Herbst

Roman

(9)
Herbst
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England hat einen historischen Sommer hinter sich, die Nation ist gespalten, Angst macht sich breit. In diesem Herbst ist Daniel ein Jahrhundert alt. Elisabeth, Anfang dreißig, kennt ihn von früher, der Nachbar hat sie als Kind mit der Kunst bekannt gemacht. Jetzt besucht sie ihn im Altersheim, liest ihm Bücher vor und fragt sich, was die Zukunft bringen mag ... Der erste Roman aus Ali Smiths Jahreszeitenquartett erzählt von einer Welt, die immer abgeschotteter und exklusiver wird. Und er erzählt vom Altern, von der Zeit und von der Liebe. Von uns.


Aus dem Englischen von Silvia Morawetz
Originaltitel: Herbst
Originalverlag: Luchterhand
Taschenbuch, Broschur, ca. 272 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-77084-7
Erscheint am 09. August 2021

Leserstimmen

Ein sehr besonderes Buch! Für mich ein Lese-Highlight!

Von: Gedankenlabor

18.10.2020

>>Sprache ist wie Mohnblumen. Sie nimmt etwas und wühlt die Erde drum herum auf, und schon kommen schlafende Wörter zum Vorschein und werden, leuchtend rot und frisch, überallhin verweht.<< „Herbst“ von Ali Smith ist für mich ein unheimlich besonderes Buch. Beim Lesen zog es mich in einen unglaublichen Lesezog und konnte mich mit seiner Wortgewandtheit und der darin eingebundenen Lyrik sehr sehr begeistern! Für mich persönlich stand thematisch hier die Beziehung zwischen Elisabeth und Daniel Gluck und das Altwerden sehr im Vordergrund. Mich konnte es berühren und all die Worte und Zeilen der Autorin hatten für mich hier große Wortkraft. Der Schreibstil und auch die Art der Geschichte ist hier doch eher speziell und ich glaube inhaltlich könnte es sich für viele doch eher wie ein Chaos lesen, doch sind es meiner Meinung nach einfach die Feinheiten, die hier Beachtung verdienen und die einen hier wirklich sehr fesseln können, wenn man sich denn darauf einlasen kann und sich durch all die Besonderheiten gleich angesprochen und gefühlsmäßig angezogen fühlt. >>Es geht darum, wie wir unsere Lebensumstände betrachten,... dass wir hinschauen und erkennen, wo wir stehen,...<< Mich hat dieser erste Band des Jahreszeitenquartett von Ali Smith sehr sehr begeistert und zählt klar zu meinen literarischen Highlights in diesem Jahr! Daher kann ich es jedem sehr ans Herz legen, der sich auf das Spezielle einlassen möchte.

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Gegenwart als Roman

Von: Buchberührung

04.10.2020

edes Buch hat es verdient, mit voller Aufmerksamkeit gelesen zu werden. Dieses hier musste eine kleine Ewigkeit darauf warten, aufgeschlagen zu werden. Umso besser, denn: Passend zum Oktober-Start habe ich mit Ali Smiths „Herbst“ begonnen und es binnen von 2 Tagen nahezu atemlos durchgelesen. Dieser außergewöhnliche Roman hat mein Denken so sehr eingenommen, dass ich mich tatsächlich rhetorisch fragen musste: Kann diese Art von Literatur jemals übertroffen werden? Akutes Fazit: Nur allzu schwer. Denn wer Gegenwart in solcher Weise mit Literatur verschränkt, kann nur die Führung der literarischen Disziplin ‚Realitätsdurchdringung‘ inne haben. „Herbst“ ist der erste Band der Jahreszeiten-Quadrologie von Ali Smith, der - so möchte ich es lesen - eine tragisch schöne Geschichte über eine unmögliche Liebe thematisiert. Elisabeth ist Anfang 30 als wir sie als Kunst-Dozentin kennenlernen, die eine außergewöhnliche Beziehung zu Daniel Gluck pflegt. Daniel hingegen ist - das erfahren wir etwas später im Roman - 101 Jahre alt als er in einem Pflegeheim tagelang schlafend auf den Tod wartet. Zwischen diesen Figuren spinnt sich eine interessante Handlung zusammen, die vor dem Hintergrund des Brexit übergeordnete Fragen nach der ‚Zeit‘, dem Altern, der Kunst und der Sinnsuche behandelt. Elisabeth ist ein kleines Mädchen, als sie ihren Nachbarn Daniel kennenlernt - dieser selbst Kunstliebhaber und -sammler eröffnet dem neugierigen Mädchen die Welt der Literatur und Intellektualität. Die sich - und das ist eine der Kernaussagen des Romans - vor allem in der Etablierung eines eigenen Sehens der Welt ausweist. Elisabeth lernt mit den Geschichten, den der alte Daniel ihr bei langen Spaziergängen im Feld erzählt, autonomes Denken und das Versprachlichen eigener Ansichten, Eindrücke und Wünsche. Natürlich fragt man sich die ganze Zeit über, was es mit dieser Beziehung auf sich hat, die Elisabeths Mutter zwischenzeitlich sogar verbieten will, weil ‚komisch‘. Und keine Frage: Ab und an scheinen Momente einer tief verborgenen Sinnlichkeit auf, die vor allem von Elisabeth ausgehen, die sich vielleicht nur nach einem Vater sehnt, den sie in der Kindheit nie gehabt hat, bis sie einen Traum, den sie neben Daniels Pflegebett träumt, ausspricht: „Mit Daniel schlafen, so ist das also.“ Wie der Roman ausgeht oder ‚wohin‘ er generell geht - das ist gar nicht so einfach zu greifen. Aber gerade von dieser Undurchsichtigkeit und Vagheit lebt jede Zeile dieses besonderen Romans, der für mich nur eines zum Ziel haben kann: Die Offenlegung diverser Denkansätze, die dazu führen, Gegenwart und Vergangenheit als zwei Ereignisse zu verstehen, die sich stets bedingen, sich gegenseitig beleuchten und erklären, voneinander schöpfen und einander formieren. Damals und jetzt. Danke an den wunderbaren Luchterhand Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

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Vita

Ali Smith wurde 1962 in Inverness in Schottland geboren und lebt in Cambridge. Sie hat mehrere Romane und Erzählbände veröffentlicht und wurde mit zahlreichen renommierten Literaturpreisen ausgezeichnet. Smith ist Mitglied der Royal Society of Literature und Commander of the Order of the British Empire.

Zur AUTORENSEITE

Silvia Morawetz

Silvia Morawetz, geb. 1954 in Gera, studierte Anglistik, Amerikanistik und Germanistik und ist die Übersetzerin von u.a. Janice Galloway, James Kelman, Hilary Mantel, Joyce Carol Oates und Anne Sexton. Sie erhielt Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds, des Landes Baden-Württemberg und des Landes Niedersachsen.

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