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HERKUNFT ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt.

HERKUNFT ist ein Buch über ein Dorf, in dem nur noch dreizehn Menschen leben, ein Land, das es heute nicht mehr gibt, eine zersplitterte Familie, die meine ist. Es ist ein Buch über die Frage, was zu mir gehört, ein Selbstporträt mit Ahnen. Und ein Scheitern des Selbstporträts.

HERKUNFT ist ein Abschied von meiner dementen Großmutter. Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre.

HERKUNFT ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache und Scham, Ankommen und Zurechtkommen, Glück und Tod.


Originaltitel: Herkunft
Originalverlag: Luchterhand
Taschenbuch, Klappenbroschur, 368 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-71970-9
Erscheint am 14. September 2020
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Leserstimmen

Wo kommst du her?

Von: Grenzenlos

01.04.2020

Saša Stanišić hat mit seinem Buch "Herkunft" versucht, eine Antwort auf die Frage "Wo kommst du her?" zu finden. Dass diese Antwort darauf nicht immer einfach ist, hat er damit gezeigt, dass er darüber ein ganzes Buch schreiben konnte. Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte er in Bosnien, der Jugoslawienkrieg Anfang der 90er Jahre veranlasste die Familie nach Deutschland zu flüchten. Ab da wurde die Frage für ihn kompliziert. Das Buch ist Aufarbeitung der Vergangenheit, Familiengeschichte und (in kleinen Teilen) Biografie zugleich. Vor einer Woche wurde es im Rahmen der Frankfurter Buchmesse mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. In kurzen Anekdoten erzählt Stanišić von seinem Leben. Dies macht er stellenweise mit sehr viel Humor, bleibt aber dadurch auch sehr an der Oberfläche und es wirkt sehr sprunghaft. Die einzelnen Geschichten - manche echt, manche Fiktion - verbinden sich mit der Zeit, auch wenn auf mehreren Ebenen erzählt wird. Vor allem der Anfang ist geprägt von einem ständigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart und das fand ich sehr verwirrend und auch nervig, vor allem als Einstieg. Da war für mich keine Ordnung drin und ich wusste nicht immer worum es ging. Irgendwann wurde das aber um einiges besser und ich konnte seinem Lebenslauf einfacher folgen. Im Buch geht es ganz viel um Erinnerungen, um Großeltern, um eine demente Großmutter, um das Erlernen einer neuen Sprache, um das Finden einer Heimat in einem anderen Land. Das Ganze hat der Autor literarisch verpackt. Er schreibt stellenweise sehr poetisch, aber mit einfacher Sprache, manchmal emotionslos, aber mit einer Wichtigkeit in den Sätzen, die einzufangen versuchen, was es heißt, einen Krieg zu erleben und vor ihm zu flüchten. Dann wird es auch mal sehr ausschweifend und hin und wieder auch langweilig. Trotz allem hat mir "Herkunft" sehr gut gefallen. Es ist eine Annäherung an den Begriff "Heimat" und was damit zusammenhängt. Dass es eigentlich eine Summe aus den Geschichten ist, die man selbst erlebt und überhaupt nicht leicht zu definieren ist. Das Buch endet mit einer Entscheidungsgeschichte, also man kann während des Lesens immer wieder selbst entscheiden, wie es weitergehen soll, was ich sehr spannend fand und so noch nicht wirklich selbst gelesen hatte. Fazit Herkunft ist kein klassischer Roman, auch keine klassische Biografie mAn. Es sind viele kurze Geschichten, die sich irgendwann verbinden und so versuchen, eine Antwort auf die Frage "Wo kommst du her?" zu geben. Denn Stanišić' Herkunft ist viel: Familie, Kultur, Land, Beziehungen, Erinnerungen.

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Politisch, persönlich, grandios: Ein Buch fürs Heute. Fürs Jetzt.

Von: Buchberührung

16.03.2020

Es gab eine Zeit, da war das Wort „Migrationsliteratur“ in aller Munde. Ich selbst hatte damals sogar eine einjährige Lesereihe dazu veranstaltet, denn die Gesellschaft sehnte sich zu diesem Zeitpunkt nach dem Verstehen des Anderen, nach einer ernsten Annäherung an das, was einem Fremd war, aber nicht fremd bleiben sollte. Die öffentlichen Diskussionen, die hier entstanden, erreichten ziemlich bald ihren Höhepunkt – nämlich mit etlichen AutorInnen, die sich endlich berufen sahen, mit Erzählungen zu Wort zu kommen, die vom Ursprung, von Abstammung und allen dazugehörenden Gefühlen berichteten –, sodass ich nur noch zusammenfassend sagen konnte: Das Feld der Migrationsliteratur ist „abgegrast“. Immerzu ging es um das Nicht-Gänzlich-Angekommen-Sein, um Darstellungen emotionalen Changierens, um Identitätskrisen und –Findungen, um wichtig bis lapidar witzige Geschichten darüber, was es bedeutet, irgendwo noch-auf-der-Suche zu sein und um das, was man erlebt hatte und nun verarbeiten musste. Ich muss gestehen, ich war schwer genervt davon. Denn es waren identische Erzählungen (ok, MigrantInnen fühlen ziemlich ähnlich), die literarisch gesehen kaum voneinander abzugrenzen zu sein schienen. Und dann verkündete auch noch Feridun Zaimoglu, er wolle nicht mehr unter dem Titel „Migrationsliteratur“ lesen. Er tat alles richtig. Dann kam Saša Stanišić. Und lehrte uns, wie über den Begriff der „Herkunft“ zu sprechen sei, wie es sich wirklich anfühle, etwas in Worte zu fassen, das vollends kaum zu verstehen war. Saša Stanišić hatte früh begriffen, dass Literatur kein Ort einfacher Darstellung von Sachverhalten und Themen war, sondern ein Instrument der Analyse, ein Analogon von Gedankenprozessen. Literatur war die Möglichkeit der Ordnung eines realen Chaos’, war zugleich Raum für Verwirrung und Entwirrung, war Beichtstuhl und politisches Werkzeug. Literatur erwies sich für Stanišić als Tagebuchführung, als begrenzter Einblick in eine Seele. Mein Gott – ja, ich kippe hier ins unprofessionell Emotionale –, selten war eine Geschichte so berührend und schmerzlich, so glasklar und wirr, so ehrlich und friedensstiftend wie Saša Stanišićs „Herkunft“. Ihm ist gelungen, was viele Schreiberlinge nicht begriffen haben und die Literaturwissenschaft mit Vehemenz zu lehren sucht: Inhalt und Form ineinander zu bringen. Hier ist pure Konstruktion offengelegt zugunsten der Projektion eines persönlichen Wahrnehmungsvorgangs. Anders gesagt: Die Bestimmung von Herkunft beruht bei Stanišić auf demselben Puzzle-Prinzip wie die Wahrnehmung von Leben, Realität und Erinnerung. Es ist ein Spiel mit Phantasien, eine Auseinandersetzung mit Gefühlen, ein fortlaufendes Unterfangen desjenigen, der wissen will, woher man kommt und was Leben alles sein kann. Stanišić ist ein Meisterwerk geglückt, gar keine Frage. Eine solche tiefgründige Verschwisterung mit Kunst hat es bisher nur selten gegeben. Ehrenwort! „Mein Widerstreben richtete sich gegen die Fetischisierung von Herkunft“, schreibt Stanišić, „und gegen das Phantasma nationaler Identität. Ich war für das Dazugehören. Überall, wo man mich haben und wo ich sein wollte. Kleinsten gemeinsamen Nenner finden, genügte.“ Bestimmte Worte für eine ganz bestimmte Zeit: das Jetzt.

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Vita

Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad (Jugoslawien) geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Seine Erzählungen und Romane wurden in über 30 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Saša Stanišić erhielt u.a. den Preis der Leipziger Buchmesse für »Vor dem Fest« und zuletzt für »Herkunft« den Deutschen Buchpreis 2019 sowie den Eichendorff-Literaturpreis und den Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster. Er lebt und arbeitet in Hamburg.

Zur AUTORENSEITE

Events

30. Apr. 2020

Lesung

19:30 Uhr | Mainz | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

12. Mai 2020

Lesung

20:00 Uhr | Idar-Oberstein | Lesungen
Saša Stanišić
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