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"Warum ich schreibe" - Ali Land über ihre Leidenschaft

"Ich schreibe, weil ich es liebe"

Die Autorin von "Ich bin böse" spricht über ihre Leidenschaft

In letzter Zeit habe ich viel nachgedacht. Nachdem ich meinen ersten Roman abgeschlossen hatte - die Beschäftigung damit aktivierte sämtliche Synapsen und Nerven meines Körpers -, fragte ich mich, warum ich mit dem Schreiben so lange gewartet habe. Und mir wurde bewusst, dass ich mich schon vor Jahren auf den Weg gemacht hatte.
Das geschriebene Wort hat in meinem Leben stets eine wichtige Rolle gespielt. Als Tochter von Militärangehörigen war es für mich ganz normal, Briefe an meine Eltern zu schreiben, die sich auf der anderen Seite des Erdballs aufhielten. Im Internat verbrachte ich den Sonntagvormittag für gewöhnlich damit, (stark zensierte) Botschaften auf Karten zu kritzeln, die in die entferntesten Winkel der Welt verschickt wurden. Bereits früh lernte ich, wie viel Freude es machen kann, Briefe zu versenden und zu erhalten. Freunde im Umschlag, die man immer wieder lesen kann. Die ganz Besonderen versteckte ich unter meinem Kopfkissen.
Englisch war mein Lieblingsfach in der Schule; ich verschlang alles, was auf den Lektürelisten stand. Meine Bücher sind mein größter Schatz. Ich habe sie schon unzählige Male in Kisten verpackt und verschiffen lassen, damit sie mich in meiner neuen Heimat erwarteten. Meine einzige schulische Auszeichnung errang ich im Fach Englisch, und einmal durfte ich am Schuljahresende beim Buchstabenrätsel meines Lehrers nicht mitmachen, weil ich zu gut war.
Von Anfang an deutete alles auf die Schriftstellerei hin, ich besaß nur nicht den Mut dazu. Als ich mich dann tatsächlich an meinen ersten Roman wagte, schrieb ich ihn ziemlich schnell, in vier Monaten. Die Worte sprudelten nur so auf die Seiten. Zu meiner großen Freude stellte ich fest, dass die Stunden, die ich in der Schule vor mich hingeträumt und aus Klassenzimmerfenstern geschaut hatte, doch zu etwas nütze gewesen waren. Plötzlich wurde mir klar, dass ich im Kopf schon jahrelang geschrieben hatte.

WAS HABE ICH BIS JETZT GELERNT?

Ich schreibe, weil ich liebe. Von ganzem Herzen.
Ich schreibe, weil ich mir Gedanken mache. Viele Gedanken.
Ich schreibe, um zu verstehen und die Welt um mich herum zu begreifen.
Ich schreibe, um zu empfinden. Mich tief, tiefer, als ich es je für möglich gehalten hätte, in meine Protagonistin hineinzuversetzen hat mir gleichzeitig das Herz gebrochen und es geheilt. Beim Schreiben dieses Romans habe ich zahlreiche Tränen des Mitleids und der Hoffnung vergossen.
Ich schreibe auch, um der Normalität mit ihren Strukturen zu entfliehen. Während ich schreibe, entsteht rund um mich Unordnung. Post-it-Zettel bedecken meine Wände und werden zu einem sich ständig wandelnden literarischen Schachspiel. Das Chaos in meiner Wohnung wuchs in der Zeit, in der ich an dem Roman saß, genau wie der Haufen mit Schmutzwäsche. Und ich fühlte mich wohl dabei.
Der letzte Grund, warum ich schreibe: Um mich selbst zu verstehen.
Kafka sagte einmal, ein Schriftsteller, der nicht schreibe, sei ein Ungeheuer, das den Wahnsinn herausfordere.
Das kann ich bestätigen. Ich war dort, am Rand des Abgrunds. Habe mich mit den Fingerspitzen festgeklammert. Worte zu Papier zu bringen ist wie ein Schlüssel zu meinem Ich, zu dem Chaos und den Rätseln, die mich in meinem Leben schon mehrfach aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Das weiße Rauschen, die Stimmen, die Bilder, die durch mein Gehirn zucken. Nein, nicht Wahn oder Wahnsinn. Nur eine Schriftstellerin, die nicht schreibt.
Jetzt wohnt kein Ungeheuer mehr in mir. An seine Stelle ist ein Riese getreten, mein ganz persönlicher freundlicher Riese, der meine Hand hält und mir sagt: Ja, das ist der richtige Weg für dich. Das Schreiben hat meine Sicht der Welt verändert - nun vibriert sie für mich eher als zu existieren. Anregungen und Figuren, die ich entführen kann, lauern überall. Ich weiß, es wird Zeiten geben, in denen ich an Grenzen stoße, in denen sich Selbstzweifel melden werden. Vielleicht werde ich es nicht jedes Mal richtig hinbekommen, aber mir ist jetzt klar, dass ich immer schreiben werde. Warum auch nicht? Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen als Nachtstunden, in denen ich an meinem Schreibtisch mit glasigem Blick beobachte, wie sich auf dem Papier eine Geschichte herauszuformen beginnt. Ein Land. Ein Ort, an dem die Stimmen gehört werden. Etwas zählen. Auf diesem Papier gehören die Worte mir. Niemand darf sich ein Urteil darüber erlauben oder sie kritisieren.
Bis ich sie meinem Agenten oder Lektor übergebe, doch das ist dann eine ganz andere Geschichte!

ALI LAND

Ali Land hat Psychologie studiert, ihr Hauptforschungsgebiet war die Psyche von Heranwachsenden, und ihre Doktorarbeit trägt den Titel "Children Who Kill". Für ihren ersten Roman "Ich bin böse" hat sie sich von "Der Herr der Fliegen", "Die Wespenfabrik" und dem wahren Fall der britischen Serienmörderin Rosemary West inspirieren lassen. Die Übersetzungsrechte wurden in zwölf Länder verkauft.

Ich bin böse Blick ins Buch

Ali Land

Ich bin böse

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