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Spiel der Zeit Roman

Kundenrezensionen (4)

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Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-328-10016-4

Erschienen: 08.08.2016
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Hilla Palm, Arbeiterkind vom Dorf, ist als Studentin in Köln angekommen. Im turbulenten Jahr 1967 sucht sie hier heimisch zu werden, erkundet die Welt der Sprache, genießt die Freiheit des Denkens, sehnt sich nach Orientierung im Leben und muss doch erkennen: Ich bin meine Vergangenheit. Erst als sie ihrer Liebe begegnet, findet sie die Kraft für einen neuen Blick auf alte Verletzungen.

„Spiel der Zeit“ ist ein Buch über die Jahre der Sehnsucht und Leidenschaft – ein mitreißender Entwicklungsroman und zugleich ein imposantes Epochengemälde der 68er Jahre, eine der radikalen Umbruchphasen in der Geschichte der Bundesrepublik.

"Ulla Hahn liest in Münster" - Westfälische Nachrichten

"Frauen sind die größten Gewinner" - Interview mit Ulla Hahn auf bz-berlin.de

ÜBERSICHT ZU ULLA HAHN

Lyrik

Romane

Romantrilogie um Hildegard Palm

Erzählungen

  • 1. Liebesarten

Bitte beachten Sie, dass zwecks Vollständigkeit ggf. auch Bücher mit aufgeführt werden, die derzeit nicht lieferbar oder nicht bei der Verlagsgruppe Random House erschienen sind.

Ulla Hahn (Autorin)

Ulla Hahn, aufgewachsen im Rheinland, arbeitete nach ihrer Germanistik-Promotion als Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten, anschließend als Literaturredakteurin bei Radio Bremen. Für ihren Roman „Das verborgene Wort“ (2001) erhielt sie den ersten Deutschen Bücherpreis. 2009 folgte der Bestseller "Aufbruch", der zweite Teil des autobiographischen Epos. "Spiel der Zeit", der dritte Teil, begeisterte Kritiker wie Leser.

24.04.2017 | 19:00 Uhr | Wien

Eröffnungslesung des Dichtungsfestivals "Dichterloh"

Moderation: Michael Hammerschmid

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Mehr Infos

ERSTMALS IM TASCHENBUCH

Originaltitel: Spiel der Zeit
Originalverlag: DVA, München 2014

Taschenbuch, Broschur, 608 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-328-10016-4

€ 12,00 [D] | € 12,40 [A] | CHF 16,50* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Penguin

Erschienen: 08.08.2016

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Wörter als Verbündete

Von: YukBook Datum: 23.10.2016

www.yukbook.me

Hildegard Palm, Protagonistin der Romantrilogie von Ulla Hahn, ist zurück. Im dritten Teil ist die Tochter einer rheinischen Arbeiterfamilie aus dem ländlichen Dondorf nach Köln gezogen, um Germanistik zu studieren. Die Kornblumen auf dem Buchcover symbolisieren die Wanderschaft. Passend dazu unternehmen wir gemeinsam mit Hildegard, kurz Hilla genannt, einen Streifzug durch die Stadt, „gehen, sehen und lauschen“ und nehmen die geballten Eindrücke in uns auf. Die Sprachverliebtheit und Fabulierkunst der Autorin ist dabei so einnehmend, dass sich sogar die Vorführung eines modernen Mixers in einer Einkaufspassage höchst amüsant und spannend liest.

Wie in den 60er Jahren die Technik Einzug in den Wohnungen hält, ist nur ein Aspekt, der den damaligen Zeitgeist vor unseren Augen aufleben lässt. Hilla lebt sich im katholischen Studentinnen-Kolleg ein und hört auf Feten Songs der Beatles und Rolling Stones. Auf einer Kostümparty verliebt sie sich in den vermögenden Intellektuellen Hugo, der ihre Liebe zur Poesie teilt und sie geistig anfeuert. Er ist es auch, der ihr hilft, ein düsteres Kapitel in ihrer Vergangenheit aufzuarbeiten. Mit Hugo an seiner Seite ist Hilla in der Lage, ein neues Leben zu beginnen. Ihm zuliebe nimmt sie an Friedensdemonstrationen, Teach-Ins und Grundsatzdiskussionen teil, obwohl sie mit Politik nicht viel am Hut hat. Offen gibt sie zu, dass sie sich viel lieber mit ihrer literarischen Arbeit zu Hause beschäftigen würde.

Was diese autobiografisch gefärbte Erzählung zu etwas Besonderem macht, ist der Bezug zur Sprache, der die gesamte Trilogie durchzieht. Die Autorin beschäftigt sich eingehend damit, welchen Einfluss Wörter und ihr Gebrauch auf unser Leben haben. Das Aussprechen von Wörtern kann helfen, ein Trauma zu bewältigen oder Ängste zu überwinden. Ein Wort wie „Student“ kann durch gesellschaftliche Ereignisse völlig andere Assoziationen wecken, von akademischer Unnahbarkeit bis hin zu Gammler und Randalierer. Sprachbegeisterte wie ich werden ihre Freude an diesen Exkursen haben; alle anderen könnten es als langatmig empfinden, wenn Hilla und Hugo sich mit Schiller, Nietzsche oder Hölderlin beschäftigen und detaillierte Textanalysen betreiben. So überzeugt der dritte Teil der Hilla-Romane vor allem durch die Sprachkraft und das interessante Gesellschaftspanorama und weniger durch eine spannende Handlung.

Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Hilla Palm zum Dritten: Ulla Hahns neuer Roman gewinnt sein „Spiel der Zeit“.

Von: Tanja Jeschke aus Stuttgart Datum: 02.06.2016

Die Hahn`sche Verschmelzung von Erfindung und Erfahrung, von Fiktion, Autobiographie und „Bei-gebrachtem“ – wir nehmen sie ihr erneut ab, schlüpfen in ihre Haut, als sei es die unsere: Ihre erste Nacht im katholischen Studentenwohnheim, ihre ersten Seminare an der Kölner Universität oder der Kampf mit ihrer inneren „Kapsel“, in der sie das Trauma der Vergewaltigung auf der Lichtung im Krawatter Busch einzuschließen versucht. Vom ersten eigenen Geld – ein Stipendium nach Honnefer Modell macht´s möglich – kauft sie dem Vater einen Saftmixer bei Karstadt. Die Eltern, die Oma, der Bruder – Hillas Herkunft redet dazwischen, derb und auf Kölsch. Der Dialekt durchzieht auch diesen Band wieder wie ein Jeck: Was für ein Vergnügen, den Dondorfern zuzuhören! Aber für Hilla ist es nicht ganz so lustig. Sie will da raus. Doch noch ist sie ganz eingeschnürt in die Vergangenheit, ganz Raupe, zum Karneval verkleidet sie sich als solche, mit Kissen ausgestopft bis zur Unkenntlichkeit. Und wird doch entdeckt von einem Käfer, von Hugo aus wohlhabendem Haus. Er wird Hillas große Liebe, auch er ein Geschädigter, Hugo hat einen Buckel und sein Elternhaus klirrt vor Kälte. Umso wärmer haben es die beiden miteinander. Sprachverliebt und lebenshungrig verhelfen sie sich gegenseitig zur Entpuppung.
Das jungen Paar stellt die Frage nach der Verantwortung von Literatur angesichts der Wirklichkeit, nach dem Verhältnis von Geist und Realität, Theorie und Tat. Dutschke wird von einer Kugel getroffen, Hilla von Ezra Pound, und vom Attentat liest sie erst in der Zeitung. Ihre Reflexion definiert eine Enklave im Wirbel der Revolte. Literatur als Auge im Sturm? Als Inne-werdendes Bewusstsein?
So wie Hilla ihre Nase in die Angelegenheiten von Spartakus, Teach-ins, RCDS und Hörsaal-Demos steckt, ohne dort eine Rolle zu spielen, so steckt die Autorin die ihre in den fortlaufenden Text und meldet sich ganz plötzlich zu Wort: „Wurde cool in den späten Sechzigern schon gebraucht wie heute? Ich habe es überprüft: ja.“ Da hält der große Text auf einmal inne und muss einer kleinen vorwitzigen Stimme stattgeben, um dann, wie nach einem Schluckauf, weiter dem Lauf der Dinge zu folgen. Es sind sprachspielerische und selbstreflexive Knüppel, die sie dem Text zwischen die Beine wirft, und womöglich übertreibt es Ulla Hahn etwas, wenn sogar Verweise auf das noch ausstehende dichterische Werk Hillas auftauchen und Ulla Hahn damit ihre eigenen Veröffentlichungen phantasiert. Alles ist möglich dem, der da schreibt, und es mag Teil des Spiels sein, das Ulla mit Hilla und der Sprache treibt, aber man hat bisweilen nicht übel Lust, der Autorin ein „Psst!“ zuzuzischen, um nicht abgelenkt zu werden von Hilla. Denn es sind ihre Geschichten, die davon erzählen, wie Geschichte entsteht, das Spiel der Zeit, und wie es geht. Und es ist wiederum ein Zeichen der ersten Güte dieses Romans, dass die Figur Hilla dies vermag: Der eigenen Autorin weit überlegen zu sein an Anziehungskraft und Unbedingtheit.
Dass es noch einen weiteren Band mit Hilla geben wird, gehört nach der Lektüre denn auch zu den schönsten Nachrichten des Tages.


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