Nordwasser

Roman

(2)
Taschenbuch
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Henry Drax kennt kein Gewissen. Er ist Maschinist auf der Volunteer, einem Walfangschiff, das im Jahr 1856 von England Kurs auf die arktischen Gewässer der Baffinbucht nimmt. Ebenfalls an Bord ist Patrick Sumner, ein Arzt von zweifelhaftem Ruf, der glaubt, schon alles gesehen zu haben. Er ahnt nicht, dass seine größte Prüfung noch bevorsteht, nachdem er Drax einer ungeheuerlichen Tat überführt hat. Während sich der Konflikt zwischen den beiden Männern zuspitzt, wird auch der eigentliche Sinn der verhängnisvollen Expedition zunehmend klar . . .

»Ian McGuire kommt dem Schrecken des Eises und der Finsternis inmitten einer grandiosen Natur ganz nahe.«

Hannoversche Allgemeine Zeitung

Aus dem Englischen von Joachim Körber
Originaltitel: The Northwater
Originalverlag: Scribner
Taschenbuch, Broschur, 368 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-48868-1
Erschienen am  19. August 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Auf offener See

Von: Bücherfluss

30.11.2019

"Der Blick des Bären hält ihn fest. Der Bär schnaubt, sein heißer Atem streicht über Sumners Gesicht und Lippen. Einen Moment lang verspürt Sumner Angst, und im Kielwasser, als die Angst nachlässt und ihre Kraft verliert, einen unerwarteten Anflug von Einsamkeit und Bedürftigkeit." Zwei Männer auf offener See und ein Konflikt, der sich immer weiter zuspitzt. Ian McGuire schafft mit "Nordwasser" einen ungeheuerlichen Roman, derb, roh, vulgär, der die menschichen Abgründe auf allen Ebenen in den Vordergrund stellt. Die Story ist schnell erzählt: zwei Männer nehmen Kurs auf arktische Gewässer - Mission: Walfang. Die Zeit auf See zerrt an ihren Kräften, die Nerven liegen blank und Stück für Stück kommt das wahre Wesen der Männer ans Licht. Einen Roman wie "Nordwasser" zu schreiben, muss man sich erst einmal trauen: der Schreibstil ist schroff, McGuire setzt auf blutige Szenen, die dem Leser an die Nieren gehen und für Zartbesaitete mehr als abschreckend wirken. Bildhaft erzählt er von der Lasterhaftigkeit des Menschlichen, den Fehlern, der Verkommenheit, die in jeden von uns ganz tief unten verborgen ist. Er führt uns die Triebe des Menschen, allein auf sich selbst gestellt, im Überlebenskampf, gnadenlos vor Augen und scheut nicht zurück - scheut nicht zurück vor der Brutalität im nackten Kampf ums Überleben. Scheut nicht zurück, vor dem barbarischen Verhalten nach unzähligen Nächten ohne Schlaf. Scheut nicht zurück, vor dem rücksichtlosen, gar respektlosen Umgang des Menschen mit der Natur. Und scheut nicht zurück, vor dem individuellen menschlichen Bestreben nach Gewinn. McGuire traut sich - und schreibt einen Roman, dessen grauenvolle Bilder noch lange in den Köpfen der Leser herumspuken.

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Reise in die Abgründe menschlicher Verkommenheit.

Von: ulrike rabe

27.07.2019

England im Jahr 1859, der Walfänger „Volunteer läuft aus Hull vom Hafen. Die Besatzung, ein Sammelsurium von „Abschaum und Dreck“, wie Kapitän Brownlee behauptet. Im Mittelpunkt der Handlung steht der nach Laudanum süchtige abgehalfterte Schiffsarzt Patrick Sumner. Dieser wurde unehrenhaft aus der Armee entlassen. Sein Bündel aus der Vergangenheit sind die blutigen Kämpfe in Indien. Ihm gegenüber steht der bösartige und absolut skrupellose Henry Drax, der als Harpunier angeheuert hat. Niemand auf diesem Schiff hat eine reine Weste, niemand spielt mit offenen Karten. Eine ganz unglückliche und gefährliche Mischung auf einem Schiff, diesem Mikrokosmos von Testosteron, Zorn und Gewalt, Mann gegen Mann, bis die eiskalte Natur der Arktis das Kommando übernimmt. „Nordwasser“ ist ein Abenteuerroman ohne Romantik und hehre Motive. Dreckig, verkommen, brutal nimmt Ian McGuire uns mit auf eine Reise in die tiefsten Abgründe menschlichen Seins. Wort- und bildgewaltig, von der ersten Seite an. „Er schlurft aus Clappison’s Courtyard heraus auf die Sykes Street und schnüffelt die vielschichtige Luft – Terpentin, Fischmehl, Senf, Grafit, der übliche durchdringende morgendliche Pissegestank geleerter Nachttöpfe. Er schnaubt einmal, streicht sich über den borstigen Kopf und rückt sich den Schritt zurecht. Er riecht an den Fingern, dann lutscht er langsam jeden einzelnen und leckt die letzten Rest ab, um auch wirklich alles für sein Geld bekommen zu haben.“ Sumner versucht anfangs noch, einen Anschein von Normalität und Zivilisation zu wahren, liest Homer, diskutiert mit dem bibelfesten Otto noch über Gott und die Welt. Letztlich verroht auch ihn der simple Kampf ums Überleben. „…dass großes Böses die Abwesenheit von Gutem ist und Sünde eine Art von Vergesslichkeit…“ So derb die Männer auf dem Schiff beschrieben werden, so atemberaubend sehen wir die unerbittliche Kälte und Reinheit des ewigen Nordeises. Nichts in diesem Buch ist eindeutig, die Charaktere nicht, das Genre eine gelungene Mischung, ein Alptraum und Lesevergnügen gleichermaßen.

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Vita

Ian McGuire, 1964 geboren, aufgewachsen in Hull, East Yorkshire, studierte in Manchester und Sussex und promovierte an der University of Virginia. »Nordwasser«, sein zweiter Roman, war ein New York Times-Bestseller und nominiert für den Man Booker Prize 2016. Ian McGuire lebt mit seiner Familie in Manchester.

Zur AUTORENSEITE

Pressestimmen

»(...) in seiner Mischung aus Kriminal- und Abenteuerroman so klug wie mitreißend spannend erzählt (...).«

Süddeutsche Zeitung

»Ein brillant geschriebener Albtraum (...) McGuires Hyperrealismus und die ungeheure Präsenz, die er erschafft, sind in jeder Zeile zu spüren.«

Deutschlandfunk

»Wer sich also traut, mit dem Walfangschiff Volunteer in See zu stechen, muss sich warm anziehen, wird aber mit einer Lese-Extremerfahrung belohnt.«

Brigitte

»Urgewaltig und brutal, nichts für schwache Gemüter! (...) von einer sprachlichen Sinnlichkeit und Direktheit, die einem mitunter fast den Atem nimmt. (...) ein fantastischer Roman.«

hr2 Kultur

»Ein mitreißendes Buch über Typen, die an ihre Grenzen gehen und darüber hinaus. Spannend!«

Wienerin

»›Nordwasser‹ ist ein Roman über Extreme und ein extrem guter, wilder Roman von dunklem Zauber.«

Falter

»Wer Jack London liebt, garniert mit einer Prise Herman Melville, sollte sofort die Leinen losmachen.«

Hannoversche Allgemeine Zeitung

»Der Abenteuerroman ist auch ein Krimi, aber vor allem ist er großartig.«

Kurier

»Eis, Blut und Dreck: Ein ebenso faszinierender wie brutaler Eintrag ins Genre des arktischen Abenteuerromans.«

Radio FM4

»McGuire (...) erzählt seine Geschichte mit so viel Sachverstand und Wucht, dass der Roman den Leser unverzüglich in eine vollständig erdachte Welt eintauchen lässt.«

The New York Times