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Der Bibliothekar, der lieber dement war als zu Hause bei seiner Frau Roman

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Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-442-71324-0

Erschienen: 08.02.2016
Dieser Titel ist lieferbar.

Weitere Ausgaben: Paperback, eBook (epub)

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Es muss doch noch mehr geben als eine langweilige, vorgezeichnete Existenz ins Grab hinein, eine lieblose Ehe, die einem jede Selbstachtung raubt, und Kinder, die einem fremd sind – sagt sich der gut siebzigjährige Désiré Cordier eines schönen Tages. Und entwirft eine ungewöhnliche Strategie: Er beschließt, einen auf dement zu machen. Die Rolle des senilen Vergesslichen bereitet dem ehemaligen Bibliothekar nicht nur ein diebisches Vergnügen, er spielt sie auch so gut, dass ihn die Familie schließlich ins Pflegeheim bringt, wo er endlich frei zu sein meint …

Dimitri Verhulst (Autor)

Dimitri Verhulst, geboren 1972, gilt als einer der besten flämischen Schriftsteller und wird oft mit Louis Paul Boon und Hugo Claus verglichen. Sein Roman "Die Beschissenheit der Dinge" wurde u.a. mit der "Goldenen Eule" prämiert und war ein Bestseller. Die Verfilmung wurde in Cannes ausgezeichnet, die englische Ausgabe von der Irish Times zu einem der Best Books of 2012 gekürt. Für "Gottverdammte Tage auf einem gottverdammten Planeten" bekam er den Libris-Literaturpreis. Dimitri Verhulsts Werke sind in 25 Sprachen übersetzt.

Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten
Originaltitel: De laatkomer
Originalverlag: Uitgeverij Atlas Contact

Taschenbuch, Broschur, 144 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-442-71324-0

€ 7,99 [D] | € 8,30 [A] | CHF 11,50* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: btb

Erschienen: 08.02.2016

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Paperback)

Die Geschichte hält der Welt ein wenig einen Spiegel vor

Von: Buchrättin aus h Datum: 21.07.2014

Ein heikles Thema für einen Roman. Ein Buch über einen eigentlich gesunden älteren Mann im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte, der zu dem ein begnadeter Schauspieler ist. Das Leben mit seiner Frau frustriert ihn, schon jahrelang. Nun im Alter mit dem Nachlassen der körperlichen Kraft bleibt ihm nur die Aussicht auf eine kleine Wohnung mit Balkon auf der die beiden noch enger zusammen sein werden. Ein Graus für ihn, bis ihm die Idee kommt- er wird einfach dement.
Unglaublich? Ein wenig schon. Akribisch beschreibt der Mann wie er seine Demenz entwickelt, immer auch darauf achtend nicht zu viel und zu überschwänglich zu sein. Die Reaktionen der Außenwelt, das Abwerten seiner Handlungen, das hämische Lachen einiger Mitbürger, die Fassungslosigkeit seiner Familie.
Es ist ein wenig, als ob der Erzähler der Welt einen Spiegel vorhält, wie würde jemand, der an Demenz erkrankt ist, das Verhalten seiner Mitmenschen beurteilen, wenn er es denn könnte. Seine scharfe Beobachtungsgabe der Mitmenschen, die fast ein wenig sarkastisch anmutende Bemerkungen zu dem Verhalten seiner Mitmenschen, das fand ich sehr gelungen.
Was mir gefiel war auch die direkte Ansprache des Lesers. Der Ich -Erzähler zieht mich, in seine Geschichte mit hinein und lässt mich ein Teil dieser doch etwas merkwürdigen Welt werden.
Als Leser macht einen das Buch durchaus nachdenklich. Was bringt einen Mann dazu, sein Leben aufzugeben und so in dieser zunehmenden Hilflosigkeit zu verharren, obwohl er eigentlich geistig gesund ist. Aber auch das Verhalten des Umwelt, die Häme, Schadenfreude, Neugier, er hält einem einen Spiegel vor. Das stimmt einen doch nachdenklich in einigen Situationen, wie diese Kranken auch ignoriert und behandelt werden.
Trotzdem ließ mich die Geschichte auch schmunzeln und ich spürte die Genugtuung, die bei dem ehemaligen Bibliothekar rüber kam, wenn er seiner Frau quasi einen auswischen konnte mit seinem unmöglichen Verhalten, für das er ja eine Art Freifahrtschein durch die Krankheit bekam-eine Art Selbstbestimmung über sein Leben, auch wenn er es quasi komplett in fremde Hände gab.

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