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Ein Diktator zum Dessert Roman

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Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-328-10060-7

Erschienen: 14.11.2016
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Rose ist eine begnadete Köchin und betreibt ein kleines Restaurant in Marseille. Sie ist 105 Jahre alt und hat das 20. Jahrhundert mit all seinen Abgründen hautnah erlebt. Deshalb hat sie vor nichts und niemandem mehr Angst. Sie glaubt an die Kraft der Liebe, des Lachens und der Vergeltung. Für den Fall, dass ihr einer blöd kommt, trägt sie deshalb immer einen Colt in der Tasche. Sie lässt sich von ihrem jugendlichen Gehilfen auf dem Motorrad durch die Stadt kutschieren, hört Patti Smith, treibt sich auf Singlebörsen im Internet herum und fühlt sich nun endlich alt genug, ihre Memoiren zu schreiben …

„Der Autor Franz-Olivier Giesbert wählt zu der Perspektive der abgeklärten Frau eine erfrischend direkte Sprache. Eine amüsante Streitschrift für mehr Freude am Leben.“

People (12.03.2015)

Franz-Olivier Giesbert (Autor)

Franz-Olivier Giesbert, 1949 in Wilmington (USA) geboren, lebt seit früher Kindheit in Frankreich. Er ist einer der maßgeblichen Journalisten Frankreichs. 1998 wurde er Chefredakteur von Le Figaro, 2000 von Le Point und moderiert literarische Sendungen im Fernsehen. Zudem schreibt er Romane und Biografien, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde und die in viele Weltsprachen übersetzt wurden.

„Der Autor Franz-Olivier Giesbert wählt zu der Perspektive der abgeklärten Frau eine erfrischend direkte Sprache. Eine amüsante Streitschrift für mehr Freude am Leben.“

People (12.03.2015)

ERSTMALS IM TASCHENBUCH

Aus dem Französischen von Katrin Segerer
Originaltitel: La cuisinière d'Himmler
Originalverlag: Éditions Gallimard, Paris 2013

Taschenbuch, Broschur, 336 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-328-10060-7

€ 10,00 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Penguin

Erschienen: 14.11.2016

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„Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts“

Von: Literaturwerkstatt-kreativ /Blog Datum: 30.04.2017

www.literaturwerkstattkreativblog.wordpress.com

„Literaturwerkstatt- kreativ“ rezensiert

„Ein Diktator zum Dessert“ von Franz-Olivier Giesbert

Rose ist eine außergewöhnliche Protagonistin, die noch im hohen Alter auf Dating-Plattformen im Internet herumstrolcht, für ihr Leben gerne Patti Smith hört, dreißig Jahre lang einen Salamander mit sich herum trägt und immer einen Colt griffbereit in ihrer Handtasche trägt.

Sie wird am 18. Juli 1907 als Armenierin am Schwarzen Meer geboren. Ihre Eltern geben ihr den Namen Rouzane. Die ersten acht Jahre verbringt sie eine glücklich Kindheit. Während des Türkischen Genozid an den Armeniern verliert sie ihre ganze Familie und überlebt als Einzige. Sie wird jedoch aufgegriffen und als Sklavin in einem Kinderharem gefangengehalten. Dort wird ihr Name in Rose geändert. Sie wird an einen Kunden des Harems verliehen der sie mit nach Marseille nimmt. Dort gelingt ihr zwar die Flucht, sie wird aber von einer Verbrecherbande gezwungen als Bettlerin und Müllsammlerin zu arbeiten. Aber auch aus dieser misslichen Lage kann sie sich befreien und wird von einer Bauernfamilie in der Provence aufgenommen und schließlich adoptiert. Dort verbringt sie glückliche Jahre, geht zur Schule, lernt Kochen und auch ihre große Liebe und späteren Ehemann Gabriel kennen. Mit ihm geht sie nach Paris und eröffnet dort 1926 ihr erstes Restaurant „La Petite Provence“. Rose und Gabriel bekommen zwei Kinder und führen eine Zeitlang ein sehr glückliches Leben. Umstände führen, dazu dass Gabriel als Jude gebrandmarkt und während des 2. Weltkrieges mit den beiden Kindern deportiert wird. Rose versucht über Heinrich Himmler, der zufällig in ihrem Restaurant zu Abend isst, heraus zu bekommen, wo ihre Familie sich befindet. Himmler nimmt Rose mit nach Deutschland und sie wird seine Köchin.

Nach dem zweiten Weltkrieg ist ihre abenteuerliche Reise aber noch lange nicht zu Ende. Sie lebt eine Zeitlang in Amerika, dann in China bis sie schließlich nach Frankreich zurückkehrt und mit 105 Jahren dort ihre Memoiren verfasst.

Fazit:
Diese Buch ist eine Zeitreise durch das 20. Jahrhundert. Ich habe vorher noch keinen Roman gelesen, der den Genozid an den Armeniern darstellt. Die Problematik des Genozids wird einem in diesem Buch sehr nahe gebracht.
Wir durchleben mit Rose ihr sehr ereignisreiches und bewegendes, dramatisches Leben, das doch überwiegend düster und zerstörend war. Und doch, – trotz alledem bleibt Rose mit ihrem unbändigen und intensiven Lebenswillen immer optimistisch, lebensbejahend und humorvoll.

„Ich kann Menschen nicht ausstehen, die sich ständig beklagen. Die ganze Welt tut nichts anderes. Deshalb habe ich ein Problem mit den Menschen“.

Besonders hat mir gefallen, dass Rose nicht in eine Opferrolle verfällt, wie es so oft in manch anderen Büchern zu lesen ist. Rose nimmt ihr Leben selber in die Hand, sie rächt sich an denen die ihr Unheil zugefügt haben und hat doch immer wieder den Mut und die Kraft von vorne zu beginnen.

„Bis zu meinem letzten Atemzug und sogar darüber hinaus werde ich an die Macht der Liebe, des Lachens und der Rache glauben.“

Das Buch ist gespickt mit wunderbaren Lebensweisheiten, die einen nachdenklich machen.

Der Autor hat einen sehr facettenreichen Roman geschrieben – literarisch, intensiv, bodenständig, humorvoll, nachdenklich. Franz-Olivier Giesbert will seine Leser nicht schonen. Er will keinen Mainstream bedienen. Trotz aller bedrückenden Ereignisse fängt er einen durch Roses immensen Lebenswillen immer wieder auf, sodass kein schlechtes Gefühl zurück bleibt .

Eine gelungene Idee sind auch die Kochrezepte die im Anhang aufgeführt sind, sowie das Glossar, das nicht so bekannte Begriffe erklärt.
Das Cover selbst war für mich jetzt nicht der Hingucker und auch nicht besonders aussagekräftig. Angesprochen hat mich da schon eher der ausgefallene Titel. Dieser hat mich animiert, den Klappentext zu lesen und hat letztendlich meine Leselust geweckt.

Ich kann für dieses Buch eine absolute Leseempfehlung aussprechen.

Offenheit für eine sehr skurrile Protagonistin mit einem sehr ausgefallenem Leben ist jedoch Voraussetzung !!!

Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (eBook)

"Wenn die Geschichte die Hölle ist, dann ist das Leben das Paradies."

Von: Bettina Schnerr Datum: 07.04.2015

www.laubet.de

Rose ist mittlerweile 105 Jahre alt und ziemlich abgebrüht. Ein wenig aus der Ruhe bringt sie nach vielen ereignislosen Jahren in ihrem Marseiller Restaurant allerdings eine Todesanzeige aus Deutschland. Sie beuaftragt ein 13-jähriges Schlitzohr damit, ihr mit Internetrecherchen über die Tote weiterzuhelfen, während sie selbst damit anfängt, ihre Memoiren zu schreiben. Gleich zu Beginn verrät sie ihre Lebensversicherung, die sie zeitlebens alles und alle überleben ließ: "Damit ist euch hoffentlich von Anfang an klar, dass ich nicht zum Opfer tauge."

Rose erlebte das Jahrhundert der Mörder hautnah: Geboren als Armenierin überlebte sie als Einzige ihrer Familie den Genozid durch die Türken, mit dem hohen Preis, danach jahrelang sexuell missbraucht zu werden. Später durchleidet sie die Judenverfolgung in Frankreich, danach die zerstörerische Politik von Mao Zedong. Immer wieder verliert sie liebgewonnene Menschen, Familie und Freunde durch diktatorische Politik, um danach bei Null anfangen zu müssen. In den Phasen der Normalität dazwischen (die sie von Beginn an nur als trügerische Sicherheit wahrnehmen kann) nimmt sie ihre persönliche Rache an Übeltätern aus der Vergangenheit, denn Rache ist das einzige Ventil, mit dem Rose inneren Frieden findet.

Rose sollte man als Botschafterin verstehen - wer sie als Mensch oder Romanfigur auffassen wil, wird schnell merken, dass sie dazu viel zu dick aufgetragen ist. Mit vielen prominenten Bekanntschaften auf der einen Seite, aber eben auch einem unsäglichen Leid auf der anderen. Mit einem Colt in der Tasche und einer rüstigen Gesundheit. Dabei ist sie als Rächerin keine wirkliche Sympathieträgerin und obendrein eine distanzierte Erzählerin.

Irgendwie ist es wohl Mode, nicht nur Romane mit viel Essen in der Handlung zu schreiben, sondern auch noch deren Rezepte anzuhängen. So geschehen auch hier; vier der Rezepte, die Rose mit wichtigen Personen aus ihrem Leben verbindet, stecken zum Nachkochen im Anhang.

Was den Roman interessant macht, sind die zahlreichen Markierungen mit interessanten Textpassagen, die den Roman jetzt zieren. Was ihn ebenfalls interessant macht, ist die politische Botschaft hinter dem historischen Konstrukt, die implizite Ermahnung, Augenmaß zu wahren und extremistische Auswüchse besser zu kontrollieren. Das zwanzigste Jahrhundert bietet ausreichend Anschauungsmaterial, um uns daran zu erinnern. Giesbert baut am Ende des Romans Zahlen ein und erinnert an zahlreiche verheerende politische Entscheidungen mit über 231 Mio. Toten. Ein humorvoller Roman ist es nicht geworden, trotz der frechen Schnauze von Rose, trotz ihrer Unbeirrbarkeit. Es ist einer, der uns mahnt und einer, der uns daran erinnert, das zu genießen, was wir haben: "Wenn die Geschichte die Hölle ist, dann ist das Leben das Paradies."

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