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Stephanie Schuster: »Der Augenblick der Zeit«, Blessing Verlag

»Der Augenblick der Zeit« – ein Roman auf den Spuren Leonardo da Vincis

Leonardo da Vinci, la bella principessa und Ina Kosmos

La bella principessa (© Privatsammlung)

Im Roman »Der Augenblick der Zeit« geht es um ein Leonardo da Vinci zugeschriebenes Gemälde, das wirklich existiert. Allerdings ist noch umstritten, ob es von dem berühmten Renaissancekünstler stammt.

Um die Echtheit eines Bildes, also die verbürgte Herkunft und Urheberschaft, zu beweisen, braucht man viele Expertisen. Die Hauptfigur im Roman, Ina Kosmos, versucht herauszufinden, wer der Maler und wer das Modell war, nachdem sie auf das Bild einer jungen Frau bei einer Auktion in London stößt. Unbewusst ist sie aber auch aus ganz persönlichen Gründen von dem Porträt fasziniert und bald nimmt sie die Suche so in Beschlag, dass sie ihre eigenen Sorgen vergisst. Seit zehn Jahren leidet Ina Kosmos unter einer Malblockade, dabei wollte sie von Kindheit an nichts anderes als Malerin sein. Sie wurde dann Galeristin, doch nun steht auch ihre Galerie vor dem Aus. Zu Beginn des Romans ist Ina Kosmos mit einem Kunstfälscher liiert. Von ihm lernt sie die nötigen Raffinessen, um eine Fälschung aufzudecken oder um die Echtheit eines Kunstwerks zu beweisen.

Ina Kosmos fängt an, sich intensiv mit Leonardo da Vinci auseinanderzusetzen und so lädt der Roman auch die Leserin und den Leser auf eine Reise in die Renaissance und zur eigenen Kreativität ein. Wie Leonardo trägt Ina bald wieder ein selbstgemachtes Heft in der Hosentasche, damit sie stets ein Skizzenbuch griffbereit hat, um ihre Eindrücke festzuhalten. Zu Leonardos Zeiten gab es noch keine Taschen in der Kleidung, der Meister rollte seine Pergamente ein und knüpfte sie mit einer Schnur an den Leib. Damals waren die Malwerkzeuge keine Selbstverständlichkeit, alles musste aufwendig hergestellt werden. Nicht nur die Pinsel und Malgründe, Leinwand, Pergament oder Holztafel. Papier war noch eine Seltenheit, kam erst mit dem Buchdruck in größerer Verbreitung auf. Und Farben gab es noch nicht fertig gemischt und in allen Abstufungen in der Tube. Man brauchte damals Farbpigmente und Bindemittel. Manche Pigmente wie z. B. das leuchtend blaue Lapislazuli waren sehr teuer, da sie unter großem Aufwand und aus Übersee (aus Afghanistan) stammten. Darum nannte man es auch »Ultramarin« und verwendete es für besondere Porträts, wie den Mantel der Maria oder die Ausschmückung von Königsräumen. Aber nicht nur Ina Kosmos ist von Leonardo da Vinci und seinem Umfeld fasziniert.

Die historische Perspektive

Zu Beginn der Renaissance glaubten die Menschen noch, dass sich die Sonne um die Erde dreht. (© Stephanie Schuster)

Der Sterndeuter und angehende Leibarzt des Kaisers, Georg Tannstetter (1482 – 1535), ist wie Leonardo eine historisch belegte Person. Er reist im Auftrag von Maximilian I. (1459 – 1519) nach Mailand, um die Brautwahl voranzutreiben. Am Hof der Sforzas lebt Bianca Maria, die für den Kaisersohn auserwählt wurde. Dort ist auch Leonardo nicht nur als Hofkünstler, sondern auch als Erfinder und Kriegsbaumeister tätig. Georg Tannstetter erhofft sich durch diesen Spezialauftrag endlich die Zulassung zur Wiener Universität. Noch ist er nur ein Wundarzt und Chirurg wie sein Ziehvater und ein Astrologe wie sein leiblicher Vater. Zur damaligen Zeit waren der Arztberuf und die Sterndeutung kein Widerspruch. Man ließ den Patienten zur Ader, las die Diagnose aus dem Urin und erstellte zugleich ein Horoskop. Damit waren die Leibärzte auch Drahtzieher der Mächtigen. Mit ihrem astrologischen Geschick konnten sie die Herrscher beeinflussen.

Zu Beginn der Renaissance glaubten die Menschen noch, dass sich die Sonne um die Erde dreht. Diese Welt war aus der damaligen Sicht der Mittelpunkt des Universums, und die Gestirne waren einzig dazu da, um die Geschicke der Menschen zu lenken. Als Astronom und Astrologe sah Georg Tannstetter eine Sonnenfinsternis voraus und setzte damit das Sterbedatum des Kaisers fest. Auch wenn heutige Astrologen mit einer solchen Prophezeiung, im Gegensatz zur Renaissance, nicht mehr ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, sprechen sie in einem solchen Fall besser von einer bevorstehenden großen Veränderung oder Wende im Leben als vom Tod.

Georg Tannstetter, der aus dramaturgischen Gründen zehn Jahre früher, als auf seinem Grabstein vermerkt, 1472 im bayerischen Rain am Lech geboren wurde, war auch Humanist und legte sich den lateinischen Namen Collimitius zu. Die Humanisten der Renaissance versuchten die alten Schriften der Antike, z. B. der griechischen Philosophen, aufzuspüren. Viele der Werke wurden als heidnisch verschmäht, in Klöstern von den Pergamenten geschabt und mit christlichen Huldigungen überschrieben. Außerdem setzten sie sich dafür ein, dass auch das Volk Lesen und Schreiben lernte.

Leonardo da Vinci (1452 – 1519)

© iStockphoto / ilbusca

Leonardo stammt aus einem kleinen Dorf namens Vinci bei Florenz. Es gibt vermutlich keinen Bereich des Lebens und der Wissenschaft, den er nicht erforschte. Als einer der ersten sezierte er Leichen, was die katholische Kirche noch streng verbot, da man laut ihrer Lehre nur unversehrt als Christ in den Himmel einfahren sollte. Doch Leonardo fand Wege, trotzdem die inneren Zusammenhänge des Körpers zu begreifen und darzustellen, seine Zeichnungen begeistern bis heute.

Er war auch Musiker, der sich seine Instrumente selbst baute. Durch einen Musikwettstreit gelangte er an den Hof der Sforzas. Dabei spielte er auf seiner Lyra, die er aus einem Pferdeschädel gebaut hatte. Noch heute kann man im mailändischen Schloss, dem „Castello Sforzesco“ eine große Musikinstrumentensammlung bewundern, aber auch den von Leonardo ausgeschmückten Saal, „la Sala delle Asse“.

Leonardo versuchte die Gesetze der Musik mit der Malerei zu verbinden. Wer schon einmal das Original der Mona Lisa oder des letzten Abendmahls gesehen hat, spürt seinen „Klang der Sphären“. Auch ist die Darstellung der Jünger Jesus mit ihren Gesten und Gesichtsausdrücken im „letzten Abendmahl“ universal gültig, da Leonardo die zeitlosen Gefühle der Menschen erfasst hat.

Leonardo da Vinci, Taccuino Forster III, 1490 ca. (© I, Sailko)

Alles, was er erforschte, hielt Leonardo in seiner legendären Spiegelschrift und exakten Zeichnungen in vielen Notizbüchern fest, die er eines Tages sortieren und zu einzelnen themenbezogenen Abhandlungen binden lassen wollte. Da ihm so vielerlei den ganzen Tag durch den Kopf ging und begegnete, notierte er auch Einkaufslisten oder poetische Einfälle auf den Seiten. Zum Vorsatz seine Schriften nach genauen Themen zu ordnen, kam es nicht mehr, als er auf dem Schloss Amboise in Frankreich starb. Nach seinem Tod wurden seine Manuskripte zertrennt und einzelne Blätter mit den schönsten Zeichnungen verkauft. Vieles ging verloren.

Leonardo war auch Erfinder und füllt bis heute ganze Museen überall in der Welt mit seinen Ideen. Er baute Schleusen, Farbmühlen, Wasserfahrzeuge und besondere Kriegswaffen, die die Herrscher, bei denen er am Hofe lebte, in Auftrag gaben. Von seinem Traum vom Fliegen zeugen dutzende Flugmodelle, die zu seiner Zeit leider nicht funktionierten, aber z. B. sein Fallschirm wurde vor ein paar Jahren nachgebaut und ausprobiert. Er hielt stand und brachte den Probanden unverletzt auf den Boden.

Kreativität

Kreativ sein schenkt Kraft und Gelassenheit. (© Stephanie Schuster)

Durch das Schreiben des Romans hat die Autorin, ähnlich wie die Hauptfigur, die zu Beginn der Geschichte an einer Malblockade leidet, wieder zur Malerei zurückgefunden. Der Roman lädt auch die Leserin dazu ein, innere Zweifel zu besiegen und wie Ina Kosmos einfach loszulegen. Jeder Künstler, ob berühmt oder unbekannt, steht eines Tages vor der Entscheidung, seinen Einfall oder auch nur eine vage Idee umzusetzen. Das erste Mal an einer Gitarrensaite zupfen, Aquarellfarbe auf einem nassen Papier ineinanderfließen zu lassen, mit Bleistiftstrichen den Umriss einer Person einfangen, das Gefühl von kaltem, aber geschmeidigen Ton in den Händen zu haben, um eine Skulptur zu formen. Kreativ sein verbindet die eigene Welt mit Wirklichkeit und Traum und schenkt Kraft und Gelassenheit.

Die Recherche

Die Kapitelnamen im Roman sind nach Farbpigmenten benannt. (© Stephanie Schuster)

Um den Roman schreiben zu können, hat Stephanie Schuster alle Hintergründe sorgfältig recherchiert. Sie sprach mit Dr. Heike Stege, Oberkonservatorin am Doerner Institut in München, das sich neben der neuen Pinakothek befindet und auf Kunstfälschungen spezialisiert ist. Sie ließ sich von Lichtplaner Olaf Adam, der Museen »erhellt«, beraten. Die Astrologin Momo Jöckle erklärte ihr die Sterndeutung anhand der Horoskope von Kaiser Maximilian I. und seiner Frau, Kaiserin Bianca Maria Sforza, die beide im Roman vorkommen. Der Künstler und Dozent Christoph Kern lehrte sie, wieder zu malen. Außerdem reiste Stephanie Schuster nach Mailand, Paris und Wien, auf den Spuren Leonardo da Vincis, Georg Tannstetters und der anderen Figuren. Dort besichtigte sie die Schauplätze der Handlung und traf weitere Experten.

Auch mit der Herstellung von Farben, ihrer Herkunft und der Zusammensetzung aus Pigmenten und Bindemitteln hat sie sich intensiv beschäftigt. Allein für Schwarz gibt es viele Grundstoffe. Erstaunlicherweise kann man Schwarz z. B. aus Elfenbein gewinnen, was man heute immer noch für die Gemälderestaurierung braucht, allerdings wird es aus Tierschutzgründen aus alten Klaviertasten herstellt.

Die Kapitelnamen im Roman sind nach Farbpigmenten benannt, so wandeln sich die Kapitel nach und nach von Dunkel nach Hell. Das letzte Kapitel vereint schließlich alle Farben und erhellt hoffentlich auch die lange Suche der Hauptfiguren. Es heißt »Licht«.

Der Augenblick der Zeit Blick ins Buch

Stephanie Schuster

Der Augenblick der Zeit

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