SPECIAL zu den Thrillern von Robert Ludlum

»Darf ich Ihnen den besten Schreiber vorstellen, den ich kenne«

Paul Garrison erzählt von seinen Begegnungen mit Robert Ludlum und von seiner Bewunderung für die Romanfigur Paul Janson

Für einen jungen Schreiber, der seine Schriftstellerlaufbahn in New York begann, gab es nicht viel, was sich mit der Freude vergleichen ließ, wenn einem auf einem Verlagsfest plötzlich Robert Ludlum vom anderen Ende des Raums zurief. Er trat aus dem Kreis von Bewunderern hervor, ein strahlendes Lächeln im Gesicht, umarmte mich mit erstaunlicher Kraft und verkündete den literarischen Größen, die uns umgaben, mit seiner mächtigen Stimme: »Darf ich Ihnen den besten Schreiber vorstellen, den ich kenne.« Diese Art der Vorstellung war typisch für Bob Ludlum. Dass er junge Autoren generell so großzügig und freundlich unterstützte, minderte meine Freude in keiner Weise.
Als ich Jahre später eingeladen wurde, an einer neuen Serie zu schreiben, die auf Paul Janson beruhen sollte, einem geplagten Helden eines späteren Romans von Bob, dachte ich sofort wieder an seine freundschaftliche Begeisterung, die er mir an jenem Abend hatte zuteilwerden lassen. Ich erinnerte mich auch an den optimistischen Schluss von Der Janson-Befehl, einem fein konstruierten Thriller um das Thema Verrat, mit dem er stilistisch an jene straff komponierten Geschichten anknüpfte, die er schrieb, als ich ihm das erste Mal begegnete.
Ich erinnerte mich, dass der Schluss des Buchs genau den Robert Ludlum widerspiegelte, den ich kannte: den großzügigen Mann mit den ausgebreiteten Armen, den Scotch in der einen Hand, Zigarette in der anderen, mit dem hoffnungsvollen Lächeln eines Mannes, für den die Träume der Menschen wichtig waren.
Ich las Der Janson-Befehl noch einmal, um zu sehen, in welcher Weise ich an die Geschichte anknüpfen konnte. Sie war gut. Sie war aufregend. Großartig geschrieben, toll recherchiert, und der Schluss war noch besser, als ich ihn in Erinnerung hatte.
Am Ende gewinnt Paul Janson einen Partner: eine junge Frau, die er bewundert für ihre Stärke, ihren Mut, ihre Fähigkeiten und ihre Entschlossenheit, so gut wie nur irgend möglich zu sein. Paul Janson, »die Maschine«, der Allerbeste in seinem tödlichen Geschäft, bewundert die Qualitäten der jungen Jessica Kincaid, einer Scharfschützin, wie er nie einen besseren gesehen hatte. Und Jessica bewundert ihrerseits die Erfahrung des älteren Janson, seine ungebrochene Stärke und seine chamäleonartige Fähigkeit, in jeder Umgebung unauffällig zu bleiben.
Doch das Beste ist, dass Janson erkennt, welches Geschenk ihm mit Jessica zuteilwird. In dieser Erkenntnis spiegelt sich eine andere Seite des verheirateten Robert Ludlum, wie ich sie im kleineren, intimeren Kreis an ihm hatte beobachten können. Da wurde einem klar, dass nie ein Mann seine Frau mehr geliebt haben kann als er seine Mary. Er hörte nie auf, sich zu freuen, dass es sie gab.
Das Geschenk des Paul Janson, das Robert Ludlum seinen Lesern hinterlassen hat, ist das eines Helden, der sich mit seiner düsteren Vergangenheit auseinandersetzt und es in Zukunft besser machen will. Paul Janson ist ein Mensch, der sein Leben ständig hinterfragt. Der sich die Frage stellt, ob sanktioniertes Töten im Dienst an seinem Land nicht gleichbedeutend mit Serienmorden ist.
Aus meiner Sicht – der eines Schriftstellers, der eingeladen wurde, Jansons Zukunft zu gestalten – ist er ein Held, der mit nüchternem Blick in den Spiegel schaut und sich schwört, einiges wiedergutzumachen, der den tiefen Wunsch hat, auf der Seite des Guten zu kämpfen, und dafür alle möglichen Gefahren auf sich nimmt. Dass Janson eine Partnerin hat, die ihm den Rücken freihält, macht ihn nur noch beeindruckender. Dass er Angst um sie hat, macht »die Maschine« verwundbar.
Der Schluss von Der Janson-Befehl ist charakteristisch für den Menschen Robert Ludlum. Doch er stellt auch eine Einladung dar, die Geschichte fortzuführen. Ludlums Held hat den Schritt in ein neues Leben gewagt: ein Leben, das ein Ausgangspunkt für neue Abenteuer sein kann. Es spricht viel dafür, dass Robert Ludlum es mit Der Janson-Befehl nicht bei diesem einen Band bewenden lassen, sondern etwas Neues damit beginnen wollte. Und das war für mich Grund genug, die Einladung anzunehmen und die Reise mit Das Janson-Kommando weiterzuführen.

Paul Garrison
Connecticut
2012

Das Janson-Kommando

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