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»Es ist eine Liebeserklärung an alle Frauen«

Wladimir Kaminer im Interview

Kaminer, Wladimir
© Urban Zintel

Du hast einige Geschichten über deine Schwiegermutter geschrieben, in deinem aktuellen Buch erzählst du Geschichten über deine Frau Olga. Warum schreibst du so viel über deine Familie?

Es war gar nicht so geplant. Ich wollte nie zu einem Familienschriftsteller werden. Ich wollte über weltpolitische Themen schreiben. Aber meine Lektorin war ein Fan von Familiengeschichten. Beim Schreiben habe ich gemerkt, dass Familiengeschichten die weltpolitische Lage viel besser widerspiegeln, als wenn ich nur ganz allgemein über Politik schreiben würde. Menschen auf der Flucht, Verzweiflung: Das sind Themen, die uns Menschen bewegen. Gleichzeitig versuche ich natürlich alles mit Humor zu sehen. Man muss darüber auch lachen können. Sonst werden Tragödien zu Sackgassen.

Deine Mutter hast du auch schon in einem Buch verewigt. Ist deine Frau ihr ähnlich?


Nein, überhaupt nicht. Sie sind wie Sonne und Mond. Meine Frau steht auf Katzen, sie sind unabhängig und selbstständig. Das Lieblingstier meiner Mutter sind Schildkröten, die ja für ihre Ausdauer bekannt sind. Sie überwintern sogar im Kühlschrank. So sind meine Mutter und meine Frau auch. Meine Frau hat einen sehr starken Charakter. Sie hat zwar vor allen möglichen Dingen Angst, aber wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, realisiert sie das. Sie ist ein sehr ängstlicher und mutiger Mensch zugleich. Meine Mutter ist anders, sie macht vor jedem Problem halt und wartet darauf, dass es sich von alleine löst.

Wer hat bei euch zu Hause das Sagen – du oder deine Frau?


Das kommt stark darauf an, in welchem Lebensbereich. Haushalt, Kindererziehung, das allgemeine Wohl unserer Familie – dafür ist Olga zuständig. Und ich muss das alles finanzieren und sorge natürlich auch für die Unterhaltung.

Wie gefällt deiner Frau Olga dein neues Buch?

Sie kennt zwar alle Geschichten, aber sie hat sie noch nicht wirklich alle gelesen. Ich hoffe aber, dass es ihr sehr gefallen wird, weil es ein sehr romantisches und liebevolles Buch ist. Es geht aber nicht nur speziell um meine Frau. Ich habe versucht, viel zu verallgemeinern, damit sich jede Frau darin wiederfinden kann. Es ist eine Liebeserklärung an alle Frauen. Denn Olga verkörpert für mich, wie Frauen eben sind: stark, flexibel, nachsichtig und respektvoll.

Du scheinst dich über deine Frau sehr oft zu wundern: Hast du das Gefühl, dass sich Männer und Frauen nicht vollständig verstehen können?

Ich glaube, niemand kann jemand anderen vollständig verstehen. Es sind ja bereits tausend Bücher darüber geschrieben worden, dass Männer vom Mars und Frauen von der Venus sind. Mir geht es in „Einige Dinge, die ich über meine Frau weiß“ aber nicht um Kommunikation, sondern um die Bewunderung. Ich bin eben ein großer Fan der Frauen.

Was ist das merkwürdigste Verhalten, das du je an deiner Frau beobachtet hast?

Da gibt es so viel Merkwürdiges. Am seltsamsten finde ich ihre Vorliebe für alles mit Flügeln. Zuerst hat sie Engel gesammelt, da hat sie diesen ganzen christlichen Kitsch ins Regal gestellt. Dann war sie enttäuscht von der Kirche und hörte von einem Tag auf den anderen damit auf, Engel zu kaufen. Stattdessen fing sie an, Flugzeugmodelle zu sammeln. Sie hat auch Ohrringe mit Flugzeuganhängern. Sie glaubt, dass diese Modelle Flugangst heilen können – das hat sogar funktioniert. Aber sie sammelt immer noch alles, was Flügel hat. Meine Wohnung ist vollgestopft mit Flugzeugmodellen, Libellen und Schmetterlingen, Deko-Hühnern, und seit Kurzem sind auch Hühner aus Plüsch dazugekommen – das finde ich ausgesprochen merkwürdig.

Dein neues Buch erscheint im neu gegründeten Verlag „Wunderraum“, der sich auf Bücher spezialisiert, die Lesern eine Auszeit vom Alltag gönnen. Warum passen deine Bücher so gut in den Verlag?

Weil ich das Leben beschreibe. Ich versuche nicht, mir etwas auszudenken. Ich behandele das Leben mit großem Respekt. Jedes Leben ist für mich ein Wunder und hat einen Platz im Wunderraum verdient.

Du selbst bist mit Frau und Kindern, Veranstaltungen, Interviewterminen und dem Schreiben oft eingespannt. Was machst du, wenn du eine Auszeit brauchst?

Ich laufe. Wie Forrest Gump. Da kommt alles wieder an den richtigen Platz: Muskeln, Organe, Gedanken. Nach acht Kilometern sitzt alles wieder da, wo es sein soll.

© WUNDERRAUM Verlag 2017. Das Gespräch führte Marion Lenke.

Einige Dinge, die ich über meine Frau weiß Blick ins Buch

Wladimir Kaminer

Einige Dinge, die ich über meine Frau weiß

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