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Refugium Roman

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Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-442-74903-4

Erschienen: 08.09.2015
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Der Ingenieuer Robert Feldwehr, der für eine deutsche Firma im schwedischen Winter Autos erprobt, kehrt von einer Testfahrt nicht zurück und wird von der Polizei gesucht. Seine Ehefrau Claudia fliegt kurz entschlossen nach Lappland und macht sich dort, in der eisig idyllischen Kleinstadt Arjeplog, auf die Suche. In der überwältigenden Schönheit der Landschaft wächst in ihr der Wunsch, einen Ort zu finden, der ihr vor Enttäuschung und Verschwinden Schutz gewähren kann. Schließlich findet sie so ein Refugium bei Birgitta, einer lebensklugen Einheimischen, die sie in ihrem Haus aufnimmt.

Claire Beyer (Autorin)

Claire Beyer, 1947 geboren, lebt in Markgröningen bei Ludwigsburg. Sie hat ein Musical über Camille Claudel verfasst und Erzählungen, Kurzprosa und Gedichte in verschiedenen Anthologien sowie einen Lyrikband veröffentlicht. Nach ihrem erfolgreichen Prosadebüt »Rauken« (2000) erschienen der Erzählband »Rosenhain (2003) sowie die Romane »Remis« (2006) und »Rohlinge« (2009).

Taschenbuch, Broschur, 256 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-442-74903-4

€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: btb

Erschienen: 08.09.2015

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Eine Geschichte über Freundschaft, einen späten Neuanfang und die skandinavische Natur...,Eine Geschichte über Freundschaft und Neuanfang...

Von: Bücherphilosophin Datum: 19.02.2016

buecherphilosophin.com/

In ihrem Roman “Refugium” erzählt Claire Beyer die Geschichte einer Frau mittleren Alters, namentlich Claudia, die auf der Suche nach ihrem Mann völlig unerwartet ein neues Zuhause und dort ganz allmählich zu sich selbst findet. Ihre Geschichte beginnt in einem deutschen Einfamilienhaus, ein Erbstück der Schwiegereltern, in dem Claudia zwar die letzten dreißig Jahre verbracht, sich aber nie so recht heimisch gefühlt hat. Denn das einzige was sie dort selbst gestalten durfte ist der Garten, die Einrichtung ist immer noch die der Schwiegereltern, darauf besteht Claudias Mann, auch wenn er eigentlich nie da ist, bzw. berufsbedingt immer nur alle zwei Wochen ein paar Tage in seinem Elternhaus verbringt. Und genau dort befindet sich Claudia, als eines Morgens eine Kollegin ihres Mannes anruft und nach ihm fragt, ohne dass Claudia ihr hätte sagen können, wo er sich aufhält. Schnell wird klar Claudias Mann ist verschwunden.

Mitgenommen hat er einen der Testwagen, was seinen Chef, ebenso wie die schwedische Polizei, dazu veranlasst zu vermuten er könnte zur Konkurrenz übergelaufen sein. Claudia führt von Deutschland aus hilflose Telefonate, unter anderem mit ihren beiden Söhnen, bis klar wird, dass sie nur vor Ort etwas über das Verschwinden ihres Mannes wird erfahren können. Kurz darauf macht sie sich auf in das verschneite Nordschweden, wo sie von den Kollegen ihres Mannes, ebenso wie von seinem Chef, nicht aber von der örtlichen Polizei, unerwartet höflich empfangen wird. Auf Firmenkosten wird sie bei einer älteren Frau lokal untergebracht und auch wenn Claudias Kommen einer möglichen Tragödie geschuldet ist, wächst ihr die karge Landschaft, ebenso wie ihre zunächst etwas ruppigen, dann aber durchaus freundlichen Bewohner ans Herz. Bald schon wird die Suche nach ihrem verschwundenen Mann für Claudia zur Nebensache.

“Refugium” ist in seinen Grundzügen ein Krimi, wobei man dies als Leserin über all den skandinavischen Lokalkolorit, den Claire Beyer charmant einzufangen weiß, fast schon vergisst. Immer mal taucht der zugegebenermaßen ein bisschen klischeehafte Polizeibeamte auf und beäugt Hauptfigur Claudia misstrauisch, so als hätte sie etwas mit dem Verschwinden ihres Mannes zu tun, und fast glaube ich es an dieser Stelle auch. Was allerdings viel mehr Raum innerhalb der Geschichte einfordert ist Claudias Reise zu sich selbst und die Menschen, die sie auf ihrem Weg kennen und lieben lernt. Allen voran ist da die lebenslustige Birgitta, die Claudia für ein paar Tage wie selbstverständlich bei sich aufnimmt. Die beiden Frauen trennen mehr als zwanzig Jahre und doch entwickelt sich schon bald eine tiefe Freundschaft zwischen ihnen – meiner Meinung nach einer der zentralen und anheimelndsten Aspekte des Buchs.

Die Spannung, die man als Leserin von einem Roman erwartet, der damit beginnt, dass der Ehemann der Protagonistin scheinbar spurlos verschwindet, lässt “Refugium” allerdings vermissen. Die Krimielemente sind im Grunde Nebensache und man vergisst während der Lektüre schnell man worum es Claudia, Birgitta und dem Chef von Claudias Mann eigentlich geht, nämlich darum aufzudecken was mit Claudias Mann geschehen ist. Ist er wirklich zur Konkurrenz übergelaufen? Oder ist er vielleicht mit seiner Geliebten durchgebrannt? Weiß Claudia am Ende mehr als sie zugibt? All diese Fragen treten in den Hintergrund, wenn Claire Beyer sich die Zeit nimmt die skandinavische Landschaft in all ihrer wilden Schönheit zu beschreiben, gefrorene Wasserfälle, ländliche Kirchen und sporadische Elchsichtungen inklusive. Diese Passagen laden besonders skandi-affine Leserinnen wie mich zum Schwärmen und Träumen ein.

Insgesamt ist “Refugium” ein Roman, den man als Leserin leicht unterschätzen kann. Denn er realisiert weder sein Krimipotenzial, noch bietet er ausführliche Charakterstudien zur skandinavischen Landbevölkerung an dessen statt. Trotzdem hat das Buch einen ganz eigenen Charme, der von der Freundschaft des ungleichen Paares Claudia und Birgitta ausgeht, ebenso wie von der skandinavischen Landschaft, welche die beiden umgibt. Diese Leserin ist besonders an Claudias Entwicklung und Emanzipation innerhalb der Geschichte interessiert und feuert die Hauptfigur an, wenn es für sie darum geht eigene Wege zu beschreiten – was aus dem verschwundenen Ehemann geworden ist, wird da fast schon unwesentlich. Letztlich ist dieser etwas verhaltene Krimi vor allem durch seinen authentisch realisierten Schauplatz und seine voll im Leben stehenden Frauenfiguren lesenswert, auch wenn die dem Genre eigene Spannung da manchmal etwas auf der Strecke bleibt.

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