Das Wunder

Roman

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Irland Mitte des 19. Jahrhunderts: In einem kleinen Dorf, dessen Bewohner tief im katholischen Glauben verwurzelt sind, staunt man über ein leibhaftiges Wunder. Seit vier Monaten hat die kleine Anna O'Donnell keine Nahrung zu sich genommen und ist doch durch Gottes Gnade gesund und munter. Die unglaubliche Geschichte lockt viele Gläubige an, aber es gibt auch Zweifler. Schließlich beauftragt man die resolute englische Krankenschwester Lib Wright, das elfjährige Mädchen zu überwachen. Auch ein Journalist reist an, um über den Fall zu berichten. Werden sie Zeugen eines ausgeklügelten Schwindels oder einer Offenbarung göttlicher Macht?

Weitere berührende Wunderraum-Geschichten finden Sie in unserem kostenlosen aktuellen Leseproben-E-Book »Einkuscheln und loslesen – Bücher für kurze Tage und lange Nächte«


Aus dem Englischen von Thomas Mohr
Originaltitel: The Wonder
Originalverlag: Little, Brown
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-20352-8
Erschienen am  16. Oktober 2017
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Göttliches Wunder oder teuflicher Trick?

Von: Edith N.

26.08.2020

Irland 1859: Wunder oder Schwindel? In einem kleinen irischen Dorf lebt die elfjährige Anna O’Donnell, die angeblich seit ihrer Firmung vor vier Monaten keine Nahrung mehr zu sich genommen hat. Dabei ist sie gesund und munter. Schon pilgern Gläubige aus aller Herren Länder zu dem Mädchen. Die Honoratioren der Gemeinde wollen aus unterschiedlichen Gründen herausfinden, was hier vor sich geht. Die einen sähen gerne ein Wunder bestätigt, die anderen möchten die Kirchengemeinde von einer Blamage durch Betrug bewahren. Also legen sie Geld zusammen und engagieren zwei unbeteiligte Beobachterinnen, die Anna zwei Wochen lang lückenlos überwachen sollen. Isst das Kind heimlich, ist der Schwindel entlarvt. Kommt es ohne Nahrung aus, ist es ein göttliches Wunder. Auf Geheiß des Komitees reisen also Schwester Michael aus dem Orden der wandelnden Nonnen an – eine schweigsame Frau mit Erfahrung in Krankenpflege – und die englische Krankenschwester Lib Wright, eine 29jährige Witwe, die von der legendären Florence Nightingale ausgebildet wurde und während des Krimkriegs im Militärkrankenhaus im türkischen Scutari gearbeitet hat. Der sachlichen-nüchternen Skeptikerin Lib ist der naive, von Aberglauben durchsetzte Katholizismus der irischen Landbevölkerung ebenso unheimlich wie zuwider. Von ihr ist garantiert kein „Gefälligkeitsgutachten“ zu erwarten. Sie glaubt aufgrund von Schicksalsschlägen und ihrer Arbeit nicht einmal mehr an Gott. Der menschliche Körper ist aus Libs Sicht eine Art Maschine, die Nahrung braucht um zu funktionieren. Mit Wundern und anderem religiösen Klimbim braucht man ihr gar nicht erst zu kommen. Hysterie oder Humbug – etwas anderes kann ihrer Meinung nach nicht hinter Annas Fasten stecken. Mit etwas Glück, denkt sie, hat sie die Scharlatanerie in ein, zwei Tagen aufgedeckt und darf wieder in das englische Spital zurückehren, in dem sie sonst arbeitet. Doch so einfach, wie Lib sich das vorstellt, wird es nicht. Die O’Donnells sind einfache Bauern und zu schlicht gestrickt, um so einen ausgeklügelten S c h w i n d el inszenieren zu können. Und die kluge und aufgeweckte Anna scheint felsenfest davon überzeugt zu sein, wirklich nur von drei Löffeln Wasser am Tag existieren zu können. Zwar zeigt sie deutliche Zeichen von Unterernährung, aber wenn sie tatsächlich vier Monate lang nichts zu sich genommen hätte, wäre sie längst tot. Wenn das alles ein B e t r u g ist und dieser nicht von der tief gläubigen Anna ausgeht, wer hätte Interesse daran und wäre schlau genug, das Mädchen entsprechend zu manipulieren? Lib kann weit und breit keine*n Verdächtige*n entdecken, denn in punkto Intelligenz steckt Anna die gesamte Gemeinde locker in die Tasche. Wenn man nur wüsste, weshalb Anna fastet! Sie müsse sich hingeben, sagt die Kleine und wimmelt weitere Fragen mit der altklugen Bemerkung ab, das sei privat. Leider hat Lib niemanden, mit dem sie diesen vertrackten Fall auf Augenhöhe diskutieren könnte. Schwester Michael zieht sich auf ihren Gehorsam zurück und meint, sie seien nur zum Beobachten hergekommen und nicht um sich einzumischen. Der Dorfdoktor, ein Mitglied des Komitees, ist ein Totalausfall. Er will nicht mal die augenfälligsten Anzeichen für Unterernährung und Schwäche bei Anna sehen. Gott wird schon wissen, was er tut, meint er. Vielleicht ernährt Anna sich ja von Licht oder Gerüchen oder verwandelt sich in ein Reptil. – Grundgütiger! Verstärkung mit Intelligenz, Bildung und einer Portion Skepsis naht in Gestalt des Reporters William Byrne. Er soll für seine Zeitung über das Fastenmädchen berichten. Nach anfänglichem Misstrauen wird er Libs engster Vertrauter und Verbündeter. Jede Krankheit hat eine Geschichte, sagt sich Lib, und das gilt auch für Annas Zustand. Der verschlechtert sich zusehends. Kann sie jetzt nicht mehr heimlich essen, weil sie rund um die Uhr überwacht wird? Will sie wirklich sterben? Warum? Lib fragt und fragt, doch es bringt nichts. Anna mauert und die Familie und das übrige Umfeld reagieren auf ihre Nachforschungen aggressiv. Wenn Lib das Mädchen retten will, muss sie schnell etwas unternehmen. Die Frage ist nur, was. Die Geschichte ist gleichermaßen spannend wie herzzerreißend. Zusammen mit Lib spielt der Leser sämtliche Möglichkeiten durch, wie Anna unter diesen Bedingungen am Leben bleiben kann und fragt sich, was hier der Plan ist und wer die Fäden zieht. Der Schluss überrascht. Diese Lösungsmöglichkeit liegt schon in der Luft, und doch rechnet man nicht damit. Ein bisschen schnell geht das ganze auch. Dennoch: DAS WUNDER bietet packende Unterhaltung mit Sinn und Verstand – und gewährt uns einen Einblick in eine Zeit und eine Gesellschaft, die einen das Gruseln lehrt.

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Wunder oder Betrug?

Von: Mikka Liest

25.01.2018

In ihren Werken greift Emma Donoghue vielfältige diverse Themen auf, mit ebenso vielfältigen diversen Charakteren. Zum Teil sind ihre Bücher in der Gegenwart angesiedelt, zum Teil sind es auch historische Romane – so oder so hat sie jedoch ein Gespür für bemerkenswerte weibliche Charaktere, die sich nicht blindlings dem Frauenbild ihrer Zeit beugen. "Das Wunder" spielt in Irland, Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Krankenschwester Lib Wright ist eine sogenannte 'Nightingale': eine Krankenschwester, die von der berühmten Florence Nightingale (gemeinhin betrachtet als Begründerin der modernen Krankenpflege) persönlich ausgebildet wurde. Unter Leitung von 'Ms N.' hat Lib im Krimkrieg Dienst getan. Unter schwersten Bedingungen betreute sie im türkischen Scutari britische Soldaten, obwohl es vorne und hinten an Materialien und hygienischen Bedingungen fehlte. Diese Zeit hat Lib ohne Zweifel stärker gemacht, und sie ist sehr stolz darauf, eine Nightingals zu sein – manchmal sogar hochmütig. Als sie beauftragt wird, für zwei Wochen ein kleines Mädchen zu beaufsichtigen, das angeblich seit vier Monaten keine Nahrung zu sich genommen hat, reagiert sie zunächst mit purer Verachtung für die Menschen im Umfeld des Kindes. Im Grunde ist sie ein sehr widersprüchlicher Charakter: für ihre Zeit ist sie eine moderne Frau, die an die Wissenschaft und die Eignung von Frauen für wissenschaftliche Berufe glaubt, andererseits hängt sie bestürzenden Vorurteilen nach. Was manchen deutschen Lesern möglicherweise nicht bewusst ist: die Iren hatten im Laufe der Jahrhunderte immer wieder mit anti-irischem Rassismus zu kämpfen, und so standen sie in den Augen vieler Menschen auch im 19. Jahrhundert noch auf dem Status von Untermenschen, die durch ihr 'unreines Blut' und ihre 'grobschlächtige Physiognomie' dem Affen ähnlich seien. So aufgeklärt Lib auch ist, so sehr schweift ihr Denken oft ab ins Gefilde unhaltbarer Vorurteile. Ich konnte ihren Zorn gegen bestimmte Bewohner des Dorfes meist sogar nachvollziehen, wie zum Beispiel bei den Eltern des Mädchens oder dem Dorfarzt – aber nicht ihre pauschalen Verurteilungen der irischen Natur. Lib ist sich keineswegs bewusst, dass ihre Vorurteile ihr kritisches, analytisches Denken mindestens ebenso sehr beeinträchtigen, wie der Wunderglaube der Dorfbewohner sie blind macht für die mögliche Not eines kleinen Mädchens. Daher war Lib mir nicht immer sympathisch, aber sie hat dennoch viele Eigenschaften, die ich bewundere, und sie macht im Laufe des Buches eine große persönliche Entwicklung durch. Wider eigenes Erwarten schließt sie die "kleine Betrügerin" ins Herz und freundet sich mit einem irischen Journalisten an, der ebenso wenig an ein Wunder glaubt wie sie und eine ähnlich scharfe Intelligenz aufweist. Gerade weil sie ein so widersprüchlicher Charakter ist, war sie für mich auch so spannend. Je mehr sie sich öffnet für andere Ansichten und andere Lebensarten, desto mehr erfährt man auch darüber, was Lib ursprünglich dazu bewogen hat, sich den Nightingales anzuschließen, und dadurch kann man sie auch immer besser verstehen. Auch Anna, das kleine 'Fastenmädchen', ist in meinen Augen ein so interessanter wie zwiespältiger Charakter: zunächst wirkt sie, als sei sie von ihrer Mutter geradezu abgerichtet worden auf pittoreske Frömmigkeit. Den ganzen Tag betet sie und singt christliche Lieder, während die Besucher sich die Klinke in die Hand geben, um sie um ihren Segen zu bitten und eine Spende in die Sammelbüchse für die Armen zu werfen. Ich brauchte einige Kapitel, um ein Gefühl für Annas eigentliche Persönlichkeit zu bekommen, so wie auch Lib erst ratlos ist, was sie von dem Mädchen halten soll. Spannend war das Buch für mich vor allem, weil ich mir nie absolut sicher war, ob sich das Wunder als echtes Wunder entpuppen würde, als ausgeklügelter Trick der Eltern – oder etwas ganz Anderes. Die Auflösung ist in meinen Augen glaubhaft, schlüssig und weitaus komplexer als erwartet, doch was sich ganz am Schluss als Folge dieser Auflösung ergibt, konnte mich nicht 100%-ig überzeugen. Dennoch fand ich das Buch sehr lesenswert: die Geschichte ist zutiefst originell, wirft ein interessantes Licht auf die Lebensumstände der Iren im 19. Jahrhundert und lädt den Leser ein, mitzudenken und die Geschehnisse stets zu hinterfragen. Den Schreibstil fand ich wunderbar. er liest sich flüssig und unterhaltsam, mit einer guten Balance zwischen 'authentisch für die Zeit' und 'gut lesbar für den modernen Leser'. Das ist bei historischen Romanen für mich immer eine Gratwanderung, die nicht jeder Autor beherrscht! Fazit: Irland, Mitte des 19. Jahrhundert. Die 11-jährige Anna nimmt angeblich seit vier Monaten nur Wasser zu sich – ein Wunder, oder ein billiger Trick ihrer Eltern? Krankenschwester Lib Wright, ausgebildet von der berühmten Florence Nightingale, wird damit beauftragt, der Sache auf den Grund zu gehen Gemeinsam mit einer anderen Schwester soll sie das Mädchen zwei Wochen lang Tag und Nacht bewachen, um sicherzustellen, dass sie nicht doch heimlich isst. Lib ist überzeugt, den Schwindel binnen zwei Tagen aufdecken zu können, aber dem ist nicht so... Und je mehr sie das Mädchen ins Herz schließt, desto mehr zweifelt sie daran, was sie glauben soll. Die Autorin bringt den Leser immer wieder ins Zweifeln. 'Eigentlich kann es doch kein Wunder sein! – aber Anna scheint tatsächlich nichts zu essen... Nein, es muss ein Trick dahinter stecken!' Das sorgt für eine ständige Grundspannung, und dazu kommt die interessante Entwicklung der Charaktere, die sich nach und nach als komplexer und zwiespältiger entpuppen, als man anfangs vermuten würde. Ganz nebenbei bekommt man einen Einblick in den gegen Iren gerichteten Rassismus der Zeit, der zumindest in meiner Schule im Geschichtsunterricht vollkommen unter den Tisch fiel.

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Vita

Emma Donoghue war bereits als Kind von Büchern umgeben. Seit ihrem 23. Lebensjahr schreibt sie Romane, literaturgeschichtliche Werke, Märchen, Kurzgeschichten, Hörspiele, Bühnenstücke und Drehbücher. Mit dem auch verfilmten Roman »Raum« wurde sie zur internationalen Bestsellerautorin. Emma Donoghue lebt mit ihrer Partnerin und ihren beiden Kindern in Kanada.

Weitere Informationen zur Autorin und ihren Werken finden Sie unter emmadonoghue.com

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