Ein Winter in Paris

Roman

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Ein Winter in Paris
Taschenbuch
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Als junger Mann verlässt Victor die Provinz, um an einem renommierten Lycée in Paris zu studieren. Der Druck ist groß, und Victor fühlt sich einsam. Einzig mit Mathieu, einem Jungen aus dem Kurs unter ihm, raucht er hin und wieder eine Zigarette. Als Mathieu in den Tod springt, verändert sich für Victor alles. Plötzlich interessieren sich seine Kommilitonen für ihn, den einzigen Freund des Opfers, und langsam entwickelt er zu Mathieus Vater eine Beziehung, wie er sie zu seinen eigenen Eltern nie hatte …


ERSTMALS IM TASCHENBUCH
Aus dem Französischen von Anne Braun
Originaltitel: Un hiver à Paris
Originalverlag: Libella, Paris
Taschenbuch, Broschur, 192 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-48984-8
Erschienen am  18. November 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Dieses Buch spielt in: Paris, Frankreich

Leserstimmen

Berührende Auseinandersetzung mit dem Leben

Von: Karin Elsen aus Fürth/Bayern

07.03.2020

Wer in Frankreich was werden will, sei es im Finanzwesen oder in der Politik oder sonstwie ganz nach oben will, der muss Absolvent einer bestimmten Uni und eines bestimmten Gymnasiums aus Paris sein. Sozusagen Ivy League Reloaded. Wer aber nicht das Glück hat (oder Pech, je nachdem), in Paris am Elitegymi ein guter Schüler zu sein, sondern aus der Provinz kommt, der legt dann zwei Jahre in einer vorbereitenden Schule hin um dann nach einem strengen Auswahlverfahren an der „richtigen“ Hochschule zu studieren. Diese jungen Menschen haben es besonders schwer. Hochintelligent, sensibel, sind sie dem elitären Denken und der Ellenbogenmentalität in Paris nicht gewachsen. Für die Mitschüler sind sie quasi unsichtbar und für einige Lehrer sind sie einfach nur Freiwild für alle möglichen und unmöglichen Schikanen. Neudeutsch: Mobbing. Alles unter dem Deckmantel der wahren Bildung. Der Anfang des Romans deckt genau solche Zustände auf, die alle paar Jahre von der französischen Presse aufgegriffen und angeprangert werden. Victor, einer dieser Außenseiter ist auf dem Weg sich mit Mathieu anzufreunden, als der jüngere Mathieu das Leben an der Schule nicht mehr erträgt und in den Tod springt. Blondel schreibt sehr offen über dieses heiße Eisen der französischen Bildungspolitik. Und auch darüber dass Mathieus Tod nichts ändert, die Schulleitung versucht das Ganze zu verharmlosen, zu beschwichtigen, da sie um den eigenen guten Ruf bedacht ist. Clauzet, der Lehrer der den tragischen Tod des Schülers verursacht hat, wird nicht zur Verantwortung gezogen. Erst spät im Roman erfahren wir, dass er sich aber seiner Schuld bewusst ist und auf seine Art versucht Konsequenzen zu ziehen. Was ihn aber nicht daran hindert, weiterhin die Schüler des ersten Jahres zu quälen und zu mobben. Victor, der Ich-Erzähler profitiert ungewollt von Mathieus Tod. Als Freund des Verstorbenen ist er nun nicht mehr unsichtbar, die angesagten Jungs und Mädchen der Schule suchen seine Nähe. Es stellt sich heraus dass diese Jugendlichen aus gut situierten Pariser Familien mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen haben, dass sie es lediglich nur verstehen, den schönen Schein der Jeunesse Dorée zu wahren. Victor freundet sich mit Patrick Lestaing an, Mathieus Vater. Es entsteht eine tiefe Verbindung, wie Victor sie nie zu seinem eigenen Vater hatte. Letztendlich beschließt Victor sich zur Prüfung für die Elite-Uni zu stellen, aber anstelle auf das Prüfungsthema einzugehen, schreibt er seine und Mathieus Geschichte auf. Die Prüfung und die Elite-Uni danach sind ihm nicht mehr wichtig. Er beschließt sein Leben so zu führen, wie es ihm gefällt. Er wird zuerst Aushilfslehrer, dann Lehrer und Beamter und erfüllt sich seinen Traum: Victor wird Schriftsteller. Was macht dieses Buch so interessant? Klar, einmal die Auseinandersetzung mit dem französischen Elite-Unterrichtssystem. Aber auch das Coming of Age eines jungen Menschen, sein Reifeprozess ausgelöst durch den Selbstmord eines Mitschülers. Dann wären da noch der anspruchsvolle Schreibstil und die hervorragende Übersetzung von Anne Braun, die Charaktere die so lebhaft und „echt“ im Roman zum Leben erweckt werden. Jeder Mensch der je zur Schule gegangen ist, egal ob Elite-Gymnasium oder Hauptschule hat einen Clauzet – ähnlichen Lehrer mal vor sich stehen gehabt. Jeder von uns hat Zeiten gehabt, in denen wir uns mit den Eltern von Freunden besser verstanden als mit den eigenen, wir alle mussten die letzten und anstrengendsten Schul- oder Studienjahre mit der ersten Liebe unter einen Hut bringen. Das Titelbild ist voller Bewegung, der einsame junge Mann der eine Allee entlang schreitet, umgeben von auffliegenden Tauben, die kahlen Bäume im Hintergrund. Das Bild in schwarz-weiß unterstreicht die Grundstimmung in der Victor in den zwei Jahren in Paris eigentlich lebt.

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Die Überlebenden und der Tote

Von: Zauberberggast

11.12.2019

Zart, fast zärtlich und doch mit einer unterschwelligen Kraft, die einem Erdbeben gleichkommt, ist die Wirkung dieses kurzen Romans auf den Leser. Er erzählt die Geschichte eines Überlebenden, der durch den Tod eines anderen ein neuer Mensch wurde. Der erwachsene Ich-Erzähler Victor, mittlerweile Lehrer, Vater und erfolgreicher Schriftsteller, bekommt in der Rahmenhandlung einen Brief aus der Vergangenheit. In der Folge beginnt die Haupthandlung, in der Victor seine Geschichte erzählt. Obwohl das Buch "Ein Winter in Paris" heißt, ereignet sich das einschneidende Erlebnis in Victors Leben bereits im Oktober des Jahres 1984. Der junge Mathieu Lestaing stürzt sich aus dem Fenster des Elitegymnasiums in Paris, das auch Victor besucht, in den Tod. Victor, der sich seit kurzem mit Mathieu angefreundet hat, wird Zeuge dieses Suizids, der sein Leben für immer verändern wird. Der Suizid des “Vielleicht-Freundes” wird zum Katalysator für Victors Lebensmut, das ungestüme Aufbäumen eines "Jetzt-erst-recht". Die Pläne von Schriftstellerei und Globetrottertum manifestieren sich im jugendlichen Gehirn des Ich-Erzählers. Er denkt über die Verortung des eigenen Ichs in diesem Universum nach. Gleichzeitig plagen ihn die Zweifel, der Gegenwind des konservativen Lehrkörpers, seine Entfremdung von der heimatlichen Provinz, das schwierige, wenig innige Verhältnis zu seiner Familie, die ihm intellektuell nicht mehr gewachsen scheint. Für Victor tun sich in der Konsequenz des Selbstmordes von Mathieu allerdings auch neue Allianzen auf. Er, der vorher ein ganzes Jahr als Einzelgänger in Paris und an seiner Schule unterwegs war, wird plötzlich von Mitschülern wahrgenommen, die ihn bislang ignoriert hatten. Eine für ihn scheinbar erfreuliche, auf den zweiten Blick aber doch erschreckende Dynamik. Ihn umgibt nunmehr die Aura des Anziehenden und Mysteriösen durch die Verbindung mit dem Toten. Zwei Schüler des Lycées interessieren sich zeitweise etwas mehr für den Menschen hinter der Fassade des "Freundes des Toten": Armelle und Paul. Die zentrale Beziehung, die sich schließlich neu für Victor entwickelt, ist aber die zu Mathieus verzweifeltem Vater Patrick. Der Mittvierzieger und der Schüler an der Schwelle zum Erwachsensein freunden sich an und philosophieren über die Hintergründe von Mathieus Freitod und dann zunehmend auch über Gott und die Welt. Die Erzählweise dieses Kurzromans ist unaufgeregt, fast nüchtern. Gleichzeitig ist sie ungemein atmosphärisch und innig. Das herbstliche und schließlich winterliche Paris sowie die Geschehnisse rund um den Suizid werden durch Victors Sicht perspektivisch gebrochen. Durch eine gleichsam poetische Brille wird diese besondere Zeit in Victors Leben durch den Ich-Erzähler reflektiert, wodurch seine Gedankenwelt für den Leser unmittelbar zugänglich wird. Das Besondere an diesem Buch ist, dass es einen Suizid einzig aus der Perspektive der Hinterbliebenen beleuchtet. Mathieu selbst lernt der Leser nur in der Spiegelung seiner Umwelt kennen - ein Zerrbild. Nicht der Selbstmörder steht also im Vordergrund, sondern die, die mit ihm - mehr oder auch weniger - zu tun hatten. Ein hervorragendes, ein wichtiges Buch, das das Leben, das Überleben feiert, trotz allem. Ein Satz hallt besonders in mir nach: "Ich verspürte eine unbändige Lust zu leben." (S. 154)

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Vita

Jean-Philippe Blondel, geboren 1964, lebt als Autor und Englischlehrer mit seiner Familie im französischen Troyes. Sein Roman »6 Uhr 41« wurde in Frankreich umgehend zum Überraschungsbestseller und stand auch hier auf der Spiegel-Bestsellerliste.

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