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Was vom Tage übrig blieb Roman

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Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-453-42160-8

Erschienen:  14.11.2016
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Stevens dient als Butler in Darlington Hall. Er sorgt für einen tadellosen Haushalt und ist die Verschwiegenheit in Person: Niemals würde er auch nur ein Wort über die merkwürdigen Vorgänge im Herrenhaus verlieren. Er stellt sein Leben voll und ganz in den Dienst seines Herrn. Auch die vorsichtigen Annäherungsversuche von Miss Kenton, der Haushälterin, weist er brüsk zurück. Viele Jahre lang lebt ergeben in seiner Welt, bis ihn eines Tages die Vergangenheit einholt. Das kritische Portrait einer von Klasse und Hierarchien geprägten Gesellschaft und eine bittersüße Liebesgeschichte, erzählt von einem, der seinen Stand nie hinterfragt und der nie auch nur geahnt hat, dass er liebte.

Zum Literaturnobelpreis 2017 jetzt als bibliophlie Sonderausgabe.

Kazuo Ishiguro (Autor)

Kazuo Ishiguro, 1954 in Nagasaki geboren, kam 1960 nach London, wo er später Englisch und Philosophie studierte. 1989 erhielt er für seinen Weltbestseller »Was vom Tage übrigblieb«, der von James Ivory verfilmt wurde, den Booker Prize. Kazuo Ishiguros Werk wurde bisher in 50 Sprachen übersetzt. Er erhielt 2017 den Nobelpreis für Literatur. Der Autor lebt in London.

Aus dem Englischen von Hermann Stiehl
Originaltitel: The Remains of the Day
Originalverlag: btb

Taschenbuch, Broschur, 288 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-453-42160-8

€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 14,50* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Heyne

Erschienen:  14.11.2016

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Reflexion eines Lebens

Von: Literatur-Universum Datum: 21.09.2018

literatur-universum.blogspot.co.at

Wie beginnt man eine Reise, wenn man nie gelernt hat zu reisen? Mit Tipps? Mit einer Reisebegleitung? Der 56-Jährige Stevens versucht es mit einem Buch. Sein neuer Dienstherr Farraday legt ihm ans Herz endlich einmal zu verreisen. Dazu überlässt er ihm sein Auto und übernimmt die Benzinkosten. Für den Butler ist es jedoch eine Reise in seine Vergangenheit. So weit er auch kommt, schwelgt er immer wieder in Erinnerungen an früher. Wer war er? Und was machte ihn als Butler aus? Was ist überhaupt ein perfekter Butler? Zudem berichtet er immer wieder über die Zeit bei seinem alten Dienstherren Darlington, der eine große Persönlichkeit war und viel Einfluss im 2. Weltkrieg hatte.

Kazuo Ishiguro hat 2017 den Nobelpreis erhalten. Den meistdotierten und bedeutendsten Buchpreis weltweit. Mag sein, dass er mit diesem Buch nicht die größte Geschichte erzählt hat. Er hat aber unter Beweis gestellt, dass man mit einer guten Sprache und Schreibfertigkeit nicht den Stoff einer großen Geschichte benötigt, um einen Leser zu fesseln.

Die Bildhaftigkeit in der Sprache und die filigrane Beschreibung der Figuren sind so speziell angefertigt worden, dass man sich jede Figur hautnah vorstellen kann. Man gewinnt eine Nähe zu der Geschichte, weil die Sprache und Artikulation der Figuren zu einer wahrhaftigen Melodie werden. Der Ich-Erzähler ist ein Butler in jeder Faser seines Körpers. Man merkt ihm an, wie wichtig ihm seine Arbeit, und alles was sich um seine Arbeit spielt, ist. Jedes Detail, welches aus der Norm springt, interessiert ihn nicht, weil er seinen Blick nur auf das Wesentliche fokussiert. Selten hat man so eine Hingabe für einen Job in der Literatur zu lesen bekommen. Ein raffinierter Schachzug, der ideenlosen Gesellschaft von heute zu zeigen, was in der alltäglichen Arbeitswelt tatsächlich von Bedeutung ist.

Durch die Erzählung des Ich-Erzählers, der auch erwähnt, dass gewisse Dinge auch anders abgelaufen sein könnten, sie lange zurückliegen und seine Erinnerungen ihn auch täuschen könnten, gewinnt man viel Sympathie zu der starken Persönlichkeit des Erzählers. Außerdem erhält der Leser einen Blick auf eine Liebesgeschichte des Ich-Erzählers, die der Erzähler selbst nie begriffen hat. Diese Raffinesse in der Erzählung zeichnet den großen Meister Ishiguro aus.


Was auf der Strecke bleibt, ist das Reiseerlebnis. Die Figur ist so sehr von der Vergangenheit ergriffen und gefesselt, dass sie die Dinge, die sich vor ihren Augen bilden und eröffnen nur vage und peripher wahrnimmt. Hier wäre eine Beschäftigung mit der Gegenwart interessant gewesen. Jedoch lässt diese Lücke im Text keinen allzu großen Raum für eine Diskussion, dass der vorliegende Roman ein wahres Meisterstück ist.

Literaturnobelpreis 2017

Von: Niamh O'Connor Datum: 10.12.2017

britlitscout.wordpress.com

Der Preisträger des Literaturnobelpreises 2017 ist der in Japan geborene britische Autor Kauz Ishiguro. Sein bekanntestes Werk ist der 1989 mit dem Man Booker Preis ausgezeichnete Roman Was vom Tag übrig blieb. Darin macht sich Stevens, Butler in einem der größten und vornehmsten Häuser Englands, 1956 auf eine mehrtätige Reise nach Cornwall, um Miss Kenton, die ehemalige Haushälterin, zu bitten, auf Darlington Hall zurückzukehren. Die Taschenbuchausgabe der deutschen Übersetzung verspricht "Die bittersüße Liebesgeschichte zweier Bediensteter in einem englischen Herrenhaus", und der Roman erfüllt dieses Versprechen. Während Stevens im eleganten Ford seines neuen amerikanischen Dienstgebers durch die englische Landschaft fährt, erinnert er sich an mehrere Episoden aus der gemeinsamen Arbeit mit Miss Kenton, von der ersten Begegnung bis zu ihrem Abschied. Die Schilderungen lassen keinen Zweifel daran, dass die junge Frau bis über beide Ohren in ihren Kollegen verliebt war und innerhalb des strengen Verhaltenskodex ihres Berufsstandes nichts unversucht gelassen hatte, ihn aus der Reserve zu locken. Stevens‘ Schilderungen geben aber auch Aufschluss darüber, wieso Miss Kentons Bemühungen chancenlos bleiben mussten. Ishiguro gelingt das Kunststück, seinen Protagonisten alles Entscheidende erzählen zu lassen, und gleichzeitig klar zu machen, dass dieser nichts verstanden hat, und das hat die Geschichte für mich so berührend gemacht: Ich habe nachvollziehen können, welche inneren Zwänge Stevens dazu bewegen, sich wie ein Scheusal zu benehmen.

Was vom Tag übrig blieb ist aber nicht nur eine Liebesgeschichte mit ungewissem Ausgang, in dem Roman ist mir auch ein hochpolitisches Thema wieder begegnet: Großbritanniens sogenannte Appeasement-Politik gegenüber dem Dritten Reich. Der von Stevens mit bedingungsloser Loyalität verehrte und umsorgte Lord Darlington ist zwar eine fiktive Person, aber bei den Gästen, die sich auf Darlington Hall einfinden, handelt es sich um reale Persönlichkeiten: im März 1923 treffen sich hochrangige europäische und amerikanische Diplomaten und Politiker, um darüber zu beraten, wie man die Folgen des Friedensvertrags von Versailles für die Deutschen abmildern könnte, Anfang der 1930er-Jahre ist Sir Oswald Mosley, Chef der Union britischer Faschisten, zu Gast, und 1936 trifft der Konservative „Lord Halifax“ (Viscount Halifax war ab 1938 britischer Außenminister) auf „Herrn von Ribbentrop“ (so hieß Hitlers Außenminister). Für Butler Stevens handelt Darlington als Gentleman, als er sich um gute Beziehungen zwischen Großbritannien und Nazideutschland bemüht, und als er von seinem Dienstgeber den Auftrag erhält, zwei jüdische Dienstmädchen allein wegen ihrer Religion zu entlassen, tut er das, ohne mit der Wimper zu zucken, schließlich gehe es darum, dafür zu sorgen, dass die Gäste nicht irritiert werden, und so einen Beitrag zum höheren Ziel der Friedenssicherung zu leisten. Auch hier gelingt es dem Autor, Stevens in schonungsloser Aufrichtigkeit alle Fakten auf den Tisch legen zu lassen und ihn gleichzeitig als blind gegenüber der Realität zu zeigen.

Meine Meinung: Eine ohne Pathos und Kitsch erzählte Liebesgeschichte, glaubwürdige Charaktere und ein realistisches Setting. Gesellschaftskritik auf Basis historischer Fakten und ohne ideologische Schlagseite. Die Geschichte bleibt ganz ohne dramatische Wendungen bis zum Schluss spannend und hat mich keine Sekunde gelangweilt. Gute Übersetzung.

Kazuo Ishiguro, Was vom Tage übrig blieb. Aus dem Englischen von Hermann Stiehl. Wilhelm Heyne Verlag München, 2016. 288 Seiten. Ich danke dem Heyne Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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