Todesschweigen

Kriminalroman

(7)
Taschenbuch
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In Edinburgh ist Detective Helen Birch auf dem Weg zu ihrer neuen Dienststelle, als sie zu einem Einsatz gerufen wird, der sie zutiefst erschüttert: ein Amoklauf am Three Rivers College. Der junge Ryan Summers hat dreizehn Studentinnen erschossen, dann die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Was bleibt, ist die quälende Frage nach dem Warum. Während sich die Medien mit Spekulationen überschlagen, führen ihre Ermittlungen Helen Birch zu Ryans Mutter Moira sowie zu den verzweifelten Angehörigen der Opfer. Doch beide Seiten verbergen Geheimnisse, und die Wahrheit scheint Helen immer mehr zu entgleiten …


DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen von Michael Benthack
Originaltitel: All the Hidden Truths
Originalverlag: Hodder
Taschenbuch, Broschur, 528 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-48842-1
Erschienen am  19. November 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Reden ist Silber

Von: Blaxy's Little Book Corner

14.03.2019

Es ist ein gewöhnlicher Morgen in Edinburgh: Menschen sind am Frühstückstisch, fahren zur Arbeit, genießen die ersten warmen Tage. Bis um 8.30 Uhr der erste Schuss am Three Rivers College fällt. Ryan Summers tötet 13 seiner Kommilitoninnen und letztendlich sich selbst. Für Detective Helen Birch gilt es nun die Frage nach dem "Warum" zu klären - bevor die Medien es tun.. Die Geschichte beginnt einen Tag vor dem Amoklauf; wir bekommen einen Einblick in das Leben von DI Birch, die gerade befördert wurde, von Moira Summers, der Mutter des Schützen und von Ishbel Hodgekiss, deren Tochter Abigail das erste Opfer Ryan's wurde. Alle drei Frauen begleiten uns das gesamte Buch über und schenken uns somit drei verschiedene Perspektiven. Da die Thematik einen Amoklauf behandelt, war ich darauf gefasst, dass Teile der Geschichte emotional sein würden, doch wurden meine Erwartungen in dieser Hinsicht übertroffen: sowohl Ishbel als auch Moira verfallen tiefer Trauer, was nur allzu verständlich ist. Der Kampf mit der Presse wirkt im Kontrast dazu schon fast deplaziert, wenn auch diverse "Einspieler" der Medienartikel dem roten Faden des Plots Abwechslung schenken. Dennoch frage ich mich, ob Claire Askew sich selbst nicht ganz einig war, wohin genau ihre Geschichte uns führen soll. Nebst äußerst detaillierten Beschreibungen der aktuellen Lage und Emotionen der Protagonisten drängt sich die Mediengewalt immer wieder in die Geschichte, was mich selbst ein wenig mit den Augen rollen ließ. Besonders die Figur des Reporters Grant Lockley ist ein Antisymphatisant, welcher für das letztendliche Gesamtbild der Story von Nöten ist, mich persönlich aber weitesgehend genervt hat. Das "Warum" blieb meiner Meinung nach einfach auf der Strecke. Ich kann nur mutmaßen, ob und wie sich die Welt der Angehörigen einer so schrecklichen Tragödie weiterdreht, aber "Todesschweigen" hat diese Szenerie in meinen Augen sehr gut aufgegriffen. Allerdings würde ich daher das Buch weniger als Krimi, sondern eher als ein Drama bezeichnen. Auch wenn der Handlungsstrang um DI Birch viel Zeit in Anspruch nimmt, ist die Polizeiarbeit nicht Hauptaugenmerk der Geschichte; gerade auch, weil Birch so einigen persönlichen Ballast mit sich herumträgt. Alles in allem ist "Todesschweigen" eine interessante Geschichte über Trauerbewältigung und Konsequenzen von Taten, aber kein abgerundeter Kriminalfall mit verlockendem Spannungsbogen. Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

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Berührendes Werk mit realistischem Spannungsbogen

Von: Corisbuchwelt

26.02.2019

In Edinburgh wird Detective Helen Birch zu einem Einsatz gerufen, der sie zutiefst erschüttert: ein Amoklauf am Three Rivers College. Der junge Ryan Summers hat dreizehn Studentinnen erschossen, dann die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Was bleibt, ist die quälende Frage nach dem Warum. Während sich die Medien mit Spekulationen überschlagen, führen ihre Ermittlungen Helen Birch zu Ryans Mutter sowie zu den verzweifelten Angehörigen der Opfer. Doch beide Seiten verbergen Geheimnisse, und die Wahrheit scheint Helen immer mehr zu entgleiten... Dieser Kriminalroman befasst sich mit einem sehr ernsten und tragischen Thema - einem Amoklauf. Claire Askews fließender plastischer Schreibstil ermöglicht es dem Leser, tief in die Gedanken und Gefühlswelt ihrer Protagonisten einzutauchen und zeichnet ein Bild von der Aufarbeitung des grausamen Verbrechens. In verschiedenen Zeitabschnitten vor, während und nach dem Amoklauf zeigt die Autorin hier die Geschehnisse rund um Detective Birch, Moira Summers - Mutter des Täters - und Ishbel Hodgekiss - Mutter eines der Opfer. Sie zeichnet ein Bild von Ermittlungen, die immer umfangreicher werden und die Polizei vor neue Herausforderungen stellt, die jedoch zunehmend schwieriger werden und die Frage aufwerfen, was die Rolle der Polizei nach der Tat denn nun ist. Der Täter steht fest und es stellt sich die Frage, ob man das Warum überhaupt jemals beantworten kann. Birch versinkt in Papierkram und Arbeit, während der Medienrummel immer größer und die entstehenden Probleme immer mehr werden. Politische Debatten werden los getreten, die Morddrohungen gegen Moira Summers werden immer mehr und der zwielichtige Journalist Grand Lockley hat es sich zur Aufgabe gemacht, so viel Aufmerksamkeit auf seine Kolumne zu lenken, wie er nur kann. Unter reißerischen Überschriften werden Geheimnisse werden aufgedeckt, immer mehr Menschen werden in den Strudel des Sensationsjournalismus hineingezogen und all dies sorgt nur dafür, dass Birchs Aufgabe immer schwieriger wird. Auch davor, die Angehörigen der Opfer zu verfolgen, machen die Medien und insbesondere Lockley keinen Halt. Ishbel kämpft währenddessen mit ihrer auseinander fallenden Ehe und tiefen Schuldgefühlen, die sie zu zerreißen drohen. Sich dem Tod ihrer Tochter stellen zu müssen, diesen akzeptieren und gar verarbeiten zu müssen, ist eine schier unlösbare Aufgabe für sie. Ishbel versinkt in Trauer und Wut über den tragischen Mord, Ryan Summers, die ganze Welt, die ihr ihre Tochter genommen hat. Und dann drohen dunkle Geheimnisse ihrer Tochter und auch von Ishbel selbst ans Licht zu kommen... Ishbels Kapitel zeigen das ganze Ausmaß der Verzweiflung, die diese Tat zur Folge hat und verleihen dem Buch eine weitere, tieftraurige, emotionale Komponente. Zudem führen gerade diese Kapitel vor Auge, wie grausam gerade die Zeit nach dem Vorfall wirklich ist und wie kraftlos die Angehörigen der Opfer der Aufarbeitung des Vorfalls gegenüber stehen. Ishbels Mann stürzt sich ganz in seine Wut und auch wie diese verschiedenen Arten, mit der Trauer umgehen, ihre ohnehin brüchige Ehe belasten, ist von der Autorin grausam realistisch eingearbeitet worden. Grausam ist auch das, womit Moira Summers sich befassen muss... Als Mutter des Täters erhält sie Morddrohungen und wird von der Presse belagert. Auf Trauerfeiern ist kein Platz für ihre Trauer und es werden immer mehr Stimmen laut, die schreien, dass sie etwas gewusst haben muss. Moira kämpft mit Selbstvorwürfen und Suizidgedanken, während sie öffentlich immer tiefer in den Schmutz gezogen wird. Und Moira verbirgt etwas, etwas von dem sie auf gar keinen Fall möchte, dass die Öffentlichkeit es erfährt. Doch kann sie in so einer Situation tatsächlich Geheimnisse für sich behalten? Und kann sie jemals wieder Frieden finden, gefangen zwischen Trauer und Wut - auf ihren Sohn und sich selbst? Dieses Buch widmet sich dem Thema sehr einfühlsam und zeigt doch in der ganzen grausamen Wahrheit, was nach einer solch schrecklichen Tat geschieht. Es zeigt, dass die Opfer nicht nur die Ermordeten sind und wie sich Trauer, Zorn und die quälende Frage, warum das alles geschehen ist, in verschiedenen Menschen festsetzt. Gleichzeitig wird Spannung aufgebaut, da man als Leser unbedingt wissen möchte, welche Geheimnisse verborgen sind und wie weit sich die drückende Atmosphäre noch zuspitzen wird. Moira, Ishbel und Helen sind die Hauptfiguren und bauen das Bild gerade durch die wechselnden Perspektiven weiter auf. Man liest von Trauerbewältigung und wechselt zu Morddrohungen, von schier endloser Polizeiarbeit zu Schuldgefühlen und Geheimnissen. Dieser Kriminalroman ist mehr als ein Buch über die Aufarbeitung eines grausamen Verbrechens, es ist eine spannende, umfassende Geschichte rund um die Folgen dieses verhängnisvollen Tages. Der Schreibstil der Autorin lässt die Seiten nur so fliegen, während sich dennoch die Gefühlswelt der Charaktere in ihrer gesamten Breite darstellt. Die Autorin berichtet durch verschiedene Augen von Geschehnissen, ohne diese zu werten und zeigt die unterschiedlichen Facetten der getroffenen Menschen, ohne sich ein Urteil über diese zu erlauben. All dies lässt Raum für eigene Gedanken und sorgt dafür, dass man sehr intensiv über jeden Aspekt - die Tat, die Opfer, die Verwandten des Täters und den Umgang in den Medien - nachdenkt. Ich kann "Todesschweigen" absolut empfehlen! Ein wirklich großartiges Buch über ein sehr schwieriges Thema.

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Vita

Claire Askew studierte an der University of Edinburgh Kreatives Schreiben und arbeitet neben der Schriftstellerei im Bildungsbereich. Sie wurde u.a. mit dem New Writers Award des Scottish Book Trust ausgezeichnet und für ihren Debütroman »Todesschweigen« mit dem Lucy Cavendish Prize. Claire Askew lebt in Edinburgh.

twitter.com/OneNightStanzas

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