Bis unter die Haut

Ab 13 Jahren
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Schmerzen spüren – nichts mehr fühlen

Vor einem halben Jahr tranken Willows Eltern bei einer Einladung ein Glas zu viel und baten ihre Tochter, sie nach Hause zu fahren. Doch sie kamen niemals an. Willow verlor die Kontrolle über den Wagen und ihre Eltern starben vor ihren Augen. Jetzt hat Willow all das hinter sich gelassen. Sie ist weggegangen von ihrer alten Schule, von ihren alten Freunden – von den Erinnerungen. Den Schuldgefühlen jedoch kann sie nicht entrinnen. Die erträgt sie nur, indem sie sich ritzt. Da kommt Guy in ihre Klasse, ein Junge, so sensibel und nachdenklich wie Willow selbst. Er entdeckt ihr gut gehütetes Geheimnis. Und durch seine bedingungslose Liebe lernt Willow, sich selbst zu vergeben und an sich zu glauben.


Aus dem Englischen von Anja Galić
Originaltitel: Willow
Originalverlag: Penguin (Dial) US
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-07412-8
Erschienen am  09. April 2012
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Ein gutes Buch zu einem sensiblen Thema mit einigen, kleinen Schwächen

Von: Shay

28.11.2015

// Was passiert // Bis vor ein paar Monaten hat die 16jährige Willow ein normales Leben geführt: sie hatte eine beste Freundin, mit der sie über Jungs getratscht und ihre Zukunft geplant hat. Doch dann starben ihre Eltern bei einem Autounfall – den sie verursacht hat. Zumindest ist es das, was sie sich einredet. Seit der Tragödie lebt sie bei ihrem großen Bruder David, was bei ihr noch mehr Schuldgefühle auslöst. Einzig alleine das Schneiden hält sie davon ab, von ihrem emotionalen Schmerz verschlungen zu werden. Und dann lernt sie Guy kennen, einen Jungen aus ihrer Klassenstufe, der als erster und einziger Mensch von ihrem Geheimnis erfährt und sich in den Kopf setzt, sie davon zu befreien. // Was ich denke // Well well well… this was in interesting read. "Willow" hat in mir sehr zwiespältige Gefühle hervor gerufen, sowohl positive als auch negative. Genau genommen wusste ich schon, was passiert, denn ich habe das Buch bereits vor ein paar Jahren gelesen. Da ich mich erinnern konnte, dass ich es sehr gut fand, wollte ich es schon seit einiger Zeit noch einmal lesen. Und tatsächlich ist meine Meinung noch die selbe: es _ist_ eines der besten Bücher, die ich über das Thema SVV (Selbstverletzendes Verhalten) gelesen habe – und das waren einige. Julia Hoban schafft es unheimlich gut, die Gefühls- und Gedankenwelt von Willow, die sich seit ca. sieben Monaten selbst verletzt, darzustellen. Komplett von Schuldgefühlen zerfressen, ist das Schneiden für sie die einzige Möglichkeit, den emotionalen Schmerz zu unterdrücken. Sie macht sich nicht nur für den Tod ihrer Eltern verantwortlich, sondern genauso für alles, was dieser mit sich gebracht hat: dass sie nun bei ihrem Bruder David und dessen Frau Cathy wohnen muss, wo eigentlich weder der Platz noch das Geld für ein weiteres Familienmitglied übrig sind; dass sich eben dieser um Angelegenheiten kümmern muss, die eigentlich Eltern übernehmen, wie z.B. Elternsprechtage und schlechte Noten; dass sie ihn jeden Tag aufs Neue daran erinnert, dass sie ihrer beiden Eltern auf dem Gewissen hat. Willow schottet sich von allem und jedem ab, versinkt in ihrer eigenen Welt und hält sich eigentlich nur noch an ihren Klingen fest. Und ich muss einfach sagen, dass diese ganze Sache so eindringlich und realistisch beschrieben wird, dass ich es fast selber fühlen konnte. Ich hätte wirklich erwartet, dass ich zwischendurch denken würde “Gott, Mädchen, reiß dich doch mal zusammen”, aber das passierte nicht. Auch wenn alles sehr dramatisch ist und einem normalen Verstand vollkommen klar ist, dass Willow nicht für den Unfall, der ihre Eltern das Leben kostete, verantwortlich ist, kann man sie irgendwie nicht verurteilen. Ja, es ist eines der best geschrieben Bücher zum Thema SVV… Ja, es nimmt einen richtig mit… ABER… Wir können uns alle denken, dass irgendwann ein junger Mann auftaucht; immerhin handelt es sich hier um ein Jugendbuch und ein Mädchen mit Problemen. Und wir können uns genauso gut denken, was zwischen ihm – in diesem Fall Guy – und Willow passiert. Und genau da liegt für mich das große Aber. Willow und Guy lernen sich eher zufällig in der Bücherei der Universität, in der Willow arbeitet, kennen – sie muss ihm bei der Suche nach einem Buch helfen. Man versteht sich, man hat ähnliche Interessen, man mag sich irgendwie. Auch wenn Willow das an dieser Stelle noch nicht einmal annähernd zulassen kann. Und doch ist es Guy, der als erster ihr Geheimnis entdeckt, wenn auch eher unfreiwillig. Doch von da an fühlt er sich irgendwie für sie verantwortlich… was ich doch ein wenig merkwürdig fand. Ich meine, wenn ihr entdeckt, dass jemand – ein komplett Fremder wohl gemerkt – sich selbst verletzt, seine vernarbten Arme seht, würdet ihr euch an an ihn ran heften, damit ihm ja nichts passiert? Eher nicht. Hinzu kommt noch, dass er ihr vor allem immer wieder sagt, dass er da eigentlich keinen Bock drauf hat und nicht für sie verantwortlich sein will. Guy ist alles in allem ein Charakter, der zwischen Sorge und Unverständnis hin und her gerissen ist. An vielen Stellen wollte ich ihm einfach nur mal so richtig eins in die Fresse hauen… Andauernd fragt er Willow, warum sie nicht einfach aufhört, sich zu verletzten, verlangt es sogar von ihr, und sagt ihr, dass ihre Narben hässlich sind. Ich kann vollkommen nachvollziehen, dass man als Außenstehender die Gedanken und Gefühle, die mit dieser Klinge zusammenhängen, nicht verstehen kann, aber ein wenig Einfühlungsvermögen kann man doch wohl an den Tag legen. Und in anderen Situationen kümmert er sich dann rührend um Willow, verarztet sogar einen frischen Schnitt und berührt voller Zärtlichkeit ihre Wunden. Ich kann mir gut vorstellen, dass man im Alter von 16 Jahren mit einer solchen Sache vollkommen überfordert ist, aber Guy erschien mir teilweise einfach so uneinsichtig, hart und einfach gefühlslos. Kommen wir also zum letzten Kritikpunkt an "Willow": die Beziehung zwischen den beiden. Theoretisch hatte ich überhaupt keine Probleme mit der Entwicklung. Wie schon gesagt: wir haben hier ein Jugendbuch vor uns und da gehört es ja irgendwie zum guten Ton, dass die Liebe Einzug erhält. Und Willow hat es wirklich verdient, aber… *seufz* Obwohl, ich glaube, ich muss etwas anders anfangen, denn im Grunde fand ich die Entstehung der Liebe okay. Es war nicht ganz so von Knall auf Fall wie man es aus anderen Romanen kennt, was ich sehr positiv fand. Auch, dass Willow am Anfang sehr gezweifelt hat und sich aufgrund ihrer tiefen Schuldgefühle gar nicht _erlaubt_ hat, an so etwas zu denken, gefiel mir gut – weil es eben realistisch(er) ist. Dass sie irgendwann auftaut, ist nur logisch, aber wieder ist es ein Junge, der das Mädchen rettet. Ich möchte nicht bezweifeln, dass Liebe beim Überwinden einer Sucht helfen kann, aber ist eben keine Lösung! Ich habe zwar schon Bücher zu dem Thema gelesen, in dem es wesentlich krasser dargestellt wurde (Mädchen trifft Junge – bums, geheilt!) – was mich dann aber auch entsprechend doll aufgeregt hat -, da bekommt "Willow" einen Pluspunkt, aber trotzdem ist dieser Vibe doch spürbar. Und ich möchte an dieser Stelle sagen, dass ich es vollkommen nachvollziehen kann, dass Betroffene die ganze Sache scheiße fanden, ganz ehrlich. Wenn einen dieses Problem selber betrifft, empfindet man so etwas noch einmal ganz anders… I feel with you! Wie man sieht, hat das Buch mich ein wenig zerrissen. Auf der einen Seite hat es mich wirklich in Tränen zurück gelassen, doch im gleichen Moment klopfte eben dieses laute ARGH an. Dennoch bekommt das Buch von mir 4 Sterne, weil es alles in allem einfach sehr intensiver Stoff ist, der an einem zerrt. Und um die Rezension mit einem positiven Statement zu schließen: das Ende des Buches hat mir unheimlich gut gefallen, denn Willow ist eben nicht _geheilt_, sondern sieht einfach nur eine Chance, die Klingen irgendwann hinter sich zu lassen. // Schlusswort // "Willow" von Julia Hoban ist ein unheimlich berührendes Buch zum Thema Selbstverletzendes Verhalten bei Jugendlichen. Auch wenn es einige Kritikpunkte gibt, so ist es für mich doch einer der besten Romane, die ich bisher über dieses Thema gelesen habe. Intensiv, weitestgehend realistisch dargestellt und alles in allem einfach gut.

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Highlight

Von: Kitty

26.10.2015

Meine Meinung: Der Titel Bis unter die Haut, ist bei diesem Buch absolut Programm, denn mir ging die Geschichte sehr unter die Haut... Willow Eltern starben bei einem Autounfall, bei dem sie selbst am Steuer gesessen und als einzige überlebt hat. Fortan macht sie sich natürlich Vorwürfe und denkt die ganze Zeit, dass sie allein für den Tod ihrer geliebten Eltern verantwortlich ist. Mir sind die Stellen, an denen Willow mehr auf ihr Innerstes eingeht, sehr zu Herzen gegangen. Sie beschreibt nachvollziehbar, wie es in ihr ausschaut und warum sie sich diese Gedanken macht. Zudem kann sie mir ihren Emotionen so absolut nichts anfangen. Sie hat Angst, denen nicht gewachsen zu sein, wenn sie sie zulässt. Um dies zu umgehen, wählt sie einen anderen Weg: Sie ritzt sich, damit sie den Schmerz "umleiten" kann. Willow ist total gebrochen und zieht sich zurück. Zusätzlich zu ihren Vorwürfen geht sie davon aus, dass ihr Bruder ihr ebenfalls die Schuld für alles gibt. Das Verhältnis der beiden ist alles andere als entspannt. Schließlich muss auch dieser mit dem Verlust und der Tatsache leben lernen, dass er nun der Erziehungsberechtigte seiner eigenen Schwester ist... »Ihr Bein tut weh. Unglaublich, dass ein fünf Zentimeter langer Schnitt solche Schmerzen verursachen kann. Es ist wirklich ganz einfach - man muss ihn nur öffnen, bevor er verheilt ist, und dann versuchen, ihn mit etwas Stumpfem, zum Beispiel der Spitze eines Turnschuhs, auf sechs oder sieben Zentimeter zu vergrößern.« Zitat aus: "Bis unter die Haut" Ich finde Julia Hoban ist sehr sensibel mit dem Thema der Selbstverletzung umgegangen, nimmt allerdings auch kein Blatt vor den Mund. Genau so, wie es sich in Willows Leben abgespielt hat, könnte es tatsächlich geschehen, was mich mehr als nur einmal schockiert hat. Bis unter die Haut hat meine Gefühlslage sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Ich habe ziemlich viele Tränen vergossen. Außerdem hatte ich stets das Gefühl, als hätte sich jemand auf meine Brust gesetzt. Ich hatte ein beklemmendes Gefühl während des Lesens, was sich das gesamte Buch über fortgesetzt hat. Die eher düstere Stimmung die bei dieser Geschichte bestimmend ist, ist meiner Meinung nach, weiß Gott nichts für Zartbesaitete. Erst Guy bringt für Willow und auch für die Leser die Sonne zurück. Zuerst scheint sie nur ein kleines bisschen hinter den dunklen Wolken, doch irgendwann strahlt sie mit ihrer ganzen Macht und bringt die Wärme in die Geschichte. Gerade diese Wandlung hat mir außerordentlich gut gefallen und ebenso, dass dies nicht holterdiepolter, sondern Stück für Stück vonstatten gegangen ist. Guys Verzweiflung war für mich ebenso greifbar wie jene der Protagonistin. Er hat mir so Leid getan, weil er absolut hilflos ist. Er möchte natürlich, dass Willow sofort damit aufhört sich zu ritzen, aber weiß überhaupt nicht, wie er dies anstellen soll. Wenn die Zwei zusammen waren, ging mir regelmäßig das Herz auf. Dabei war ihre Liebesgeschichte zu keiner Zeit überspitzt dargestellt, oder gar in irgendeiner Weise kitschig. Es hat einfach alles gepasst. Vom ersten Kennenlernen, bis zum ersten Kuss. Es hat mich total entzückt. Wie sich die Dinge entwickeln möchte ich natürlich nicht weiter erläutern, allerdings kann ich zumindest so viel verraten: Das Ende hat mir ebenso gut gefallen, wie der Rest dieses Buches. Fazit: Ein wundervoller Roman, über den absolut zu unrecht so wenig gesprochen wird. Für mich ist dieses Buch auf jeden Fall eins meiner persönlichen Jahreshighlights, da einfach von allem etwas enthalten ist. Julia Hoban schreibt voller Gefühl und diese kamen auch mit voller Wucht bei mir an und haben mich bildlich gesprochen zu Boden geworfen. Dieser Roman ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite und hat mich "bis unter die Haut" berührt.

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Vita

Julia Hoban

Julia Hoban ist sehr vielseitig talentiert: Sie studierte Physik und Philosophie, entwirft Kleidung und Handtaschen und schreibt Kinder- und Jugendbücher. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in New York und arbeitet derzeit an einem neuen Roman.

Zur AUTORENSEITE

Anja Galić lebt und arbeitet in der Kölner Südstadt, wohin es sie des Studiums wegen verschlug, und hat badische Wurzeln. Dass man beim Übersetzen Dinge recherchiert und erfährt, denen man sonst nie begegnet wäre, findet sie bei jedem Buch aufs Neue spannend.

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