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Special zum Hörbuch

Werkstattgespräch über Bruce Springsteen – mit Thees Uhlmann und Lektor Markus Naegele

Welche Bedeutung hat Bruce Springsteen für Euch?

Thees:
Ich muss sagen, dass Bruce Springsteen für mich in einer Sache ganz wichtig war: Seitdem ich 30 bin, und ich bin jetzt 42, war diese Frage in meinem Kopf – „Wie ist das, Musik zu machen, wenn man älter wird?“
Da gibt es zwei große Sachen in meinem Leben: Das Eine ist Element of Crime von meinem Freund Sven Regener – und dann eben Bruce Springsteen. Die haben mir immer wieder gezeigt, dass man total cool, würdevoll und aussagekräftig – und vor allen Dingen auch einfach schöne! - Musik machen kann, auch wenn man älter wird.
Das ist für mich, neben seinen großen, fantastischen Songs und seinen tollen Texten und dem, wie er das macht, eine der wichtigsten Sachen bei Bruce Springsteen. Da ist er mir ein leuchtendes Vorbild, das mich begleitet beim Älterwerden im Musikmachen.


Markus:
Springsteen ist bei mir von der Biografie her relativ wichtig verwoben, weil das mein erstes Konzert war, und ich eigentlich nicht wusste, was Rock'n'Roll ist. Ich hatte schon ein bisschen Musik gehört vorher, Bay City Rollers und so, ein bisschen Pop und Beatles – und dann Bruce Springsteen zu erleben, das ist so eine Urgewalt.
Ich weiß nicht wie es dir geht, aber gerade die ganze 70er Jahre-Phase hat überhaupt nicht gelitten über die Jahre. Es gibt Bands, die man dann 20 Jahre später nicht mehr so gerne anhört, aber gerade die ganzen Sachen aus den 70ern bis frühe 80er – das wird nicht alt, das ist, was man Klassiker nennt.
Ich höre momentan auch wieder „Born to Run“ unheimlich gerne, also nicht nur die Hits. Und das ist echt eine Offenbarung, auch vom Sound!
Bruce Springsteen wird oft reduziert auf Classic Rock oder Roots Rock – aber auch von der Produktion ist das alles sensationell, das ist wie Meat Loaf in gut – und zeigt für mich auch, dass dieser klassische Rock, oder Altherren-Rock, wirklich breit und groß und würdevoll klingen kann. Es gibt nicht so viele, die das hinkriegen.

Das hat bei mir ein bisschen damit zu tun, dass ich als Musiker auch immer weiterziehe. Ich war The Smith-Fan und Oasis-Fan und Deutschpunk-Fan – und Springsteen hat über die Jahre, jetzt auch zum Beispiel in den letzten zehn Jahren, dafür gesorgt, dass ich mir die Sachen angehört habe.
Manche Leute nennen das „Inspirieren-lassen“, aber bei mir ist es ganz klar: „Oh, der hat eine gute Idee gehabt, ich übersetze die mal auf Deutsch und bau das mal ein bisschen um“. Und das ist wirklich für mich eine Flamme, die mich auch immer zum Weitermachen auffordert.
Und gerade, weil es eben nicht dieses „Ich-komm-von-einem-anderen-Stern-und-schau-wie-toll-ich-bin-und-wie-super-ich-singen-kann“ ist, sondern diese Grandezza im Normalen, dass es quasi nur ein Zufall der Geschichte ist, dass er nicht Tankwart geworden ist, sondern eben der Sänger in einer Rock'n'Roll-Band. Und das ist auch eine Sache, nach der ich suche: Grandezza im Normalen, und dafür bin ich ihm sehr, sehr dankbar.


Also für mich war oder ist immer noch wichtig – und das sieht man auch bei den Konzerten: diese Besessenheit, die er hat. Auch im Buch zum Beispiel ist, was mich so fasziniert hat, dass er von Anfang an wirklich besessen war, fast manisch, und alles dafür getan hat, um seinen Traum wahr werden zu lassen. Ich habe auch eine Phase gehabt, in der ich ihn ein bisschen aus den Augen verloren hatte – aber ich war jetzt bei dem Konzert und es war wieder alles da, das komplette Feuer, das er verströmt.
Er ist 67 Jahre alt – wie er einfach nicht locker lässt! Andere spielen dann wirklich nur noch ihr Best-Of-Set oder nur noch eine Dreiviertelstunde oder Stunde und er zieht das durch, er hat nichts anderes. Und diese Besessenheit – ich wüsste jetzt keinen, bei dem ich das sonst so erlebt habe … Wüsstest du einen?

Na, ich habe ja mit meinem Manager Rainer ein legendäres Wochenende hinter mir: Wir waren in Rom und haben Freitag Neil Young geguckt und am Samstag Springsteen – und Neil Young hat auch dreieinhalb Stunden gespielt. Ich würde auch sagen, dass Neil Young nie besonders darauf aufgepasst hat, dass er wundervolle Gewänder auf der Bühne anhat oder dass das Konzept stimmen soll. Es war immer nur der Mann mit der Gitarre.
Und vielleicht ist das ein ganz guter Entwurf: sich mit 30 gegen Drogen zu entscheiden und sich immer auf den Song zu konzentrieren und sich vor allem als normal zu begreifen und der Kunst das Besondere einzuräumen. Das ist dann mein Ding, Neil Young.


Aber Neil Young ohne Drogen, stimmt das? Ich meine, die Band, in der er war, das waren ja alles komplette Drogenwracks.

Ja, er ist ja dann auch ausgestiegen und ab und zu vielleicht mal eine Hashpipe oder so was, aber da habe ich schon Leute gesehen, die mit Mitte 40 wesentlich fertiger sind als er.

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Bruce Springsteen

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