Das babylonische Wörterbuch

Erzählungen

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«Der großartigste lateinamerikanische Autor aller Zeiten.» Susan Sontag

Was wäre geschehen, hätte nicht Jesus die Bergpredigt gehalten, sondern der Teufel? Was, wenn Männer und Frauen ihre Seelen und Rollen tauschten? Joaquim Maria Machado de Assis, berühmtester Klassiker Brasiliens und Vorbote des Magischen Realismus, stellt in seinen Erzählungen ironisch alle Konventionen auf den Kopf. Lustvoll spielt er mit den Erwartungen seiner Leser und lotet Grenzen aus: von Gut und Böse, Vernunft und Wahnsinn, bürgerlichem Schein und Sein. Dieser Auswahlband versammelt Machado de Assis' beste Geschichten – allesamt Neu- und deutsche Erstübersetzungen – zu einem Panorama kompromissloser Originalität.

›Buch des Monats Juni 2018‹ der Darmstädter Jury:

»Er nahm die Mächtigen auf´s Korn, er entlarvte die Camouflage der Unterdrücker, mit Laurence Sterne wurde er verglichen, als brasilianischer Cervantes bejubelt, als Erfinder der lateinamerikanischen Moderne gepriesen, von Stefan Zweig gewürdigt, von Salman Rushdie verehrt und Susan Sontag rühmte ihn als ›großartigsten lateinamerikanischen Autor aller Zeiten‹.

Aus dem umfangreichen Werk (Lyrik, Prosa, Dramen) wurden für diesen Band dreizehn skurrile Geschichten ausgewählt, die in ihrer Absurdität so irrwitzig wie bestürzend sind. Da schlüpft eine Frau in die Seele des Mannes und umgekehrt, der Teufel hält die Bergpredigt, die Moral wird auf den Kopf gestellt, den Leser soll´s tüchtig gruseln beim Blick in den Zerrspiegel, beim Anblick bitterböser Maskerade.

Machado de Assis (1839-1908), in Rio de Janeiro geboren, Enkel entlassener Sklaven, früh verwaist, an Epilepsie leidend, hangelte sich schreibend aus dem Armutssumpf über den Journalismus in die Elite der schreibenden Zunft und wurde erster Präsident der Brasilianischen Akademie für Sprache und Dichtung.

Neun der vorliegenden Texte sind deutsche Erstübersetzungen.

Dieses fein gestaltete Brevierchen möchte man nicht mehr aus der Hand legen.«

Darmstädter Jury Buch des Monats e.V. (01. Juni 2018)

Aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis, Melanie P. Strasser
Mit Nachwort von Manfred Pfister
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-18662-3
Erschienen am  23. April 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Buchhandlung Almut Schmidt OHG

Von: Harder aus Kiel

20.11.2018

Ein Autor, der Werke geschaffen hat, die in den Kanon der Weltliteratur gehören. Joaquim Maria Machado de Assis wurde 1839 in Rio de Janeiro geboren. Er war ein Enkel von freigelassenen Sklaven und seine Familie stammt aus einfachsten Verhältnissen. Er arbeitete als Journalist und im Staatsdienst. Sein vielseitiges literarisches Werk umfasst Lyrik, Theaterstücke, über zweihundert Erzählungen und neun Romane. Er verstarb 1908. Er gilt als einer der originellsten Schriftsteller Brasiliens und wird als literarisches Fundament für Garcia Márquez und Borges bezeichnet. „Das Babylonische Wörterbuch“ versammelt dreizehn Erzählungen, die sehr neugierig auf sein Werk machen. Die Geschichten sind voller Tiefgang und Fantasie und wissen nicht selten zu überraschen. Der Stil der Texte ist von zwei Polen bestimmt: Das Ernste trifft auf das Lustige. Sehr pointiert und mit knappen, aber wortgewaltigen Bildern gerät man ins Straucheln und beginnt das Gelesene zu reflektieren. Die Erzählungen sind märchenhaft, mystisch, politisch und blicken in unsere menschliche Seele. Viele Themen haben heute noch ihre Gültigkeit und lassen den Leser somit niemals ungerührt. Die Himmelfahrt der Gedanken beginnt wortwörtlich als solche. Denn die Gedanken werden zu Sternen, die den Weltraum als Milchstraße in den Besitz genommen haben. Auslöser dieser erleuchtenden Himmelfahrt war die Frage: warum gibt es Männer, die weiblich, und Frauen, die männlich sind? Zwei Seelen, die sich jeweils als im falschen Körper empfinden, machen dann auch einen erfahrungsreichen Tausch. Aber die Gelehrtesten der Gelehrtesten können die anfängliche Frage nicht sinnvoll behandeln. „Der wahre Grund“ als weiteres Beispiel, warum ein zweifelhafter Arzt seinen Beruf ausübt, ist ein sehr sadistischer. Er schneidet an lebenden Mäusen und quält damit nicht nur die armen Tiere. In „Evolution“ geht es um die gesellschaftliche und industrielle Entwicklung. Die Hoffnung eines armen Landes, aus den Kinderschuhen zu entwachsen und durch die neuen Errungenschaften erfahrbar zu werden. Das Moderne als Grundlage menschlicher Errungenschaften aber auch Konflikte. In einer anderen Erzählung wird die Welt mit einem Fass Marmelade verglichen und so vermischen sich Fabeln und Mythen mit brisanten Wahrheiten und Andeutungen. Denn alle Geschichten eint die Tiefe und das Anliegen, Wissen zu vermitteln und von Bedeutung zu sein. Politik und Religion werden ernst und teilweise unglaublich schelmisch und mit viel Witz beleuchtet. Der Teufel, der Adam und Eva im Paradies zur Frucht vom Baum der Erkenntnis verhelfen möchte und in einer weiteren Erzählung anstelle von Jesus die Bergpredigt hält. Hierbei werden die christlichen Werte mit den korrupten Eigenschaften der Ellenbogengesellschaft vertauscht. Die titelgebende Geschichte basiert auf der babylonischen Sprachverwirrung und liest sich anfänglich märchengleich, um dann aber auch nicht nur den Leser ins politische Bockshorn zu jagen. Diese feine, kleine Ausgabe ist ein Leseerlebnis. Das Buch besticht durch die typische Handlichkeit dieser Klassiker-Reihe und die aufwendige und edle Gestaltung. Inhaltlich sind die Erzählungen jeweils kleine Herausforderungen, die aber lohnenswert und erkenntnisreich sind.

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Rezension: Das babylonische Wörterbuch von Joaquim Maria Machado de Assis

Von: Elena

29.09.2018

13 Kurzgeschichten werden in diesem außergewöhnlichen Buch versammelt. Ich muss zugeben, dass ich von dem Autor zuvor noch nie etwas gehört habe und der Titel hat mich etwas verwirrt. Alle Geschichten spielen mit extremen Gegensätzen, gut und böse, Geschlechterrollen und Seelen die getauscht werden. Allein die erste Frage des Klappentexts hat sofort meine Neugierde geweckt: Was wäre passiert, wenn nicht Jesus die Bergpredigt gehalten hätte, sondern der Teufel? Es wird mit Schein und Sein gespielt. Ich bin großer Fan von solchen Gedankenexperimenten. Meine Meinung: Auch hier muss ich wieder einmal die hübsche Manesse-Ausgabe loben! Durch die handliche Größe passt das Buch wunderbar auch in meine kleine Handtasche und ist unterwegs immer mit dabei. Die Fußnoten und Anmerkungen sind wie immer interessant und sehr hilfreich bei der Lektüre gewesen. Auch das Cover gefällt mir unglaublich gut! Ich liebe diese leuchtenden Farben. Ich bin schlichtweg begeistert von Assis' Kurzgeschichten! Jede einzelne von ihnen hat mich mitgerissen mit einer wunderschönen Sprache, wie man sie nur selten erlebt. Dabei wurde oft von Grausamkeiten geschrieben, dass es mir kalt den Rücken runter lief. Der Autor spielt mit allen möglichen Konventionen, dem menschlichen Verhalten und wirft mit seinen Geschichten kritische Fragen in den Raum. Jede Geschichte ist abwechslungsreich mit interessanten Ansichten, die oftmals engstirnig sind und die Religion betreffen. Dabei fällt auf, dass, obwohl sich die Geschichten von der Intensität ähneln, sie alle andere Schwerpunkte haben. Einige sind düsterer, andere sind ernst, aber vermischt mit einer Portion Ironie und Witz und andere sind sehr märchenhaft. Die Erzählungen sind vielschichtig, abwechslungsreich, unterhaltend, verstörend, grausam und regen definitiv zum Nachdenken an. In dem Kapitel Der wahre Grund eröffnen sich Abgründe der menschlichen Seele. Dadurch entsteht eine besondere Anziehungskraft, die mich wirklich gefesselt hat, auch wenn mich oft die Figuren abgestoßen haben und ich ihre Handlungen teilweise gar nicht nachvollziehen konnte. Alle Erzählungen, ob witzige oder grausame, haben mich auf ihre Weise gepackt und ich hab das Buch in einem Rutsch verschlungen. Fazit: Ich hatte ja schon einmal angemerkt, dass ich eigentlich kein großer Fan von Kurzgeschichten bin. Doch von diesem Buch kann ich einfach nur begeistert sein! Die Erzählungen haben mich in ihren Bann gezogen, sei es auch durch ihre groteske und düstere Art. Sie regen sehr zum Nachdenken an und sind keine leichte Kost. Ich kann es wirklich nur weiterempfehlen!

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Vita

Joaquim Maria Machado de Assis (1839-1908) wurde in Rio de Janeiro geboren. Aus einfachsten Verhältnissen stammend, absolvierte er zunächst eine Druckerlehre, arbeitete dann als Journalist und trat in den Staatsdienst. Sein vielseitiges literarisches Werk umfasst Lyrik und Theaterstücke, über 200 Erzählungen und 9 Romane, darunter «Die nachträglichen Memoiren des Bras Cubas» (Manesse 2003) und «Dom Casmurro» (Manesse 2013). Mitbegründer der Brasilianischen Akademie für Sprache und Dichtung, wurde er 1879 auch deren erster Präsident. In der letzten Dekade seines Lebens galt Machado de Assis als intellektueller Doyen und Nationalhelden Brasiliens.

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Marianne Gareis

Marianne Gareis wurde 1957 in Süddeutschland geboren. Sie studierte Lateinamerikanistik, Anglistik und Ethnologie an der Freien Universität Berlin und lebte anschließend mehrere Jahre in Portugal. Seit 1989 arbeitet sie als Übersetzerin, zunächst vor allem portugiesischer, seit einigen Jahren verstärkt brasilianischer Literatur. 2014 erhielt sie für ihre Übersetzung des brasilianischen Klassikers "Dom Casmurro" von Machado de Assis den renommierten Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW. Marianne Gareis lebt in Berlin.

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Melanie P. Strasser

Melanie P. Strasser studierte Philosophie und Übersetzen an der Universität Wien sowie an der Universität Porto und der Bundesuniversität Santa Catarina, Brasilien. 2016 Stipendiatin für die Berliner Übersetzerwerkstatt. Zurzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Romanistik der Universität Wien und promoviert über Übersetzungstheorien in Brasilien.

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Manfred Pfister

Manfred Pfister ist Professor für Englische Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Er hat sich vor allem mit seinem Standardwerk zur Dramentheorie einen Namen gemacht. Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Theorie der Intertextualität und die Erforschung interkultureller Gattungen, insbesondere des Reiseberichts und der Übersetzung. Er hat u.a. Bücher zu William Shakespeare, Laurence Sterne und Oscar Wilde veröffentlicht und war Mitherausgeber einer englischen Literaturgeschichte.

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Zitate

»Ein klug ausgewählter Strauß von Erzählungen des ›Vaters der brasilianischen Literatur‹: phantastische, parabelhafte, dialektische, philosophierende aber auch sozialkritische Geschichten von bestechender stilistischer Vielfalt und Leichtigkeit.«

SWR Bestenliste - Platz 4 - Juli/August 2018 (01. Juli 2018)

»Der große Klassiker der brasilianischen Literatur ... Es wirkt, als würde Machado de Assis im selben Becken fischen wie Schiller und Goethe. ... Pointierte und amüsante Erzählkunst.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Christian Metz (09. August 2018)

»Machado des Assis schrieb das, wohlgemerkt, 1893 und nicht 2018. Wie überhaupt gar nicht zu glauben ist, welch gedankliche wie sprachliche Frische von diesen Erzählungen auch nach mehr als hundert Jahren noch ausgeht. Nicht zuletzt der Übersetzerin Marianne Gareis ist zu verdanken, dass wir wenigen Eingeweihten uns damit vergnügen können.«

Süddeutsche Zeitung, Tobias Lehmkuhl (05. Juli 2018)

»Machado de Assis gehörte zu den wichtigsten Schriftstellern und Journalisten Brasiliens. In seinen Erzählungen vermaß er die tropische Belle Epoque und ihre weltanschaulichen Kampfschauplätze. ... Ein Freigeist ganz im Geiste der alten Ordnung.«

»Mit glänzendem Einfallsreichtum, der diese Erzählungen durchweg auszeichnet, wird hier um das Geschlechterthema ein köstliches Gedankentheater in fernöstlicher Kulisse inszeniert. Wer diese Auswahl an Erzählungen des brasilianischen Klassikers zur Hand nimmt, darf sich auf amüsante, geistvolle, brillante Überraschungen freuen. Machado de Assis gehört zu jenen Pionieren der lateinamerikanischen Literatur, die sich niemand entgehen lassen sollte.«

Bayern2Radio, Diwan, Eberhard Flacke (24. Juni 2018)

»Nur wenigen Schriftstellern gelingt es wie ihm, elementare Fragen der menschlichen Existenz sowie des aktuellen gesellschaftlichen Miteinanders aufzuwerfen, und dabei gleichzeitig damals wie heute bestens zu unterhalten, ja sogar zum Lachen anzuregen.«

»Machado de Assis, ein brasilianischer Autor aus dem 19. Jahrhundert, entwirft in seinen modern wirkenden Erzählungen ein Tableau menschlicher Konfliktszenarien. Ortlos, zeitlos gültig scheinen sie über den konkreten Umständen zu schweben.«

»Man kann die Geschichten von Machado de Assis als wirkliche Geschehnisse lesen oder aber als Parabeln. Sie alle sind obskur und doppelbödig. So viele phantastische, skurrile Einfälle machen die Literatur dieses großen brasilianischen Erzählers zu etwas Einzigartigem.«

Lesart. Unabhängiges Journal für Literatur, Lisa Hertel (01. Juli 2018)

»Ein würdiger Querschnitt seiner eigenständigen, extravaganten Kongenialität, die im Nachwort als wegbereitend für den Magischen Realismus von Borges, García Márquez oder Vargas Llosa eingeordnet wird.«

Stadtkind Hannover, Anke Wittkopp (01. Juli 2018)

»Die Erzählungen des Autors zeigen hohes literarisches Vermögen. Insbesondere schätzte es Machado de Assis offensichtlich, die Erwartungen seiner Leser mit geradezu diebischem Vergnügen ins Gegenteil zu kehren.«

Hellweger Anzeiger, Ulrich Rubens-Laarmann (02. Juni 2018)

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