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Rocking Horse Road Roman

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Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-442-74738-2

Erschienen: 12.05.2014
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Kurz vor Weihnachten 1980: Am Strand von The Spit, einer schmalen Landzunge vor Christchurch, wird die Leiche der 17-jährigen Lucy Asher gefunden. Auf der Rocking Horse Road haben Lucys Eltern ein Milchgeschäft, in dem das Mädchen oft aushalf und dabei von den Nachbarjungen aus der Ferne angehimmelt wurde. Der Mord an Lucy schockiert alle Einwohner des kleinen Städtchens, doch für die Jungen ist das Verbrechen besonders traumatisch und bedeutet das Ende ihrer unbeschwerten Kindheit. Die Suche nach dem Mörder schweißt sie zusammen – und über 25 Jahre später sind sie ihm noch immer auf der Spur

Carl Nixon (Autor)

Carl Nixon, geboren 1967 in Christchurch, ist einer der bekanntesten Autor Neuseelands. Er veröffentlichte zahlreiche Kurzgeschichten und auch Theateradaptionen, bevor er 2007 seinen ersten Roman schrieb, Rocking Horse Road, basierend auf einer Kurzgeschichte, mit der Nixon den renommierten "Katherine Mansfield Short Story Contest" gewann.

Aus dem Englischen von Stefan Weidle
Originaltitel: Rocking Horse Road
Originalverlag: Random House

Taschenbuch, Broschur, 240 Seiten, 11,8 x 18,7 cm, 1 s/w Abbildung

ISBN: 978-3-442-74738-2

€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: btb

Erschienen: 12.05.2014

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Wunderbar: Rocking Horse Road - Carl Nixon

Von: Dunkles Schaf Datum: 13.12.2016

diedunklenfelle.wordpress.com

1980 wird Lucy Asher, eine 17-jährige, tot am Strand von The Spit gefunden, einer Landzunge in Christchurch, die mit der namengebenden Rocking Horse Road komplett abgefahren werden kann. Eine Gruppe von Jungs beobachtet den Leichenfund sowie die Ermittlungen und finden ihre eigenen Schlüsse. In den Monaten danach tragen sie Zeitungsartikel und Berichte zusammen, befragen Zeugen und sammeln oder finden Beweisstücke oder Indizien. Doch auch 25 Jahre später sind sie immer noch auf der Suche nach dem Mörder und Lucy Asher lässt sie nicht los.

Ganz kurz hab ich mich in das Buch rein finden müssen. Es mutet schon ein wenig seltsam an, wenn von Wintermonaten, Winterferien und Weihnachten die Rede ist, aber sommerliche Temperaturen herrschen, der Strand bevölkert wird und die Hitze einem zu schaffen macht. Aber so merkt dann auch der Letzte, dass er sich auf der anderen Seite der Weltkugel befindet – in dem Fall in Neuseeland, Christchurch. The Spit, die Landzunge auf der sich die Ereignisse zutragen, ist die Heimat der Jungs, ihrer Eltern und es wird auch die Heimat ihrer Kinder sein. Eine Gemeinschaft, in der es kaum Zu- oder Abgänge gibt, eine eingeschworene Gemeinschaft. Umso schlimmer, dass jemand aus ihrer Mitte gerissen wurde: Lucy Asher.

Keiner von den Jungs kannte Lucy näher, aber doch kannte sie jeder. Wie das eben so ist, in einer recht abgeschlossenen Gemeinschaft, allein schon durch die geografische Lage (die übrigens in einem Foto hinten anhängend in dem Buch dargestellt ist). Doch ihre Ermordung erschüttert die Gemeinschaft. Lucys Schwester wird zu einem promiskuitiven, jungen Mädchen, die so alle potentiellen männlichen Verdächtigen überprüft. Lucys Vater handwerkt in der Garage und lässt sich nachts am Strand blicken, Lucys Mutter betreut das sterbende Milchgeschäft der Familie. Doch nicht nur die engste Familie ist betroffen, alle sind es. Und die Jungs beginnen mit ihren Nachforschungen und Ermittlungen. Sie sammeln und ordnen was sie kriegen können, sie haben ihre Augen und Ohren überall und fragen sich durch.

Durch die sommerliche Atmosphäre und die 15jährigen „Ermittler“ fühlt man sich an „Stand by me“, die Verfilmung von Stephen Kings Kurzgeschichte „Die Leiche“ erinnert. Es ist keine Zweitagesreise, es ist eine jahrelange Reise und natürlich sind die Umstände anders, aber einen Hauch erinnert es eben daran. Es ist eine tiefe Freundschaft, die die Jungs verbindet, und die Ermordung von Lucy Asher schweißt die Jungs noch weiter zusammen. 25 Jahre später sind die meisten von ihnen immer noch auf The Spit und der nahende Tod eines an Krebs erkrankten von Ihnen, lässt sie diese Geschichte erzählen.

Ja, sie. Denn die Erzählung wird in einer Wir-Form wieder gegeben. Es ist nicht klar, wer die Geschichte erzählt oder niederschreibt. Sind es alle? Ist es nur einer? Viele Namen der Jungen werden erwähnt, aber sind es alle? Oder bleibt der Erzähler im Unbekannten und hat eben genau diese Funktion: die Geschichte zu erzählen? Ihr Lebenswerk aufzuschreiben? Denn dass es ihr Lebenswerk ist, kann keiner bestreiten. Lucy Asher ist als Tote mehr in ihren Gedanken als sie es als Lebende jemals war. Sie ist das aufregendste, was ihnen im Leben je passiert ist – oder ein Hindernis, welches ihr Leben klein hält?

„Die unausgesprochene Wahrheit ist, dass wir all noch immer nach etwas suchen. Nicht nur nach Lucys Mörder, sondern nach dem Augenblick in unserem Leben, da wir die unerschütterliche Überzeugung hatten, dass wir einem höheren Zweck dienten, einem übergeordneten Wohl. Wenn man diese Überzeugung einmal hatte, fällt es schwer, sie loszulassen. Es ist beinahe unmöglich, eine langfristige Befriedigung in den Alltäglichkeiten eines normalen Lebens zu finden.“ (S. 83)

Es ist ein Rückblick, fast eine Abrechnung, die leise Spannung transportiert. Die sommerliche Atmosphäre und die einzigartige Halbinsel, die zwar nach begehrter Wohnlage aussieht, doch der ständig herrschende Ostwind macht sie nicht sonderlich attraktiv, tragen auch ihren Anteil daran. Wenn der Sand zwischen den Zähnen knirscht und die Sonne brennt, erscheint das Leben zumindest den Jungs in ihren Winterferien wie eine Idylle. Bis die Leiche gefunden wird. Ihr Leben ändert sich, die Ermordung wird der Mittelpunkt. Selbst dir Rugby-Meisterschaft, die bei Ihnen halt macht, kann das nicht ändern, auch wenn der Autor hier ein politisch interessantes Thema hat einfließen lassen. Rugby ist in Neuseeland so beliebt wie hierzulande Fußball – die Devise war, Sport ist Sport und Politik ist Politik, doch plötzlich regt sich Widerstand gegen das rein weiße Team aus Südafrika. Die Apartheid war damals noch vorhanden. Die Rugby-Meisterschaft unterbricht die Suche nach Lucys Mörder, kann sie aber keineswegs stoppen. Es scheint ein nicht weiter bedeutendes Zwischenspiel zu sein, welches aber wichtig ist, um authentisch das Zeitgeschehen in Neuseeland zu beleuchten.

Dem Standard-Krimileser mag das vorliegenden Büchlein zu wenig Spannung zu bieten und es ist wirklich nicht der typische Krimi. Es ist eine Geschichte von Freundschaft und Abenteuer, auch wenn die Jungs teilweise ein wenig „zahnlos“ sind, es ist eine Geschichte aus Neuseeland in den 80ern. Aber eben verknüpft durch den Mord an Lucy Asher.

„Allmählich wurde uns klar, dass man etwas erst richtig zu sehen beginnt, wenn es verschwunden ist.“ (S. 17)

Fazit:
Ein wunderbares Buch – leise Krimispannung, Freundschaft und Abenteuer im neuseeländischen Flair. Unbedingt lesen!

The Spit

Von: wal.li Datum: 12.11.2016

wallis-buechersichten.blogspot.de/

Im Jahr 1980 wird die 17jährige Lucy Asher am Strand vor Christchurch tot aufgefunden. Sie wurde missbraucht und gewürgt. Sie war gerade mit der Highschool fertig und half oft bei ihren Eltern im Milchladen aus. Lucy war etwas wie ein Idol für die jüngeren Schüler. Und einer von ihnen hatte das Pech, sie zu finden. Die Polizei ermittelt intensiv. Doch auch die Jungen machen sich auf die Suche nach dem Täter. Diese Suche soll über 25 Jahre dauern. Gleich zu Beginn fangen die Mitglieder der Clique an, Lucys Wege nachzuzeichnen.

Auch in seinem ersten Roman wählt Carl Nixon eine ungewöhnliche Perspektive. Der Erzähler, ein Mitglied der Clique, zeichnet die Nachforschungen der Jugendlichen nach, die versuchen jede noch so kleine Information über Lucy zu finden. Also ist es nicht ein Fall für die Polizei, die eigentlich nur am Rande erwähnt wird, sondern ein Abenteuer für eine 15- oder 16jährige, die versuchen hinter Lucys Geheimnis zu kommen. Und sie stellen sich nicht einmal so dumm an, sie fragen in der Nachbarschaft rum, sie folgen ihren Verdächtigen auf dem Fahrrad, sie bleiben am Ball, bis sich tatsächlich einige Spuren und Informationen auftuen, die den offiziellen Ermittlungen durchaus zu Gute kommen.

Wie bereits im Klappentext angedeutet, dauert die Suche seit über 25 Jahren, man muss also davon ausgehen, dass der Täter auch nach der langen Zeit nicht gefasst wurde. Und dennoch sind es die Nachforschungen und Ermittlungen der Jungen, die zu Männern werden, welche die Freunde zusammenschweißen, gegen Jobs, Frauen, Kinder und Hobbys. Natürlich führt des Erwachsenenleben dazu, dass die Bande weniger eng sind, dass es auch mal zeitliche Lücken gibt. Doch grundsätzlich hält das Band. Zwar versuchen hier Jugendliche, herauszufinden, was in der Mordnacht mit Lucy geschah, aber neben dem mysteriösen Todesfalls geht es auch um die Jungs-Clique, aus der sich eine Männerfreundschaft entwickelt. Vieles bleibt im Verborgenen in diesem Fall, der eigentlich keiner ist. Doch genau das macht einen großen Teil der Spannung aus. Man ist versucht selbst zu rätseln und die Lücken zu füllen, die der Autor lässt, man grübelt darüber nach, ob Nixon nicht doch einen Hinweis auf den Täter hinterlassen hat. Irgendwie wünscht man aber auch, dass der Fall nie gelöst wird, damit die schöne Freundschaft zwischen den inzwischen mittelalten Männern nie ihren Zusammenhalt verliert.

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