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Thomas Cathcart, Daniel Klein »Platon und Schnabeltier gehen in eine Bar...«

Thomas Cathcart, Daniel Klein »Platon und Schnabeltier gehen in eine Bar...«

Eine Einführung in die Philosophie – der witzigste Weg zu philosophischer Weitsicht

„Platon und Schnabeltier gehen in eine Bar“ um endlich mal richtig zu philosophieren -
und zwar mit Witzen, was tatsächlich funktioniert, wie die Autoren Cathcart und Klein beweisen.

Platon und Schnabeltier gehen in eine Bar... Blick ins Buch

Rezension von Karl Hafner

Das Buch „Platon und Schnabeltier gehen in eine Bar“ von Thomas Cathcart und Daniel Klein wirkt auf den ersten Blick wie eines dieser Geschenkbüchlein, die dann auf Gästetoiletten verschimmeln. „Philosophie verstehen durch Witze“, so der Untertitel. Ach so, ja dann. Witzig. Danke.

In den USA hat sich das Buch zu einem Geheimtipp entwickelt. Wenn man es auf sein Nachtkästchen legt und immer wieder einige Kapitel liest, dann hilft das Gelesene tatsächlich, Philosophie zu verstehen. Seinen Doktor wird man danach natürlich nicht machen können, aber man hat doch auch etwas gelernt, was einem ein Philosophiestudium kaum nahe bringen dürfte: Man hat gelernt, wie Witze funktionieren. Sie zielen ja nicht selten auf unsere Überzeugungen, unsere Probleme mit der Logik, auf Vorurteile und Vorannahmen - alles Bereiche unseres Denkens, denen auch die Philosophiegeschichte mit großer Mühe nachspürt. „Die Konstruktion und Auflösung von Witzen und die Konstruktion und Auflösung philosophischer Konzepte folgen weitgehend denselben Prinzipien, und beide necken den Verstand auf ähnliche Weise“, schreiben die beiden Autoren in ihrer Einleitung. Was dem Philosophen die Erkenntnis sei, sei für den Witzemacher der Lacher. Beide stellten jedoch unsere Welt auf den Kopf und spürten (oftmals auch unangenehme) Wahrheiten über das Leben auf.

Was kostet die Moral?
Kennen Sie den? Er: „Würdest du für eine Million Dollar mit mir schlafen?“ Sie: „Eine Million? Wow! Nun ja, ich denke schon.“ Er: „Und für zwei Dollar?“ Sie: „Verpiss dich, du Depp! Was glaubst du, was ich bin?“ Er: „Das haben wir gerade geklärt. Jetzt wird der Preis ausgehandelt.“

Nicht lustig? Aber gut, um schnell und einleuchtend etwas über das Prinzip des philosophischen Utilitarismus zu erfahren. John Stuart Mill etwa vertrat eine Ethik, derzufolge eine Handlung moralisch ausschließlich nur nach ihrer Konsequenz beurteilt werden darf, ein wenig vergleichbar mit Lenins berühmten Diktum „Der Zweck heiligt die Mittel“. Der zeitgenössische Utilitarist Peter Singer illustriert dieses Prinzip gerne an Analogien zwischen Entscheidungen, die furchtbare Konsequenzen haben und solchen, die nach allgemeinem Dafürhalten auf den ersten Blick harmlos erscheinen, aber für Singer aus ethischen Gesichtspunkten keinen Deut besser sind. In einem äußerst provokanten Essay etwa schilderte er eine Methode, wie jemand Geld für einen Fernseher auftreiben könnte: Er könnte ein Straßenkind an eine Firma verkaufen, das dessen Organe für Transplantationszwecke entnimmt, was wir alle - hoffentlich - für moralisch abscheulich halten. Singer hält dagegen: Im Prinzip machen wir jedes Mal dasselbe, wenn wir uns überhaupt einen Fernseher kaufen anstatt das Geld an eine Organisation zu spenden, die obdachlose Kinder von der Straße holt. Ein grober Analogieschluss, der eine konkrete Entscheidung mit besonders schrecklichen Folgen gleichsetzt mit einer Entscheidung allgemein moralischer Natur. Unser Witz oben macht letzten Endes dasselbe. Beurteilt man nur die „moralische“ Konsequenz, dann ist Sex für Geld immer Prostitution, egal ob für 1 Million oder 2 Dollar. Und: Aus der männlichen Sicht heiligt der Zweck die Mittel - ein wahrlich utilitaristischer Witz.

Äpfel mit Birnen vergleichen
Man könnte Singers Ethik eventuell mit philosophischer Logik kommen und dem Problem von induktiven Analogieschlüssen, die ganz gerne zu Falschaussagen führen, wenn man schlampig verfährt. Singer wird das freilich nicht interessieren, aber dennoch: Induktive Logik schließt von konkreten Einzelfällen auf allgemeine Theorien - natürlich eine gängige wissenschaftliche Methode. Die Autoren illustrieren das mit folgendem Beispiel: Wenn man genug Äpfel von Bäumen fallen hat sehen, dann kann man zum Schluss kommen, dass Äpfel immer von oben nach unten von den Bäumen fallen und nicht etwas wegfliegen. Daraus könnte man induktiv ableiten, dass das auch bei Birnen der Fall sein muss. Ein induktiver Analogieschluss. Ein Problem von Analogieschlüssen ist jedoch die inneliegende Annahme, dass, nur weil A und B in einigen Aspekten Ähnlichkeiten aufweisen, auch andere Aspekte von A und B ähnlich sein müssen. Das ist selbstverständlich nicht der Fall.

Äpfel mit Birnen vergleichen ist, wie wir alle wissen, gefährlich. Außerdem kann man je nach Standpunkt zu höchst unterschiedlichen Analogien gelangen: Drei Ingenieursstudenten unterhalten sich darüber, was für eine Art Gott den menschlichen Körper entworfen hatte: „Gott“, sagt der erste, „muss ein Maschinenbauingenieur gewesen sein. Schaut euch doch die Gelenke an.“ Darauf der zweite: „Unser Nervensystem hat Milliarden von elektrischen Verbindungen, folglich muss Gott ein Elektroingenieur sein.“ „Nein“, ruft der dritte, „in Wahrheit ist Gott ein Bauingenieur. Wer sonst würde eine Giftmüllpipeline mitten durch ein Erholungsgebiet legen?“ Wer Recht hat, hat Recht, möchte man da beinahe sagen - ohne zum Wesen Gottes auch nur eine Kleinigkeit erfahren zu haben.

Erst der Witz, dann die Philosophie oder andersherum?
Die beiden Autoren, ausgestattet mit Abschlüssen in Philosophie und einer gehörigen Portion Lebenserfahrung, spannen einen weiten Bogen über wesentliche Teile des philosophischen Denkens. In den zehn Kapiteln zu Metaphysik, Logik, Epistemologie, Ethik, Religionsphilosophie, Existenzialismus, Sprachphilosophie, Sozial- und Staatsphilosophie, Relativität und gar Metaphilosophie finden sich immer wieder diese wunderbaren Aha-Momente, gepaart mit einem kurzen Grinsen. Und hier funktionieren die Analogieschlüsse tatsächlich. In einfachen, nicht zu einfachen Sätzen erklärte Themen der Philosophie finden ihre Illustration in Witzen, die nicht nach Witzigkeit ausgewählt wurden, sondern aufgrund ihrer Passgenauigkeit. Man ertappt sich immer wieder dabei, einfach herumzublättern, Witze zu lesen und sich zu überlegen, welches philosophische Prinzip dahinter stecken könnte. Das Buch funktioniert in beide Richtungen. Deduktiv, induktiv - egal. Die beiden Autoren haben eine wunderbare Balance gefunden zwischen Ernsthaftigkeit und Humor und damit das hoch anzurechnende Verdienst geleistet, hochtrabende Gedanken zu erden, indem sie den ernsthaften Boden unter den Füßen freiwillig verlassen.

Paradox? Wirklich nicht! Paradox wäre, um einen weiteren Scherz der beiden Autoren zu zitieren, die Frage: Wenn jemand versucht zu versagen und es schafft, was hat er dann getan? Diese Frage müssen sich Cathcart und Klein aber wirklich nicht stellen.

Karl Hafner
München, Mai 2008

Platon und Schnabeltier gehen in eine Bar... Blick ins Buch

Thomas Cathcart, Daniel Klein

Platon und Schnabeltier gehen in eine Bar...

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