Das ungeschminkte Leben

Autobiographie

(4)
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Ein Leben fernab der üblichen Pfade

»Ich blickte hinauf zum sternenübersäten Himmel und wünschte mir leidenschaftlich ein neues Leben.«

Maryse Condé wird als jüngstes von acht Kindern auf der französischen Karibikinsel Guadeloupe geboren und gilt heute als »Weltbürgerin und Grande Dame der frankophonen Literatur« (BR 2). In ihrer Autobiographie lässt sie ihre frühen Lebensjahre wiederaufleben. Die Zeit als junge Studentin im Paris der 1950er-Jahre, als alleinerziehende, mittellose Mutter, die wagemutig nach Westafrika geht und als Lehrerin miterlebt, wie der Kontinent von politischen Auseinandersetzungen erschüttert wird.

Mit entwaffnender Offenheit schildert Maryse Condé ein Leben fernab der üblichen Pfade und zeichnet das Bild einer unerschrockenen Frau, die die gesellschaftlichen und politischen Widersprüche ihrer Zeit erkannte und sich »nie scheute, gegen den Strom zu schwimmen« (Neue Zürcher Zeitung).

»Eine Liebeserklärung an den afrikanischen Kontinent in all seiner Vitalität und Vielfalt.«

Marlen Hobrack / Die Welt (04. Juli 2020)

Aus dem Französischen von Beate Thill
Originaltitel: La Vie sans fards
Originalverlag: JC Lattès
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-24982-3
Erschienen am  11. Mai 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Ein Überlebenskampf

Von: Visal

17.09.2020

Maryse Condé ist eine französische Schriftstellerin, die 2018 den alternativen Literaturpreis erhielt. "Warum endet der Versuch, von sich zu erzählen, jedes Mal in einem Gewirr von Unwahrheiten?" Und sie versucht ihre Lebensgeschichte so „ungeschminkt“ und wahr wie möglich zu erzählen. Somit zeigt sie, dass ihr Leben eher ein Überlebenskampf als eine Identitätssuche ist. Sie wuchs in einer privilegierten Familie auf. Doch als sie mit 16 zum Studium nach Paris ging, wird sie zum ersten Mal mit Vorurteilen gegenüber Schwarzen konfrontiert. Sie berichtet über Entwurzelung, Rassismus und über ihre eigene politische Entwicklung. Obwohl die Sprache und ihr Stil sehr angenehm ist, ist dieses Buch keine leichte Kost, gerade weil alles sehr offen und ehrlich beschrieben ist. Es ist das erste Buch, das ich von Maryse Condé gelesen habe, wird bestimmt nicht das Letzte sein.

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Der Traum vom Panafrikaniskus

Von: Kate Rapp

08.09.2020

„Das ungeschminkte Leben“ von Maryse Condé Maryse Condé, die große französische Schriftstellerin von den Antillen, die mit dem alternativen Literaturnobelpreisträger geehrte wurde, berichtet hier von der schwierigsten Zeit ihres Lebens. Es war die Zeit, bevor sie zu schreiben begann, ein unruhiges, bewegtes Leben in Europa und Afrika führte. Sie wuchs in einer privilegierten, bürgerlichen Familie als Tochter der ersten schwarzen Lehrerin und eines schwarzen Bankiers in Guadeloupe auf. Mit sechzehn ging sie zum Studium nach Paris und wurde hier erstmalig mit Vorurteilen und Demütigungen als Schwarze konfrontiert. Sie bekam ein uneheliches Kind und Tuberkulose und wurde daraufhin von den Antillanern gemieden. Sie fand Rückhalt in der afrikanischen Community und heiratete 1958 Mamadou Condé, einen Studenten aus Westafrika. Sie begann, die Lyrik der sogenannten „Négritude“ zu lesen und beschloss, als ihre Ehe nicht gut lief, eine Stellung an der Elfenbeinküste anzunehmen, um ihre Wurzeln und den Afrikanischen Kontinent kennen zu lernen. Die Sechziger Jahre waren auf dem Afrikanischen Kontinent eine bewegte Zeit. Viele der Länder erhielten die Unabhängigkeit von ihren französischen oder englischen Kolonialmächten und neue afrikanische Staatspräsidenten traten entweder als Marionette der alten Kolonialherren an, als Sozialisten oder Diktatoren. Maryse Condé erlebt die Feiern zur Unabhängigkeit in Abidjan. Sie beschreibt aber auch die Animositäten der afrikanischen Nationalitäten untereinander und die Diskriminierung beispielsweise nigerianischer Einwanderer an der Elfenbeinküste. Sie versucht, den Tribalismus der unterschiedlichen Gruppen zu verstehen und beschreibt Vielfalt und Diversität dieses Kontinents, die nicht nur Problem sondern auch Chance ist. Später arbeitete sie in Guinea, wo sie aufgrund ihrer Kontakte verbannt wurde und nach Ghana ging. Dort wurde sie wiederum als guineeische Spionin ausgewiesen, heiratete später einen Engländer und lebte schließlich in den USA und den Antillen. Die schwierige politische Umbruchszeit erlebte sie hautnah. Komplizierte persönliche Beziehungen und vier Kinder machten ihr Leben als alleinerziehende Nomadin nicht gerade leicht. Aber sie traf auf zahlreiche intelligente, politisch aktive Menschen, hatte eine Affäre mit dem unehelichen Sohn des Haitianischen Diktators Duvalier, lernte persönlich den Regierungschef Guineas sowie die zukünftigen Führer der Elfenbeinküste, Benins und Angolas kennen. In Ghana traf sie die afroamerikanischen Intellektuellen auf der Suche nach ihren Wurzel und lernte unter anderen Maya Angelou und Malcom X kennen. Diese Autobiografie ist so nüchtern und ungeschminkt, wie im Titel versprochen. Es werden keine idyllischen Lehmhütten bemüht, jeglicher Afrika-Kitsch ist obsolet. Dafür spürt man die drängende Unruhe, die Zerrissenheit und das Gefühl dieser Autorin, sich überall als Fremde zu fühlen: in Guadeloupe zu privilegiert, in Frankreich rassistisch gedemütigt, in Afrika als zu überlegen und frühkolonisiert abgelehnt. Dass sie diesen Kontinent liebt, er ihr aber nicht das geben konnte, was sie suchte, wird im Verlauf des Buches immer deutlicher. Ich las den Bericht dieses atemlosen, entwurzelten Lebens völlig fasziniert, weil ich selber ein Jahr in der demokratischen Republik Kongo gelebt habe und die Probleme mir durchaus bekannt vorkamen. Teilweise klingt es wie ein WHO is WHO der afrikanischen Befreiungsbewegungen, der Revolutionäre und Staatengründer. Besonders spannend fand ich, dass es bereits in den Sechzigern zahlreiche schwarze SchriftstellerInnen sowohl der frankophonen „Négritude“ als auch der anglophonen „Harlem Renaissance“ gab, die bekannt und geschätzt träumten. Ihr Traum vom Panafrikanismus hat sich bis heute noch immer nicht erfüllt hat.

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Vita

Maryse Condé

Maryse Condé, 1937 in Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe geboren, gilt als eine der großen Erzählstimmen unserer Zeit. Mit 16 Jahren ging sie zum Studium nach Paris und lebte später mehrere Jahre in Westafrika. Maryse Condé unterrichtete u.a. an der Sorbonne und war Professorin für französische Sprache und Literatur an der Columbia University in New York. Bekannt wurde Maryse Condé durch die Familiensaga »Segu«, in der sie die Geschichte der westafrikanischen Familie Traoré erzählt. Sie wurde u.a. mit dem Prix de l'Académie Française, dem Prix Marguerite Yourcenar sowie dem Alternativen Literaturnobelpreis ausgezeichnet. 2020 wurde ihr in Frankreich der nationale Verdienstorden verliehen.

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Beate Thill

Beate Thill übersetzt französischsprachige Literatur aus der Karibik und Afrika, u.a. J.M.G. Le Clézio und Patrick Chamoiseau. Für ihre Übersetzertätigkeit wurde sie mehrmals ausgezeichnet, zuletzt mit dem „Internationalen Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt“.

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Pressestimmen

»Ihre Autobiografie ist das mutige Protokoll einer persönlichen und politischen Ernüchterung.«

»Die Autorin wird dem Leser gerade dadurch sympathisch, dass sie sich so gnadenlos ehrlich als Antiheldin schildert. Ihr nüchterner Schreibstil erlaubt auch kein formales Schönfärben.«

Tobias Wenzel / NDR Kultur (13. Mai 2020)

»›Das ungeschminkte Leben‹ gehört zu den großen Autobiografien der frankophonen Literatur, die man unbedingt lesen sollte.«

Margit Klinger-Clavijo / Bayern 2 (08. Juli 2020)

»Hier spricht eine kluge und selbstbewusste Autorin, die sich an den ›Bekenntnissen‹ von Jean-Jacques Rousseau orientiert.«

Nicole Henneberg / Der Tagesspiegel (24. Juni 2020)

»Condé zeigt in ihrer anregenden Autobiografie ›Das ungeschminkte Leben‹ vor allem eins: Die einzige Vision mit Zukunft ist gegenseitige Bereicherung durch ein Leben in Vielfalt.«

Michaela Schmitz / Deutschlandfunk (31. Mai 2020)

»Maryse Condés Autobiographie über ihre Jahre in Westafrika ist eine starke Lebensgeschichte und ein packendes Zeitdokument.«

Gaby Mayr / SWR2 (22. Juli 2020)