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SPECIAL zu Wolfgang Kaes »Bitter Lemon«

Ein grausames Geschäft

Eine Buchempfehlung von Carsten Hansen

Wolfgang Kaes interessierte sich schon immer für politisch hoch brisante Themen. Da ging es um Bluterkranke, die durch HIV-verseuchte Präparate infiziert wurden, oder um das organisierte Verbrechen und den Waffenhandel. In seinem jüngsten Werk „Bitter Lemon“ steht der moderne Sklavenhandel im Mittelpunkt. Im Medium eines hoch spannenden und dichten Thrillers widmet sich Kaes damit einem Thema, von dem wohl nur wenige geglaubt hätten, dass es hier und heute, in Deutschland im Jahr 2010, aktuell sein könnte. Wenn man diesen Krimi nach fast 350 Seiten aus der Hand legt, sieht man die Realität mit etwas anderen Augen!

Unschuldig im Gefängnis?
Zwölf Jahre Gefängnis liegen hinter Zoran Jerkow, verurteilt wegen Mordes an einer Prostituierten, als es der jungen Journalistin Kristina Gleisberg gelingt, seine Unschuld zu beweisen. Während der Pressekonferenz zu diesem spektakulären Justizskandal schwört der frisch entlassene Jerkow allen an dem damaligen Prozess Beteiligten Rache und taucht anschließend ab. Das Polizeiteam, das ihn observieren sollte, ist chancenlos. Von Jerkow fehlt fortan jede Spur. Bei Gleisberg stellt sich der schreckliche Verdacht ein: Ist Jerkow vielleicht gar nicht das Justizopfer, für das sie ihn hielt? Hat er sie nur benutzt, um aus dem Gefängnis zu kommen? Ist nun ein Schwerverbrecher, der noch eine ganz andere Rechnung offen hatte, auf freiem Fuß?

Rache ist süß
Die Polizei nimmt Kontakt zu David Manthey auf, einem Jugendfreund Jerkows und ehemaligen Kriminalhauptkommissar, der sich auf Formentera zur Ruhe gesetzt hat. Er soll helfen, den hoch gefährlichen Jerkow ausfindig zu machen. Noch während dessen Reise nach Deutschland wird Heinz Waldorf, der Jerkow damals verteidigt hatte, ermordet aufgefunden. Hat sein Rachefeldzug also bereits begonnen? Als schließlich auch noch David Manthey untertaucht und die Journalistin Gleisberg nur knapp einem Anschlag entkommen kann, ist nicht nur die Polizei ratlos. Auch der Leser hat sich inmitten einer geschickt konstruierten Geschichte verfangen. Worum geht es hier eigentlich? Wer ist dieser Jerkow überhaupt? Und welchen Plan verfolgt er?

Die typische Karriere des Kleinkriminellen
Nur langsam klärt sich auf, in welch teuflische Machenschaften Jerkow geraten ist. 1970 in Vukovar geboren, wuchs der Junge mit seinen zwei Geschwistern in Köln auf. Die Schule hatte er abgebrochen, die Lehre auch, mit 14 Jahren gründete er eine Gang, „mit 16 befehligte er bereits eine kleine Armee aus Migrantenkindern“. Was folgte, war die typische Kleinkriminellen-Karriere. Doch dann kam der Bürgerkrieg in Kroatien, und Jerkow kehrte zurück in seine Heimatstadt Vukovar. Erst sechs Jahre später tauchte er wieder in Köln auf, kurz bevor sich der Mord an der Prostituierten ereignete, für den er ins Gefängnis ging.

Der Schlächter von Vukovar
Ganz langsam dämmert dem Leser, dass es hier um mehr geht als „nur“ um einen Mord, ein Komplott und einen Justizirrtum. Vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs in Kroatien und mit dem Wissen um das „Massaker von Vukovar“ beginnt man, größere, unheimliche Zusammenhänge zu ahnen. Seite für Seite offenbart Wolfgang Kaes die teuflischen Details seines kunstvoll verschlungenen Plots, und schlagartig erfährt der Leser, auf wessen Seite Jerkow tatsächlich steht – und dass er selbst in höchster Gefahr schwebt. So wie auch David Manthey und Kristina Gleisberg.

Meisterlich erzählt
Keine Frage, Wolfgang Kaes versteht sein Handwerk. Seine Geschichten vibrieren vor Spannung, sie sind sauber und fein recherchiert und fesseln den Leser von Beginn an. „Bitter Lemon“ kann man gar nicht anders lesen als in einem Zug – staunend und atemlos.

Carsten Hansen
Literaturtest
Berlin, August 2010

Bitter Lemon Blick ins Buch

Wolfgang Kaes

Bitter Lemon

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