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Cristina De Stefano im Interview


@ Francesco Castaldo

Oriana Fallaci war die Ikone der journalistischen Literatur. Bei btb erscheint die erste autorisierte Biografie der streitbaren italienischen Schriftstellerin, die ein Leben in Extremen führte: Sie berichtete aus Kriegsgebieten, provozierte Staatsmänner und lebte den Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Die Frage danach, was es heißt, eine Frau zu sein, begleitete sie ein Leben lang. Ihre Bücher wurden in 20 Sprachen übersetzt und in 31 Ländern veröffentlicht.
Wir haben der Autorin Cristina de Stefano Fragen dazu gestellt, wie es ist, über eine Ikone zu schreiben, die eigentlich nie eine Biografie über sich in der Welt wissen wollte. Cristina de Stefano ist selbst Autorin und Journalistin, unter anderem für die italienische »Elle«, sie lebt in Paris und arbeitet als Literaturscout für große Verlage auf der ganzen Welt. Für ihre Biografie über Oriana Fallaci erhielt sie von deren Familie bisher unveröffentlichte private Dokumente.


Wann und warum hast du dich entschieden, eine Biografie über Oriana Fallaci zu schreiben?
Das war der Wunsch von Oriana Fallacis Erben, vor allem ihres Neffen Edoardo Perazzi. Ich habe schon vorher Biografien über Frauen geschrieben, ich mag starke und inspirierende Frauen. Edoardo Perazzi hatte mein letztes Buch gelesen, »Abenteuerliche Amerikanerinnen« und hat sich gesagt: Ich möchte, dass Orianas Leben genau so erzählt wird! Wir kannten uns nicht, er hat Kontakt zu mir aufgenommen und mir angeboten, dass er mir den uneingeschränkten Zugang zum Privatarchiv von Oriana Fallaci ermöglicht. Ich habe natürlich einen Luftsprung gemacht! Oriana Fallaci ist ein Mythos in Italien – und nicht nur dort. Sie war eine Autorin, die immer ein Geheimnis aus sich und ihrem Schreiben gemacht hat, eine schwierige Person, die immer alles kontrollieren wollte, was über sie gesagt wurde. Diese Anfrage war also ein Traum! Manchmal allerdings auch ein wahrer Albtraum, weil Oriana so schwer zu fassen ist. Ich habe mir während der Arbeit oft gesagt: Warum zur Hölle hast du dich darauf eingelassen? Aber nach alldem bin ich jetzt sehr stolz auf das Ergebnis. Denn ich habe es geschafft eine Biografie über eine italienische Autorin zu schreiben, die in der ganzen Welt 32 Millionen Bücher verkauft hat und die ihr Jahrhundert geprägt hat.

Du sagst in deinem Buch, dass Oriana Fallaci nie eine Biografie über sich selbst zulassen wollte, dass Dokumente aus ihrem Nachlass schwer zugänglich waren und Gesprächspartner schwer ausfindig zu machen waren. Wie hast du dich ihr genähert?
Wie gesagt, das war ein Albtraum. Und ich hatte nachts wirklich fürchterliche Träume, einer kam immer wieder: In dem schrie sie mich an, wie sie das mit Menschen oft gemacht hatte. Sie konnte wirklich furchtbar sein … Aber ich habe der Versuchung aufzugeben widerstanden, weil ich wusste, dass sie eine historische Persönlichkeit war und ich habe es als meine Pflicht gesehen, ihr Leben zu erzählen. Das, was mich motiviert und getröstet hat, war das, was ganz am Anfang stand, ihr privates Archiv: Unendlich viele Briefe, Fotos, Kalender, so viele unentdeckte Schätze. Wenn ich Zweifel hatte, dann ging ich immer zurück zu all diesen Sachen, ich habe mich hingesetzt und habe versucht, der Stimme dieser komplizierten Frau zuzuhören.

Was war das überraschendste Ereignis während deiner Recherche?
Als ich ihre Liebesbriefe gelesen habe. Unglaublich zärtlich, bewegend, das waren die Worte einer sehr zerbrechlichen Frau. Ich hatte Orianas Stimme zum Glück immer im Ohr, kannte jede Nuance ihres Schreibens, sonst hätte ich wahrscheinlich gezweifelt, dass diese Briefe von ihr sein könnten …

Oriana Fallaci Blick ins Buch

Cristina De Stefano Literary Scouting

Oriana Fallaci

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