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Der Bibliothekar, der lieber dement war als zu Hause bei seiner Frau Roman

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eBook (epub) ISBN: 978-3-641-13132-6

Erschienen: 29.04.2014
Dieser Titel ist lieferbar.

Weitere Ausgaben: Paperback, Taschenbuch

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Scheint gar nicht so leicht, in Würde zu altern!

Es muss doch noch mehr geben als eine langweilige, vorgezeichnete Existenz ins Grab hinein, eine lieblose Ehe, die einem jede Selbstachtung raubt, und Kinder, die einem fremd sind – sagt sich der gut siebzigjährige Désiré Cordier eines schönen Tages. Und beschließt, einen auf dement zu machen. Die Rolle des senilen Vergesslichen spielt er so gut, dass ihn die Familie schließlich ins Pflegeheim bringt, wo er endlich frei zu sein meint …

»Das Leben schien schneller zu verlaufen als die Gedanken, und bevor er einen Entschluss gefasst hatte, war er ein alter Mann.« Als Désiré Cordier klar wird, dass dieser Satz auf ihn zutrifft, versucht er in letzter Minute, das Ruder herumzureißen. Andere verkaufen ihre gesamte Existenz auf e-bay, für sagenhafte zwei Millionen Dollar (wie ihm sein alter Boule-Freund erzählt), und er möchte seines nicht mal geschenkt. Immer hat er nur klein beigegeben, wenn seiner Frau Moniek etwas an ihm nicht passte, und jetzt, da der Verkauf ihres Hauses und ein Umzug in eine kleine Wohnung bevorstehen, bekommt er Panik. Wie soll er seiner dominanten Frau da noch ausweichen, ohne Garten und Keller? Und so entwirft er eine ungewöhnliche Strategie: Er gibt vor, an Demenz zu erkranken – was dem ehemaligen Bibliothekar nicht nur ein diebisches Vergnügen bereitet, sondern auch erstaunlich gut gelingt. Schon bald landet er in dem Pflegeheim »Winterlicht«, zusammen mit anderen Dementen und überforderten Pflegern, wo er neben haarsträubenden Missständen auch so manche Überraschung entdeckt – einen Strategen im Geiste, einen ehemaligen Nazi und eine alte Jugendliebe …
Dimitri Verhulst, der gefeierte Bestsellerautor aus Flandern, dem niederländischsprachigen Belgien, greift in seinem neuen Roman ein höchst aktuelles Thema auf und zeigt voll Komik und Esprit und mit herzzerreißender Schonungslosigkeit, dass es gar nicht so einfach ist, in Würde zu altern.

Dimitri Verhulst (Autor)

Dimitri Verhulst wurde 1972 in Aalst, Belgien, geboren und gilt als einer der besten auf Niederländisch schreibenden Schriftsteller. Der Roman »Die Beschissenheit der Dinge«, in dem er seine eigene Geschichte erzählt, war ein Nr.-1-Bestseller, wurde für den AKO-Literaturpreis nominiert und mit dem Publikumspreis »Goldene Eule« ausgezeichnet. Die Verfilmung von Felix van Groeningen wurde in Cannes mit dem Prix Art et Essai prämiert. Dimitri Verhulsts Werke sind in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt und wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten
Originaltitel: De laatkomer
Originalverlag: Uitgeverij Atlas Contact

eBook (epub)

ISBN: 978-3-641-13132-6

€ 6,99 [D] | CHF 9,00* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Luchterhand Literaturverlag

Erschienen: 29.04.2014

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Paperback)

Der Bibliothekar, der lieber dement war als zu Hause bei seiner Frau

Von: Miss.mesmerized  aus Deutschland Datum: 27.12.2016

https://missmesmerized.wordpress.com/2016/12/27/dimitri-verhulst-der-bibliothekar-der-lieber-dement-war-als-zu-hause-bei-seiner-frau/

Désiré Cordier hat genug vom Leben mit seiner Frau, die ihn andauernd bevormundet und ihm und den Kindern das Leben schon seit Jahrzehnten zu Hölle macht. Er beschließt, sich ein anderes Leben zu suchen und der einfachste Weg ist, sich dement zu stellen. Akribisch bereitet er den Ausstieg aus dem alten Dasein vor: mehr und mehr vergisst und vertauscht er, gezielt täuscht er Frau und Tochter bis diese schließlich mit ihm eine Untersuchung durchführen lassen: klarer Fall, der Mann ist dement und gehört in ein Heim. Mit Vergnügen setzt er dort sein Spiel fort, wenn er auch bisweilen ob der Missstände am liebsten seine Rolle aufgeben würde. Doch er erlebt auch unerwartete Überraschungen, denn sein genialer Plan ist gar nicht so originell, dass nicht auch andere auf diese Idee kommen könnten.

Dimitri Verhulst gelingt ein interessanter Spagat mit seinem kurzen Büchlein. Zum einen ist es wirklich köstlich mit anzusehen, welchen Spaß Désiré an der Täuschung seiner Gattin hat, welche absurden Einfälle ihn seinen fortschreitenden Zerfall darstellen lassen. Urkomisch sind die Situationen und Dialoge – wenn sie nicht so realistisch wären. Der Protagonist erfüllt die Erwartungen, ebenso wie die wirklich Erkrankten, deren Umfeld damit leben muss. Die bittere Pille, insbesondere als er sich seiner geliebten Tochter nicht offenbaren kann und vor dieser ebenfalls die gewählte Rolle des dementen Vaters, der das eigene Kind nicht mehr erkennt, aufrechterhalten muss. Auch die Beobachtungen im Pflegeheim sind wenig erbaulich und vermutlich bitterer Ernst und Normalität für viele, die sich nicht dagegen wehren können. Dass das Happy End mit der wiedergefundenen Jugendliebe ausbleibt, ist einerseits für den Leser etwas schade, aber stimmig in der Gesamtschau: das Leben ist nun einmal nicht so. Und was das selbstgewählte Schicksal schließlich mit ihm macht, lässt einem doch recht melancholisch zurück.

Eine interessante Annäherung an das Thema Demenz und unseren Umgang mit von dieser Erkrankung Betroffenen. Auch die Frage, wie man im fortgeschrittenen Alter noch aus dem eigenen Leben flüchten kann, wenn dieses scheinbar nicht mehr wert ist, weitergelebt zu werden, ist durchaus wert, überdacht zu werden.

Die Geschichte hält der Welt ein wenig einen Spiegel vor

Von: Buchrättin  aus h Datum: 21.07.2014

Ein heikles Thema für einen Roman. Ein Buch über einen eigentlich gesunden älteren Mann im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte, der zu dem ein begnadeter Schauspieler ist. Das Leben mit seiner Frau frustriert ihn, schon jahrelang. Nun im Alter mit dem Nachlassen der körperlichen Kraft bleibt ihm nur die Aussicht auf eine kleine Wohnung mit Balkon auf der die beiden noch enger zusammen sein werden. Ein Graus für ihn, bis ihm die Idee kommt- er wird einfach dement.
Unglaublich? Ein wenig schon. Akribisch beschreibt der Mann wie er seine Demenz entwickelt, immer auch darauf achtend nicht zu viel und zu überschwänglich zu sein. Die Reaktionen der Außenwelt, das Abwerten seiner Handlungen, das hämische Lachen einiger Mitbürger, die Fassungslosigkeit seiner Familie.
Es ist ein wenig, als ob der Erzähler der Welt einen Spiegel vorhält, wie würde jemand, der an Demenz erkrankt ist, das Verhalten seiner Mitmenschen beurteilen, wenn er es denn könnte. Seine scharfe Beobachtungsgabe der Mitmenschen, die fast ein wenig sarkastisch anmutende Bemerkungen zu dem Verhalten seiner Mitmenschen, das fand ich sehr gelungen.
Was mir gefiel war auch die direkte Ansprache des Lesers. Der Ich -Erzähler zieht mich, in seine Geschichte mit hinein und lässt mich ein Teil dieser doch etwas merkwürdigen Welt werden.
Als Leser macht einen das Buch durchaus nachdenklich. Was bringt einen Mann dazu, sein Leben aufzugeben und so in dieser zunehmenden Hilflosigkeit zu verharren, obwohl er eigentlich geistig gesund ist. Aber auch das Verhalten des Umwelt, die Häme, Schadenfreude, Neugier, er hält einem einen Spiegel vor. Das stimmt einen doch nachdenklich in einigen Situationen, wie diese Kranken auch ignoriert und behandelt werden.
Trotzdem ließ mich die Geschichte auch schmunzeln und ich spürte die Genugtuung, die bei dem ehemaligen Bibliothekar rüber kam, wenn er seiner Frau quasi einen auswischen konnte mit seinem unmöglichen Verhalten, für das er ja eine Art Freifahrtschein durch die Krankheit bekam-eine Art Selbstbestimmung über sein Leben, auch wenn er es quasi komplett in fremde Hände gab.

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