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Der Neue Roman

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eBook (epub) ISBN: 978-3-641-16144-6

Erschienen:  16.04.2018
Dieser Titel ist lieferbar.

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Was es bedeutet, Außenseiter zu sein – ein atmosphärischer Roman, der in das Amerika der 1970er Jahre führt

Osei will an seiner neuen Schule vor allem eines: nicht auffallen. Für den afrikanischen Diplomatensohn ist es der vierte Wechsel innerhalb von sechs Jahren, und aus Erfahrung weiß er, dass er gleich am ersten Tag Freundschaften schließen muss. Doch bereits seine Anwesenheit scheint einige seiner weißen Mitschüler und Lehrer zu provozieren. Im Amerika der 1970er Jahre sind gemischte Klassen immer noch selten. Als sich ausgerechnet die beliebte Dee mit Osei anfreundet, sieht Ian, der Tyrann auf dem Pausenhof, rot.

Tracy Chevalier lässt Shakespeares Othello, jenes klassische Stück über Eifersucht und Diskriminierung, in einer Schule spielen, wo das Wort Mobbing kein Fremdwort ist.

»Chevalier hat die Tragödie mit einer eleganten Selbstverständlichkeit in die jüngere Vergangenheit verlegt und zeigt damit einmal mehr, wie aktuell der Stoff immer noch ist.«

Weser Kurier, Iris Hetscher (03.05.2018)

Tracy Chevalier (Autorin)

Tracy Chevalier, 1962 in Washington, D. C. geboren, zog 1984 nach England. Sie arbeitete zunächst als Lektorin, begann dann aber zu schreiben. Der internationale Durchbruch gelang ihr mit „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in London.


Sabine Schwenk (Übersetzerin)

Sabine Schwenk, 1964 geboren, studierte Romanistik und Philosophie und übersetzt zeitgenössische Literatur aus dem Englischen und dem Französischen, darunter Bücher von Céline Curiol, Elizabeth Gilbert, Anne Tyler und Jeanette Winterson.

»Chevalier hat die Tragödie mit einer eleganten Selbstverständlichkeit in die jüngere Vergangenheit verlegt und zeigt damit einmal mehr, wie aktuell der Stoff immer noch ist.«

Weser Kurier, Iris Hetscher (03.05.2018)

»‘Der Neue‘ ist die gelungene Adaption eines Klassikers in Jugendjagon.«

Deutschlandfunk Kultur „Buchkritik“, Johannes Kaiser (07.06.2018)

Aus dem Englischen von Sabine Schwenk
Originaltitel: New Boy
Originalverlag: Hogarth

eBook (epub)

ISBN: 978-3-641-16144-6

€ 14,99 [D] | CHF 18,00* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Knaus

Erschienen:  16.04.2018

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Hervorragend!

Von: Annette Traks Datum: 05.07.2018

www.annette-traks.com

Kurzinhaltsangabe
(eine ausführliche Zusammenschau befindet sich im Anschluss an das Resümee):

Osei Kokote - wohl 12 oder 13 Jahre alt - ist der Sohn eines ghanaischen Diplomaten. Kurz vor Ende des laufenden Schuljahres tritt dieser eine neue Stelle in Washington an, sodass Osei noch für ein paar Wochen die 6. Klasse der Elementary School besuchen muss, bevor er nach den Sommerferien auf die Junior High wechselt. Für ihn ist es nach Rom, London und New York der 4. Schulwechsel innerhalb von 6 Jahren.

An der neuen Schule ist er der einzige Schüler mit dunkler Hautfarbe, und er spürt nicht nur Neugierde, sondern sowohl bei Mitschülern als auch speziell bei seinem Klassenlehrer Vorurteile. Doch Osei hat gelernt, dass er nicht negativ auffallen darf und möglichst gleich am ersten Tag Freundschaften schließen muss, um bei Konflikten Verbündete zu haben.

Seine bei allen beliebte und hübsche Klassenkameradin Daniela - Dee - kümmert sich fürsorglich um den Neuen, hilft ihm und erklärt ihm alles Notwendige. Beide freunden sich sofort an, denn Dee hat keinerlei Vorbehalte gegenüber Osei, für sie zählt nur der Charakter eines Menschen.

Ian, einem gleichaltrigen Jungen, ist die Vertrautheit der beiden jedoch ein Dorn im Auge. Er will sie auseinanderbringen und spinnt raffinierte Intrigen, von denen Osei und Dee nichts ahnen. So geraten sie immer mehr in sein fein gesponnenes Netz.

Eine verhängnisvolle Entwicklung nimmt ihren Lauf und endet schließlich in einer Katastrophe.

Resümee:
Die Romanhandlung spielt in den 70er Jahren in Amerika, genauer gesagt in Washington. Bereits 1964 wurde von Präsident Lyndon B. Johnson der "Civil Rights Act" unterzeichnet, in dem Rassendiskriminierung und -trennung in öffentlichen Einrichtungen wie z.B. Restaurants, Kinos, Bussen, Schulen für illegal erklärt wurden.

Mit diesem formalen Akt waren in der Bevölkerung jedoch noch lange nicht die Vorurteile und Anfeindungen gegenüber Menschen mit anderer Hautfarbe ausgelöscht. Das bekommt auch Osei gleich an seinem ersten Tag auf der Elementary School zu spüren, in der er der einzige dunkelhäutige Schüler ist. Mit einer Mischung aus Sensationslust und Ablehnung sowie offen ausgesprochenen Vorurteilen begegnen ihm nicht nur seine Mitschüler, sondern auch Lehrer, besonders sein Klassenlehrer.

Die Autorin hat Shakespeares Tragödie "Othello, der Mohr von Venedig" inhaltlich komprimiert und auf diesen Plot übertragen unter der Fragestellung, was es heißt, wegen seiner Andersartigkeit Außenseiter zu sein.

Bei dem sich unheilvoll entwickelnden Geschehen sorgen Perspektivwechsel für zusätzliche Dramatik, wenn dieselbe Szene aus Sicht einer anderen beteiligten Person erzählt wird. Der Leser spürt, dass Ians heimtückische Machenschaften und Manipulationen unaufhaltsam und unwiderruflich auf ein folgenschweres Unheil zusteuern. Oseis und Dees völlige Ahnungslosigkeit und die Manipulierbarkeit anderer Schüler verstärken die Wirkung zusätzlich.

Dies ist für den Leser zugegebenermaßen ebenso erschütternd wie fesselnd - ein Spannungsfeld ganz im Sinne der antiken griechischen Tragödien.

Dadurch dass die Handlung
• auf die Schule als Ort des Geschehens begrenzt ist,
• den überschaubaren Zeitraum eines Tages nicht überschreitet,
• durch 5 Kapitel klar strukturiert ist und Nebenstränge fehlen,
erfüllt der Roman im aristotelischen Sinne die Einheit von Ort, Zeit und Handlung eines Dramas.

Thematisch geht es, wie schon erwähnt, um Vorurteile, Diskriminierung und Ausgrenzung aufgrund von Andersartigkeit, die hier durch Oseis Hautfarbe vorgegeben ist. Aber auch Freundschaft, Eifersucht und Macht spielen eine zentrale Rolle, ebenso wie Mobbing und die Manipulierbarkeit von Menschen, hier insbesondere jugendlichen Schülern.

Den Schluss hat die Autorin zwar offen gestaltet, jedoch lässt er in Kenntnis von "Othello" Schlimmes erahnen.

Fazit: hervorragend!

Die Autorin hat für dieses Buch die Handlung der Tragödie "Othello, der Mohr von Venedig", 1603 oder 1604 von William Shakespeare geschrieben, komprimiert auf einen Schultag in den 70er Jahren in Amerika übertragen

Daher im Folgenden ein Vergleich der Handlung von William Shakespeares Tragödie "Othello, der Mohr von Venedig" mit Tracy Chevaliers Roman "Der Neue"
(Achtung: Spoiler!):

Der leichteren Lesbarkeit halber habe ich die Passagen beider Werke, die sich jeweils aufeinander beziehen, mit gleichen Ziffern nummeriert:

1. ("Othello")
Othello, ein dunkelhäutiger venezianischer Feldherr, ist ein ehrenhafter, aufrichtiger und gutgläubiger Mensch. Aber die Bewohner Venedigs empfinden ihn als fremdartig, assoziieren seine Hautfarbe mit negativen Charakter-Eigenschaften und grenzen ihn aus.

2. ("Othello")
Doch für die schöne Desdemona zählt nur das Wesen eines Menschen, Äußerlichkeiten sind ihr egal. Sie verliebt sich in Othello und schließlich heiraten beide heimlich gegen den Willen ihres Vaters.

3. ("Othello")
Othellos Feldherr und Vertrauter Jago ist ein gewissenloser Intrigant. Als Othello nicht ihn, sondern den unbescholtenen Cassio befördert, ist er bitter enttäuscht und will sich für die vermeintliche Ungerechtigkeit rächen, indem er Othellos Misstrauen gegenüber Desdemona schürt.

4. ("Othello")
Dabei ist der Edelmann Rodrigo sein Werkzeug: Er provoziert in Jagos Auftrag Cassio, der ihn bei einer Prügelei verwundet. Gleichzeitig bittet Jago hinterlistig die arglose Desdemona, sich bei Othello für Cassio einzusetzen. Als sie seinem Wunsch entspricht, wird der erste Keim des Misstrauens bei ihrem Gatten gelegt: Warum nimmt sein Weib den Soldaten in Schutz? - Gegenüber Jago ist Othello jedoch völlig gutgläubig und vertraut ihm weiterhin.

5. ("Othello")
Auf einem Feldzug wird Othello von seiner Ehefrau, Rodrigo, Cassio sowie von Jago und dessen Ehefrau Emila - gleichzeitig Desdemonas Kammerzofe - begleitet.
Jago macht dem ohnehin schon misstrauisch gewordenen Othello gegenüber vage Andeutungen über eine mögliche Beziehung Desdemonas zu Cassio.

6. ("Othello")
Da kommt ihm der Zufall zu Hilfe: Emilia findet ein besticktes Taschentuch, das Othello seiner Frau einst geschenkt hatte, das sie aber kürzlich verloren hat. Sie überlässt den Fund Jago. Der schiebt das Tuch sofort Cassio unter, der mit der Mätresse Bianca angebandelt hat.

7. ("Othello")
Als Othello später bei ihm das Taschentuch sieht, fühlt er sich bestätigt: Seine Frau hat ein Verhältnis mit dem Soldaten und Othellos Geschenk als Liebespfand an ihn weitergereicht.

8. ("Othello")
Er tobt vor Eifersucht. In einer Aussprache gelobt Desdemona immer wieder ihre Unschuld und beteuert wie auch schon vorher, dass sie nicht wisse, wie das Tuch in Cassios Besitz gelangt sei. Vergeblich - Othello sieht rot und erdrosselt seine Gattin.

9. ("Othello")
Emilia erzählt ihm daraufhin von Jagos intrigantem Spiel, das sie inzwischen durchschaut hat, und bestätigt Desdemonas Unschuld. Daraufhin wird sie von Jago getötet.

10. ("Othello")
Zu spät realisiert auch Othello Jagos hinterlistige Machenschaften, bricht zusammen, weil er seiner Gattin bitter Unrecht getan hat, und begeht Selbstmord.

Die Parallele zwischen dem Shakespeare-Drama und dem Roman "Der Neue" wird schon durch die Ähnlichkeit der Namen und Rollen deutlich:

Othello, "der Mohr von Venedig",
entspricht Osei, genannt O., aus Ghana

Desdemona, Othellos Ehefrau,
entspricht Daniela, genannt Dee, Oseis Freundin

Jago, ein Soldat niederen Ranges, und Vertrauter Othellos,
entspricht Ian, einem intriganten und streitsüchtigen Mitschüler, der Kontakt zu Osei sucht

Emilia, Jagos Ehefrau und Desdemonas Zofe,
entspricht Mimi, Ians Freundin und Dees Vertraute

Rodrigo, ein Edelmann,
entspricht Ron, der sich von Ian zum Handlanger machen lässt

Cassio, ein integrer Soldat und zunächst Vertrauter Othellos,
entspricht Caper, einem tadellosen Schüler und anfangs Freund von Ian

Bianca, Cassios Mätresse,
entspricht Blanca, Caspers Freundin.

1. ("Der Neue")
Osei - die Hauptfigur in "Der Neue" - ist ein dunkelhäutiger Junge, der aus Ghana stammt. Er ist aufrichtig, benimmt sich korrekt, hegt keinen Argwohn gegenüber dem intriganten Ian, dem er bis zum Schluss vertraut. Viele Mitschüler äußern ihm gegenüber Vorurteile, sein Klassenlehrer hätte ihn am liebsten nicht auf der Schule, schon gar nicht in seiner Klasse.

2. ("Der Neue")
Osei und Dee, ein allseits beliebtes und hübsches Mädchen, fühlen sich zueinander hingezogen und freunden sich schnell an, obwohl Dee ahnt, dass ihrer Mutter die Verbindung wohl nicht recht wäre. Doch für Dee zählt nicht die Hautfarbe, sondern der Charakter eines Menschen. Beide wollen sich den neugierigen Blicken der Kameraden entziehen und treffen sich in den Pausen heimlich an einer entlegenen Ecke des Schulhofes, um miteinander zu reden. Doch man beobachtet sie trotzdem und tuschelt über "das Liebespaar".

3. ("Der Neue")
Auch der Mitschüler Ian sucht den Kontakt zu Osei. Bei sportlichen Pausenaktivitäten kommen sie sich etwas näher. Als "der Neue" sich in der Schulmensa jedoch an den Tisch von Casper, einem absolut unbescholtenen Schüler, setzt, fühlt Ian sich abserviert. In ihm reift ein perfider Rache-Plan: Er will Dee und Osei auseinanderbringen, indem er Osei eifersüchtig macht.

4. ("Der Neue")
Für sein Vorhaben lässt sich Ron, ein Cliquenmitglied, instrumentalisieren: Er zettelt in Ians Auftrag einen Disput mit Casper an, der sich provozieren lässt und Ron ein blaues Auge verpasst. Ian bittet Dee, bei Osei ein gutes Wort für den bis dato völlig unbescholtenen Casper einzulegen. Und Osei reagiert wie von dem Intriganten geplant: Er fragt sich, welche Motivation Dee für die Fürsprache haben mag. Geht sie etwa mit Casper? In ihm keimt Eifersucht auf. Von Ians hinterlistigen Machenschaften ahnt er nichts und vertraut ihm weiterhin.

5. ("Der Neue")
Gleichzeitig macht Ian gegenüber Osei vage Anspielungen, dass Dee vielleicht nicht das "saubere" Mädchen ist, für das sie alle halten, und deutet eine engere Beziehung zu Casper an. Oseis Eifersucht bekommt Nahrung, er beobachtet die beiden argwöhnisch.

6. ("Der Neue")
Der Zufall hilft Ian: Osei musste an diesem ersten Schultag mit der rosafarbenen Erdbeerfedertasche seiner Schwester zum Unterricht gehen, da seine eigene zu Hause nicht auffindbar war. Dee, die bemerkt hat, dass ihm dies äußert peinlich ist, tauscht sie kurzerhand gegen ihre, vergisst sie jedoch in der Mittagspause. Als ihre Busenfreundin Mimi sie findet, übergibt sie den Fund auf sein Drängen Ian, der gerade mit ihr angebandelt hat. Der jedoch reicht das Mäppchen an Casper weiter, der mit Blanca geht, die gerne offen ihre Zuneigung zu dem Jungen zeigt.

7. ("Der Neue")
Als Osei wenig später nach einem entsprechenden Hinweis von Ian das Erdbeertäschchen bei Blanca sieht, ist ihm klar, dass Casper etwas damit zu tun haben muss. Die einzige Möglichkeit besteht für ihn darin, dass Dee es ihm gegeben hat - die Federtasche seiner Schwester, eine Erinnerung an sie, die er seiner Freundin Dee anvertraut hat.

8. ("Der Neue")
Für ihn bricht eine Welt zusammen. Er stellt Dee, die ihre Unschuld beteuert, zur Rede, schubst sie dabei wütend, sodass sie hinfällt. Doch gegenüber den herbeieilenden Lehrern nimmt sie die Schuld für den Sturz auf sich.
Osei bittet sie nach Schulschluss zu einem klärenden Gespräch aufs Klettergerüst. Das Mädchen beteuert - wie auch schon zuvor - immer wieder, dass sie nichts mit Casper hat und gesteht, dass sie die Federtasche mittags in der Schule gelassen hat, sie ohne ihr Zutun den Weg zu Casper bzw. Blanca genommen haben muss. Doch vergeblich: Osei beschimpft sie als Hure, und Dee läuft völlig aufgelöst weg.

9. ("Der Neue")
Dees Busenfreundin Mimi findet den aufgewühlten Osei auf dem Klettergerüst. Ihr ist mittlerweile klar geworden, welches perfide Spiel Ian getrieben hat, und erklärt dem verzweifelten Jungen die Zusammenhänge. Als sie zu ihm hochklettern will, zieht Ian sie mit Gewalt herunter, sodass sie auf den Asphalt knallt, wo sie schwer verletzt liegenbleibt.

10. ("Der Neue")
Kurz darauf stürzt sich Osei vom höchsten Punkt des Gerüstes hinunter.

Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Überzeugt nicht völlig, hat aber eine wichtige Botschaft

Von: booksnstories Datum: 29.07.2018

booksnstories.wordpress.com

Heute habe ich den neuesten Roman aus der Hogarth-Shakespeare-Reihe für euch. Noch einmal zur Erinnerung: Anlässlich des 400. Todestages von William Shakespeare erscheinen beim englischen Verlagshaus Hogarth seit 2016 insgesamt 6 Romane, die Retellings beliebter Shakespeare-Theaterstücke darstellen. Als deutscher Verlag ist Knaus an dem Projekt beteiligt. Mit „Der Neue“ erschien im April die Romaninterpretation von „Othello“ aus der Feder von Tracy Chevalier. Einigen mag sie vielleicht als Autorin von „Das Mädchen mit dem Perlohrring“, die Buchvorlage für den gleichnamigen Film mit Scarlett Johansson und Colin Firth um den niederländischen Maler Jan Vermeer, ein Begriff sein. Warum „Der Neue“ für mich zwar der bisher schwächste Roman der Reihe, aber trotzdem eine wichtige Botschaft bereithält, erfahrt ihr in der folgenden Rezension.
Wie das Theaterstück ist der Roman in fünf Abschnitte untergliedert. Die Handlung spielt sich an einem einzigen Schultag ab und beleuchtet vordergründig die freie Zeit zwischen dem Unterricht. Eben jene Zeit, in der die Schüler sich selbst überlassen sind und das Buhlen um Anerkennung und Machtspielchen zu einer gefährlichen Mischung werden können, die nicht selten in Mobbing endet. So auch bei O, dem „Neuen“.

Es braucht einige Seiten, bis der Protagonist in das „Haifischbecken neue Schule“ hingeworfen wird. Vorher werden dem Leser erst die Alianzen und Rivialitäten der Schüler vorgestellt, sämtliche relevanten Figuren tauchen bereits jetzt auf. O wird als letzte Figur eingeführt, als eine neue Variable, die sofort beginnt, die bestehenden Beziehungsgeflechte aufzubrechen und durcheinander zu bringen, ohne, dass er aktiv etwas tun muss. Die Machtgefüge verschieben sich einzig allein dadurch, dass er auftaucht. Dies führt sich über die fünf Abschnitte auf fatale Art und Weise fort, indem sich die Figuren immer mehr in diesem Gefüge verstricken (das Seilspringen auf dem Pausenhof könnte man als gelungene Metapher dafür sehen), und mündet – Shakespeares Vorlage entsprechend – am Ende in einer Katastrophe. Und genau hier liegt eine große Schwäche des Romans. Die Entwicklung, die der Tag nimmt, ist zwar unschön, rechtfertigt jedoch keinesfalls das Ende mit dem sich Dee (Desdemona) und O (Othello) konfrontiert sehen. Hier scheint es mir, dass man auf Biegen und Brechen etwas Schlimmes ans Romanende setzen wollte, um der Vorlage gerecht zu werden, ohne dass es jegliche Rechtfertigung dafür gibt. Lesern, die die Vorlage nicht gelesen haben, aber den Inhalt grob kennen, mag dies vielleicht irritierend, aber noch verständlich sein, für Leser, denen der Inhalt von Othello gänzlich unbekannt ist, werden dem Romanende wohl wenig abgewinnen können. Und dies ist schade, denn die anderen Romane der Reihe, die ich bisher gelesen habe („Der weite Raum der Zeit“, „Hexensaat“), funktionieren auch wunderbar ohne Kenntnis der Vorlagen.

Grund zur Irritation gibt teilweise auch das Agieren der Figuren: mal ihrem kindlichen Alter entsprechend, dann jedoch auch mit Gedanken und Sätzen, die ihrem Alter weit voraus scheinen. Dadurch wirkt der Roman noch parabelartiger und konstruierter als ohehin schon. Ich halte die Idee einer Mileustudie mit begrenzten Zeitrahmen für eine sehr gute Idee, um „Othello“ neu zu interpretieren. Allerdings frage ich mich, ob es nicht besser gewesen wäre, den Roman statt an einer Schule mit Kindern in einem Unternehmen mit erwachsenen Figuren spielen zu lassen. Dies wäre dem Ausgangsstoff vielleicht ein wenig angemessener gewesen.

Zum Schluss möchte ich gern noch einige Worte zum grundsätzlich wichtigen Thema „Mobbing in der Schule“ verlieren. Im Roman werden die Lehrer das Verhalten gegenüber O als Bagatelle ab und schauen weg oder befeuern Mobbing im schlimmsten Falle noch, weil sie selbst rassistische Vorurteile pflegen. Die Debatte um den Ausstieg von Mesut Özil aus der Nationalmannschaft sorgt bei Twitter unter dem Hashtag #MeTwo derzeit dafür, dass Erfahrungen von Schülern mit Migrationshintergrund publik werden, die bei gleicher Leistung schlechter benotet werden als ihre deutschen Mitschüler, die für ihre späteren Berufswünsche ausgelacht werden. Etwas, das mich persönlich völlig sprachlos machtund mich geichzeitig glauben lässt, dass die ein odere andere Situation aus „Der Neue“ doch nicht so aus der Luft gegriffen scheint, wie ich zunächst gedacht habe. Die Serie „Tote Mädchen lügen nicht“, man möge sie für das ein oder andere durchaus kritisieren können und auch wenn es dabei nicht um Rassismus geht, verdeutlicht ebenfalls, dass Schule eine Verantwortung dafür hat, dass Schulhöfe keine „rechtsfreien“ Räume sind. Und dies führt uns „Der Neue“, auch wenn er nicht ganz so gut gelungen ist, ebenfalls deutlich vor Augen.

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