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Die Annäherung Roman

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Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-442-71591-6

DEMNÄCHST
Erscheint: 12.03.2018

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Theo spürt, dass er am Ende seines Lebens angekommen ist. Er ist alt und nun, nach einem Schwächeanfall, auch noch pflegebedürftig. In Gedanken zieht er Bilanz, trauert um seine früh verstorbene erste Frau, erinnert sich an nie mehr wiedergutzumachende Versäumnisse und verliert dabei seine Tochter Frieda und seine jetzige Frau Berta aus dem Blick. Erst die junge ukrainische Pflegerin Ludmila versteht es, sein Herz zu erreichen, sie kommt ihm so nah, wie Frieda es nie war. Und obwohl für Frieda diese Nähe unbegreiflich und schmerzlich ist, erfüllt sie, als Ludmila in ihre Heimat zurückkehrt, den Wunsch des Vaters, sie zurückzubringen. Doch Friedas Reise wird auch zu einer Spurensuche in die Vergangenheit ...

2015 erhielt Anna Mitgutsch das Ehrendoktorat der Universität Salzburg zur Laudatio

Anna Mitgutsch (Autorin)

Anna Mitgutsch, 1948 in Linz geboren, unterrichtete Germanistik und amerikanische Literatur an österreichischen und amerikanischen Universitäten, lebte und arbeitete viele Jahre in den USA. Anna Mitgutsch ist eine der bedeutendsten österreichischen Autorinnen und erhielt für ihr Werk zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Solothurner Literaturpreis. Sie übersetzte Lyrik, verfasste Essays und zehn Romane, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden.

Taschenbuch, Broschur, 448 Seiten, 11,8 x 18,7 cm, 1 s/w Abbildung

ISBN: 978-3-442-71591-6

ca. € 11,00 [D] | ca. € 11,40 [A] | ca. CHF 15,50* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: btb

DEMNÄCHST
Erscheint: 12.03.2018

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Der Roman überstreicht einen Zeitraum von etwas mehr als einem Jahr, das erste und das letzte Kapitel des Buches, das nach den Jahreszeiten unterteilt ist, spielen im Winter. Es ist das letzte Lebensjahr des sechsundneunzigjährigen Theos, der gleich zu Beginn der Handlung einen Schlaganfall erleidet, sich davon jedoch recht gut wieder erholen kann. Daher ist Die Annäherung auch ein Buch über das Altern, das Alt-werden und das Warten auf den Tod, ein Buch, das diesen Teilen des Lebens sensibel und genau nachspürt. Theo, der praktisch so begabt war, fast alles reparieren konnte, wird immer unselbstständiger, braucht immer mehr Hilfe, zum Schluss sogar bei den besonders schambesetzten Funktionen seines immer hinfälliger werdenden Körpers. Er konnte fast alles reparieren, dieses ‚fast‘ ist wichtig, denn es ist das Schicksal, das ihm zweimal seinen Berufswunsch zerstörte: seine Lehre als Uhrmacher konnte er nicht beenden, weil sein Meister starb und Feinmechaniker konnte er seiner Kriegsverletzung an der Hand wegen nicht mehr werden. Überhaupt war sein Leben von Armut und Beschränkung geprägt. Der Nachzügler auf einem alten Hof, das zwölfte Kind, siebzehn Jahre nach dem ersten….

Nach dem Krieg die Hochzeit mit der Tochter des Bürgermeisters, aber gesellschaftlich aufgestiegen war er nicht deswegen. Und gut ging die Ehe auch nicht… Bis Wilma dann starb und er ein Jahr später Berta kennenlernte und sich die pubertierende Tochter Theos und Wilmas, Frieda, sofort gegen die neue Frau stellte. Sie nahm es dem Vater übel, daß er so schnell nach Mutters Tod eine neue Frau gefunden hatte. Peu a peu entblättert sich für uns Leser das Leben dieser drei Menschen, aus immer wieder anderen Gesichtspunkten (die einzelnen Abschnitten werden alternativ aus der Perspektive von Theo und Frieda erzählt) schildert Mitgutsch die Ereignisse, so daß häufig die Eindrücke, die man gewonnen hat, revidiert werden müssen. Es gibt eben nicht die Wahrheit, für jeden hat die Wahrheit auch einen subjektiven Anteil. Es gibt die Zwischentöne, die Frieda damals nicht sehen wollte und die sie immer noch nicht sieht.

Weder Theo, noch Berta oder Frieda kommen aus ihren Rollen und Verhaltensweisen heraus. Theo ist derjenige, der um des Friedens und seiner Ruhe willen zu allem Ja und Amen sagt, Berta achtet darauf, daß niemand Theo zu nahe kommt und Frieda ist unfähig, aus ihrem emotionalen Wagenburg herauszutreten. Wesentlich ist das Verhältnis von Vater und Tochter, von Theo und Frieda. Auch hier erweist sich erst spät, daß die zurückhaltende Art Theos gegenüber seiner Tochter auch seine Gründe hat – mag man sie billigen oder nicht, sie scheinen erst einmal nachvollziehbar. Und Friedas schon in früher Jugend einsetzende geradezu Besessenheit von der Frage nach der Schuld des Vaters im Krieg hat das Verhältnis ebenfalls nicht gerade gut getan. So sitzen sie jetzt, Jahrzehnte sind vergangen, unfähig, sich zu berühren, die Hand des anderen zu nehmen und zu halten, geschweige dann eine Umarmung.. immer, wenn sie ihm zu nahe kam, ergriff ihn Unbehagen. … diese Stelle der Tochter sollte dann für kurze Zeit Ludmila einnehmen.

Die Annäherung ist ein gedankenschwerer Roman über persönliche Schuld und Verantwortung, über die Unbarmherzigkeit derjenigen, die nach der Wahrheit suchen und der Gerechtigkeit. Es ist ein Roman über die Unfähigkeit zu verzeihen, eine Geschichte über die Sehnsucht auch nach Nähe, die dadurch unerfüllt bleibt. All das wird nachdenklich uns einfühlsam dargestellt, aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt und bringt festgefügte Ansichten immer wieder durcheinander.

Die vollständige Besprechung ist unter 'https://radiergummi.wordpress.com/2016/09/14/anna-mitgutsch-die-annaeherung/' zu lesen

Juli Zeh „Unterleuten“, Lesung im Kaufleuten Zürich

Von: Gallus Frei-Tomic Datum: 01.06.2016

www.literaturblatt.ch

Juli Zeh „Unterleuten“, Lesung im Kaufleuten Zürich

Juli Zeh, in der Presse und von den LeserInnen gefeierte Autorin, las im Kaufleuten, wohl dem einzigen Ort in der Schweiz, der mit grossen Namen viele hundert Besucherinnen und Besucher zu einer einzigen Lesung locken kann. Ein Abend, an dem Buch und Autorin überzeugten und der Saal die Schriftstellerin mit langem Applaus belohnte.

Mag sein, dass gewisse Schriftstellerinnen oder Schriftsteller das Image der antiquierten Veranstaltung, mit Besserwisserei, divenhaftem Getue und schwer kultiviertem Feingeist noch immer zementieren. Aber es gibt auch die anderen, Autoren wie Wolf Haas, der mit Witz einen ganzen Saal durch 90 Minuten reissen kann, Catalin Dorian Flurescu, der als Geschichtenerzähler fabuliert und fasziniert oder eben Juli Zeh, die mit scharfer Zunge, klarem Blick und grosser Erzählgeste beeindrucken kann. Eine Lesung, die mir genau das bot, was ich mir wünsche; Einsichten, Unterhaltung, Gesprächsstoff, Zunder und Genuss.
Juli Zeh hat in ihrem neuen Roman „Unterleuten“ ein Dorf erfunden, obwohl damit die Gefahr bestand, Leser und Leserinnen könnten sich erkennen, sowohl die Leser in dem Dorf, das ihr Anschauung lieferte und in dem sie seit ein paar Jahren unweit von Berlin wohnt, wie jenen hinter den Büchern, die sie als moderne Menschen entlarvt. Ein Dorf in Deutschland, in dem dieselbe Sprache gesprochen wird, in dem sich Nachbarn aber unendlich fern sind. Ein Dorf, dass zerrissen wird von Gegensätzen, Gegenteilen. Juli Zeh erzählt nicht nur eine Geschichte. Sie schreibt darüber, wie grundsätzlich verschieden Wahrheiten sein können. Gibt es etwas Objektives, etwas Wahres, das sich nicht teilen lässt? Juli Zeh vermied es gekonnt, eine Welt in Gut und Böse zu teilen. Nichts und niemand im Buch ist gut oder schlecht. So sind auch die Windräder, 610855_original_R_by_Erich_Westendarp_pixelio.dedie in diesem Roman gebaut werden sollen, für die einen Rettung, für die andern Mahnmale der Sinnlosigkeit in Beton, in den Städten geplant und in den Dörfern gebaut. Alle im Dorf geraten sich in die Haare, weil alle das Beste wollen, um jeden Preis. Der Mensch des 21. Jahrhunderts betrachte sich selbst als grenzenlos optimierbare Leistungsmasse. Man betrete nur eine Buchhandlung und betrachte, was verkauft werde. Entweder aus Angst auf der Flucht oder desillusioniert auf einen Punkt hinstolpernd. Dabei sei jeder Realist genug, dass es schnell an Hoffnung in die Zukunft fehlen müsste, weil Perspektiven verloren gegangen sind. Der Optimierungswahn mache verletzlich, weil er erschöpft, letztlich nicht von Erfolg gekrönt sein kann. „Burnout“, Erschöpfung ist keine Krankheit, sondern eine Massenerscheinung, ein beinahe kollektives Phänomen, weil Gottesfurcht und Schicksalsglaube nicht mehr entlasten.
Juli Zeh las mit einem Lächeln auf den Lippen, lustvoll, in einer Geschichte, die 10 Jahre reifte, immer wieder liegen blieb, mit der sichtlichen Freude am „Herumfingern an fremder Unterwäsche“.

Lesen und geniessen!

Organisiert und durchgeführt von Kaufleuten und Literaturhaus Zürich, moderiert von Gesa Schneider

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