VERLAGSGRUPPE RANDOM HOUSE - BERTELSMANN
Menü
  • facebook
  • google+
  • whatsapp
  • twitter
  • add this

Straus Park Roman

Kundenrezensionen (7)

Bestellen Sie mit einem Klick

oder kaufen Sie direkt vor Ort bei Ihrem Buchhändler.

ca. € 11,00 [D] inkl. MwSt.
ca. € 11,40 [A] | ca. CHF 15,50*
(* empf. VK-Preis)

Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-442-71596-1

DEMNÄCHST
Erscheint: 12.02.2018

E-Mail bei Erscheinen

Weitere Ausgaben: Gebundenes Buch, eBook (epub)

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Anmeldung

  • Info

  • Vita

  • Service

  • Biblio

Zwischen New York, Amsterdam und London, von den 1930ern bis heute entfaltet sich dieser rasante, intelligente Roman über Erfolg und Sex, über Schuld und Überlebenswillen, über Familie und die Suche nach Liebe. Und auf beeindruckende Weise macht der flämische Schriftsteller Paul Baeten Gronda mit dieser Geschichte zweier Liebender nachvollziehbar, wie sehr jeder Einzelne von uns durch die Taten seiner Eltern und Großeltern, durch das Schicksal seiner Familie geprägt wird.

P. B. Gronda (Autor)

Paul Baeten Gronda wurde 1981 in Belgien geboren und lebt mit seiner Frau abwechselnd in Italien und in Leuven. Gronda ist Kolumnist für die Zeitungen »De Morgen« und »Knack« und Schriftsteller. Mit seinem ersten Roman kam er 2010 auf die Shortlist des Academica Debütantenpreis. »Straus Park« ist der vierte Roman des in Belgien und den Niederlanden sehr erfolgreichen flämischen Schriftstellers.

Aus dem Niederländischen von Marlene Müller-Haas
Originaltitel: Straus Park
Originalverlag: De Bezige Bij Antwerpen

Taschenbuch, Broschur, ca. 320 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-442-71596-1

ca. € 11,00 [D] | ca. € 11,40 [A] | ca. CHF 15,50* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: btb

DEMNÄCHST
Erscheint: 12.02.2018

  • Leserstimmen

  • Rezension verfassen

Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Familiengeheimnis

Von: Constanze Matthes Datum: 28.05.2017

https://zeichenundzeiten.com

Amerika wurde über Jahrhunderte für unzählige jüdische Familien zu einer zweiten Heimat. Sei es, um der Armut zu entfliehen, sei es, um den Pogromen und Verfolgungen zu entkommen. Heute leben schätzungsweise acht Millionen Juden in den USA. Amos Grossmanns Großeltern Charlotte und Markus gelingt es, untergetaucht in Amsterdam, nahezu unbeschadet das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg zu überstehen und am Ende des Krieges in die USA zu emigrieren. Was der Enkel der vermögenden Familie allerdings zuerst nicht weiß, ist, dass ihre Flucht noch einen ganz anderen Grund hat.

Paul Baeten Gronda erzählt in seinem Roman „Straus Park“ von einem dunklen Geheimnis, das die Geschichte der Familie Grossmann fortan beeinflusst. Wenn auf den ersten Blick im eher positiven Sinne. Denn die Familie ist reich, sehr reich, vermögend durch den Kunsthandel. So können Amos und seine zwei Brüder Noah und Jacob ihr Leben gestalten, wie sie wollen. Der eine eröffnet eine Fahrrad-Werkstatt, der andere investiert in moderne Kunst – mehr oder weniger erfolgreich. Amos stolpert indes durch sein Leben. Ohne Ziele, Wünsche und Träume. Nach einer Europa-Reise bricht er sein Studium der Kunstgeschichte kurzerhand ab, lebt zurückgezogen im Elternhaus, einer großen Villa mit Blick auf den Straus Park in Manhattan. Er heiratet mit Farren eine Tochter aus ebenfalls sehr gutem Haus, weil er glaubt, sie zu lieben. Wenig später stürzt er sich in eine leidenschaftliche Affäre mit der älteren, aber sehr erfolgreichen Immobilien-Maklerin Alison. Zu seiner kleinen Tochter kann er kein normales Vater-Kind-Verhältnis aufbauen, andere Männer in Farrens Leben begegnet er mit Eifersucht und Gewalt. Einen verprügelt er gar mit einer Sirup-Flasche. Sein zielloses wie maßloses Treiben begleitet auch ein Therapeut, den Amos regelmäßig aufsucht. Eines Tages tritt Julie Dune, eine junge Engländerin und Doktorandin der Kunstgeschichte, in sein Leben. Sie forscht für ihre Doktorarbeit nach europäischer Kunst und Antiquitäten im Besitz amerikanischer Familien. Amos verliebt sich in sie, obwohl sie verlobt ist. Was er noch nicht weiß, ist, dass ihre beiden Familiengeschichten miteinander verwoben sind.

Nach und nach entschlüsselt Gronda das Geheimnis um die Grossmanns, das schließlich auch der Grund ist, warum Amos seine Lebenszeit vergeudet. Der flämische Autor, der 1981 in Belgien geboren wurde, lässt den Erzähler in zwei verschiedenen Strängen berichten, die in der jüngsten Vergangenheit und in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts verankert sind. Der Leser lernt so auch Amos‘ Großeltern kennen, die mit Beginn des Dritten Reichs aus ihrer Heimat Brandenburg nach Amsterdam geflohen sind und sich dort, ausgestattet mit falschen Papieren, versteckt halten. Während Markus, ein Arzt, komplett untertaucht, sucht seine Frau Charlotte den Kontakt zur Bevölkerung und auch zu den Deutschen, die die Niederlanden besetzt haben.

Gronda macht es dem Leser zu Beginn indes nicht leicht. Zum einen zeichnet er seinen Helden Amos so, dass man ihn nicht unbedingt mag. Er ist reich, wirkt überheblich und exzentrisch, ohne Ambitionen verschleudert er das Geld der Familie. Zum anderen erscheint der Anfang des Buches, als ob kleine Puzzle-Teile fehlen, als ob bei einem Film Szenen herausgeschnitten sind. Man gewinnt den Eindruck, die Handlung ruckelt oder hastet. Fast hätte ich das Buch wieder zur Seite gelegt. Doch wer die ersten Seiten „überstanden“ hat, wird mit der folgenden Lektüre belohnt. Denn die Ereignisse überschlagen sich, ein Sog entsteht, der den Leser in einen Bann und in das folgende Geschehen zieht: Ein tragischer Unfall überschattet die Familie, Amos lernt einige Zeit später Julie kennen, der er verfällt, so dass er auch die Beziehung zu Alison aufgibt. Die Geschichte der Großeltern und das Familiengeheimnis, in der die Großmutter eine unrühmliche Rolle spielt, wird eindrucksvoll geschildert. Die beklemmende Atmosphäre in jener Zeit, angesichts des Krieges und der Gewalt der Besatzer, sowie die Angst der Juden um ihr Leben werden spürbar. Denn das grauenhafte Schicksal der verhafteten Juden, die Züge, die in Richtung Auschwitz fuhren, waren nahezu jedem bekannt. Und nicht wenige haben dieses Verbrechen mit Kollaboration und Verrat unterstützt.

Gleichzeitig gelingt es Gronda, Amos‘ Gedanken und Gefühle, Ängste und Hoffnungen glaubwürdig zu schildern und dem Charakter des Helden somit psychologische Tiefe zu verleihen. Mit der Zeit, Kapitel für Kapitel gewinnt er zunehmend Sympathie-Punkte, weil ein erster Eindruck eben auch nicht immer der richtige ist. Das Ende des Buches, das erzählt, wie Familiengeschichte bis in die jüngeren Generationen wirkt, entsetzt und macht betroffen. Ein Happy End als Krönung einer für nahezu alle Personen des Buches positiven Entwicklung lässt der Autor nicht zu. „Straus Park“ ist großes erzählerisches Kino mit schönen wie tragischen Überraschungen, das im Kopf und im Herz bleibt.

Viel zu viel Vergangenheit

Von: Eva Datum: 03.11.2016

www.thelostartofkeepingsecrets.wordpress.com

Gerade erst waren die Niederlande und der flämische Sprachraum Thema auf der Buchmesse in Frankfurt. Wenn ihr verschlungene Familiengeschichten mögt, solltet ihr diesen Roman lesen.


Sie zog ihn auf einen antiken Teppich, und immer wieder schmeckte er nicht nur sie, sondern auch den Staub von viel zu viel Vergangenheit. Er wäre auf ewig in ihr geblieben, hier, auf dem kratzigen Gewebe oder egal wo sonst, aber sie war schnell und er begriff, dass danach alles vorbei sein konnte. (S.10)

straus_park_bearbeitetSex mit Kunsthistorikerinnen ist für Amos Grossman eine neue Erfahrung. Auch wenn der Erbe einer jüdischen Familie wirklich kein Kind von Traurigkeit ist. Von seiner ersten Ehefrau hat er sich scheiden lassen, obwohl er damals noch an die große Liebe glaubte. Die gemeinsame Tochter sieht er sporadisch. Als wir ihn kennen lernen, hat er nur noch Sex mit seiner Geschäftspartnerin Alison und klagt sein Leid regelmäßig einem Therapeuten. Zu seiner Familie hat er kaum Kontakt,sein Geschichtsstudium(Harvard!) hat er abgebrochen, nachdem seine Eltern bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind. Amos verwaltet den ehemaligen Familiensitz am Straus Park und hütet das Erbe. Ansonsten wankt er ziellos durch sein Leben und bevor die Midlife-Crisis unbarmherzig an seiner Tür klopft, begegnet er einer verführerisch schönen Kunsthistorikerin und verliebt sich. Denn diese Frau, das ist sie endlich. Die eine, echte, wahre Liebe.


Es gibt eine Art Liebe, dachte er, eine weichgespülte Variante, die gedeiht, weil man weiß, dass sie bald zu Ende geht. Kamikazeliebe, kurz und dumm. Nicht die Art von Liebe, der Amos Grossmann in handtuchbreite Schuhläden in der Lower East folgen würde. Er kannte sie nur allzu gut, diese weichgespülten Varianten. Für gewöhnlich zog sich Amos diese Art von Liebe zu, wie man sich eine Erkältung zuzieht. (S.84)

Julie Dane forscht über die Herkunft europäischer Kunstschätze aus dem 18. Jahrhundert in den USA. Amos verliebt sich sofort in die charmante Engländerin, die unerwartet vor seiner Tür steht, geht mit ihr Schuhe kaufen und stellt den Kontakt zu anderen Kunstsammler*innen her. Es kommt zu einer stürmischen Affäre, deren leidenschaftliche Höhepunkte bereits am Anfang des Romans in epischer Breite ausgelotet werden. Das ist unterhaltsam.

Doch dann kippt die Szenerie. Bis hierhin ist alles simpel und nicht überraschend. Man kann es sich förmlich ausmalen, wie Julie und Amos mit ihren Café Lattes an der Upper West Side entlang schlendern und das Leben genießen. Das Julie daheim auf der Insel eigentlich liiert ist, stört wenig. Würde eine vertraute Stimme „xoxo, Gossip Girl“ kommentieren – es würde passen.giphy

Doch Paul Baeten Gronda legt spätestens im zweiten Teil des Romans einen düsteren Schatten auf diese Szenerien der Belanglosigkeit. Und damit habe ich nicht gerechnet. Der zweite Teil führt die Leser*innen ins Jahr 1937, zunächst nach Deutschland und dann in die Niederlande.


Friedrich Großmann war genau wie viele andere in seiner Position vor allem darauf aus gewesen, sich so deutsch wie möglich zu geben und hätte alles Jüdische am liebsten vergessen oder wenn möglich verleugnet. […] Dass der deutsche Staat sein Feind sein sollte, dass seine Landsleute ihn, einen Arzt und obendrein einen Kriegsveteranen, jemand, der ihre Kinder auf die Welt gebracht hatte – dass sie ihn ausspeien würden, das wollte er nicht glauben, wenn er es sich überhaupt vorstellen konnte. (S.143)

In Amsterdam leben Charlotte und Markus. Sie sind Amos‘ Großeltern. Charlotte hat ihren Vater Friedrich in Deutschland auf der Flucht vor den Nazis zurückgelassen. Es war ein Beschluss ihrer Familie, dass sie und ihr Ehemann als erstes nach Amsterdam gehen. Die Eltern werden nie nachkommen. Charlotte und Markus leben in verschiedenen Verstecken, sie kommen bei Freunden unter oder bei Freunden von Freunden. Markus droht an der Verfolgung zu zerbrechen, Charlotte hingegen will die Situation nach wie vor im Griff behalten können. Deshalb wirft sie sich einem NS-Offizier an den Hals und verrät ihm peu á peu, wo sich ihre Freunde verstecken – denn wenn sie ihn mit Informationen versorgt, lässt er sie und ihren Mann hoffentlich in Ruhe. Außerdem gefällt ihr der Nervenkitzel und endlich winkt ihr als Geliebte eines Offiziers auch der soziale Aufstieg. Charlottes Geplauder sorgt direkt für Verhaftungen und Ermordungen, es sorgt dafür, dass ihre engsten Freunde direkt ins Lager abtransportiert werden.


„Ich will damit nur sagen, dass der Krieg nicht ewig dauern wird.“ Und als er nach diesen Worten ihren Hals küsste, scheu und behutsam, als ob er sie zerbrechen könnte, begriff sie nicht nur, was er vorhatte, sondern auch, dass er sie liebte. Otto Frei, der Mann, den man den Bluthund nannte und der eine Art Gerichtsvollzieher des Todes war, er liebte sie, eine jüdische Bäuerin aus Ketzin, die ihre eigenes Volk verkaufte. (S.209)

Paul Baeten Gronda erzählte eine Geschichte über Opfer und Täter, über Schuld und Leidenschaft, ohne dabei zu moralisieren. Dabei gelingt es ihm, immer wieder den Bogen in die Gegenwart zu spannen und Julie und Amos Liebesgeschichte in den Blick zu nehmen. Der Roman hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es geht um Liebe, Leidenschaft und Verrat. Vor allen Dingen geht es aber auch um jüdischen Kunstbesitz in der NS-Zeit und Spuren von viel zu viel Vergangenheit, die bis in die Gegenwart führen. Und man kann es sich denken: die Geschichten von Amos‘ und Julies Familien sind auf tragische Weise miteinander verbunden.

Voransicht