Tess Gerritsen im Interview zu ihrem Roman »Das Schattenhaus«

Tess Gerritsen im Interview zu ihrem Roman »Das Schattenhaus«

Die Spannungskönigin Tess Gerritsen im Interview zu ihrem neuen Stand-alone-Roman.

Bitte erzählen Sie uns ein bisschen über Ihr Leben und Ihre wichtigsten Lebensphasen.
Ich bin verheiratet und habe zwei erwachsene Söhne. Ich habe Medizin studiert und mehrere Jahre als Ärztin gearbeitet, bevor ich Romanschriftstellerin wurde. Seit 1987 habe ich insgesamt 28 Romane veröffentlicht. Ich lebe am Meer im US-Bundesstaat Maine.

Welche Ausbildung haben Sie absolviert? Was haben Sie studiert? Üben Sie neben dem Schreiben noch einen Beruf aus?
Ich habe Anthropologie an der Stanford University studiert, besuchte dann die medizinische Fakultät der University of California in San Francisco und wurde Ärztin. Nachdem ich etwa fünf Jahre lang Medizin praktiziert hatte, schrieb ich in der Elternzeit meinen ersten Roman und arbeite seitdem als Romanautorin.

Bitte erzählen Sie uns ein bisschen über sich – Ihre Hobbys, wie Ihr Leben momentan aussieht, was Sie zu erreichen hoffen.
Abgesehen davon, dass ich Vollzeit als Schriftstellerin arbeite, mag ich Reisen, Gärtnern und Musik spielen (ich bin Hobbygeigerin und -pianistin) und probiere gern viele verschiedene Küchen aus. Ich hoffe, dass ich weiterhin die Geschichten erzählen werde, die ich erzählen will – auch wenn sie vielleicht unerwartet kommen –, und nie meine Neugier zu verlieren.

Was macht Sie wütend?
Grausame Behandlung von Tieren und Kindern.

Wie lautet Ihr Lebensmotto – wenn Sie eins haben?
Höre nie auf zu forschen.

Leisten Sie wohltätige Arbeit oder unterstützen Sie eine Wohltätigkeitsorganisation? Falls nicht, gibt es Organisationen oder Anliegen, die Sie gern unterstützen würden?
Ich spende regelmäßig an Wohltätigkeitsorganisationen für Alzheimer-Forschung (mein Vater starb an Alzheimer) und an Ärzte ohne Grenzen.

Bitte erzählen Sie uns fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wussten:
1) Ich liebe es zu kochen.
2) Wäre ich keine Schriftstellerin, wäre ich Botanikerin geworden.
3) Meine Laufbahn als Schriftstellerin begann ich mit dem Schreiben romantischer Thriller.
4) Ich bin Fan von Wodka-Martinis und rohen Austern.
5) Mit meinem Sohn Josh mache ich Filme (Horror- und Dokumentarfilme).

Beschreiben Sie bitte in wenigen Worten, wie für gewöhnlich Ihr Schreiballtag aussiehst. Haben Sie spezielle Routinen, Rituale oder Gewohnheiten?
Ich habe eine spezielle Angewohnheit: Meine ersten Entwürfe schreibe ich mit Stift auf unliniertem Durchschlagpapier. Ich glaube, dank der Verbindung mit dem Papier können die Gedanken besser fließen und es fällt mir leichter, ohne meine innere Lektorin zu schreiben, die immer versucht, schlechte Sätze zu »reparieren«. Ich arbeite zu Hause in meinem Büro mit Meerblick und schreibe an einem Schreibtisch, der für gewöhnlich unordentlich und überladen ist. Ich bin nicht sehr ordentlich.

Wo machen Sie es sich mit Ihrem Buch gemütlich? Bitte erzählen Sie uns, wo Sie am liebsten lesen!
Am liebsten lese ich abends im Bett.

Wie organisieren Sie Ihr Bücherregal? Sortieren Sie nach Farbe, Genre, Autor? Oder sortieren Sie Ihre Bücher vielleicht gar nicht?

Mein wissenschaftliches Bücherregal ist nach Themen geordnet (Medizin-, Pathologie- und Forensiklehrbücher). Meine Freizeitbücher sind nach den Nachnamen der Autoren geordnet

Haben Sie ein Lieblingsreiseziel? Gibt es ein Lieblingsreisefoto, das Sie gern mit Ihren Leserinnen und Lesern teilen würden?
Mein Lieblingsreiseland ist Italien, dicht gefolgt von der Türkei.

Haben Sie ein Haustier, das Ihnen beim Schreiben, tagsüber und im Urlaub Gesellschaft leistet?
Ich hätte liebend gern einen Hund, aber wir können keine Haustiere halten. Mein Mann ist allergisch.

Warum haben Sie angefangen zu schreiben?
Mit sieben Jahren wusste ich, dass ich eine Geschichtenerzählerin werden wollte. Damals schrieb ich mein erstes Buch und habe die Seiten selbst mit Nadel und Faden zusammengebunden. Doch mein Vater meinte, dass ich als Schriftstellerin meinen Lebensunterhalt nicht bestreiten könnte, und riet mir stattdessen zum Medizinstudium. Während meiner gesamten medizinischen Ausbildung und Berufstätigkeit als Ärztin wusste ich, dass ich eines Tages wieder schreiben würde. Als ich nach der Geburt meines ersten Sohnes in Elternzeit ging, fing ich wieder an zu schreiben. Wenige Jahre später verkaufte ich meinen ersten Roman Der Anruf kam nach Mitternacht.

Was inspiriert Sie? Wie kommen Sie auf Ihre Ideen und Geschichten?
Ich ziehe meine Inspiration aus vielen Quellen: Gesprächen, Reisen, Nachrichten, sogar Albträumen. Zum Beispiel wurde ich zu meinem Roman Kalte Herzen durch ein Gespräch mit einem Mordkommissar inspiriert, der mir erzählte, dass Kinder aus Moskau verschwanden und womöglich als Organspender geopfert wurden. Mein Roman Scheintot wurde von einem Zeitungsartikel über eine »tote« Frau inspiriert, die in einem Leichensack aufwachte. Wenn eine Idee eine starke emotionale Reaktion in mir auslöst, weiß ich, dass sie der Anfang einer Geschichte ist.

Bitte beschreiben Sie Ihr aktuelles Buch in wenigen Sätzen.

Eine verängstigte junge Frau flieht aus Boston und mietet eine Villa an der Meeresküste von Maine an. Als sie nachts unheimliche Geräusche hört und den lange verstorbenen Seekapitän sieht, der das Haus gebaut hat, glaubt sie, dass es in dem Haus spukt. Der Geist von Jeremiah Brodie begrüßt sie in seinem Haus und in seinen Armen, und sie beginnt, sich auf seine nächtlichen Besuche zu freuen …
Bis sie mehr über die Frau erfährt, die in dem Haus gestorben ist. Jetzt fragt sie sich: Ist Brodies Geist der Mörder oder ist ein anderer, überaus lebendiger Mann für den Tod der Frau verantwortlich?

Welche Szene war am schwierigsten zu schreiben?
Die Liebesszenen zwischen Ava und Brodie waren auf jeden Fall schwer zu schreiben. Ava wird von einer geheimen Scham gequält, weshalb sie sowohl Erfüllung als auch Schmerz sucht. Die Art ihrer erotischen Verbindung mit Brodie ist etwas verstörend.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Ich liebe die Szenen von Ava in der Küche. Der Akt des Kochens kann sehr sinnlich sein und es hat Spaß gemacht, die Freude und den Trost zu beschreiben, die mit Essen verbunden sein können.

Haben Sie einen Lieblingscharakter?
Captain Brodie ist auf jeden Fall ein faszinierendes Rätsel. Er ist liebevoll und grausam zugleich und kann Avas tiefe sexuelle Bedürfnisse verstehen. Für sie ist er der perfekte Liebhaber.

Gibt es Orte in dem Roman, zu denen Sie einen besonderen Bezug haben?
Der Roman spielt in meinem Heimatbundesland Maine, wo ich ebenfalls in einem Haus am Meer wohne. Der Lebensrhythmus in einer Kleinstadt (wie der, in der ich wohne), die Gerüche und Geräusche des Meeres stammen alle aus meinem eigenen Leben.

Gibt es in Ihrem aktuellen Buch autobiografische Elemente? Zehren Sie beim Schreiben von persönlichen Erfahrungen? Basiert Ihr Buch auf wahren Begebenheiten?
Der Geist stammt gewiss nicht aus meinem eigenen Leben (ich habe noch nie einen Geist gesehen!), aber der Schauplatz am Meer und der Schwerpunkt auf Avas Liebe für Essen und Wein sind zum Teil autobiografisch. Mein Vater war Restaurantbesitzer, sodass ich mit einer tiefen Wertschätzung für eine gute Mahlzeit und der damit einhergehenden Arbeit aufgewachsen bin.

Welche Recherchen haben Sie für Ihr aktuelles Buch angestellt?
Für Das Schattenhaus habe ich fast nichts recherchiert, da so vieles nur auf meiner Vorstellungskraft oder meinem Leben an der Küste von Maine basiert. Ich habe ein paar historische Rezepte aufgedeckt (Ava bereitet sie für ihr Kochbuch zu) und alles über die Geschichte von Seemannseintöpfen erfahren.

Was sollen Ihre Leserinnen und Leser durch die Lektüre Ihres Buches lernen und verstehen?
Im Grunde handelt das Buch von dem schädlichen Gefühl der Scham und wie es sich auf jeden Lebensbereich auswirken kann. Fast jeder hat schon etwas getan, wofür er sich schämt und worüber er nicht reden kann. Dieses Schamgefühl quält auch Ava und ist der Grund dafür, dass sie sich in Maine isoliert. Ihr Geheimnis verfolgt sie sowohl im Wachzustand als auch im Schlaf, und Brodies Geist ist eine Verkörperung dieser Scham.

Haben Sie noch andere Textarten wie Sachbuch, Kurzgeschichten, Essays oder Dramen veröffentlicht? Falls ja, würden Sie bitte die Titel, Verlage und das Jahr der Veröffentlichung auflisten?
Neben meinen 28 Romanen habe ich Rizzoli & Isles-Kurzgeschichten geschrieben (auf Kindle verfügbar):
Blutrausch (2011) und Unter Verdacht (2012). Ich schrieb die Drehbücher Adrift, 1993 und Island Zero, 2018
Ich habe auch Sachbücher geschrieben. Vor Kurzem habe ich ein Kapitel zum Buch Hollywood vs the Author beigetragen und meine Erfahrungen mit einer Klage gegen ein Hollywood-Studio beschrieben.

Haben Sie Preise oder andere Auszeichnungen für Ihre Arbeit erhalten? Falls ja, welche Preise haben Sie gewonnen?
Ich habe den Rita Award (Romance Writers of America) für Die Chirurgin und 2006 den Nero Wolfe Award für Scheintot gewonnen.

Möchten Sie Ihre Leserinnen und Lesern noch etwas mitteilen?
Ich bin zwar vor allem als Autorin der Rizzoli & Isles-Krimireihe bekannt, möchte meine Leserinnen und Leser nun aber auf einen dunkleren, erotischeren Weg führen und genau darum geht es in Das Schattenhaus. Die Geschichte handelt von einer einsamen Frau, dem Geist eines Seekapitäns und einem unheimlichen Haus mit einer mörderischen Geschichte. Ich hoffe, Sie genießen diesen sinnlichen Abstecher in Avas Welt, wo nichts ist, wie es scheint.

Das Schattenhaus

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