VERLAGSGRUPPE RANDOM HOUSE - BERTELSMANN
Menü
  • facebook
  • google+
  • whatsapp
  • twitter
  • add this

Gehen, ging, gegangen Roman

Kundenrezensionen (10)

Bestellen Sie mit einem Klick

oder kaufen Sie direkt vor Ort bei Ihrem Buchhändler.

€ 10,00 [D] inkl. MwSt.
€ 10,30 [A] | CHF 13,90*
(* empf. VK-Preis)

Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-328-10118-5

DEMNÄCHST
Erscheint: 09.05.2017

E-Mail bei Erscheinen

Weitere Ausgaben: Gebundenes Buch, eBook (epub)

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Anmeldung

  • Info

  • Vita

  • Termine

  • Links

  • Service

  • Biblio

Wie erträgt man das Vergehen der Zeit, wenn man zur Untätigkeit gezwungen ist? Richard, emeritierter Professor, kommt durch die zufällige Begegnung mit den Asylsuchenden auf dem Oranienplatz auf die Idee, die Antworten auf seine Fragen dort zu suchen, wo sonst niemand sie sucht: bei jenen jungen Flüchtlingen aus Afrika, die in Berlin gestrandet und seit Jahren zum Warten verurteilt sind.

Jenny Erpenbeck erzählt auf ihre unnachahmliche Weise eine Geschichte vom Wegsehen und Hinsehen, von Tod und Krieg, vom ewigen Warten und von all dem, was unter der Oberfläche verborgen liegt.

Jenny Erpenbeck (Autorin)

Jenny Erpenbeck wurde 1967 in Berlin geboren. 1999 debütierte sie mit der Novelle "Geschichte vom alten Kind", der weitere literarische Veröffentlichungen folgten. Ihr Roman "Aller Tage Abend" wurde unter anderem mit dem Joseph-Breitbach-Preis und dem International Booker Prize ausgezeichnet. "Gehen, ging, gegangen" war für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert (Shortlist).

26.04.2017 | 18:00 Uhr | Berlin

Lesung

  • add this
  • facebook
  • google+
  • whatsapp
  • twitter
  • add this

Mehr Infos

zeitzeichen Redaktion
Jebensstr. 3
10623 Berlin

ERSTMALS IM TASCHENBUCH

Originaltitel: Gehen, ging, gegangen
Originalverlag: Knaus, München 2015

Taschenbuch, Broschur, 352 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-328-10118-5

€ 10,00 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Penguin

DEMNÄCHST
Erscheint: 09.05.2017

  • Leserstimmen

  • Buchhändlerstimmen

  • Rezension verfassen

Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Hilfe um der Selbsthilfe willen

Von: Juliane Datum: 10.01.2017

www.poesierausch.com

Immer noch müssen Menschen aus ihrem Heimatland fliehen. Oft kommen sie nach Deutschland, in den Medien wird breit davon berichtet. Wir alle haben eine vage Vorstellung (soweit das überhaupt möglich ist) davon, wie es diesen Menschen auf ihrer Flucht ergangen ist und nun in Deutschland ergeht. Schnell werden Meinungen gebildet, ohne vielleicht jemals persönlichen Kontakt zu Geflüchteten aufgenommen zu haben. Dass aber genau diese Beschäftigung mit den konkreten Menschen und deren Schicksalen gewinnbringender ist als reiner Medienkonsum, erfährt auch Richard, der Protagonist in Jenny Erpenbecks Roman Gehen, ging, gegangen (Knaus Verlag) – ein neuer Beitrag in unserer Reihe Fluchtliteratur.

Richard ist ein emeritierter Professor für Alte Sprachen, der am Rand von Berlin wohnt. Sozialisiert wurde er in der DDR, die Wende geistert immer noch in seinem Kopf herum. Seine Frau ist vor fünf Jahren verstorben, Kinder hat er keine. Frisch aus dem Unidienst entlassen, hat Richard nun alle Zeit der Welt. Diese zu füllen, fällt ihm allerdings schwer. Seine Aufgabe, Studierende zu unterrichten, fällt nun weg. Er fühlt sich nutzlos und langweilt sich.

Als er eines Tages rein zufällig das Camp der Geflüchteten auf dem Oranienplatz sieht, wird er hellhörig und beginnt, sich für die Lage der jungen Männer aus Afrika zu interessieren. Eigentlich ist es kaum zu glauben, dass ein Akademiker vorher so gut wie gar nichts von der Geflüchtetenthematik mitbekommen hat. Anscheinend hatte Richard zuvor nur Augen für sein Fach. Naja. Richard recherchiert nun also und besucht die Geflüchteten, nachdem der Oranienplatz geräumt wurde, in ihrer neuen Notunterkunft, einem alten Altersheim ganz in der Nähe von Richards Haus. Der ehemalige Professor interviewt die Männer einzeln, hört sich ihre Geschichten an und freundet sich schließlich mit mehreren der Afrikaner an. Mit einigen feiert er sogar zusammen Weihnachten.

Die Schicksale der einzelnen Männer gehen wirklich unter die Haut, sowohl deren Vorgeschichten als auch die schrecklichen Erzählungen von den Bootsüberfahrten von Nordafrika nach Italien. Hinzu kommen die Probleme der Geflüchteten in Deutschland. Awad, der in Ghana geboren wurde und vor seiner Flucht bei seinem Vater in Libyen wohnte, ist einer der von Richard befragten Männer:

"Der Krieg zerstört alles, sagt Awad: die Familie, die Freunde, den Ort, an dem man gelebt hat, die Arbeit, den Alltag. Wenn man ein Fremder wird, sagt Awad, hat man keine Wahl mehr."

Richard hört sich alles an und setzt das Gehörte immer wieder in Verbindung zur Auflösung der DDR. Wie für die Geflüchteten, die in Deutschland ankommen, war auch für die Bewohner*innen der neuen Bundesländer von heute auf morgen alles anders und oft fremd. Ich mochte diesen Vergleich in seinem Grundgedanken sehr gern beim Lesen, im Nachhinein wird er mir allerdings zu oft herangezogen. Sicherlich ist das Gefühl der Fremdheit vergleichbar und es gab auch zahlreiche Geflüchtete, die illegal von Ost nach West umgesiedelt sind. In Gehen, ging, gegangen scheint es mir aber so, als hätte Richard die Wende noch immer nicht verkraftet und würde die Geflüchteten als eine Art Therapieform benutzen, um intensiver über seine eigene Vergangenheit nachdenken zu können. Hier liegt für mich ein Manko des Romans.

"Und dann sitzt Awad einen Moment lang einfach nur da, ohne etwas zu sagen, und blickt auf das unechte Holzfurnier auf der Tischplatte. Auch dieser Tisch stand vielleicht 25 Jahre zuvor in einem Büro der Volkssolidarität oder im Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft […]."

Richard startet seine Recherchen sehr vorurteilsbehaftet und kann sich durch persönlichen Kontakt immer mehr in die Geflüchteten hineinversetzen. Hier macht er eine vorbildhafte Entwicklung durch, er baut Vorurteile ab und schafft Vertrauen zu dem ihm Fremden.

"Und auch jetzt war so ein Moment, in dem er [Richard] sich daran erinnerte, dass der Blick eines Menschen ebensogut war wie der eines andern. Im Sehen gab es kein Recht und kein Unrecht."

Bei allem Interesse für die Geflüchteten bleibt Richard dabei oft bei sich. Es geht immer wieder um die Bewältigung seiner Vergangenheit, seien es die Wende, seine Eheprobleme oder der Tod seiner Frau.

Wir haben es hier mit einer privilegierten, weißen Helferperspektive zu tun. Mir hat sich beim Lesen die Frage gestellt, ob es überhaupt möglich ist, ganz uneigennützig zu helfen. Oder helfen wir auch immer, um uns selbst besser zu fühlen? Oder auch um uns selbst herauszufordern? Um uns selbst weiterzuentwickeln? Wo hören die eigenen Bedürfnisse auf, wo fangen die des hilfebedürftigen Menschen an? In diesem Sinne könnte Richards Egozentrik auch als Anspielung auf diese Fragen gelesen werden.

Trotz einiger Irritationen habe ich Gehen, ging, gegangen sehr gern gelesen, nicht zuletzt auch aufgrund der klaren und durchdachten Sprache, die mich durch den Roman gezogen hat. Dies war mein erstes Buch von Erpenbeck, aber schon allein aus diesem Grund bestimmt nicht das letzte. Die Autorin schafft es, die derzeitige Situation der Geflüchteten einzufangen, reale Ereignisse aufzugreifen und diese dann in eine fiktive Rahmenhandlung zu stellen. Dabei spielt sie vor allem mit Vorurteilen gegenüber Geflüchteten, wie sie wohl in vielen Köpfen umherspuken. Der Roman bringt diese voreiligen Schlüsse zur Sprache und löst sie nach und nach auf, ohne dabei unglaubwürdig zu wirken. Die Darstellung dieses Denkprozesses, veranschaulicht in der Figur Richard, ist für mich die große Stärke des Romans.

Gehen, ging, gegangen ist ein hochaktueller und wichtiger Roman, der uns zeigt, wie wichtig es ist, sowohl bei der Geflüchtetenthematik als auch in anderen zwischenmenschlichen Situationen, nicht vorschnell zu urteilen, sondern sich dem Gegenüber, sei er*sie auch noch so fremd, anzunähern.

Vom Oranienplatz nach Spandau, und dann ? Die Odyssee der Flüchtlinge

Von: Birgit Friebel Datum: 17.05.2016

www.pirilamponews.blogspot.com







Image 1 of 1







Nun könnte man meinen, es ginge in dem Roman um Deutschunterricht, um Konjugationen, sicherlich am Rande ,aber eigentlich sind die Unterrichtsstunden im Heim und in einer Volkshochschule im Hintergrund präsent und Richard , ein berenteter Professor, hatte sich darin auch versucht , einen ehrenamtlichen Konversationskurs zu geben , aber eigentlich geht es um Umzüge, Aufenthaltsstatus und Demos und auch um ein Grundstück in Afrika und natürlich im Flüchtlinge.

Es ist aber auch die Geschichte von einem See auf dessen Boden eine Leiche liegt , direkt vor Richards Haus und die Geschichte von zwei weniger wichtigen Einbrüchen und den Kampf einer Gruppe von Afrikanern um ihren Platz in Berlin.




Zunächst vom Oranienplatz geräumt und in ein Heim gesteckt noch im Innenstadtbereich und dann nach mehreren Verzögerungen wegen Windpockengefahr nach Spandau verlegt, begleitet Richard die Gruppe mit seinen Besuchen und Fragen und bringt sich mit seiner Unterstützung selbstverständlich und immer privater ein. Richard ist von da ab stark beschäftigt , obwohl er nicht vereinsamt ist, und sorgt dafür ,dass auch andere für die Flüchtlinge aktiv werden, die ihm Stück für Stück aus ihrem Leben und von ihrem Weg von Afrika über Italien nach Deutschland erzählen.

Der Professor vergisst dabei beinahe seinen Seneca und fühlt sich aber dann manchmal den Flüchtlingen seltsam nahe, gerade auch wegen seines Faches der Altphilologie, die ja auch eigentlich internationaler ist, als es manchen erscheinen mag.

Jenny Erpenbeck beschreibt Richard einfühlsam und so, dass auch sein Zustand klarer wird, sein Altern , seine Veränderungen nach dem Tod seiner Frau und wie der Platz neben ihm immer noch unbesetzt geblieben ist.

Ein ungemein emotionaler Roman, geschrieben lebendig , manchmal stockend und kurz angebunden und überraschend genau und verstehend.

Nun ist der Roman bereits im letzten Jahr erschienen und alle wissen , dass inzwischen noch viel mehr Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, aber trotzdem ist der Roman auch bei veränderter Situation wichtig, zumal es sich um hervorragende Literatur handelt und nicht nur um eine aufrüttelnde Reportage . Das Thema an sich hat noch an Brisanz zugenommen und die allgemeine Problematik ist noch sichtbarer geworden . Das Leid der Flüchtlinge ist dabei gleich geblieben.

Jenny Erpenbeck wurde 1967 in Berlin geboren , veröffentlichte ihre erste Novelle 1999, dann folgten mehrere Romane und dazu dann auch Schriftstellerpreise Joseph-breitbach preis und 2015 den Independent Foreign Fiction Prize.



Bild : Knaus-Verlag




Image 1 of 1







Nun könnte man meinen, es ginge in dem Roman um Deutschunterricht, um Konjugationen, sicherlich am Rande ,aber eigentlich sind die Unterrichtsstunden im Heim und in einer Volkshochschule im Hintergrund präsent und Richard , ein berenteter Professor, hatte sich darin auch versucht , einen ehrenamtlichen Konversationskurs zu geben , aber eigentlich geht es um Umzüge, Aufenthaltsstatus und Demos und auch um ein Grundstück in Afrika und natürlich im Flüchtlinge.

Es ist aber auch die Geschichte von einem See auf dessen Boden eine Leiche liegt , direkt vor Richards Haus und die Geschichte von zwei weniger wichtigen Einbrüchen und den Kampf einer Gruppe von Afrikanern um ihren Platz in Berlin.




Zunächst vom Oranienplatz geräumt und in ein Heim gesteckt noch im Innenstadtbereich und dann nach mehreren Verzögerungen wegen Windpockengefahr nach Spandau verlegt, begleitet Richard die Gruppe mit seinen Besuchen und Fragen und bringt sich mit seiner Unterstützung selbstverständlich und immer privater ein. Richard ist von da ab stark beschäftigt , obwohl er nicht vereinsamt ist, und sorgt dafür ,dass auch andere für die Flüchtlinge aktiv werden, die ihm Stück für Stück aus ihrem Leben und von ihrem Weg von Afrika über Italien nach Deutschland erzählen.

Der Professor vergisst dabei beinahe seinen Seneca und fühlt sich aber dann manchmal den Flüchtlingen seltsam nahe, gerade auch wegen seines Faches der Altphilologie, die ja auch eigentlich internationaler ist, als es manchen erscheinen mag.

Jenny Erpenbeck beschreibt Richard einfühlsam und so, dass auch sein Zustand klarer wird, sein Altern , seine Veränderungen nach dem Tod seiner Frau und wie der Platz neben ihm immer noch unbesetzt geblieben ist.

Ein ungemein emotionaler Roman, geschrieben lebendig , manchmal stockend und kurz angebunden und überraschend genau und verstehend.

Nun ist der Roman bereits im letzten Jahr erschienen und alle wissen , dass inzwischen noch viel mehr Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, aber trotzdem ist der Roman auch bei veränderter Situation wichtig, zumal es sich um hervorragende Literatur handelt und nicht nur um eine aufrüttelnde Reportage . Das Thema an sich hat noch an Brisanz zugenommen und die allgemeine Problematik ist noch sichtbarer geworden . Das Leid der Flüchtlinge ist dabei gleich geblieben.

Jenny Erpenbeck wurde 1967 in Berlin geboren , veröffentlichte ihre erste Novelle 1999, dann folgten mehrere Romane und dazu dann auch Schriftstellerpreise Joseph-breitbach preis und 2015 den Independent Foreign Fiction Prize.



Bild : Knaus-Verlag

Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Von: Evelyn Roewekamp aus Rostock Datum: 25.08.2015

Buchhandlung: Thalia Buchhandlung Nord GmbH & Co KG

Frau Erpenbeck hat mir ein beklommenes Lesewochenende bereitet, obwohl es in ihrem Buch so viele komische, wie liebenswerte Beschreibungen gibt. Warum also beklommen: Weil ich plötzlich beim Lesen mitten unter diesen Ausländern war, mitten in ihrer Lebens- und Flüchtlingsgeschichte.
Ja, und auch dieser Richard in seinem Gutmenschentum, in seiner Unbeholfenheit, er hat mich sehr nachdenklich gemacht. Frau Erpenbeck ist etwas sehr Außergewöhnliches gelungen, die Leser machen sich beim Lesen dieses Buches irgendwie als Mensch angreifbar. Diese Literatur ist politisch, na klar, aber nicht, wie vieles zu diesem Thema, eben nicht schwarz oder weiß.

Voransicht

  • Weitere Bücher der Autorin