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Special zum Hörbuch

Werkstattgespräch über Bruce Springsteen – mit Thees Uhlmann und Lektor Markus Naegele

Wie war das, dieses Buch bzw. dieses Hörbuch machen zu dürfen?

Thees:
Wir wurden mal von den Toten Hosen gefragt, ob wir nicht Lust hätten, im Vorprogramm von denen zu spielen und dann macht man den Klassiker: „Ja, ich gucke mal eben in meinem Kalender nach“, dann wartet man drei Sekunden und sagt: „Ja, ich könnte da was freimachen“ und dann legt man auf - und dann lacht man einfach. Dann lacht man einfach, weil das so Sachen sind, mit denen man nie gerechnet hätte, die man sich noch nicht mal hätte vorstellen können und plötzlich ist dieser Moment dann da! Man ist dann so eine Mischung aus demütig und gleichzeitig auch wahnsinnig glücklich und ein bisschen hysterisch.
Als sich das angedeutet hatte, dass ich die deutsche Übersetzung lesen darf, da war ich einfach: "Krass, das jetzt auch noch, ja, super!


Markus:
Ja, wenn´s sein muss.

Ja, wenn´s sein muss - nee!!
Man möchte das einfach richtig gut machen, weil er es aufgeschrieben hat – man möchte auch einen Ton finden, der der ganzen Sache entspricht.
Der Norddeutsche kann ja nicht stolz sein, das geht irgendwie nicht, der Norddeutsche ist stolz, wenn er Deich hält – aber ich bin schon sehr, sehr froh und sehr glücklich, dass ich das machen darf.
Als mein Manager gesagt hat: „Pass ma auf, Diggie, setz dich mal hin, ich hab ´ne Neuigkeit für dich!“ – dann weiß ich eigentlich immer schon, dass entweder was ganz Schlechtes kommt, oder manchmal kommen auch ein paar gute Sachen.


Ich habe schon relativ viele Musiker-Memoirs und Biografien gemacht und ich hatte immer die Hoffnung oder diesen Wunsch - weil irgendwie sterben die alle aus, es ist ja nicht mehr so viel über, was interessant ist. Ich habe immer gesagt, auch beim Verleger: Springsteen, das wär´s nochmal.
Da gab es eine Biografie vor ein paar Jahren und wir waren schon kurz davor - Biografien, naja, dann wurde das nichts.
Dann, ich weiß gar nicht, wann das war, hat der Verleger so nebenher gesagt: „Ja, kommense mal rein, da ist so ein Projekt und da hab ich jetzt geboten und was meinen Sie?“ ... und ich habe gesagt: „Wer? Was? Was?“ „Ja, Bruce Springsteen“ und ich hab gesagt: „Ja, Wahnsinn!!!“
Da wurde ich schon ein bisschen fickrig. dann war noch mit den Verhandlungen ein Hin und Her – und als dann mal klar war, dass das Buch bei uns erscheint, da wurden die Finger schon ein bisschen feucht. Es war auch erst mal nicht klar, wer das betreut, weil ich eigentlich für andere Labels zuständig bin – ich habe dann aber gesagt: „Ey, Leute! Egal, was jetzt ist, das Buch mache ich, sorry, aber da geht jetzt kein Weg dran vorbei. Das muss ich halt machen.“ Und auch echt die Ellenbogen ausgefahren, was ich normal nicht so mache und das tat mir auch leid dann irgendwie, aber das musste halt sein.
Das ist schon was Besonderes, das ist nicht einfach ein weiteres Buch, was so erscheint, es ist mir schon wichtig. Von daher ist natürlich auch die Frage: Wird das gut? Wird das Buch gut?
Erst hatte ich ja nur ein bisschen was zu lesen, und nach 50 Seiten habe ich dann durchgeatmet und gesagt: „Das ist einfach echt ein richtig gutes Buch!“
Weil nicht alle Musikerbiografien sind wirklich so wichtig und so toll und finden den Tonfall. Er hat es selber geschrieben, nach allem, was man weiß, und das merkt man auch. Es ist keine routiniert runter geschriebene Biografie, sondern da steckt extrem viel Herzblut drin und das spürt man. Ich kenn mich relativ gut aus in seiner Historie, aber da sind viele Sachen, die ich eben nicht wusste. Das wird so rüber gebracht, dass man dann wirklich nächtelang dasitzt und liest, man will weiter: Dann ist das erste Album und dann das zweite und wie war das dann mit dem Manager und das kickt schon. Es ist für mich was Besonderes, und auch wenn Du das nicht sagen kannst, ich bin ja kein Norddeutscher – ich bin schon auch stolz drauf.

Was ich besonders schön fand: dass ich so etwa bei Seite 150 gedacht habe, Mensch, bis hierhin hätte meine Mutter das Buch auch lesen können und die hätte das selber interessant gefunden. Die Geschichte von Jugendlichen in Amerika nach dem zweiten Weltkrieg, die Geschichte von Jugendlichen im Vietnamkrieg und so was - das ist nicht nur einfach „Ah, da hab ich A-Moll gespielt und da habe ich die Goldene Schallplatte bekommen“, sondern das ist wirklich amerikanische Zeitgeschichte anhand eines Typen, der angefangen hat, Musik zu machen.
Es wäre leicht gewesen, das anders zu machen, das hätten immer noch Leute gekauft, aber so ist es einfach wirklich ein tolles Buch geworden.
Und ich finde auch, vor allem wenn man sich durch die Jugend von Bruce Springsteen gräbt - mich hat das stark daran erinnert, wie Stephen King in Es über Jugend schreibt. Das trifft schon sehr den Ton, wie Bruce Springsteen in seinem Buch über seine Kindheit und Jugend schreibt.


Ja, Springsteen selbst ist ja auch so ein großer Fan von Beat-Literatur, also Jack Kerouac ist einer seiner Helden. Da stecken schon auch John Steinbeck und Philipp Roth drin, diese großen, amerikanischen Autoren - und grade in der ersten Hälfte des Buches kommt das rüber, sehr unmittelbar, auch diese langen Sätze, die ja wirklich lang sind!
Das hat Thees gerade erlebt, bei den Aufnahmen, man muss sich konzentrieren, der hat schon Tonfall reingebracht. Und daran merkt man eben auch, dass es nicht nur ein Ghostwriter ist, der einen Auftrag runter geschrieben hat. Ist ein Unterschied.

Ich stimme dir zu.

Richtig.

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Bruce Springsteen

Born to Run

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