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Das geniale Gedächtnis Wie das Gehirn aus der Vergangenheit unsere Zukunft macht

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Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-328-10124-6

DEMNÄCHST
Erscheint: 09.05.2017

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Unser Gedächtnis ist ein Speicher für Erinnerungen – dachten wir bisher. Doch die neueste Forschung zeigt: Das Gehirn kann weit mehr, als Vergangenes nur aufzubewahren. Anschaulich und anhand überraschender Beispiele erklären Hannah Monyer und Martin Gessmann das Gedächtnis auf radikal neue Weise: als höchst kreatives Zukunftsorgan, das bestimmt, was wir uns merken, wie wir lernen und wer wir sind. Und das so aus unserer Vergangenheit unsere Zukunft macht.

Hannah Monyer (Autorin)

Hannah Monyer, 1957 in Rumänien geboren, studierte in Heidelberg Medizin. Heute leitet die mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnete Hirnforscherin die Abteilung der Klinischen Neurobiologie am Universitätsklinikum Heidelberg.

Martin Gessmann, geboren 1962, beschäftigt sich als Philosoph mit der Gegenwartskultur. Seit 2011 ist er Professor für Kultur- und Techniktheorie an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main.


Martin Gessmann (Autor)

Martin Gessmann, geboren 1962, beschäftigt sich als Philosoph mit unserer Gegenwartskultur. Er studierte in Tübingen, Nantes und Washington D.C. Es folgte eine Karriere als Kulturjournalist. 2010 wurde er in Heidelberg zum Professor für Philosophie berufen, seit 2011 ist er Professor für Kultur- und Techniktheorie und Ästhetik an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main.

ERSTMALS IM TASCHENBUCH

Originaltitel: Das geniale Gedächtnis
Originalverlag: Knaus, München 2015

Taschenbuch, Broschur, 256 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-328-10124-6

ca. € 10,00 [D] | ca. € 10,30 [A] | ca. CHF 13,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Penguin

DEMNÄCHST
Erscheint: 09.05.2017

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Rezension zu ‘Das geniale Gedächtnis’

Von: Walter Weiss Datum: 16.02.2016

(1) Ich vermisse eine an den Anfang zu stellende gründliche Definition dessen,
was sich die Verfasser unter ‘Denken’ und ‘Verstand’ vorstellen.
Das ist ja schließlich das Handwerkszeug, dessen sie sich im ganzen Buch
bedienen. Man hätte also, um überhaupt einen so nahe am Verständnis angesiedelten
Text zu verstehen, eine Vorab-Beschäftigung mit diesen Begriffen
erwarten können.

Zumal eine solche Vorab-Beschäftigung wahrscheinlich eine Fülle von dem
Material, das die Verfasser ausbreiten, weniger mit dem Gebiet des Gedächtnisses
zu tun gehabt hätte als mit Denken und Verstehen, also den
Tätigkeiten, die VOR der Bildung von Gedächtnisinhalten stehen.
Dabei ist natürlich zu berücksichtigen: Eine umfassende Theorie, wie es um
das Denken und den Verstand steht, existiert bisher nicht. Hirnforscher tun
sich insofern mit Recht schwer, weil sie - trotz vieler Wörter - bisher immer
nur allerwinzigste Bereiche des Gehirns meinen verstehen zu können. Und
Philosophen versagen bisher offenbar auch: wenn sie überhaupt der Mühe
wert halten, eine entsprechende Theorie zu entwickeln, nehmen sie häufig
als logische Basis undiskutierbare Annahmen wie Religion, Sprache oder gar
angebliche Essentialien jeder Art.

Es fehlt also eine - natürlich allein naturwissenschaftliche - Theorie über das,
was man mit dem Inhalt und den Ursprüngen von Denken und Verstand
meinen könnte.

In solchen Fällen wird in den Naturwissenschaften eine Arbeitshypothese aufzustellen
sein, die anschließend nach Möglichkeit mit Inhalt versehen werden
muß, um ihre Brauchbarkeit - oder Unhaltbarkeit - darzulegen oder sogar zu
beweisen.

In Ermangelung einer solchen erkennbaren Arbeitshypothese habe ich vor
Jahren eine konkrete Hypothese dieser Art aufgestellt und in meinem Text
‘Exzerpt’ definiert. Ich halte sie nach wie vor für zweckmäßig und brauchbar.
Sie würde auch zum Buch ‘Das geniale Gedächtnis’ passen - allerdings eine
ganze Reihe von dort gewonnenen Erkenntnissen relativieren.

(2) Zu einigen Einzelheiten möchte ich bemerken:

(2.1) Wenn die Verfasser meinen, die Konstruktion dessen, was sie unter
‘Gedächtnis’ verstehen, nicht mit irgendwelchen anderen Gebilden vergleichen
zu können: Wie wäre es mit der einfachen Überlegung, dass
es ein wirklich treffendes Vergleichsbild gar nicht gibt, gar nicht geben
kann, eben weil keins existiert und wegen der übergroßen Kompliziertheit
auch gar nicht existieren kann?

(2.2) Das Konstrukt (um nicht zu sagen Schlagwort) eines ‘kollektiven Gedächtnisses’
geht meiner Meinung nach fehl. Ich habe den Eindruck,
die Verfasser vermieden allzu offensichtlich die Erwähnung der WIKIPEDIA.

(2.3) Alzheimer und Demenz erklären die Verfasser allzu einseitig mit dem
Verlust des Gedächtnises (wie ja überhaupt die Tendenz zu beobachten
ist, alles und jedes mit Gedächtnis in Verbindung zu bringen) -
dabei sind die Ursachen dieser Krankheiten doch erkennbar logisch
früher anzusetzen, nämlich mit Defekten an der Fähigkeit, zu denken,
also der Zerstörung der Hirnareale, die den Verstand darstellen.

(2.4) Obwohl an einigen Stellen - einigermaßen am Rande - die Evolution
vorkommt, vermisse ich eine umfassende Beschäftigung der Verfasser
mit den Fragen, wann überhaupt die Fähigkeit, Erinnerung zu bilden,
in der Vergangenheit entstanden ist und ob seit diesem Zeitpunkt
evolutionstechnisch überhaupt die für eine wirkliche Evolution
von der Wissenschaft geforderten Komponenten einer genetischen
Festlegung erfüllt worden sind. Denn ich gehe davon aus, dass
die Verfasser die für sie ganz entscheidende Rolle des Gedächtnisses
als genetisch angelegt betrachten.

Sollte ich den Text missverstanden haben, sollten die Verfasser also
der Meinung sein, diese entscheidende Rolle des Gedächtnisses sei
NICHT genetisch angelegt, müßten sie allerdings doch sehr genau
darlegen, auf welche Weise denn dann jeder Mensch diese Rolle des
Gedächtnisses erst während seines Lebens gelernt haben soll.

Interessantes Thema, etwas trocken dargeboten

Von: Michael Lehmann-Pape Datum: 07.01.2016

www.rezensions-seite.de

Das kostet schon auch ein Stück weit Konzentration, die Art und Weise, wie die beiden Autoren ihre durchaus interessanten Zusammenfassungen und Analysen des Status Quo der „Gedächtnisforschung“ dem Leser vor Augen führen.

Dass das Gedächtnis nicht einfach eine Art Festplatte mit „digitalem Zugriff“ ist, sondern, ganz im Gegenteil, ein organischer, interpretierender, subjektiv auswählender und gar verfälschender Aspekt des Lebens sein kann, dass die Art, wie der Mensch seine eigene Geschichte „schreibt“ (somit die eigenen Erfahrungen „gedeutet“ betrachtet) und damit, natürlich, die aktuelle Haltung sich und der Welt gegenüber und damit die Gestaltung und Herangehensweise an die Zukunft existenziell beeinflusst werden, das allerdings ist zwar nicht neu, aber in dieser klaren und fundierten „Rundum-Beschreibung“ hoch informativ zu lesen.

Anhand durchaus griffiger Bilder und Beispielen erläutern die Autoren im weiteren Verlauf (nach einer grundlegenden Darlegung auch statistischer Fakten), wie das Gedächtnis funktioniert, welchen Einfluss es nimmt, wer eigentlich „im Gehirn dirigiert“.

Noch spannender folgt dann im zweiten Hauptteil die lebendig wirkende, sehr verständlich dargelegte Erläuterung, „wie wir zu dem werden, was wir sein wollen“. Zumindest zunächst in den Träumen, diese aber eben auch verstanden als „Bühne des Lebens“, auf der das Gehirn, gespeist aus dem Gedächtnis und möglichen „Hochrechnungen“ für die Zukunft Spielarten erprobt, Varianten darbietet, innere Wünsche bildhaft zum Tragen kommen lässt und damit ein „Lernen im Schlaf“ stattfindet, dass sehr wohl klare Auswirkungen auf die zukünftigen Schritte der Person nimmt. Dabei nicht locker lässt und „aus einzelnen Tönen“ eine „Melodie“ formt. Die vielleicht nicht real und nicht einfach so umsetzbar ist, aber nachhallt, verwirrt und Impulse gibt.

Und das dies alles nicht nur auf individueller Ebene stattfindet, sondern es auch ein „soziales Gedächtnis“ gibt, dass „gemeinschaftliche Träume“ vorhanden sind, beeinflusst werden können (sonst gäbe es gar keine allgemein treffende Werbung), oder auch kollektive Erinnerung „umgedeutet, umgeschrieben“ werden könnten, auch das bietet eine fundierte und sachlich informative Lektüre im Buch.

Zudem erläutern die Autoren die verschiedene Gewichtung von Erinnerungen und warum diese entsteht, aber auch, wie grundlegende „Einprägungen“ für das individuelle und kollektive Leben Sinn machen. Einerseits. Wie andererseits aber auch gilt, dass solche tief verankerte Gedächtnisabläufe Veränderungen und das Einstellen auf neue Situationen erschweren können.

All dies ist dabei nicht nur neurobiologisch interessant, sondern zeigt seine Auswirkungen umgehend in Lebenshaltung und Lebensgestaltung von Individuen und sozialen Gruppen und eröffnet eine gegenseitige Anreizung von biologischen Reizen und philosophischen Überzeugungen und Interpretationen.

So wird stimmig im Rahmend er Lektüre deutlich, „das Gedächtnis in einem umfassenden Zusammenhang zu verstehen, und das heißt im Besonderen, es nicht nur als Datenspeicher, sondern als einen Lebensplaner anzusehen“.

Eine Funktions-, eine „Lebensweise“, die gerade in der modernen Welt der „Vernetzung“ beste Voraussetzungen findet, sich als „Interpret“ in das Leben einzubringen und nicht auf eine Funktion als „Datenspeicher“ reduziert zu werden.

Eine sehr anregende, informative, eher im Stil wissenschaftliche Lektüre.

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