Tony Kent: »3 2 1 - Im Kreis der Verschwörer«

Buchentdecker-Gewinnspiel zu Tony Kent: »3 2 1 - Im Kreis der Verschwörer«

Tony Kent
© Neil Spence
Tony Kent studierte Jura in Schottland und arbeitet heute als Anwalt in London. Er ist regelmäßig im Old Bailey tätig und war Verteidiger und Ankläger in einigen spektakulären Strafprozessen. Nebenbei ist Kent erfolgreich als Boxer. »3 2 1 - Im Kreis der Verschwörer« ist sein erster Roman.

Mit „3, 2, 1 - Im Kreis der Verschwörer“ haben Sie einen aktuellen politischen Thriller geschrieben. Gibt es in dieser Geschichte Bezüge zur Realität?

„3, 2, 1 - Im Kreis der Verschwörer“ ist das erste in einer, wie ich hoffe, langen Reihe von Büchern, die im Heyne Verlag erscheinen. Das zweite erscheint nächstes Jahr in Deutschland, wieder bei Heyne, und im Moment schreibe ich gerade an meinem dritten Thriller. Alle meine Bücher konzentrieren sich entweder auf Michael Devlin oder Jo Dempsey, oder aber in manchen Fällen – wie bei „3, 2, 1 - Im Kreis der Verschwörer“ – auf beide. Alle sind entweder Politik- oder Kriminal-/Gerichtsthriller, deshalb bleibt es nicht aus, dass sich in allen einige Anspielungen auf die Realität finden. Speziell in „3, 2, 1 - Im Kreis der Verschwörer“ haben wir eine Handlung, die vor dem Hintergrund des wieder auflebenden Terrorismus in Großbritannien und Nordirland spielt, und natürlich finden sich diesbezüglich auch Bezüge zur Realität. Hauptsächlich jedoch soll das, was ich geschrieben habe, eine atemlose Jagd sein, die die Leser von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann zieht.

Spielt „3 2 1 – Im Kreis der Verschwörer“ auf irgendwelche gegenwärtigen Ereignisse an – zum Beispiel auf den Brexit?

Es ist immer sehr verführerisch, ein Buch als Analogie für gegenwärtige Ereignisse zu schreiben, oder sogar eine fiktionalisierte Version davon. Ich jedoch vermeide es immer sehr sorgfältig, dieser Versuchung zu erliegen! Mein Broterwerb als Strafverteidiger bringt mich mit den übelsten Elementen des echten Lebens zusammen; ich lebe und atme Mord, Raub, Erpressung – alles, was Sie sich vorstellen können, und zudem sehr viel, was Sie sich hoffentlich nicht vorstellen können. Wenn ich lese, will ich dem entfliehen. Ich lese, um mich in eine Fiktion versetzen zu lassen und von den Ideen eines anderen Schriftstellers unterhalten zu werden. Und ich hoffe, dass auch genau das die Leser meiner Bücher suchen.

Könnten Sie uns weitere Informationen über den Nordirland-Konflikt geben (The Troubles), den Sie in Ihrem Buch erwähnen?

Seit Ende der sechziger Jahre dehnte die IRA ihr Operationsgebiet aus und fing an, Großbritannien - und dort hauptsächlich England - mit zerstörerischen Terrorattentaten zu überziehen. Dies führte zu einer stärkeren Militarisierung Nordirlands durch die britische Armee, was wiederum zu mehr Gewalt in der Provinz führte und daraufhin zu noch mehr terroristischen Attentaten. Es war ein brutaler Kreislauf, der dreißig Jahre lang anhielt, bis zum Karfreitagsabkommen (Good Friday Agreement) im Jahre 1998. In diesem Konflikt starben fast dreitausendfünfhundert Menschen. Das Karfreitagsabkommen versuchte, der Spirale der Gewalt ein Ende zu machen, was bis zu einem bestimmten Punkt auch gelang. Es gab zwar weiterhin Gewalt und Zwist, aber in einem weit geringeren Maß als zur Zeit von „The Troubles“. Es wurden sehr viele Kompromisse geschlossen, um dieses Ziel zu erreichen, einschließlich der Freilassung vieler paramilitärischer Terroristen aus dem Gefängnis und einer Amnestie für noch sehr viel mehr dieser Leute. Das bildet den Hintergrund von „3, 2, 1 - Im Kreis der Verschwörer“. Eine politische Situation, in der sich der Terrorismus erneut erhebt, und in der die Regierung dafür angegriffen wird, dass sie eingewilligt hatte, diese Terroristen im Interesse ihrer Friedensbemühungen freizulassen. An diesem Schnittpunkt zwischen Frieden und Anarchie stehen die drei Hauptfiguren der Serie – Michael Devlin, ein Strafverteidiger mit einer dunklen Vergangenheit, Jo Dempsey, ein Geheimagent, der von der Suche nach dem gefürchtetsten Attentäter der Welt besessen ist, und Sarah Truman, eine CNN-Journalistin, die entschlossen ist, sich einen Namen zu machen, als ihr diese Geschichte in den Schoß fällt.

Inwieweit könnte Ihr Thriller als eine Kritik an der derzeitigen Politik in UK - Nordirland gesehen werden?

Wenn solche dramatischen und fehlerbehafteten Personen in der ersten Reihe der Politik agieren, ist es vielleicht unausweichlich, dass sie sich mit den Charakteren eines zeitgenössischen politischen Thrillers überschneiden; der Premierminister in „3, 2, 1 - Im Kreis der Verschwörer“ zum Beispiel wird als intelligent beschrieben, aber auch als jemand, der keine Verbindung zu den echten Menschen hat. Eine ganz ähnliche Kritik wird oft an der derzeitigen britischen Premierministerin Theresa May geübt. Aber das war keine Absicht meinerseits. Es zeigt nur, dass man immer wieder in die Welt zurückverwiesen wird, in der man schreibt, wenn man realistische Fiktion schreiben will. Trotzdem ist „3, 2, 1 - Im Kreis der Verschwörer“ kein politischer Kommentar, sondern eher eine Flucht davor. Wenn man eine politische Debatte will, muss man die Nachrichten ansehen. Will man sehen, wie Politiker Kugeln und hervorragend ausgebildeten Killern ausweichen? Dann sollte man „3, 2, 1 - Im Kreis der Verschwörer“ lesen!

Ihre Geschichte bietet eine Menge Einsicht in mögliche politische Verwicklungen und zeigt auf, wie viel Einfluss Politik über etliche Teile unseres Lebens gewinnen kann. Inwieweit basiert das auf der Realität?

Ich bin Strafverteidiger und Mitinhaber zweier Kanzleien in Westminster. Die eine hat sich auf Verbrechen spezialisiert und die andere auf Körperschafts - und Öffentliches Recht. Letztere Kanzlei bringt mich sehr eng mit Politik und Politikern zusammen, und ich verbringe viel Zeit im und rund um das Parlament. Deshalb verfüge ich über sehr gute Grundkenntnisse von den Komplikationen der Politik, jedenfalls im Vereinigten Königreich, und das wollte ich unbedingt in „3, 2, 1 - Im Kreis der Verschwörer“ einbringen. Selbstverständlich ist der Plot von „3, 2, 1 - Im Kreis der Verschwörer“ fiktional, und nichts von dem, was passiert, basiert auf wirklichen Ereignissen. Aber die Art und Weise, wie Dinge passieren? Die Prozesse, denen Politiker folgen? Die Beschreibung von Portcullis House, dem britischen Parlament? Selbst die Abstimmung über die Vertrauensfrage, die in dem Buch eine so große Rolle spielt? All das ist vollkommen akkurat und entspricht dem wirklichen Leben.

Die Hauptcharaktere sind sehr stark und komplex gezeichnet. Gibt es hier Anlehnungen an reale Personen, die Sie inspiriert haben? Finden sich Eigenschaften von Ihnen in Anwalt Michael Devlin?

Wir stammen beide aus irischen Familien, und wir sind beide auf eine etwas unorthodoxe Weise zu unserem Beruf gekommen. Aber es gibt entscheidende Unterschiede! Zunächst einmal sind wir zwar etwa gleich groß - und das hauptsächlich deshalb, weil jeder Thriller-Held mindestens einen Meter achtundachtzig ist – aber Michael ist erheblich schlanker als ich, er ist blond, und außerdem stammt er aus Belfast und nicht aus Dublin wie meine eigene Familie. Anders als Michael Devlin und viele andere mei-ner Charaktere kommt Dempsey nicht aus dem wahren Leben. Genauer gesagt, er ist einem Film entstiegen. Denn in meinem Kopf ist Dempsey niemand anders als Maximus Decimus Meridius, Kommandeur der Armeen des Nordens etc. Als ich Dempsey erschuf, nahm ich den Hauptdarsteller aus dem Film „Gladiator“, machte ihn sauber, rasierte ihn, gab ihm einen neuen Namen und warf ihn kopfüber ins einundzwanzigste Jahrhundert. Und seien wir ehrlich – wer würde nicht gerne sehen, was Maximus Decimus Meridius (oder jemand, der ihm sehr ähnlich ist) mit einer Pistole und einer modernen Militärausbildung bewerkstelligen könnte.

Die Komposition der Geschichte erinnert stark an Blockbuster wie „8 Blickwinkel“ oder „London Has Fallen“. Glauben Sie, dass Ihr Buch dadurch vielleicht eine größere Chance hat, auch verfilmt zu werden?

Dank meines filmischen Stils ist Liberty Films an mich herangetreten. Es ist eine unab-hängige Filmproduktion des bekannten Regisseurs Duncan Jones, der kürzlich das Netflix-Feature „Mute“ in Berlin gedreht hat. Wir sind übereingekommen, „3, 2, 1 - Im Kreis der Verschwörer“ zu einer TV-Serie zu machen. Regie führt Duncan, und produziert wird sie von Duncans Produktionspartner Stuart Fenegan mit mir als beratendem Producer. Das ist natürlich ein großes Projekt, da wir das Skript für den Pilotfilm finalisieren, und als Filmfan und visueller Schriftsteller kann ich kaum erwarten zu sehen, was Duncan aus „3, 2, 1 - Im Kreis der Verschwörer“ erschafft.

Sie waren Verteidiger und Ankläger in einigen spektakulären Kriminalprozessen. Das klingt sehr aufregend. Können Sie uns mehr darüber erzählen?

Ich habe als Ankläger und Verteidiger in einer großen Zahl von Strafprozessen seit Beginn meiner Karriere als Strafverteidiger im Jahr 2002 gearbeitet. Ich könnte ehrlich nicht einmal raten, wie viele Fälle es waren. Im Crown Court habe ich angefangen, ernsthafte Fälle vor einer Jury zu verteidigen oder anzuklagen. Seit dieser Zeit habe ich als Verteidiger und Ankläger in jeder Art von schweren und komplexen Kriminalfällen gearbeitet, angefangen von Mord und Totschlag, über Raub und Erpressung, von Terrorismus zu einem Multi-Millionen-Pfund-Schwindel, von schweren sexuellen Verge-hen bis zum illegalen Import von Tonnen harter Drogen und so ziemlich allem dazwischen. Darunter war auch ein Prozess wegen der größten Menge Cannabis, die je im Vereinigten Königreich vor Gericht verhandelt wurde. Oder die umfassendste Anklage wegen Kreditkartenschwindels: Die National Crime Agency glaubte, es wäre ein Ver-such des russischen Geheimdienstes, das Kreditsystem des Vereinigten Königreichs zu unterminieren. Da war die Verteidigung eines englischen Fußballspielers, der beschuldigt wurde, betrunken eine Schlägerei ausgelöst zu haben, bei der zwei junge Frauen ernsthaft verletzt worden sind. Eine Anklage von großem öffentlichen Interesse, bei der es um einen rassistischen Missbrauch in einem Zug ging, der auf Video aufgenom-men und ins Netz gestellt wurde. Etliche Anklagen gegen Prominente wegen Vergewaltigung, Mordprozesse, einschließlich einer Anklage, bei der ein Undercover-Polizeibeamter als Killer fungierte. Eine gewaltige, europaweite Verschwörung, um Kokain und Heroin nach Europa zu importieren und dann auf dem Kontinent zu verteilen. Etliche Prozesse wegen Betrugs in der City of London, bei denen es insgesamt um Milliarden von Pfund ging, und eine große Zahl von internationalen Waffenschieber-prozessen. Ich habe außerdem eine Zahl von sehr bekannten Mandanten wegen ge-ringfügiger Vergehen verteidigt. Darunter waren Schauspieler, Sänger, Geschäftsleute, Politiker und Sportler. Und natürlich ist der tägliche Umgang mit den gefährlichsten Kriminellen des Vereinigten Königreichs eine gute Möglichkeit, Inspiration für zukünftige Bücher und Charaktere zu bekommen.

Wie kommt es, dass Sie auch eine Karriere als Boxer verfolgt haben?

Seitdem ich laufen konnte, wusste ich, wie man eine linke Gerade und einen rechten Cross schlägt. So wurden wir in meiner Familie erzogen. Jeder von uns hat geboxt, nur waren eben einige etwas besser als andere. Und da ich für mein Alter immer sehr groß und stark war, hatte ich einen Vorteil den anderen gegenüber! Meinen ersten Wett-kampf habe ich mit elf oder zwölf bestritten, und dann gekämpft, bis ich zweiundzwanzig geworden bin. Das war während meiner Teenagerzeit mein Hauptfokus, und ich habe viele nationale Amateurtitel gewonnen und sogar sieben internationale Kämpfe absolviert. Ich habe meine Karriere mit einer recht guten Bilanz von Siegen bei nur wenigen Niederlagen beendet. Die meisten Siege habe ich durch K.O. eingefahren.

3 2 1 - Im Kreis der Verschwörer

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