nicht zu nahe treten. Ein leiser Anflug von der Idee eines Lebens, das vielleicht falsch sein könnte, wäre ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

Was für ein wunderbares Buch. Trotz allem. Ein poetisches Konzentrat aus Leben. Menschen, die sich in Beiläufigkeit verlieren. Menschliches Treibholz. Momentaufnahmen aus dem ewigen Fluss. Man könnte erschrecken, weglaufen, oder es als Trost begreifen: "Es gibt mehr Sterne, als man jemals benötigen könnte."

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