Ænglisch

Prosa

(6)
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Aus dem Nachlass der großen Lyrikerin

Im August 2000 brach Sarah Kirsch mit ihrem Sohn zu einer Reise nach Cornwall und Devon auf, das Tagebuch immer parat – auf dem dänischen Schiff bei freundlichem Wetter über die Nordsee reisend, bei Quartiersuche in Penzance, »früher Heimat der Sardinen, dann Eldorado der Maler«, auf Spaziergängen, wo sie vom Wechselspiel der Farben über der See fasziniert ist: »silberweißes Spitzengrau wie für Herrn Turner, später das Meer schwarzer Lack«. Zu Fuß geht es auf die Insel St. Michael’s Mount, durch das Rosamunde-Pilcher-Land mit »verzauberte kleene Häuserken und gloriose Gärten« jagt der Zug über Salzwiesen bis nach Torquay.

Die sprachliche Raffinesse, die einzigartigen Naturbeschreibungen und der scharfe Blick Sarah Kirschs machen ihre Reisebeobachtungen zu einem literarischen Kleinod. Einmal mehr zeigt sich das Vermögen der großen Lyrikerin, die sie umgebende Welt mit ihrer kraftvollen Bildsprache in Poesie zu verwandeln.

Pressestimmen zu ihrem letzten Prosaband "Juninovember" (2014)


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mit Abb.
ISBN: 978-3-641-16012-8
Erschienen am  30. März 2015
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Kleines Reisetagebuch

Von: Werkberg

10.07.2019

Die Lektüre von »Ænglisch« fühlt sich an, als würde ich heimlich durch das Reisetagebuch von Sarah Kirsch blättern - die abfotografierten Originalseiten mit Sarah Kirschs schöner Handschrift und die schwarz-weißen Fotos tragen noch einmal dazu bei. Die Einträge sind über eine Englandreise (Cornwall, Devon), die Sarah Kirsch zusammen mit ihrem Sohn im Spätsommer 2000 unternommen hat. Halb zwischen Schrift und Sprache sind die Beobachtungen noch näher am Leben. Spätestens nach diesem kurzweiligen Bericht will man auch ans Meer. Die kleinen Urlaubserlebnisse werden hübsch dargestellt und sympathischerweise jedes Tierchen auf dem Weg beschrieben - hier nur ein paar Beispiele, was die Möwen alles machen: »und die Möwen randalieren«, »alles voller Hitchcock-Möwen«, »und die Möwen sagten: Lasst euch Zeit!«, »über viel Steine möwengeleitet«, »die Hausmöwen haben den Wecker ersetzt«, »das Geschrei des Lachsacks, sehr ähnlich dem Möwengelächter«, »mit einer Möwe auf dem Kamin«, »die mickrigen kleinen Möwen waren erheiternd". Das Buch ist außerdem mit einem Nachwort versehen, das ruhig ein wenig kürzer hätte sein können. Eine hübsche Ergänzung für Kenner*innen des Werks von Sarah Kirsch. Danke für das Rezensionsexemplar.

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Buch der Woche - AEnglisch von Sarah Kirsch

Von: Susanne Becker

22.06.2016

"Wunderbar als early birds beim Italiener nahe am Hafen britisches Rind gegessen. sehr gut isses gewesen. Im schönen Licht retour. Sonnenfinger durch Wolkenlöcher. Jeden Tag mindestens 7 km geloofen. Bin bei 54 Kilo Gewicht, wenn die Waage hier stimmt." Das Reisetagebuch AEnglisch von Sarah Kirsch, in dem diese über eine Reise nach Cornwall und Devon berichtet, die sie im Jahre 2000 mit ihrem Sohn Moritz unternommen hat, ist eine leichte und beschwingende Lektüre. Ich möchte jetzt auch sofort Cornwall und Devon bereisen, zum Beispiel in St. Ives das Atelier von Barbara Hepworth besuchen, das auch in meinem Buch Meine hippe Hütte aus dem Knesebeck Verlag so verlockend beschrieben wird. Man möchte England einmal bereisen und sich an der Exzentrizität der Engländer laben, die sprichwörtlich und bekannt ist, die von Sarah Kirsch im schmalen Buch immer wieder bestätigt wird. Da fahren Züge früher ab, weil voll, und in Hotels gibt es keinen Stuhl aber eine nackte Glühbirne als Lampe. Sarah Kirsch lässt sich von all dem nicht aus der Ruhe bringen. Vielmehr scheint man bei der Lektüre Zeugin zu sein des Prozesses, in welchem sie sich die Eindrücke genießerisch einverleibt, um daraus später Worte zu gebären. Ich mag das Buch, weil ich gerne Tagebücher lese und dieses in vieler Hinsicht originell ist. Niemand schreibt wie Sarah Kirsch. Wie Sarah Kirsch schreibt, kann ich eigentlich gar nicht beurteilen, denn dies ist mein erstes Buch von ihr. Aber ich lese es und glaube, sofort einen Teil dieser Schriftstellerin, die eine der großen deutschen Lyrikerinnen ist, zu begreifen. Ihren Humor und ihre Eigenart, die etwas burschikoses hat, fast schnodderig, lebensfroh und neugierig, jemand, der sich auf gar keinen Fall für dumm verkaufen lässt und die Schönheit Cornwalls zu schätzen weiß, ohne dabei Pilcher-mäßig enthemmt zu schwärmen. Da ist so eine unprätentiöse,berlinerische Schlauheit in jedem Tagebucheintrag, eine Ehrlichkeit, die es nicht nötig hat, sich hinter der Maske der Schickeria, der Kulturtätigen, der Berühmten, die sie damals längst war, zu produzieren. Landschaftsbeschreibungen folgen solchen von Momenten der Ruhe im Hotelzimmer, wo sie sich selbst ihren Koffie zubereiten kann, was sie freut und sehr genießt, Besichtigungen, Spaziergänge, creamed tea sessions im einen oder anderen Café, Regen und Sonne, "Später sind wir noch uff zwei Leuchttürme gestiegen mit allerlei maritimem Kram. Auf dem kleinen durfte man draußen sich vom Winde umarmen lassen. In dem großen gab es eine umfangreiche Radio-Sammlung...Ich fand so ein Radio-Modell, wie ich es aus meiner frühesten Kindheit noch kenne. Das im letzten Kriegsjahr aber abgegeben weerden mußte. Weshalb weeß der Kuckuck! Kann mir das jemand sagen?" Angereichert wird der kleine Band aus der Deutschen Verlags Anstalt durch Fotos und Faksimile-Seiten aus dem Original-Tagebuch. Eine wirklich lohnenswerte Lektüre, nicht nur für jene, die es nach Cornwall zieht. (c) Susanne Becker

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Vita

Sarah Kirsch (1935-2013), geboren in Limlingerode am Harz, studierte Biologie und Literatur und lebte bis zu ihrer Ausbürgerung 1977 im Osten Berlins, siedelte dann in den Westen der Stadt über. 1981 zog sie in den Norden Deutschlands, wo sie bis zu ihrem Tod als freie Schriftstellerin und Malerin in Tielenhemme, Schleswig-Holstein, lebte. Für ihr dichterisches Werk wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Georg-Büchner-Preis, dem Jean-Paul-Preis sowie dem Johann-Heinrich-Voß-Preis.

Zur AUTORENSEITE

Pressestimmen

»Drei Gründe, die dieses Buch zu einer Empfehlung machen: die sprachliche Raffinesse, die literatur- und zeitgeschichtlichen Beobachtungen und [...] die einzigartigen Naturbetrachtungen.«

WDR 3 - Mosaik, 31.03.2014

»Man wird diese Stimme in der deutschen Literatur vermissen. In den Zeilen dieses Bandes werden ihre späten Jahre noch einmal lebendig.«

Passauer Neue Presse, 26.02.2014

"Kirsch verführte auch Nichtleser und zeigte ihnen eine Sprache, die Bäume und Zäune beschreibt und gleichzeitig weitläufige poetische Räume eröffnet."

Frankfurter Rundschau

»In wenigen Sätzen erzeugt Sarah Kirsch ein Bild [...]. Das ist raffiniert. Es beweist die Kraft der Dichterin, eine derartige Imagination zu erzeugen.«

Thüringer Allgemeine, 11.04.2015

»Eine heitere Erinnerung an Sarah Kirsch.«

Frankfurter Rundschau, 16.04.2015

»In diesen poetischen Miniaturen [...] formuliert sie eine virtuose Kunstsprache, märchenhaft und umgangssprachlich, lautmalerisch, berlinerisch und altertümlich gleichermaßen.«

Der Nordschleswiger, 16.04.2015

»So präsentiert sich das schmale Buch in jeder Hinsicht als kleines Juwel. [...] Sarah Kirschs kraftvolle Prosa mit ihrem lockeren, umgangssprachlich geprägten Duktus und [...] selbstironischen Ton.«

Neue Zürcher Zeitung (CH), 16.04.2015

»Der persönlichen Prosa von Sarah Kirsch kann man sich nur schwer entziehen. [...] Sie ist ganz und gar unmodern. Unspektakulär. Aber sie wird fehlen. Ganz sicher.«

Märkische Oderzeitung, 16.04.2015

»Zeilen und Wunder: Sarah Kirschs nachgelassenes Reisebuch "Ænglisch" zeigt die kunstvoll verspielte Prosa der großen Dichterin.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Heinrich Detering, 16.04.2015

»Elfengleich küsst Kirsch den Lesern die Augen wach.«

Deutschlandfunk - Büchermarkt, Michaela Schmitz, 15.04.2015

»Ein schwungvolles, heiteres Spätwerk [...]. Wie gut tut es unserem Leben, wenn Sarah Kirsch es poetisch verzaubert.«

WDR 3 - Mosaik, Passagen, Dirk Hohnsträter, 06.05.2015

»[Kirsch] gelingen anregende kleine Szenen. [...] Wo [sie] die Landschaft beobachtet und Erlebnisse in ironisch gefärbte Sätze packt, lässt Kirsch den Leser etwas sehen.«

Süddeutsche Zeitung, Nico Bleutge, 20.05.2015

»Bevor der Sommer gleich wieder vorbei ist, unbedingt noch das letzte meerblaue Tagebuch von Sarah Kirsch lesen.«

DIE ZEIT, 30.07.2015

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