Sommer 1927

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Taschenbuch
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Es ist die Geschichte eines legendären Sommers: 1927 in Amerika. Der Aktienmarkt boomt, das Fernsehen wird erfunden, die Filme lernen sprechen und verrückte Pläne entstehen – wie der, vier riesige Köpfe in den völlig unzugänglichen Mount Rushmore zu meißeln. Es ist die Zeit der Goldenen Zwanziger, von Al Capone, eines jungen Fliegers namens Charles Lindbergh und des größten Schulmassakers aller Zeiten. Für die USA ist dieses Jahr entscheidend auf dem Weg zur Weltmacht – und die Weichen für die bevorstehende Weltwirtschaftskrise werden gestellt. Bestsellerautor Bill Bryson erzählt von diesem Sommer und seinen Auswirkungen auf die gesamte Weltgeschichte, als sei es eine unglaubliche Abenteuergeschichte, voller erstaunlicher Momente aus der Zeit, als Amerika erwachsen wurde ...

»Erzählt wie ein Abenteuerroman«

P.M. History (13. Januar 2017)

Aus dem Englischen von Thomas Bauer
Originaltitel: One Summer: America 1927
Originalverlag: Doubleday
Taschenbuch, Klappenbroschur, 640 Seiten, 12,5 x 18,7 cm, 48 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-442-15883-6
Erschienen am  14. März 2016
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Bill Bryson: Sommer 1927

Von: Claudio Miller

20.05.2015

„Als in Amerika der Juli anbrach – in der Woche, in der Richard Byrd und sein Team vor der französischen Luftfahrt notwasserten, in der New York unter seiner ersten Hitzewelle litt, in der Calvin Coolidge seinen fünfundfünfzigsten Geburtstag feierte, indem er in seine Cowboy-Montur schlüpfte, in der Charles Lindbergh nach Ottawa startete, in der Henry Fords Lakaien seine Entschuldigung an die jüdische Bevölkerung vorbereiteten und in der sich die führenden Zentralbanker der Welt zu einer geheimen Beratung auf Long Island versammelten -, beschäftigte die Nation am meisten, wie fit und motiviert Jack Dempsey war. Unzählige Reporter berichteten täglich aus seinem Trainingslager am Saratoga Lake im Bundesstaat New York und behaupteten, er wirke bedrohlich und entschlossen und seine Boxhiebe hätten eine Härte, wie man sie seit Jahren nicht mehr gesehen habe.“ Bill Bryson, „Sommer 1927“, Goldmann Verlag, 2014, Originaltitel: „One Summer. America 1927“, 2013. In einer Sache kann man sich sicher sein: Wenn sich Bill Bryson ein Thema vornimmt, sei es eine kurze Geschichte von fast allem, seien es Reiseberichte oder Shakespeare-Dramen, dann wird es hochvergnüglich. Manchem distinguierten Historiker zuckt zwar die Augenbraue bei Nennung dieses Autorennamens hoch, aber die Leserschaft goutiert den Stil des gebürtigen US-Amerikaners, der seinen Lebensschwerpunkt jedoch nach England verlegt hat. Und so ist auch „Sommer 1927“ ein höchst unterhaltsames Sachbuch, das einige Monate wenige Monate der amerikanischen Geschichte in den Fokus nimmt. Zwar ist es nicht ganz schlüssig, warum ausgerechnet der Sommer 1927 (das war der, in dem laut Bryson „die Regierung ihre Bürger vergiftete“) für die USA von so wegweisender Bedeutung gewesen sein sollte. Dies ist jedenfalls der Ausgangspunkt, um den Bryson kreist. Ebenso würden zwar sich in den Jahren davor und danach Anhaltspunkte finden, um sie zu den Wendepunkten zu machen, an denen „Amerika erwachsen wurde“. Aber egal: Auch wenn der Amerikaner über 1743 oder 1984 schriebe, ich würde es mit Vergnügen verschlingen. 1927 jedenfalls ist das Jahr, in dem Charles Lindbergh, quasi als Unbekannter aus dem Nichts, den Flug nach Europa wagt und eine Nation in ungeahnten Freudentaumel versetzt. An dieser roten Linie – Lindberghs Alleinflug über den Atlantik und seine anschließende triumphale Tour durch die USA – reiht Bryson zahlreiche meist amüsante Anekdoten aus einem Sommer, der vom Fliegen, vom Baseball und vom Boxen geprägt zu sein schien. Neben Lindbergh sind weitere Hauptdarsteller unter anderem der legendäre Baseballer Babe Ruth, der Boxer Jack Dempsey, Wayne B. Wheeler, Motor der Prohibition, Al Capone und der verschrobene sowie höchst antisemitische Henry Ford. Anhand dieses Personals bietet damit Bryson damit auch einen Blick auf eine Nation, der nicht schmeichelhaft ausfällt: Die USA als damals reichstes Land der Welt bieten ihren Bürgern Wohlstand und Komfort, nirgendwo sonst gibt es so viele Haushalte im Besitz mechanischer und elektronischer Küchengeräte, nirgendwo sonst so viele Automobilbesitzer, nirgendwo sonst so viele Kinos, nirgendwo sonst…gemessen natürlich an der etablierten weißen Bevölkerung. Und nirgendwo sonst haben die Medien bereits solche Macht: Sie unterhalten das Volk jedoch vor allem mit Brot und Spielen. „In erster Linie aber waren die zwanziger Jahre die Blütezeit der Zeitungen. Die Zeitungsverkäufe stiegen um ein Fünftel, auf sechsunddreißig Millionen Exemplare täglich – oder 1,4 Zeitungen für jeden Haushalt. (…) Darüber hinaus konnten Leser in vielen Städten ihre Nachrichten jetzt einer neuen, revolutionären Form der Publikation entnehmen, die die Erwartungen der Menschen, wie tagesaktuelle Nachrichten aussehen sollten, völlig veränderten: dem Boulevardblatt. Boulevardblätter richteten ihren Schwerpunkt auf Verbrechen, Sport und Klatsch über Prominente und maßen allen drei Sparten dabei eine Bedeutung zu, die sie bislang nicht annähernd genossen hatten. Eine 1927 durchgeführte Studie zeigte, dass Boulevardblätter zwischen einem Viertel und einem Drittel ihres Umfangs der Verbrechensberichterstattung widmeten – bis zu zehnmal so viel wie seriöse Zeitungen. Ihrem Einfluss war es zu verdanken, dass ein unspektakulärer, aber blutiger Mord wie der an Albert Snyder landesweit Schlagzeilen machte.“ 9783442301232_CoverMüsig zu fragen, was zuerst da war: Die Henne oder das Ei. Ob der Boulevard nur eine Sensationslust befriedigte, die befriedigt werden wollte, oder ob Schlagzeilen diese Gier nach Mord&Totschlag erst weckten. Philosophische Gedankengänge dieser Art sind Brysons Sache nicht. Dafür treibt er seine Geschichte – oder vielmehr die Geschichten dieses Sommers – so voran, dass man einfach bei der Stange bleibt. Immerhin, so etliche Kapitel später, führte diese Sensationsberichterstattung auch zur traurigen Berühmtheit von Sacco&Vanzetti, jenen zu Tode verurteilten italienischen Einwanderern, die in einer engstirnigen, verunsicherten und xenophoben Gesellschaft keine Chance auf einen gerechten Prozess hatten. Und hier zeigt sich eine weitere Qualität des Buches: Manches Ereignis und mancher Zustandsbericht aus dem Jahr 1927 lässt sich unter veränderten Vorzeichen auch auf 2015 übertragen. Ein Land in leichter Hysterie – als läge die Ahnung der Weltwirtschaftskrise, deren Ursprung in einem Bankertreffen 1927 gelegt wird, schon in der Luft. „Die damalige Zeit war keine gute, wenn man in Amerika lebte und ein Radikaler oder ein Ausländer war – und eine ausgesprochen gefährliche, wenn man beides war. Die Angst vor den Roten, den Sozialisten und Kommunisten, hatte das Land fest im Griff. 1917 und 1918 hatte der Kongress zwei erschreckend restriktive Gesetze erlassen: die Spionage- und die Volksverhetzungsverordnung. Beide Erlasse sahen schwere Strafen für diejenigen vor, die für schuldig befunden wurden, jegliche Art von Respektlosigkeit gegenüber der Regierung oder ihrer Symbole – der Flagge, militärischen Uniformen, historischen Dokumenten und allem anderen, auf dem die Ehre und Würde der Vereinigten Staaten von Amerika beruhte – zur Schau gestellt zu haben. Sie wurden dann auch mit großer Härte und Erbarmungslosigkeit angewandt. „Bürger kamen ins Gefängnis, weil sie an ihrem eigenen Esstisch das Rote Kreuz kritisiert hatten“, merkte ein Kommentator an. In Vermont wurde ein Geistlicher zu einer fünfzehnjährigen Haftstrafe verurteilt, nachdem er ein halbes Dutzend pazifistische Flugblätter verteilt hatte. In Indiana brauchten Geschworene gerade einmal zwei Minuten, um einen Mann für unschuldig zu erklären, nachdem dieser einen Einwanderer erschossen hatte, der schlecht über Amerika geredet hatte.“ Ein wenig untermauert Bryson mit diesem Buch auch die Klischees, die man von den Vereinigten Staaten und ihren Bürgern hat: Home oft he free and brave, Heimat der Automobilisten, Gewehrträger, Baseballfans, Land der Größe und Engstirnigkeit zugleich. Vor allem aber, dies sei nochmals gesagt, bietet Bryson Geschichte auf äußerst unterhaltsame Weise dar, schildert Zeit und Menschen fast schon greifbar lebendig und mit großem, augenzwinkerndem Humor: „Als Lindbergh endlich die Rednerplattform erreichte, nickte er den Anwesenden zu und nahm den Jubel der Menge entgegen. Präsident Coolidge hielt eine kurze Willkommensrede, steckte im ein Distinguished Flying Cross aufgrund der heldenhaften Leistung ans Revers und lud ihn mit einer Geste ein, etwas zu sagen. Lindbergh beugte sich zum Mikrofon hinunter, das für ihn etwas zu tief eingestellt war, sagte, er freue sich, hier zu sein, bedankte sich mit knappen Worten und trat wieder zurück. Es folgte ein Augenblick unheimlicher Stille, in dem den unzähligen Zuschauern, von denen die meisten seit Stunden in der heißen Sonne gestanden hatten, bewusst wurde, dass sie es mit den zweien der schweigsamsten Männer Amerikas zu tun hatten und dass die Feierlichkeiten beendet waren.“ Ich danke dem Verlag für das Besprechungsexemplar. Weitere Blog-Rezensionen gibt es hier zu lesen: Jargs Blog Lesekabinett Leipzig Ein Beitrag von Claudio Miller

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Sommer 1927: Der Mensch hinter der amerikanischen Geschichte

Von: Detlef M. Plaisier

13.05.2015

<em>Wann begann das amerikanische Jahrhundert tatsächlich? In der offiziellen Geschichtsschreibung stellt der Kriegseintritt – vor allem in den Zweiten Weltkrieg – den wichtigsten Wendepunkt dar. In seinem Roman "Sommer 1927" stellt Bill Bryson hingegen die gewagte These auf, dass sich die wichtigen Ereignisse, die den USA den Weg zur dominierenden Macht (zumindest in der westlichen Welt) ebneten, im Jahr 1927 ereigneten.</em> <strong>Was geschah im Sommer 1927?</strong> Die Rahmenhandlung für Bill Brysons historische Anekdotensammlung bildet der erfolgreiche Transatlantikflug von Charles Lindbergh. Der Pilot war vom 20. auf den 21. Mai 1927 nonstop von New York nach Paris geflogen und absolvierte anschließend eine Tournee durch die USA, um in der Bevölkerung die Begeisterung für die Luftfahrt zu wecken. Später wurde der Nationalheld jedoch eher zur Persona non grata, als er sich während des Zweiten Weltkriegs dafür aussprach, die USA sollten nicht in den Krieg eintreten, sondern sich mit den neuen Machtverhältnissen in Europa arrangieren. In diese Rahmenhandlung eingestreut erzählt Bryson anekdotenhafte Ereignisse, die sich 1927 ebenfalls zutrugen und mehr oder weniger als das Erwachen des US-amerikanischen Selbstbewusstseins betrachtet werden dürfen. Die Bandbreite dieser Erzählungen reicht von Babe Ruths Rekordsaison für die New York Yankees über die Einweihung des Mount Rushmore durch Calvin Coolidge, der politisch in erster Linie durch Nichtstun auffiel, bis hin zu den Anfängen des Tonfilms und Fernsehens. <strong>Mensch und Geschichte</strong> Die historischen Fakten – obwohl korrekt und ausführlich recherchiert, wie der umfangreiche Anhang zeigt – spielen für Bill Bryson nur eine untergeordnete Rolle. Er erzählt seine Geschichte(n) anhand der Ereignisse, in welche die Akteure verwickelt sind. Er schildert die Personen und Handlungsstränge augenzwinkernd, oft mit einem ironischen Unterton. Und genau das macht seine Schilderungen des Sommers von 1927 lebendig und den Leser neugierig darauf, sich näher mit den Einzelheiten zu befassen. Zudem erläutert Bill Bryson die Zusammenhänge kurz und prägnant, auch wenn sie in einem zeitlichen Zusammenhang von einem halben Jahrhundert gesehen werden müssen. <strong>Mein Fazit</strong> Bill Bryson beweist mit "Sommer 1927", dass es einfach nur Spaß machen kann, sich mit historischen Themen und Zusammenhängen zu befassen. Durch seine Herangehensweise wirkt Geschichte lebendig. Bryson macht den Leser neugierig, und das ist gut so... Die Rezension wurde erstellt von Harry Pfliegl. Er ist Autor im Pool von Detlef M. Plaisier [Der Mann für den Text].

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Vita

Bill Bryson wurde 1951 in Des Moines, Iowa, geboren. 1977 zog er nach Großbritannien und schrieb dort mehrere Jahre u. a. für die Times und den Independent. Mit seinem Englandbuch »Reif für die Insel« gelang Bryson der Durchbruch. Heute ist er in England der erfolgreichste Sachbuchautor der Gegenwart. Seine Bücher werden in viele Sprachen übersetzt und stürmen stets die internationalen Bestsellerlisten. 1996 kehrte Bill Bryson mit seiner Familie in die USA zurück, wo es ihn jedoch nicht lange hielt. Er war erneut »Reif für die Insel«, wo er heute wieder lebt.

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