VERLAGSGRUPPE RANDOM HOUSE - BERTELSMANN
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Blanvalet Verlag

DIE GRÜNDUNG DES BLANVALET VERLAGS

Lothar Blanvalet

Der Verleger Lothar Blanvalet, geboren am 12. August 1910 in Berlin, stammte aus einer alten Hugenotten-Familie. Eigentlich wollte er Schauspieler werden, trat jedoch auf Wunsch seiner Familie eine Lehrstelle in einem Berliner Verlag an.

Lothar Blanvalet gründete 1935 – er war selbst gerade einmal 25 Jahre alt – den gleichnamigen Lothar Blanvalet Verlag mit Sitz in Berlin. Während des Zweiten Weltkriegs unterband das NS-Regime seine Tätigkeit, doch bereits im Januar 1946 bekam der findige Verleger sowohl von den US-Amerikanern als auch von den Franzosen und Briten wieder eine Verlagslizenz für die jeweilige Besatzungszone. Und die nutzte er wie kaum ein Zweiter. So erschienen bei dem Berliner Verlag damals beispielsweise Werke von F. Scott Fitzgerald, Walt Whitman und Klaus Mann.

Politisches Engagement zeigte der Verleger Lothar Blanvalet nicht nur anlässlich der Berlin-Blockade 1948, als er mit seinen Flugschriften kritisch Stellung bezog, sondern auch im Jahr 1967, als er eine Veranstaltung mit dem Titel Ist unsere Demokratie bedroht in der Berliner Deutschlandhalle organisierte.

Wie clever Lothar Blanvalet bei der Akquirierung seiner Erfolgsautoren vorging, verdeutlicht folgendes Beispiel, das damals der Spiegel verbreitete: 1953 wollte er gern ein Buch des französischen Meeresforschers Jacques-Yves Cousteau verlegen. Also telegrafierte er Cousteaus Frau nach Marseille: "Was isst Ihr Mann am liebsten?" Die Antwort kam postwendend: "Geflügel". Entsprechend servierte Lothar Blanvalet dem scheuen Franzosen bei ihrem Zusammentreffen also Ente – und bekam die Buchrechte.

ERFOLGSGESCHICHTE

Seinen größten wirtschaftlichen Erfolg verdankte der Verlag damals allerdings nicht einem Abendessen, sondern der romantischen Geschichte einer Baronstochter in Zeiten des Dreißigjährigen Krieges: 1956 erschien bei Blanvalet Anne Golons historischer Roman Angélique, selbst in Frankreich kam das Werk erst später auf den Markt. Eine Weltpremiere also – und was für eine: Allein das Erstlingswerk wurde in 45 Ländern veröffentlicht, bis 1985 erschienen zwölf Bände mit einer Gesamtauflage von rund 150 Millionen Exemplaren, dazu wurde Angélique in 27 Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt. Im Jahr 2011 veröffentlichte Blanvalet einige Bände der Angélique–Reihe noch einmal neu in einer von der Autorin überarbeiteten Fassung. Im Frühjahr 2015 wird Angelique neu verfilmt in Kino und Fernsehen zu sehen sein.

LOTHAR BLANVALET ÜBERGIBT AN BERTELSMANN

Wie zahlreiche andere deutsche Verleger entschloss sich Lothar Blanvalet in den beginnenden 70er-Jahren, Taschenbuchlizenzen seiner Erfolgstitel zu verkaufen. Rund 30 Lizenzen gehen an den Rowohlt Taschenbuch Verlag.

1974 gab Lothar Blanvalet die Verlagsarbeit schließlich aus Altersgründen auf und übertrug die Verantwortung für seinen Verlag an Bertelsmann, wo er heute Teil der deutschen Verlagsgruppe Random House ist. Lothar Blanvalet verstarb am 17. Januar 1979 in Berlin. Mit seinem Namen, seinem Engagement und seiner Liebe zu guten Büchern schuf er einen einzigartigen Verlag für Unterhaltungsliteratur. Seine Entscheidung, dieses Erbe der Verlagsgruppe zu übertragen, war der Grundstein für das Fortbestehen von Blanvalet.

Auch unter dem Dach von Bertelsmann behauptet der Blanvalet Verlag seine Spitzenposition als einer der erfolgreichsten belletristischen Verlage Deutschlands.