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Ich nannte ihn Krawatte Roman

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Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-442-74656-9

Erschienen: 10.03.2014
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Wer in einem Lachen nichts anderes als ein Lachen hört, der ist taub

Ist es Zufall oder eine Entscheidung? Auf einer Parkbank begegnen sich zwei Menschen. Der eine alt, der andere jung, zwei aus dem Rahmen Gefallene. Jeder auf seine Weise, beide radikal, verweigern sie sich der Norm. Erst einem fremden Gegenüber erzählen sie nach und nach ihr Leben und setzen zögernd wieder einen Fuß auf die Erde. Milena Michiko Flašars Parkbank befindet sich in Japan und könnte doch ebenso gut anderswo in der westlichen Welt stehen. Dieser Roman stellt der Angst vor allem, was aus der Norm fällt, die Möglichkeit von Nähe entgegen – sowie die archaische Kraft der Verweigerung.

Milena Michiko Flasar (Autorin)

Milena Michiko Flašar, geboren 1980 in St. Pölten, hat in Wien und Berlin Komparatistik, Germanistik und Romanistik studiert. Sie ist die Tochter einer japanischen Mutter und eines österreichischen Vaters, lebt als Schriftstellerin in Wien und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache.

Taschenbuch, Broschur, 144 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-442-74656-9

€ 8,99 [D] | € 9,30 [A] | CHF 12,50* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: btb

Erschienen: 10.03.2014

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*+* Dieses Buch ist ein Geschenk *+*

Von: Irve liest Datum: 02.07.2016

irveliest.wordpress.com

„Friss´ oder stirb!“ So könnte man nach der Lektüre dieses Buches das allgemeingültige, gesellschaftliche Motto Japans zusammenfassen. Es gibt Aussteiger zuhauf, die dem Druck nicht standhalten können, oder sich diesem Irrsinn nicht unterwerfen wollen. Erwünscht ist nicht, was dem Individuum gefällt, oder es glücklich macht, sondern das, was der Gesellschaft dienlich ist. Ein perfektes System an Zahnrädern – zumindest theoretisch. Was aber, wenn sich eines von ihnen nicht weiterdreht? Steckt es nicht mitten im System, sind die Auswirkungen gering und das Versagen kann unter schamvollen Lügen versteckt werden. Aber unbegrenzt funktioniert diese Kompensation nicht. Denn steht es mehr im Zentrum, dann ist die Möglichkeit, auf gleichgesinnte Nachahmer zu treffen, noch größer. Und dann?

„Zu jung erkannte er, dass nichts vollkommen ist, und er war zu jung, um die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Dass dies auch meine Krankheit war, davor wollte er mich vielleicht warnen.“

Die Autorin geht nicht soweit, ergründen zu wollen, wie viele Verweigerer des unreflektierten Befolgens der ungeschriebenen Gesetze diese Gesellschaft verkraften kann. Das ist nicht ihre Intention. Sie greift sich einige wenige Menschen, im Sinne des Regelwerks defekte, Zahnrädchen aus der Masse heraus und zeigt an ihnen die Ursachen für die gefühlte Ausweglosigkeit auf. So begreift man recht schnell, warum sich der rote Faden der Verzweiflung quer durch alle Altersklassen und Schichten zieht.

„Selbst der allerkleinste Stachel reißt, wenn er tief genug sitzt, eine Wunde ins Fleisch. Man spürt ihn als einen Fremdkörper, der den eigenen, nach und nach, in die Knie zwingt.“

Milena Michiko Flasar erzählt mit einem eindringlichen Schreibstil. Ihre Wortwahl, deren Komposition zu tiefen Wahrheiten, die stellenweisen halben Sätze, die mit alldem erzeugte Gesamtstimmung – sie bleibt am Leser haften! Man fragt sich unwillkürlich nach seinem Platz im Leben. Prüft, ob und wie weit die eigene Schere des Wollens und Sollens auseinanderklafft und mag möglicherweise gar umfassende Schlüsse ziehen und entsprechende Entscheidungen treffen. Die Hauptcharaktere des Buches haben dies getan. Sie haben den eigenen Willen erspürt und sind ihm gefolgt.

„Man lebt nur einmal, heißt es. Warum stirbt man so oft?“

Sehr berührend sind die Gespräche der wie Seelenverwandte anmutenden beiden Männer, die sich immer mehr annäherten. Aus dem anfangs scheuen Blickkontakt, gepaart mit dem Wunsch, sich bloß nicht auf den anderen einzulassen, wurde tiefe Freundschaft, die große Blüten trieb. Die später geernteten Früchte waren jedoch von unterschiedlicher Qualität.

„Jeder Mensch ist eine Ansammlung von Geschichten. Ich aber. Ich zögerte. Ich habe Angst davor, Geschichten anzusammeln. Ich wäre gerne nur eine, in der nichts passiert.“

Öhara Tetsu und Taguchi Hiro, die beiden Männer auf der Parkbank, die irgendwie aus dem Leben gefallen zu sein schienen, beeindruckten mich sehr. Nicht nur, was sie erzählten, sondern dass sie es überhaupt taten! Es waren Dinge, die zutiefst in ihnen vergraben lagen, unschöne Erinnerungen und Gedanken. Über lange Zeit verbarrikadiert hinter dicken Mauern, durften sie endlich das Bewusstsein erreichen und verarbeitet werden – mit weitreichenden Folgen.

„Schäm dich nur ja nicht dafür, ein Mensch mit Gefühlen zu sein. Egal, was es ist, fühl es innig und tief. Fühl es noch ein bisschen inniger, fühl es noch ein bisschen tiefer. Fühl es für dich. Fühl es für den anderen. Und dann: Lass es gehen.“

So verzweifelnd und düster wie man nun meinen mag, ist „Ich nannte ihn Krawatte“ nicht, denn auch die Hoffnung weiß ihre machtvolle Saat in diesen zauberhaften Roman hineinzusäen. Das Leben ist nicht nur Pflicht und Frust, es ist auch ein Geben und Nehmen, ein Akzeptieren und Loslassen. Hat man den richtigen Weg erst gefunden, ist es auch möglich, ihn im Gleichtakt mit den anderen Zahnrädern der Gesellschaft zu beschreiten und dabei sogar glücklich zu werden.

Inhalt
Ist es Zufall oder eine Entscheidung? Auf einer Parkbank begegnen sich zwei Menschen. Der eine alt, der andere jung, zwei aus dem Rahmen Gefallene. Jeder auf seine Weise, beide radikal, verweigern sie sich der Norm. Erst einem fremden Gegenüber erzählen sie nach und nach ihr Leben und setzen zögernd wieder einen Fuß auf die Erde. Milena Michiko Flašars Parkbank befindet sich in Japan und könnte doch ebenso gut anderswo in der westlichen Welt stehen. Dieser Roman stellt der Angst vor allem, was aus der Norm fällt, die Möglichkeit von Nähe entgegen – sowie die archaische Kraft der Verweigerung.

Autorin
Milena Michiko Flašar, geboren 1980 in St. Pölten, hat in Wien und Berlin Komparatistik, Germanistik und Romanistik studiert. Sie ist die Tochter einer japanischen Mutter und eines österreichischen Vaters, lebt als Schriftstellerin in Wien und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache.
Quelle: Randomhouse

Diese Parkbank könnte überall stehen!

Von: Paloma Pixel Datum: 14.05.2016

palomapixel.blogspot.de

Dies war das erste Buch, dass sich in der japanischen Kultur bewegt, dass ich je gelesen habe. Es war wie ein Rausch der schönen Worte. Ich hatte keine Erwartungen und habe mir vorher sogar bewusst nicht den Klappentext oder weitere Infos zu der Thematik angeschaut. Ich wollte mich überraschen lassen und wurde voll mitgerissen.

Im Buch sitzen zwei völlig unterschiedliche Männer auf einer Bank. Der eine jung der andere alt. Unterschiedlicher könnten die beiden nicht sein. Doch in einer Sache sind sie vereint, sie verweigern sich den Normen einer Gesellschaft, mit der sie nicht mehr zurecht kommen und doch ist es gerade ihr aufeinander Treffen, dass für Sie gegenseitig die Türen aufstößt und selbst hochgezogene Mauern einreißt.

Die Geschichte berührt einen von der ersten Minute. Es gab so viele schöne Sätze, dass man das ganze Buch hätte mit Textmarker markieren müssen. Ich kenne mich nun überhaupt nicht aus mit Japan und kann deswegen auch keine Aussage darüber machen, wie realitätsnah die Beschreibung des Hikkikomori im Buch ist.

Hikkikomori werden in Japan, die meist jungen Leute genannt die mit dem Leistungs- und Anpassungsdruck der Gesellschaft nicht mehr zurecht kommen und sich oft über Jahre in ihr Zimmer einschließen und jeglichen Sozialkontakt vermeiden. Ich habe zwar ein bisschen weiter dazu gegoogelt auch um das Buch noch besser zu verstehen aber wirklich beurteilen kann ich es nicht.
Das ist auch für dieses Buch nicht wirklich wichtig denn es findet sich nicht nur die hoffnungsvolle Botschaft darin, dass man seine Depressionen, Ängste und Nöte überwinden kann. Sondern man kann auch Freundschaft an Orten finden, an denen man nicht damit rechnet und man kann sich selber wiederfinden, auch wenn man sich vermeintlich verloren hat. Die vielen kleinen Gesten die im Buch so hinreißend klar und schön beschrieben sind. Ein Philosophikurs auf 136 Seiten. Ein Protokoll der Mitmenschlichkeit.

Als Leser erfährt man nicht nur die tragische Geschichte der beiden Männer, in der es Zeit zum mitleiden gibt. Man erfährt auch die Suche und die Hoffnung nach Freiheit und Liebe. Es ist ein sehr zartes Buch, fast schon zaghaft in seiner Sprache. Man muss diese poetische Sprache mögen. Es ist ein kurzweiliges Buch und schnell und gut zu lesen. Mich hat es daran erinnert das miteinander sprechen wichtig ist und ,wenn man es nicht tut, es zuviel zu bereuen gibt. Wer etwas wirklich anrührendes lesen will und sich dazu noch für Japan interessiert, kann hier auf eine besondere Art fündig werden. Ein Buch wie ein sanft fallendes Kirschblütenblatt. Die Bank mit den zwei Männern kann überall stehen. Diese Personen könnten wir sein.

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