Von Männern, die keine Frauen haben

Geschenkausgabe

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Taschenbuch
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Die Geschenkausgabe mit der abgerundeten Ecke: anspruchsvolle Haptik, hochwertiges Papier, mit Lesebändchen, kleines Format.

"Von Männern, die keine Frauen haben" versammelt sieben neue Erzählungen Murakamis – »long short stories«, die wohl zum Zartesten und Anrührendsten zählen, das je von ihm zu lesen war. Und doch sind sie typisch Murakami, denn fast immer geht es darin um versehrte, einsame Männer. Männer, denen etwas ganz Entscheidendes fehlt …


Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
Originaltitel: Onna no Inai Otokotachi
Originalverlag: Dumont
Taschenbuch, Flexibler Einband, 352 Seiten, 9,0 x 14,3 cm
Mit Lesebändchen und eingelegter Grußkarte
ISBN: 978-3-442-71706-4
Erschienen am  10. April 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Bier trinken mit einem Drecksack

Von: Schreibplanet

03.07.2019

Früher hatte ich mal eine Freundin, die fremdging. Sie traf sich mit einem anderen Mann, einem Kollegen von ihr. Vier oder fünf Monate lang ging das so, und ich wusste es die ganze Zeit. Zwischen uns lief es gut, sogar während sie das tat; sie hatte also eigentlich keinen Grund, wie ich fand. Ich habe sie nie darauf angesprochen, dafür interessierten mich ihre Beweggründe zu wenig. Oder etwas ehrlicher: Ich war zu feige. Aber regeln wollte ich die Sache dann doch, und zwar auf meine Art. Ich organisierte, dass ich den Typen kennenlernte, der mit ihr schlief. Ich überredete ihn, mit mir ein Bier trinken zu gehen - unter einem Vorwand, denn er hatte keine Ahnung, dass ich es wusste. Ihm war anfangs nicht wohl dabei, und das gefiel mir. Immer schaffte ich es, dass wir uns für einen weiteren Abend verabredeten. Die Frau war zu dem Zeitpunkt nicht mehr da, ich hatte nichts mehr mit ihr zu tun - und er traf sie auch nicht mehr, das wusste ich hundertprozentig. Also fing ich an, über sie zu sprechen. Er wusste viel über sie zu erzählen, doch er begriff noch immer nicht, dass ich im Bild war. Er schwärmte von ihr. Ich spürte: Er hatte sie geliebt. Und das Schlimmste: Er wurde mir sympathisch. Er war Schauspieler von Beruf. Und ein schlechter Schauspieler noch dazu - im Beruf und privat. Ich durchschaute ihn. Aber er war mir sympathisch, man könnte sagen, dass er mir plötzlich ziemlich nahe stand. Wir wurden tatsächlich so etwas wie Freunde. Ein paarmal spielte ich mit dem Gedanken, ihn umzubringen. Für das, was er getan hatte. Ich dachte wirklich, ich würde es demnächst tun. Schliesslich aber brach ich einfach den Kontakt zu ihm ab. Und das war's dann. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass meine Mission erfüllt war. Diese Geschichte habe ich natürlich nicht selber erlebt, was denkt ihr denn! Sie stammt aus dem neuen Buch von Haruki Murakami. Für sowas hätte ich überhaupt keine Nerven... Haruki Murakami: Von Männern, die keine Frauen haben. Sieben Erzählungen auf 254 Seiten. Erschienen bei btb, 2016. 

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Schade, dass nicht jede Geschichte ein Roman ist, dann wären sie noch schöner

Von: Buch-Lady.de

17.02.2019

Dieser Band vereint sieben Kurzgeschichten, in denen es sich um mehr oder weniger verschrobene Männercharaktere und ihre Beziehung zu Frauen handelt. So unterschiedlich die Männer und ihre Geschichten auch sind, so ähnlich sind aber ihre Probleme: Einsamkeit und Verlust In „Drive my car“ nimmt sich der Schauspieler Kafuko eine Chauffeurin, als er seinen Führerschein verliert. Die ungewöhnliche und schweigsame junge Frau regt ihn schließlich zum Reden an. Er hat einen sehr unorthodoxen Weg eingeschlagen damit umzugehen, dass seine Frau ein Verhältnis hatte und nun gestorben ist. In „Yesterday“ möchte ein verpeilter Student seine Freundin dadurch behalten, dass er sie dazu ermutigt, mit seinem Freund auszugehen. Der Schönheitschirurg Dr. Tokai ist davon überzeugt, dass Frauen ein „eigenständiges Organ“ zum Lügen haben, das Männern fehlt. Sein Liebesleben ist vielfältig und unkompliziert und er alles andere als eifersüchtig. Bis etwas passiert, das ihn in Selbstzweifel und zerstörerische Wut stürzt. Habara kann das Haus nicht mehr verlassen. Zum Glück kommt seine eigene „Scheherazade“ regelmäßig zu Besuch, die ihm Lebensmittel bringt und mit der er das Bett teilen kann. Am Wichtigsten jedoch ist ihm, dass sie ihm jedes Mal wunderbare Geschichten erzählt, durch die beide eine ganz eigene Intimität teilen. In „Kinos Bar“ kommen nicht viele Menschen, aber doch einige Stammgäste. Die Atmosphäre ist sehr einfach und ruhig. Eine streunende Katze fühlt sich dort ebenso wohl wie eine misshandelte Frau. Kino hat die Bar nach der Trennung von seiner Frau eröffnet. Auf einmal scheint es an der Tür zu klopfen, und zwar mit einer Intensität, die Kino nicht ignorieren kann. Nur dass es nicht die Tür ist, an der geklopft wird. Besonders eindrucksvoll und gelungen finde ich die Geschichte „Samsa in Love“. In dieser dreht Murakami Kafkas „Die Verwandlung“ einfach um. Eines Morgens erwacht jemand in einem Bett und weiß, dass er ein Mensch namens Gregor Samsa ist. Wie ein Mensch sich bewegt oder anzieht, wer oder was er vorher gewesen ist, weiß er jedoch nicht. Sich auf nur zwei Beinen fortzubewegen, erscheint ihm mühsam und absurd. Und dann begegnet ihm auch noch eine Frau. „Was für ein missgebildeter Körper, dachte Samsa unwillkürlich, als er seine Nacktheit betrachtete und die nicht sichtbaren Stellen mit den Händen abtastete. Nicht nur missgebildet. Auch viel zu wehrlos. Glatte weiße Haut (nur der Form halber mit etwas Haar bedeckt), ein völlig ungeschützter weicher Bauch, (…) War das wirklich er? Hatte er mit einem so verletzlichen Leib (unbewaffnet und ohne schützenden Panzer) überhaupt eine Überlebenschance?“ (S. 210) Einen fulminanten Abschluss bildet sodann die letzte Geschichte „Von Männern, die keine Frauen haben“. Der Erzähler wird durch einen nächtlichen Telefonanruf geweckt. „Die tiefe Stimme eines Mannes teilte mir mit, dass eine Frau diese Welt für immer verlassen hatte. Der Besitzer der Stimme war ihr Mann. Zumindest gab er sich als dieser aus.“ (S. 237) Durch diesen Anruf und den Verlust der ihm bekannten Frau lernt der Protagonist, was Einsamkeit bedeutet. Er ist selbst verheiratet, seine Frau liegt neben ihm. Und dennoch begreift er in dieser Minute, was es bedeutet, zu den Männern zu gehören, die keine Frauen haben. Ein Gefühl, das ihm und den anderen Männern dieser Gruppe lebenslang anhaften wird wie ein Geruch. Sprachgewaltig und eindrucksvoll beschreibt Murakami dieses schlimmste aller männlichen Gefühle. Die Abfolge der sieben Geschichten baut eine Spannung auf, hin auf die beiden erzählerischen Höhepunkte am Schluss. Die Abwandlung des Verwandlungs-Motivs ist eine literarische Meisterleistung, die an Kafkas Original heran reicht. Und die letzte Geschichte wirkt wie eine Zusammenfassung des Einsamkeits- und Verlustempfindens aller im Buch vorkommenden Charaktere. Ein universelles Gefühl in beeindruckende Worte gefasst. Das Buch ist ein echter Murakami, gewitzt, teilweise surreal, verschroben und skurril. Schade, dass nicht jede Geschichte ein Roman ist, dann wären sie noch schöner.

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Vita

Haruki Murakami, geboren 1949 in Kyoto, ist der international gefeierte und mit den höchsten japanischen Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Sein Roman "Gefährliche Geliebte" entzweite das Literarische Quartett, mit "Mister Aufziehvogel" schrieb er das Kultbuch seiner Generation. Ferner hat er die Werke von Raymond Chandler, John Irving, Truman Capote und Raymond Carver ins Japanische übersetzt.

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