Das Buch der Spiegel

Kriminalroman

Taschenbuch
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Die Wahrheit des einen ist die Lüge des anderen.

Als der Literaturagent Peter Katz ein Manuskript des todkranken Autors Richard Flynn erhält, ist er fasziniert, denn darin geht es um die 25 Jahre zurückliegende Ermordung eines bekannten Princeton-Professors. Der Fall wurde nie aufgeklärt, und Katz vermutet, dass Flynn entweder den Mord gestehen oder den Täter enthüllen wird. Doch das Manuskript endet abrupt – und Flynn ist zwischenzeitlich verstorben. Wild entschlossen, das Ende der Geschichte zu erfahren, verbeißt sich Katz in den Fall. Dabei scheint er sich jedoch immer weiter von der Lösung zu entfernen. Denn im Spiegel der Erinnerung sieht er mehr als nur eine Wahrheit ...

»Das ist Unterhaltungsliteratur auf hohem Niveau, im Thriller-Genre ein herausragendes Buch.«

Denis Scheck

Aus dem Englischen von Werner Schmitz, Silvia Morawetz
Originaltitel: The Book of Mirrors
Originalverlag: Century
Taschenbuch, Klappenbroschur, 384 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-48755-4
Erschienen am  18. Juni 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Stell dir vor, du liest ein Manuskript, das einen tatsächlichen Mord beschreibt

Von: Birgit Pirker

22.02.2019

Stell dir vor, du liest ein Manuskript, das einen Mord beschreibt. Doch es ist kein gewöhnlicher Krimi, denn das Opfer hat es wirklich gegeben und der Mord ist tatsächlich in den 80er Jahren passiert. Die Polizei konnte den Täter nie überführen! Dem Literaturagenten Peter Katz wurde ein Manuskript zugesandt. Darin schreibt Richard Flynn über die Ermordung Professor Joseph Wieders, einer herausragenden Gestalt in der Geschichte der amerikanischen Psychologie. Die Erzählung spielt 1987 an der Universität Princeton und bricht leider unmittelbar nach der Ermordung ab. Von einem zweitem Teil fehlt jede Spur … Dennoch: Peter Katz ist Feuer und Flamme. Da der Autor vor einigen Wochen an einem Krebsleben verstorben ist, bittet er kurzerhand seinen Freund John Keller, seine journalistischen Netzwerke nach Kontakten von damals Beteiligten, Informanten oder Ermittlungsergebnissen zu durchforsten. Doch was John zutage fördert, hat mit der Geschichte Richards zwar oberflächlich zu tun, gleicht aber eher einem Zerrspiegel dessen, was Richard geschrieben hatte. Doch aller guten Dinge sind bekanntlich Drei und so kommt der pensionierte Polizist Roy Freeman ins Spiel, der damals mit der Ermittlung betreut wurde. Roy soll das Rätsel im Spiegelkabinett schließlich entwirren, denn nichts ist so, wie es zu Beginn erscheint. In „Das Buch der Spiegel“ bekommen wir es mit einem sehr kniffligen Kriminalfall zu tun, der auf den ersten Blick und in seinen Motiven sehr eindeutig wirkt. Bei genauerem Hinsehen ist der Roman jedoch psychologisch sehr hintergründig und facettenreich. Alles und Nichts kann wahr sein, da nach der langen Zeit vieles nicht mehr bewiesen werden kann. Die eigentliche Ermittlungsarbeit war für mich gar nicht so spannend. Was „Das Buch der Spiegel“ so besonders macht, ist der Umgang mit der Wahrheit und wie unterschiedlich Tatsachen wahrgenommen werden! Wie diese durch Zeit und Erinnerungen manipuliert werden können, bis es so viele Versionen von ihr gibt, dass es fast unmöglich wird, zum Ursprung zurückzukehren. Diese Manipulation geschieht oftmals unbewusst und ist ein Mechanismus des menschlichen Verstandes um sich zu schützen. Beim Lesen fragt man sich dennoch, welche Wahrheit nun wirklich die Richtige ist … und welcher der Erzähler unbewusst durch eine rosarote Brille beeinflusst wird?! Eugene O. Chirovici schreibt sehr ruhig und klar, mit vielen Hintergedanken und großem Sprachschatz. Er bringt mit Tempo die Geschichte voran und fügt immer wieder ein neues verwirrendes Mysterium hinzu und fördert so das Unglück, das wohl alle befällt, der manipulativen Kraft Joseph Wieders zu tun hatten. Selbst die Ermittler in der Gegenwart sind noch von seinem Einfluss betroffen. Zusätzlich hat mich das Wechseln der Erzählperspektiven besonders mitgerissen. Der Autor gestaltet seine Erzähler sehr unterschiedlich und interessant. Ein unterhaltsamer und spannender Roman, der das interessante Thema „Wie funktioniert unser Gedächtnis“ mit Krimi-Elementen verbindet und dem Leser klar macht, dass nicht alles, was als Lüge daher kommt, auch wirklich eine Lüge sein muss.

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Wie trügerisch sind unsere Erinnerungen?

Von: Lector in fabula

17.01.2019

Ich bin kein großer Thriller-Leser, das muss ich gleich zugeben. Nicht, dass mich das Genre grundsätzlich nicht interessiert: Im Gegenteil, besonders im Medium Film reizen mich gut gemachte, spannende Geschichten außerordentlich. Es gibt wohl keinen Regisseur, der mich derart beeindruckt und beeinflusst hat wie Alfred Hitchcock (1899-1980). Dem nach Amerika ausgewanderten Briten, der sein Handwerk noch in der Stummfilmzeit gelernt hatte, gelang es in den 50er und frühen 60er Jahren, den Thriller endgültig aus der B-Movie-Schublade zu befreien. Seine besten Filme erzählen spannende Plots auf ästhetisch brillante Art. Das ‘Wie’ des Erzählens, die Bildsprache, ist bei Hitchcock mindestens ebenso wichtig wie das ‘Was’, die erzählte Geschichte. In der Gegenwart denkt man an Regisseure wie David Fincher (Sieben, Fight Club) oder Christopher Nolan (Memento, Inception), denen die Verbindung von Unterhaltung und Anspruch auf ihre Art ähnlich überzeugend gelingt wie dem Meister des Suspense. In der Literatur sind Autoren dieses Schlages leider Mangelware. Zu oft liegt das ganze Gewicht auf der Entwicklung eines möglichst effektvollen Plots; zu oft werden Charaktere ebenso vernachlässigt wie das Allerwichtigste, was es in der Literatur gibt: die Sprache. Sie ist die Essenz jedes literarischen Werkes. Ist die Sprache mittelmäßig, kann mich ein Buch nicht für sich einnehmen. Und wenn, wie bei manchen erfolgreichen Thrillerautoren, jegliche Figurenlogik einer maximal spektakulären Story-Auflösung geopfert wird, fühle ich mich als Leser betrogen. Mit Literatur also haben etwa die Produkte von Sebastian Fitzek oder Jo Nesbø so viel zu tun wie Dosenravioli mit italienischer Küche. Aber gelegentlich gibt es sie ja doch, die guten, klugen Thriller, die nicht nur oberflächlich die Zeit vertreiben, sondern auch zum Denken anregen. Die noch nachhallen, wenn die letzte Seite verschlungen ist, und den Leser nicht mit falscher Syntax und schlechten Metapher belästigen. Ein solches Buch ist das jüngste Werk des rumänischen Schriftstellers E. O. Chirovici (*1964). Das Buch der Spiegel (engl. The Book of Mirrors, 2017) ist nicht sein erster Roman, aber sein erster in englischer Sprache. So etwas gelingt selten, denn Sprach- und Kulturwechsler haben es in der Literatur meist schwer – Ausnahmen wie Joseph Conrad, Vladimir Nabokov und Hilde Spiel bestätigen die Regel. Nicht so im Fall Chirovici: Das Buch des Rumänen schlug 2017 auf dem US-amerikanischen Buchmarkt wie eine Bombe ein und wurde dann auch in Europa kräftig bejubelt. So groß ist der Erfolg, dass sich der intrinsische Literatur-Snob zu regen beginnt und die ketzerische Frage aufwirft: Kann etwas gut sein, das so viele Menschen gut finden? Es kann. Denn in Chirovicis Roman dreht sich alles um eine Frage, die sich wohl jeder Mensch in seinem Leben schon dutzende Mal gestellt hat, ohne eine sichere Antwort zu wissen: Wie wahr sind unsere Erinnerungen? Wie sehr weicht das, was unser Gedächtnis speichert, von dem ab, was tatsächlich passiert ist? Gleich zu Beginn von Das Buch der Spiegel flattert dem Literaturagenten Peter Katz ein geheimnisvolles Manuskript ins Haus. Der Autor – ein gewisser Richard Flynn – kündigt die Aufklärung eines lange zurückliegenden, spektakulären Mordfalls an: Vor dreißig Jahren wurde der renommierte Psychologieprofessor Joseph Wieder in seinem Haus in Princeton brutal erschlagen. Ein Täter konnte nicht ermittelt werden. Flynn, ehemaliger Student Wieders, behauptet in seinem Manuskript, den Mörder zu kennen und jetzt zu enthüllen. Zunächst schildert Flynn seine Beziehung zu Wieder. Als junger Student lernt er durch seine neue Mitbewohnerin, die ebenso kluge und ehrgeizige wie attraktive Laura Baines, den berühmten Professor kennen. Laura ist Wieders Assistentin und verhilft Flynn zu einem Nebenjob in dessen Privatbibliothek. Flynn ist sich nicht sicher, wie Laura und Wieder wirklich zueinander stehen. Haben sie außer der beruflichen Beziehung auch ein sexuelles Verhältnis miteinander? Laura verneint das, aber Flynn bleiben Zweifel. Immer stärker gerät er selbst in den Bann seiner Mitbewohnerin und verliebt sich in sie. Schließlich beginnen sie, so schildert es Flynn, eine Beziehung. Was aber ist das für ein geheimnisvolles Projekt, an dem Laura und Wieder arbeiten? Flynn erfährt nur Weniges: Offenbar scheint es um die nachträgliche Manipulation von Erinnerungen zu gehen, die etwa für die Therapie traumatisierter Soldaten nutzbar gemacht werden soll. Wieder hat in diese Richtung schon einige angewandte Forschungen durchgeführt. Da gibt es etwa Derek Simmons, der als eine Art Hausmeister bei Wieder arbeitet und für den Mord an seiner Ehefrau im Gefängnis gesessen hat. Als Gutachter hat Wieder Simmons entlastet und anschließend therapiert. Aber ist der Mann so unschuldig, wie er behauptet und Wieder geglaubt hat? Bevor Flynn den Mord schildern und den Täter nennen kann, bricht sein Text ab. (So kann es gehen, wenn Literaturagenten nur Textproben zugesandt bekommen wollen.) Als Katz den Autor aufsuchen will, um von ihm das ganze Manuskript zu erhalten, muss er feststellen, dass Flynn mittlerweile verstorben ist und vom Rest seines Werkes jede Spur fehlt. Flynn gibt auf, aber es gelingt ihm, seinen Freund, den Journalisten John Keller, auf den Fall anzusetzen. Keller recherchiert weiter, doch des Rätsels Lösung bleibt schwierig. Schließlich gibt es noch einen dritten Erzähler, den pensionierten Polizisten Roy Freeman, der schon früher an dem Fall gearbeitet hat und sich nun – nach den Recherchen von Katz und Keller – noch einmal an den alten Fall wagt. Alles daran, soviel sei hier verraten, ist ganz anders als es zunächst den Anschein hatte. Man staunt als Leser, wie gekonnt Chirovici in seinem Roman mit Formen der anspruchsvollen Literatur und des Unterhaltungsromans spielt. Die drei Erzähler führen unterschiedliche Wahrheiten derselben Geschichte zutage, die einander erheblich widersprechen. Aber welche Version ist die richtige? ‘Wahrheit’, so zeigt es der Roman, bleibt ein brüchiges, trügerisches Konzept, das immer neu bestimmt werden will. Ein wenig bedauerlich ist jedoch, dass sich die Erzähler in ihrer Sprache so wenig unterscheiden und auch als Figuren eher blass bleiben. Auch über Laura Baines hätte man gerne mehr erfahren, aber der Charakter verschwindet allzu schnell wieder aus dem Fokus des Erzählens. Lauras Porträt bleibt letztlich unvollständig. Und doch: Romane wie dieser, die unterhalten, ohne zu unterfordern, die geistreich und spannend zugleich sind und subtil die Genregrenzen sprengen, muss man loben. Es gibt sie – leider – zu selten.

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Vita

Eugene Chirovici stammt aus einer rumänisch-ungarisch-deutschen Familie aus Transsilvanien und wohnt heute mit seiner Frau in Brüssel. In Rumänien hat er sehr erfolgreiche Romane veröffentlicht. Sein erster Roman in englischer Sprache, »Das Buch der Spiegel«, das unter dem Namen E.O. Chirovici erschienen ist, hat für eine internationale Sensation gesorgt und wurde in über 40 Länder verkauft.

Zur AUTORENSEITE

Silvia Morawetz

Silvia Morawetz, geb. 1954 in Gera, studierte Anglistik, Amerikanistik und Germanistik und ist die Übersetzerin von u.a. Janice Galloway, James Kelman, Hilary Mantel, Joyce Carol Oates und Anne Sexton. Sie erhielt Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds, des Landes Baden-Württemberg und des Landes Niedersachsen.

zum Übersetzer

Pressestimmen

»Blendend unterhaltsam und spannend. Ein virtuoses Spiel.«

Literatur Spiegel

»Ein brillant geschriebenes Verwirrspiel um ein geheimnisvolles Manuskript. Ein großartiges Werk.«

Stern

»Ein grandioses Werk über die menschliche Psyche«

BUNTE

»Das brillant geschriebene Verwirrspiel um ein geheimnisvolles Manuskript sorgt für nachhaltiges Lesevergnügen.«

Echo zum Sonntag (29. Juli 2018)