Das dritte Hotel

Roman

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Havanna, die Liebe und der Tod - die traumwandlerische Reise einer außergewöhnlichen Frau

Mit einem Flug ins sommerliche Kuba beginnt für Clare eine flirrende Reise in die Vergangenheit. Erst wenige Wochen zuvor hat sie ihren Mann Richard bei einem Unfall verloren. Nun besucht sie auf seinen Spuren ein Filmfestival in Havanna, als Richard plötzlich überraschend vor ihr steht. Kann sie ihren Sinnen trauen oder will jemand sie täuschen? Clare folgt der geheimnisvollen Gestalt durch die Gassen der Stadt und gedanklich bis in die Grauzonen ihrer Ehe und Kindheit. Van den Bergs traumwandlerischer Roman spielt mit den Grenzen unserer Wahrnehmung, lässt Fantasie und Wirklichkeit auf wunderbare Weise verschmelzen. Eine poetische Geschichte über das Reisen und das Trauern, erzählt von einer originellen, starken Frauenstimme.

»Berührende Erzählung über Trauer und Verlust, bei der die Grenzen zwischen Traum und Realität verschwimmen.«

Hörzu (17. Juli 2020)

Aus dem Englischen von Sabine Schwenk
Originaltitel: The Third Hotel
Originalverlag: FSG
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-24132-2
Erschienen am  15. Juni 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Was machte Claire in Havanna?

Von: ulrike rabe

05.07.2020

Claire hat vor kurzem bei einem Unfall ihren Mann Richard verloren. Richard war Professor der Filmwissenschaften, sein Spezialgebiet der Horrorfilm. Nun befindet sich Claire in Havanna, bei einem Filmfestival, das eigentlich Richard besuchen wollte. In der flirrenden Hitze Kubas beginnt Claire an ihrem Verstand zu zweifeln, als sie plötzlich Richard begegnet. Das dritte Hotel von Laura van den Berg ist ein Werk voller Rätsel und Fragen. Hypnotisch, wie in einem Traum zieht es einen in diese Geschichte über Trauer und Verlust. Was machte Claire in Havanna? Auf diese Frage hätte sie keine Antwort. „Sie könnte sagen: Ich bin nicht die, für die du mich hältst. Sie könnte sagen: Ich erlebe gerade eine Realitätsverschiebung.“ Sie will erledigen, was ihr Mann tun wollte, aber nicht mehr dazu kam. Sie ist ein „final girl“, die Überlebende einer Beziehung, die nicht mehr viel Nähe, dafür sehr viel Gewohnheit beherbergte. Claire war „in ihrem früheren Leben“, einer Zeit vor Havanna; Handlungsreisende, sehr viel unterwegs. In vielen Rückblenden erfahren wir von Claires Reisen, ihren eigentümlichen Vorlieben, aber auch ihrer Kindheit. Ihre Eltern betrieben Hotels, zunächst eines in Georgia, später ein zweites in Florida. Das Hotel, das Claire in Havanna bewohnte, nannte sie „das dritte Hotel, weil sie im Flughafentaxi die Adresse falsch angegeben hatte, im verkehrten Stadtteil abgesetzt worden war und in zwei Hotels nacheinander die Portiers beknien musste, ihr den Weg zu ihrem eigentlichen Ziel zu beschreiben.“ Claire bezeichnet sich selbst als unscheinbar. „..eine weiße Frau von mittlerem Aussehen und Alter in beigen Hosenanzügen und unmodischen Pumps….“ Wo ihre äußere Erscheinung unauffällig ist, hat sie ein sehr intensives und außergewöhnliches Innenleben. Ihre Fähigkeit nicht aufzufallen, macht sie sich zu Nutze, als sie den Mann zu verfolgen beginnt, den sie für Richard hält. Kann es sein, dass Richard noch lebt? Jagt sie einem Gespenst nach? Ist es ein Doppelgänger, Betrüger, ein Untoter? “Revolución Zombi” heißt der Film, den Richard bei dem kubanischen Filmfestival begutachten wollte. Hat sich gleich der Angst, die beim Horrorfilm erzeugt wird, eine bislang unsichtbare Realität aufgetan, in der Claire, Richard, sie beide, verschoben wurden? Je mehr Fragen sie sich stellt umso größer wird das Labyrinth der Möglichkeiten. Laura van den Berg spielt sehr gekonnt mit Realität, Fantasie und Einbildung, dass ich beim Lesen schon auch an Claires physischer Präsenz zu zweifeln begann, dass gar nicht Richard tot war, sondern Claire in einer Zwischenwelt existierte. „Das dritte Hotel“ ist unglaublich bildhaft, eine Hommage an den Film. Der Horrorfilm „lässt neue Wahrheiten wie Aale unter der Haut wimmeln“. Ein unangenehmes, unwirkliches Gefühl, das beim Lesen enormes Unbehagen bereitet. Für mich waren viele Szenen in Schwarzweiß zu sehen, verschwommen, schemenhaft, gleich einem Schwindelgefühl. Der junge Richard „liebte Sonnenaufgänge und Hitchcock…“ – merkbar. Nicht alle Fragen in diesem Buch werden beantwortet. Der Schluss fühlt sich an wie das Aufwachen nach einen Traum, den man beim nächsten Wimpernschlag schon nicht mehr beschreiben kann.

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Vita

Laura van den Berg, 1983 geboren, ist in Florida aufgewachsen und lebt heute in der Nähe von Boston. Sie hat bisher zwei Erzählsammlungen veröffentlicht, die u.a. mit dem Rosenthal Award for Fiction ausgezeichnet wurden. Ihr Debütroman »Find Me« (2015) war für den renommierten International Dylan Thomas Prize nominiert. »Das dritte Hotel« wurde hymnisch besprochen und 2019 für den NYPL Young Lions Fiction Award nominiert.

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Sabine Schwenk

Sabine Schwenk, 1964 geboren, studierte Romanistik und Philosophie und übersetzt zeitgenössische Literatur aus dem Englischen und dem Französischen, darunter Bücher von Céline Curiol, Elizabeth Gilbert, Anne Tyler und Jeanette Winterson.

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