Überbitten

(1)
Taschenbuch
12,00 [D] inkl. MwSt.
12,40 [A] | CHF 17,90 * (* empf. VK-Preis)

Bestellen Sie mit einem Klick:

Oder kaufen Sie direkt vor Ort bei Ihrem Buchhändler

Mit 23 verlässt Deborah Feldman die ultraorthodoxe chassidische Gemeinde der Satmarer Juden in Williamsburg, New York, und damit das Leben, das sie in »Unorthodox« so packend erzählt hat. Die Möglichkeit zurückzukehren hat sie nicht. Sie folgt ihrem großen Traum, gemeinsam mit ihrem Sohn in Freiheit zu leben. Sie verlässt New York und folgt den europäischen Spuren ihrer geliebten Großmutter, die den Holocaust überlebt hat und die die einzige Person war, bei der sich die junge Frau angenommen fühlte. Schließlich gelingt es Deborah Feldman, Wurzeln zu schlagen, ausgerechnet in Berlin, dem Ort, der durch die Satmarer mit so vielen Ängsten und Vorurteilen verbunden war. Bildstark, wortgewaltig erzählt Deborah Feldman die beeindruckende Geschichte einer Selbstfindung und Versöhnung mit der Vergangenheit.

»Ein autobiografischer Erlebnisbericht aus dem Maschinenraum der Seele, über die befreiende Wirkung von Literatur und des eigenen Schreibens.«

Cornelius Wüllenkemper, Süddeutschen Zeitung

Übersetzt von Christian Ruzicska
Originalverlag: Secession
Taschenbuch, Klappenbroschur, 704 Seiten, 12,5 x 18,7 cm, 1 s/w Abbildung
ISBN: 978-3-442-71614-2
Erschienen am  10. Dezember 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Faszinierende Selbstbefreiung einer jungen Frau

Von: Eva Krafczyk

30.04.2019

Was für ein Mut und Durchhaltevermögen, welch gnadenlose Ehrlichkeit und Selbstentblößung auf dem Weg zu einer schmerzhaften Selbstverwirklichung - das war mein Eindruck nach der Lektüre von "Überbitten" von Deborah Feldman. Und was für eine Lebensgeschichte von einer Kindheit in einer ultraorthodoxen Nachbarschaft in Brooklyn, die mit ihren vielen Regeln, Traditionen und sozialer Kontrolle mehr an ein galizisches Shtetl erinnert, bis zum buchstäblichen Neubeginn in Berlin. Ausgerechnet Berlin, der deutschen Hauptstadt, gewissermaßen dem Herzen der Dunkelheit im Kollektivbewusstsein ihrer Großmutter und ihrer früheren Gemeinschaft von Holocaust-Überlebenden. Deborah Feldman aufgrund ihres Geburtsortes eine amerikanische Autorin zu nennen, scheint irgendwie falsch - ihre Muttersprache war Jiddisch, die Familientradition geprägt von der untergegangenen alten Welt, angefangen vom Gulasch der Großmutter über die ewigen Schatten der ermordeten Familienangehörigen. Mit Anfang 20, in einem Alter, wo andere übermütig die Freiheit ihrer Jugend und des Studentenlebens genießen, setzt Feldman, zu dem Zeitpunkt bereits in einer arrangierten Ehe verheiratet und Mutter eines kleinen Jungen, einen Collegebesuch durch. Für ihre Mitstudenten ist sie eine Exotin. Schon zu diesem Zeitpunkt verfolgt sie mit langem Atem einen Plan - sie will raus aus ihrer Ehe, raus aus Williamsburg, will ihrem Sohn eine in Verbote und Vorschriften eingezwängte Kindheit ersparen. Er soll seine Persönlichkeit frei entwickeln können. Sieben Jahre dauert der Prozess der Selbstbefreiung und -verwirklichung, in dem sich Feldman gleich mehrfach neu zu erfinden scheint. Auf fast 700 Seiten ihrer autobiographischen Erzählung schildert sie ihren Weg, die Begegnungen mit Menschen, die sie geprägt haben, Hoffnungen und Zweifel. Zwischen Optimismus und Verzweiflung, Selbstzweifeln und Rücksichtslosigkeit schwankt die junge Frau auf ihrer Lebensreise. Vieles erinnert an einen ungefilterten inneren Monolog, als sei das Schreiben auch therapeutisch - schonungslos ehrlich auch sich selbst gegenüber, wenn sie beschreibt, wie sie über Beziehungen schreibt, in denen sie unfähig scheint, Gefühle zu erwidern. Europa ist anfangs ein Ort jener Kultur, der Bücherliebe, die sie in Amerika vermisst hat, aber zugleich ein Ort der Dunkelheit - kantige Gesichtslinien, blaue Augen, blonde Haare lösen fast automatisch Nazi-Assoziationen aus, wobei Feldman mitunter blind dafür ist, den Menschen hinter dem Stereotypen zu erkennen. Ererbtes Trauma zu bewältigen, sich selbst neu zu beheimaten, Versöhnung mit sich selbst und mit ihrem neuen Land zu finden - auch darum geht es in "Überbitten", in dem Deborah Feldman ihre Leser mit auf eine faszinierende innere wie äußere Reise nimmt. Kann man glücklich werden an einem Ort, der symbolisch für millionenfaches Unglück ist? Kann man jüdisch sein, wenn man das starre Korsett religiöser Traditionen aufgegeben hat? Kann man sich aussöhnen mit der Vergangenheit und ihrem Erbe? Deborah Feldman hat für sich Antworten gefunden. Etwa, "dass es weitaus konstruktiver war, wenn ich mich in eine Gesellschaft, und noch dazu in eine, in die mich einzupassen nicht gerade leicht war, wirklich hineinbegab, als wenn ich sie aus der Ferne hassen und verdammen würde. Und ich habe auf unerklärliche Wege gelernt, dieses Land und seine Menschen zu lieben, ganz so, wie ich gelernt habe, für die irregeleiteten Menschen, die mich erzogen haben, und ihre traumatisierten, aber wohlmeinenden Methoden Zuneigung zu empfinden." Denn: "Sich windend damit zu hadern, deutsch zu sein, ist nicht so anders, als sich windend damit zu hadern, jüdisch zu sein. Eines ist der Kehrwert des anderen", schreibt Feldman am Ende von "Überbitten" über Schuld, Scham und deutsch-jüdische Befindlichkeiten. Ein faszinierendes Buch, auch über die Befreiung des Geistes durch Bücher.

Lesen Sie weiter
Alle anzeigen

Vita

Deborah Feldman

Deborah Feldman, geb. 1986, New York, wuchs in der chassidischen Gemeinde in Williamsburg, New York, auf. Ihre Muttersprache ist Jiddisch. Sie studierte am Sarah Lawrence College Literatur. Ihre autobiografische Erzählung »Unorthodox« wurde schlagartig ein spektakulärer New-York-Times-Bestseller und erreichte eine Millionenauflage. In gleichnamiger deutscher Übersetzung wurde der Titel zum Spiegel-Bestseller. In englischer Sprache hat Deborah Feldman »Überbitten« geschrieben, das 2017 in Deutschland weltweit zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Die Autorin lebt mit ihrem Sohn in Berlin.

Zur AUTORENSEITE

Pressestimmen

»»Überbitten« ist komplex, eine qualvolle, von großer Integrität durchwobene Suche nach dem eigenen Weg.«

Gabriele von Arnim, Tagesspiegel

»Es ist ein Buch voller Mut und Schmerz und vor allem ein Zeugnis der Kraft und der widerständigen Eigenwilligkeit der Autorin.«

Gabriele von Arnim, Deutschlandfunk Kultur

»Ein Buch über eine außergewöhnliche Selbstfindung, grandios und mit messerscharfer Beobachtungsgabe geschrieben.«

Renate Pinzke, Hamburger Morgenpost

»Das eigentlich Faszinierende an Deborah Feldmans Lebensmitschrift ist das Anknüpfen an diese jüdische Tradition - an den Versuch, im aufnotierten Wort eine dauerhafte Behausung zu finden.«

Katharina Teutsch, FAZ

»Nur am Schreibtisch und beim Lesen fühle ich mich beruhigt. Dann weiß ich, wie alles ist.«

Deborah Feldman

Weitere Bücher der Autorin