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SPECIAL zu Tom McCarthy »K«

Kommunikation, Kokain, Karbon - ein visionärer Roman

»Tom McCarthy – ein Prophet und der neue Star der britischen Literatur!«
Tages-Anzeiger



Mit Tom McCarthy beginnt eine neue Zeitrechnung in der britischen Gegenwartsliteratur. Sein Debüt 8 1/2 Millionen, im englischen Original 2006 unter dem Titel Remainder veröffentlicht, rief als postexistenzialistische Parabel große Begeisterung hervor, wurde preisgekrönt und zum Bestseller. Für die Autorin Zadie Smith galt dieser Roman als einer der wichtigsten des vergangenen Jahrzehnts, weil er »das tote Holz auf der Straße weggeräumt hat, sodass sich ein alternativer Weg für die Romangattung eröffnete«. Nun erscheint K, sein dritter Roman, auf Deutsch – und K ist eines dieser Bücher, die die Zukunftsfähigkeit des realistischen Romans zur Diskussion und damit das Schreiben wie das Denken in seiner Gesamtheit auf den Prüfstand stellen. Für viele englische Kritiker blitzt hinter den Zeilen dieses Romans die »Zukunft der Literatur« schlechthin hervor, allerdings kontrapunktisch zum Realismus eines Jonathan Franzen etwa, an dessen Roman Freiheit ebenfalls diese Messlatte angelegt wurde.

Seit Veröffentlichung von K zählt Tom McCarthy zu den wichtigsten und ambitioniertesten englischen Gegenwartsautoren, der neue literarische Maßstäbe zu setzen vermag. Der 1969 geborene Brite sucht in der Kunst immer das Experiment, das Konventionen überwindet und so das Denken vorantreibt – Zukunft also in die Gegenwart holt. Für dieses Streben wurde er belohnt: K wurde im Jahr 2010 für den Booker-Preis nominiert, den wichtigsten aller Literaturpreise in der englischsprachigen Welt. Damit ist Tom McCarthy nicht mehr nur ein Autor, der als Geheimtipp unter Anhängern der literarischen Avantgarde gilt, sondern einer, der Leser in der ganzen Welt findet; sein Werk wird in rund zwanzig Sprachen übersetzt.

»K ist perfekt arrangiert, und muss bewundert werden für seine literarische Ambition, die der Autor nicht schamhaft zu verstecken versucht.« The Independent



K ist ein provokanter Roman, der sich an der Oberfläche ganz traditionell als Bildungsroman gibt und auch wie ein solcher beginnt: »Dr. Learmont, frisch zugelassener Arzt für die Bezirke West Masedown und New Eliry, schwankt und schaukelt auf dem Vordersitz eines Einspänners, der über den sanft abfallenden Weg auf das Haus Versoie zurollt.« Wir schreiben das Jahr 1898, und Dr. Learmont wird bei der Geburt von Serge Karrefax Beistand leisten, der Hauptfigur des Romans. Serge erblickt das Licht der Welt, den Kopf mit einer sogenannten Glückshaube bedeckt, die ihn als etwas Besonderes auszeichnet – so besonders wie die Familie, in die er hineingeboren wird. Die Mutter, gehörlos seit Geburt, betreibt auf dem weitläufigen, mit Maulbeerbäumen bestandenen Anwesen eine ererbte Seidenspinnerei in traditioneller Manier; der Vater, ein Exzentriker, der sich mit den neuesten elektrischen Apparaten der Radio- und Funktechnik umgibt, leitet eine Tagesschule für Gehörlose. Inmitten dieser ländlichen Idylle wächst Serge auf. Während seine ältere Schwester Sophie sich als naturwissenschaftliches Genie erweist, wie besessen Pflanzen und Insekten studiert und mit hochgefährlichen Chemikalien experimentiert, ist Serge ein Junge, der die Tage verträumt und die Nächte mit der Jagd auf Funksignale im Äther verbringt. Wie sein Vater hegt er eine große Leidenschaft für die revolutionären Neuerungen des gerade angebrochenen Zeitalters der Telekommunikation.

»K ist ein Roman für unsere Zeit: erfrischend anders, scharfsinnig und auffallend vergnüglich.« Daily Telegraph



Der episch angelegte Roman spannt über Serges gesamtes Leben, von seiner Geburt 1898 – dem Jahr, in dem Guglielmo Marconi in seiner Londoner Firma Marconi's Wireless Telegraph Company die ersten Versuche mit drahtloser Datenübertragung machte – bis zu seinem Tod im Jahr 1922, in dem die BBC gegründet wurde, in dem aber auch mit T. S. Eliots Gedicht Das wüste Land und James Joyces Roman Ulysses, zwei der wichtigsten literarischen Werke der Moderne, erschienen. K spielt also genau in jener Epoche des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, die man als Geburtsstunde unserer Gegenwart verstehen kann. Dies ist das Goldene Zeitalter des Modernismus – und tatsächlich thematisiert Tom McCarthy diese sich in allen Gesellschaftsbereichen neu formierende Welt aufs Genaueste. K ist eine faszinierende Reise durch die Vergangenheit, voller staunenswerter Details über die bahnbrechenden technischen Entwicklungen der Zeit: die Funktechnologie, die ersten bildgebenden Verfahren, die Bedeutung der Radiowellen im Ersten Weltkrieg. Er führt uns auf die deutschen Schlachtfelder, über die der Funker Karrefax, Hölderlin auf den Lippen, mit seinem Flugzeug hinwegfliegt; in das nur unweit von Thomas Manns Zauberberg liegende tschechische Kurbad Klodebrady, wo der junge Karrefax von der Melancholie geheilt werden soll, und in das Swinging London der zwanziger Jahre mit seinen Séancen, Sex- und Drogenexzessen.

K führt uns aber auch in das Ägypten Howard Carters, der die Schätze Tutanchamuns ans Licht der Welt bringt. Dort steigt unser Held hinab in die gewaltigen Grabkammern, versucht die frühesten Botschaften der Menschheit zu entschlüsseln, sich dem Ursprung der Literatur zu nähern, der Kultur, dem Menschsein überhaupt. Über dem ganzen Geschehen prangt der Buchstabe K – das Zeichen für Kohlenstoff , das Element des vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Lebens.

K ist ein prall mit Fakten, Ideen und Bildern angefüllter historischer Roman, ist Bildungsroman, Kriegserinnerung, Freud'sche Fallstudie, Archäologie und vieles mehr. Und obwohl Tom McCarthy all diese Themen in der Figur des Serge Karrefax konzentriert, zeigt sich der Autor weniger als Psychologe, denn als Phänomenologe. Lustvoll dechiffriert er die Viktorianische Ära, legt scharfsichtig ihre Kodes bloß, ihre Obsessionen, Ängste und Wahrheiten. Was dabei herauskommt, ist ein aufs Strengste durchkomponierter Pastiche des beginnenden Technologiezeitalters – und damit ein wahrhaft zeitgenössischer Roman, der mehr als jeder andere, der die Gegenwart auf realistische Weise abzubilden sucht, unsere globalisierte, hochtechnisierte Zeit zur Anschauung bringt. K ist ein visionäres Werk von absoluter Größe, schwindelerregend und geisterhaft schön!

GENRE