All das zu verlieren

Roman

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»Die neue Stimme der französischen Literatur.« ZEITmagazin

Kann man sich zu seinem Glück zwingen? Prix Goncourt-Preisträgerin Leïla Slimani erzählt von der Zerrissenheit einer Frau und schafft eine »moderne Madame Bovary« (Libération).

Nach außen hin führt Adèle ein Leben, dem es an nichts fehlt. Sie arbeitet für eine Pariser Tageszeitung, ist unabhängig. Mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn lebt sie in einem schicken Viertel, ganz in der Nähe von Montmartre. Sie reisen, sie fahren übers Wochenende ans Meer. Dennoch macht Adèle dieses Leben nicht glücklich. Gelangweilt eilt sie durch die grauen Straßen, trifft sich mit Männern, hat Sex mit Fremden. Sie weiß, dass ihr die Kontrolle entgleitet. Sie weiß, dass sie ihre Familie verlieren könnte. Trotzdem setzt sie alles aufs Spiel.

»Keiner schreibt interessanter über die Abgründe unserer Zeit als Leïla Slimani.«

Mara Delius / Die Welt (11. Mai 2019)

Aus dem Französischen von Amelie Thoma
Originaltitel: Dans le jardin de l'ogre
Originalverlag: Gallimard
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-21289-6
Erschienen am  13. Mai 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Verstehen lernen, was verloren wird - und wer

Von: Wortesammlerin

02.09.2019

Es liest sich, wie es wirken soll – im Rausch. Mit knappen, kühlen Worten erzählt Slimani die Geschichte von Adèle und ihrer Sucht nach Sex und Männern, nach Unterdrückung und Eskapismus. Dabei hat sie alles, die junge Französin, Journalistin, Ehefrau und Mutter eines heißgeliebten Sohnes. Aber wer hat heutzutage noch alles und ist glücklich damit? Das fragt dieser Roman irgendwie frech, aber auch brutal und ehrlich. Dabei geht es ja gar nicht um Adèle. Es geht um ihren Mann, der erfahren muss, dass seine heißgeliebte Frau ein Handy besitzt, in dem all diese Namen und Nummern gelistet sind, mit den schmutzig klingenden Worten in den unzähligen Nachrichten, alle getippt von Männern mit Zungen, die kurz zuvor im Halse seiner Frau steckten. Er ist derjenige, der reagieren muss und der der Frage gegenübersteht, was falscher ist: Mit der Frau zusammenzubleiben, die ihre Ehe mit Füßen getreten hat, oder die Mutter seines Sohnes verlassen, mit der er viele Jahre schon glücklich zusammenlebt? Doch auch darum geht es doch nicht. Das Buch stellt subtil die Frage, wohin Sexsucht einen Menschen treiben kann, wie man sich fühlt, wenn die Lust zu Dingen antreibt, die anwidern, wie es sich mit der Schuld leben lässt, an der keiner Last tragen kann. Oder doch? Adèle ist im Grunde eine furchtbare Frau und kann sich selbst nicht hassen, hasst dafür ihren Job, ihre Spießigkeit und die Idee, mit ihrem Mann alleingelassen auf dem Land zu leben. Kann man sie dafür hassen, dass sie so ist wie sie ist und Angst vor der Alternative hat – allein zu sein? Kann man sich ein Urteil über eine Mutter erlauben, die ihren Sohn nicht zurücklassen kann und deswegen in einer Ehe mit einem Mann bleibt, den sie vielleicht nicht liebt, vielleicht langweilig findet, manchmal verabscheut oder sich sogar über ihn lustig macht? Ist sie boshaft, gemein; Und musste sie nicht so werden, wegen der nicht weniger boshaften Mutter und wegen des passiv-ruhigen Vaters ohne Meinung, Eltern, die sie womöglich in ein Leben getrieben haben, das sie nicht wollte, weil sie vor ihnen flüchten musste, um sich selbst zu retten? Womöglich ist Adèle nichts als eine verzogene Göre, die mit nichts zufrieden ist und in ihrer Unersättlichkeit die Unterdrückung dieses Selbst sucht, die sich mit nichts zufriedengeben kann, weil sie es nie gelernt hat. All diese Fragen wirft Slimani auf, wenn sie Adèles Geschichte erzählt. Es geht um Schuld, Verständnis, Wut und Liebe, um ihre Zusammenhänge und um Sex. Viel Sex. Und trotz der Körperlichkeit hält sie sich im Roman an der poetischen Sprache fest, die ihren Figuren das Rückgrat geben, das sie brauchen, um nicht ungelenk zu wirken. Sie fasst ein Gefühl auf, eine Unzufriedenheit vielleicht, aber noch mehr das Fragende dahinter. Sie gibt uns eine unsympathische Heldin und ein Leben im Nihilismus, das wir zu verstehen haben, während die Autorin uns keine Anhaltspunkte gibt, wonach zu fragen ist, wer unzufrieden ist oder sein soll – und am allerwenigsten, wer Recht hat. Damit ist mit diesem Roman ein Schwung gelungen, der sich kaum in Worte fassen lässt. Natürlich geht es dabei um das, was zu verlieren ist, aber die aufgeworfenen Fragen sind dabei das eigentlich meisterhafte. Der Leser ist gefordert, man soll richten und in sich horchen, wer gerade welchen Fehler macht. Und als Antwort kommt dabei womöglich die eine oder andere Überraschung heraus. Welche – dafür sollte dieses grandiose Buch gelesen werden.

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Dringende Leseempfehlung

Von: Bücherverrückt aus Neusiedl am See

06.08.2019

Slimani schreibt schwarz-weiß, ohne auszuschmücken, ohne die Wahrheit zu verzerren oder sich zurückzunehmen - das pure Leben - direkt, roh und unverblümt und bewahrt dabei Distanz zum Leser obwohl sie durch diese intime Themen dennoch eine Verbindung zum Leser aufbaut und in dessen Gedanken eindringt.

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Vita

Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Slimani, 1981 in Rabat geboren, wuchs in Marokko auf und studierte an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po. Ihre Bücher sind internationale Bestseller. Für den Roman »Dann schlaf auch du« wurde ihr der renommierte Prix Goncourt zuerkannt. »All das zu verlieren«, ebenfalls preisgekrönt, erscheint in 25 Ländern. In den Essaybänden »Sex und Lügen« und »Warum so viel Hass?« widmet Leïla Slimani sich dem Islam und dem Feminismus sowie dem zunehmenden Fanatismus. Seit 2017 ist Leïla Slimani offiziell Botschafterin für Frankophonie. Sie lebt mit ihrer Familie in Paris.

Zur AUTORENSEITE

Pressestimmen

»Leïla Slimanis Erstling ist ein spannender Roman, der einiges riskiert und zum Debattieren auffordert.«

Wolfgang Schneider / SWR2 (12. Mai 2019)

»Das Buch ist ein bedenkenswerter Beitrag zu dem, was die Psychologie ›Hypersexualität‹ nennt – einem wichtigen Thema unserer Zeit, das längst noch nicht auserzählt ist.«

Steffen Jacobs / rbb Kultur (13. Mai 2019)

»Leïla Slimani kommentiert und bewertet nicht. Sie seziert. In direkter, kalter Sprache, mit rohen Worten, ohne dabei pornographisch zu werden, schildert sie Adèles Sexsucht.«

Susanne von Schenck / SR 2 Kulturradio (15. Mai 2019)

»Intensiv, ohne pornografisch zu sein. Lesenswert!«

Stern (16. Mai 2019)

»Ihr erster Roman ist eine Ausnahmeerscheinung. Und das liegt vor allem an ihrer Sprache: diesem schnellen, direkten Slimani-Ton, der auf Umschweife gerne verzichtet.«

Julia Encke / Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (12. Mai 2019)

»Leïla Slimani wird zu Recht gefeiert, denn sie hat einen ganz eigenen Sound, der so dynamisch ist, dass einem ganz schwindelig wird.«

BARBARA (30. April 2019)

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