Der Neue

Roman

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Was es bedeutet, Außenseiter zu sein – ein atmosphärischer Roman, der in das Amerika der 1970er Jahre führt

Osei will an seiner neuen Schule vor allem eines: nicht auffallen. Für den afrikanischen Diplomatensohn ist es der vierte Wechsel innerhalb von sechs Jahren, und aus Erfahrung weiß er, dass er gleich am ersten Tag Freundschaften schließen muss. Doch bereits seine Anwesenheit scheint einige seiner weißen Mitschüler und Lehrer zu provozieren. Im Amerika der 1970er Jahre sind gemischte Klassen immer noch selten. Als sich ausgerechnet die beliebte Dee mit Osei anfreundet, sieht Ian, der Tyrann auf dem Pausenhof, rot.

Tracy Chevalier lässt Shakespeares Othello, jenes klassische Stück über Eifersucht und Diskriminierung, in einer Schule spielen, wo das Wort Mobbing kein Fremdwort ist.

»Chevalier hat die Tragödie mit einer eleganten Selbstverständlichkeit in die jüngere Vergangenheit verlegt und zeigt damit einmal mehr, wie aktuell der Stoff immer noch ist.«

Weser Kurier, Iris Hetscher (03. Mai 2018)

Aus dem Englischen von Sabine Schwenk
Originaltitel: New Boy
Originalverlag: Hogarth
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-16144-6
Erschienen am  16. April 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Von der Macht der Manipulation

Von: Bri

31.10.2018

Othello neu verfasst von Tracy Chevalier, für das Hogarth-Shakespeare-Projekt – kann das gut gehen? Ja, das kann und meiner Meinung nach ist es Chevalier ausgezeichnet gelungen. Die groben Züge des Dramas, das Shakespeare aus der italienischen Vorlage – eine Geschichtensammlung ähnlich des Decamarone enthielt bereits die Erzählung – verändert auf die Bühne brachte, sind vielen Menschen auch heute noch bekannt. Vielfach ist der rasante Fall des Helden, ausgelöst durch Intrigen, angeblichen Verrat und Eifersucht, variiert worden. Immer aber handelte es sich bei Othello um einen Mann afrikanischer Herkunft, ein Fremder, der sich schon alleine durch sein Erscheinungsbild von der (Venezianischen) Gesellschaft abhebt, in der er lebt. Tracy Chevalier hat ihren Othello Osei genannt. Er ist der Sohn eines aus Ghana stammenden Diplomaten, der häufig seine Arbeitsstätte und damit auch den Wohnort wechseln muss. Die Familie zieht mit, keine Frage. Wir schreiben das Jahr 1974 und Osei kommt als einziger nicht-weißer Junge kurz vor Ende des Schuljahres in an eine Schule in Washington. Die letzte Schule, die er besuchte, war in New York. Dort ist auch seine fast schon erwachsene Schwester geblieben, um das Schuljahr zu beenden. Der Neue zu sein ist für O., wie er sich der Einfachheit halber gerne nennen lässt, nichts Neues. Doch dieses mal ist es anders. Das merkt O. schon, als er den Schulhof betritt, auf dem seine Mitschüler kurz vor Schulbeginn zusammenkommen. Denn Ian – der Shakespeares Jago entspricht – erkennt, neben der Hautfarbe – etwas in ihm, das seine eigene Position an der Schule gefährdet. Ian ist so etwas wie ein Anführer, jedoch nicht wie Casper (Cassio), der einfach offen, ehrlich und zu allen super nett ist, sondern weil er höchst manipulativ und Angst verbreitend zu Werke geht. Und dann ist da noch Dee (Desdemona), die beliebteste Schülerin von allen, die Lieblingsschülerin des Klassenleiters Mr. Brabant, die Osei gerade aufgrund seiner Herkunft faszinierend findet. Die anfänglich rein optische Faszination vertieft sich, als die beiden sich ernsthaft unterhalten und Dee bemerkt, dass sie sich noch nie tatsächlich und so gut mit einem Jungen unterhalten hat. Osei und Dee freunden sich an, ganz schnell, ganz unkompliziert und Osei ist mehr als dankbar, dass es einen Menschen hier gibt, der ihn offensichtlich mag. Noch dazu ein Mädchen! Denn Sechstklässler – und das ist einer der klugen Schachzüge Chevaliers – befinden sich, was die Annäherung an das andere Geschlecht betrifft quasi zwischen „Baum und Borke“. Beobachtet man Vorgänge auf Schulhöfen, dann kann man ganz genau feststellen, dass die Schüler bis ungefähr zur vierten Klasse bunt gemischt miteinander spielen. Ab der vierten Klasse jedoch beginnen sich Gruppen zu bilden, die vor allem geschlechtsspezifisch definiert sind. Die Mädchen bleiben ebenso gerne mal mehr für sich, wie die Jungen. Das vertieft sich immer mehr, bis die neue und anders motivierte Annäherung der beiden Geschlechter wieder stattfindet. Dann kommt es tatsächlich zu ersten Pärchenbildungen. Tracy Chevaliers Trick, die Handlung ihrer Shakespeare Neuinterpretation auf einen Schulhof zu verlegen, ist für mich gerade deshalb sehr clever, weil sie das, was da an teilweise unlogischen Vorgängen, deren Beweggründe man kaum hinterfragen kann, nicht zur Diskussion stellen muss, denn wenn ich meinen eigenen Fünftklässler erzählen höre, wie die Kinder miteinander umgehen, dann ist das, was Chevalier schildert, ganz alltäglicher Kram. Gut, mit einem sehr drastischen Ausgang, aber was Beweggründe angeht, hat sie somit einen guten Weg gefunden, diese nicht zu sehr in den Fokus zu stellen. Eine Kritik an solch schnell wandelbaren Gefühlslagen, wie sie ja auch bei Shakespeares Othello durchaus hinterfragbar wären, umgeht sie durch die allgemeine schwierige Seelenlage Pubertierender, die sich durch Unsicherheit ihrer Selbst gerne mal auf die eine oder andere Seite ziehen lassen. So hat Ian also leichtes Spiel, als er Osei einredet, Dee wäre untreu, was Osei wiederum sehr viel mehr trifft, als es jeden anderen Schüler an dieser Schule träfe. Denn er ist ja quasi per se der Außenseiter und das an diesem ersten Tag dort auch noch doppelt. Das Tempo der Handlung, das bei Shakespeare in der Konsequenz des dramatischen Ablaufs kulminiert, setzt Chevalier genauso gut um: ein Schultag, durch die Pausen in fünf Akte gegliedert. Ein Tag genügt, um ein tödliches Drama zu entwickeln. Oseis Hautfarbe spielt Ian dabei natürlich zusätzlich in die Hände, auch wenn er vorgibt, diese nicht mit bestimmten Vorurteilen zu verbinden. Konnte Shakespeare noch ungehindert vom „Mohr von Venedig“ sprechen, so ist das heute nicht mehr möglich. Alleine die Tatsache, einen politisch korrekten Begriff für Oseis „Andersartigkeit“ – die ja nicht außergewöhnlich ist, weil ja kein Mensch dem anderen tatsächlich gleichen kann – finden zu müssen, eine ungewollte rassistische Konnotation zu vermeiden, ist heute manchmal derart schwierig, dass auch ich gerade jetzt so meine liebe Mühe habe, mich nicht verfänglich auszudrücken. Einen, wie ich finde sehr klugen und lesenswerten Essay hat dazu Frank Günther, DER Shakespeare-Übersetzer unserer Zeit schlechthin, in seinem Buch „Unser Shakespeare“ unter dem Titel „Othello, der PoC* von Venedig“ geschrieben, der sowohl die Wichtigkeit einer angemessenen Sprache hervorhebt, aber dennoch darauf hinweist, dass auch vermeintlich politisch korrekte Ausdrücke durchaus anders konnotiert werden können. Ein weites Feld, das Chevalier nur durch die Andeutung des (N-Wortes) durch ein nicht ausgesprochenes Attribut der Hautfarbe Oseis einerseits umschifft und andererseits nicht ausgelassen hat. Tracy Chevalier hat somit die Handlung, das Motiv, den Plot des Shakespearschen Dramas in eine Zeit gehoben, die gerade für die Afro-Amerikanische Bevölkerung der Vereinigten Staaten Amerikas eine sehr wichtige und hoffnungsvolle war. Nicht umsonst hat die Kunst in den 1960er und 1973er Jahren auch auf die erstarkende Bürgerrechtsbewegung reagiert und Kultfiguren wie Black Panther oder Shaft kreiert. Shakespeares Othello wird zwar eindeutig als Fremder gezeigt, doch seine Hautfarbe wird nie tatsächlich benannt. Die Aktualität, die Chevalier ihrem Othello verleiht, ist aufgrund gesellschaftspolitischer und sozialer Vorgänge unausweichlich. Ein weiterer sehr gelungener Punkt, den es hier hervorzuheben gilt. Nach Edward St. Aubyns ebenfalls im Rahmen des Hogarth-Shakespeare-Projektes entstandene King Lear Neubearbeitung „Dunbar und seine Töchter“ war dies die zweite Lektüre aus dem Projekt, die mich vollstens überzeugen konnte und Lust auf weitere Neubearbeitungen aus dem Projekt machte. *Zur Erklärung, falls noch nicht bekannt: PoC ist der derzeit politisch korrekte Ausdruck, der in der Einzahl Person of Color und in der Mehrzahl People of Color bedeuet.

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Hervorragend!

Von: Annette Traks

05.07.2018

Kurzinhaltsangabe (eine ausführliche Zusammenschau befindet sich im Anschluss an das Resümee): Osei Kokote - wohl 12 oder 13 Jahre alt - ist der Sohn eines ghanaischen Diplomaten. Kurz vor Ende des laufenden Schuljahres tritt dieser eine neue Stelle in Washington an, sodass Osei noch für ein paar Wochen die 6. Klasse der Elementary School besuchen muss, bevor er nach den Sommerferien auf die Junior High wechselt. Für ihn ist es nach Rom, London und New York der 4. Schulwechsel innerhalb von 6 Jahren. An der neuen Schule ist er der einzige Schüler mit dunkler Hautfarbe, und er spürt nicht nur Neugierde, sondern sowohl bei Mitschülern als auch speziell bei seinem Klassenlehrer Vorurteile. Doch Osei hat gelernt, dass er nicht negativ auffallen darf und möglichst gleich am ersten Tag Freundschaften schließen muss, um bei Konflikten Verbündete zu haben. Seine bei allen beliebte und hübsche Klassenkameradin Daniela - Dee - kümmert sich fürsorglich um den Neuen, hilft ihm und erklärt ihm alles Notwendige. Beide freunden sich sofort an, denn Dee hat keinerlei Vorbehalte gegenüber Osei, für sie zählt nur der Charakter eines Menschen. Ian, einem gleichaltrigen Jungen, ist die Vertrautheit der beiden jedoch ein Dorn im Auge. Er will sie auseinanderbringen und spinnt raffinierte Intrigen, von denen Osei und Dee nichts ahnen. So geraten sie immer mehr in sein fein gesponnenes Netz. Eine verhängnisvolle Entwicklung nimmt ihren Lauf und endet schließlich in einer Katastrophe. Resümee: Die Romanhandlung spielt in den 70er Jahren in Amerika, genauer gesagt in Washington. Bereits 1964 wurde von Präsident Lyndon B. Johnson der "Civil Rights Act" unterzeichnet, in dem Rassendiskriminierung und -trennung in öffentlichen Einrichtungen wie z.B. Restaurants, Kinos, Bussen, Schulen für illegal erklärt wurden. Mit diesem formalen Akt waren in der Bevölkerung jedoch noch lange nicht die Vorurteile und Anfeindungen gegenüber Menschen mit anderer Hautfarbe ausgelöscht. Das bekommt auch Osei gleich an seinem ersten Tag auf der Elementary School zu spüren, in der er der einzige dunkelhäutige Schüler ist. Mit einer Mischung aus Sensationslust und Ablehnung sowie offen ausgesprochenen Vorurteilen begegnen ihm nicht nur seine Mitschüler, sondern auch Lehrer, besonders sein Klassenlehrer. Die Autorin hat Shakespeares Tragödie "Othello, der Mohr von Venedig" inhaltlich komprimiert und auf diesen Plot übertragen unter der Fragestellung, was es heißt, wegen seiner Andersartigkeit Außenseiter zu sein. Bei dem sich unheilvoll entwickelnden Geschehen sorgen Perspektivwechsel für zusätzliche Dramatik, wenn dieselbe Szene aus Sicht einer anderen beteiligten Person erzählt wird. Der Leser spürt, dass Ians heimtückische Machenschaften und Manipulationen unaufhaltsam und unwiderruflich auf ein folgenschweres Unheil zusteuern. Oseis und Dees völlige Ahnungslosigkeit und die Manipulierbarkeit anderer Schüler verstärken die Wirkung zusätzlich. Dies ist für den Leser zugegebenermaßen ebenso erschütternd wie fesselnd - ein Spannungsfeld ganz im Sinne der antiken griechischen Tragödien. Dadurch dass die Handlung • auf die Schule als Ort des Geschehens begrenzt ist, • den überschaubaren Zeitraum eines Tages nicht überschreitet, • durch 5 Kapitel klar strukturiert ist und Nebenstränge fehlen, erfüllt der Roman im aristotelischen Sinne die Einheit von Ort, Zeit und Handlung eines Dramas. Thematisch geht es, wie schon erwähnt, um Vorurteile, Diskriminierung und Ausgrenzung aufgrund von Andersartigkeit, die hier durch Oseis Hautfarbe vorgegeben ist. Aber auch Freundschaft, Eifersucht und Macht spielen eine zentrale Rolle, ebenso wie Mobbing und die Manipulierbarkeit von Menschen, hier insbesondere jugendlichen Schülern. Den Schluss hat die Autorin zwar offen gestaltet, jedoch lässt er in Kenntnis von "Othello" Schlimmes erahnen. Fazit: hervorragend! Die Autorin hat für dieses Buch die Handlung der Tragödie "Othello, der Mohr von Venedig", 1603 oder 1604 von William Shakespeare geschrieben, komprimiert auf einen Schultag in den 70er Jahren in Amerika übertragen Daher im Folgenden ein Vergleich der Handlung von William Shakespeares Tragödie "Othello, der Mohr von Venedig" mit Tracy Chevaliers Roman "Der Neue" (Achtung: Spoiler!): Der leichteren Lesbarkeit halber habe ich die Passagen beider Werke, die sich jeweils aufeinander beziehen, mit gleichen Ziffern nummeriert: 1. ("Othello") Othello, ein dunkelhäutiger venezianischer Feldherr, ist ein ehrenhafter, aufrichtiger und gutgläubiger Mensch. Aber die Bewohner Venedigs empfinden ihn als fremdartig, assoziieren seine Hautfarbe mit negativen Charakter-Eigenschaften und grenzen ihn aus. 2. ("Othello") Doch für die schöne Desdemona zählt nur das Wesen eines Menschen, Äußerlichkeiten sind ihr egal. Sie verliebt sich in Othello und schließlich heiraten beide heimlich gegen den Willen ihres Vaters. 3. ("Othello") Othellos Feldherr und Vertrauter Jago ist ein gewissenloser Intrigant. Als Othello nicht ihn, sondern den unbescholtenen Cassio befördert, ist er bitter enttäuscht und will sich für die vermeintliche Ungerechtigkeit rächen, indem er Othellos Misstrauen gegenüber Desdemona schürt. 4. ("Othello") Dabei ist der Edelmann Rodrigo sein Werkzeug: Er provoziert in Jagos Auftrag Cassio, der ihn bei einer Prügelei verwundet. Gleichzeitig bittet Jago hinterlistig die arglose Desdemona, sich bei Othello für Cassio einzusetzen. Als sie seinem Wunsch entspricht, wird der erste Keim des Misstrauens bei ihrem Gatten gelegt: Warum nimmt sein Weib den Soldaten in Schutz? - Gegenüber Jago ist Othello jedoch völlig gutgläubig und vertraut ihm weiterhin. 5. ("Othello") Auf einem Feldzug wird Othello von seiner Ehefrau, Rodrigo, Cassio sowie von Jago und dessen Ehefrau Emila - gleichzeitig Desdemonas Kammerzofe - begleitet. Jago macht dem ohnehin schon misstrauisch gewordenen Othello gegenüber vage Andeutungen über eine mögliche Beziehung Desdemonas zu Cassio. 6. ("Othello") Da kommt ihm der Zufall zu Hilfe: Emilia findet ein besticktes Taschentuch, das Othello seiner Frau einst geschenkt hatte, das sie aber kürzlich verloren hat. Sie überlässt den Fund Jago. Der schiebt das Tuch sofort Cassio unter, der mit der Mätresse Bianca angebandelt hat. 7. ("Othello") Als Othello später bei ihm das Taschentuch sieht, fühlt er sich bestätigt: Seine Frau hat ein Verhältnis mit dem Soldaten und Othellos Geschenk als Liebespfand an ihn weitergereicht. 8. ("Othello") Er tobt vor Eifersucht. In einer Aussprache gelobt Desdemona immer wieder ihre Unschuld und beteuert wie auch schon vorher, dass sie nicht wisse, wie das Tuch in Cassios Besitz gelangt sei. Vergeblich - Othello sieht rot und erdrosselt seine Gattin. 9. ("Othello") Emilia erzählt ihm daraufhin von Jagos intrigantem Spiel, das sie inzwischen durchschaut hat, und bestätigt Desdemonas Unschuld. Daraufhin wird sie von Jago getötet. 10. ("Othello") Zu spät realisiert auch Othello Jagos hinterlistige Machenschaften, bricht zusammen, weil er seiner Gattin bitter Unrecht getan hat, und begeht Selbstmord. Die Parallele zwischen dem Shakespeare-Drama und dem Roman "Der Neue" wird schon durch die Ähnlichkeit der Namen und Rollen deutlich: Othello, "der Mohr von Venedig", entspricht Osei, genannt O., aus Ghana Desdemona, Othellos Ehefrau, entspricht Daniela, genannt Dee, Oseis Freundin Jago, ein Soldat niederen Ranges, und Vertrauter Othellos, entspricht Ian, einem intriganten und streitsüchtigen Mitschüler, der Kontakt zu Osei sucht Emilia, Jagos Ehefrau und Desdemonas Zofe, entspricht Mimi, Ians Freundin und Dees Vertraute Rodrigo, ein Edelmann, entspricht Ron, der sich von Ian zum Handlanger machen lässt Cassio, ein integrer Soldat und zunächst Vertrauter Othellos, entspricht Caper, einem tadellosen Schüler und anfangs Freund von Ian Bianca, Cassios Mätresse, entspricht Blanca, Caspers Freundin. 1. ("Der Neue") Osei - die Hauptfigur in "Der Neue" - ist ein dunkelhäutiger Junge, der aus Ghana stammt. Er ist aufrichtig, benimmt sich korrekt, hegt keinen Argwohn gegenüber dem intriganten Ian, dem er bis zum Schluss vertraut. Viele Mitschüler äußern ihm gegenüber Vorurteile, sein Klassenlehrer hätte ihn am liebsten nicht auf der Schule, schon gar nicht in seiner Klasse. 2. ("Der Neue") Osei und Dee, ein allseits beliebtes und hübsches Mädchen, fühlen sich zueinander hingezogen und freunden sich schnell an, obwohl Dee ahnt, dass ihrer Mutter die Verbindung wohl nicht recht wäre. Doch für Dee zählt nicht die Hautfarbe, sondern der Charakter eines Menschen. Beide wollen sich den neugierigen Blicken der Kameraden entziehen und treffen sich in den Pausen heimlich an einer entlegenen Ecke des Schulhofes, um miteinander zu reden. Doch man beobachtet sie trotzdem und tuschelt über "das Liebespaar". 3. ("Der Neue") Auch der Mitschüler Ian sucht den Kontakt zu Osei. Bei sportlichen Pausenaktivitäten kommen sie sich etwas näher. Als "der Neue" sich in der Schulmensa jedoch an den Tisch von Casper, einem absolut unbescholtenen Schüler, setzt, fühlt Ian sich abserviert. In ihm reift ein perfider Rache-Plan: Er will Dee und Osei auseinanderbringen, indem er Osei eifersüchtig macht. 4. ("Der Neue") Für sein Vorhaben lässt sich Ron, ein Cliquenmitglied, instrumentalisieren: Er zettelt in Ians Auftrag einen Disput mit Casper an, der sich provozieren lässt und Ron ein blaues Auge verpasst. Ian bittet Dee, bei Osei ein gutes Wort für den bis dato völlig unbescholtenen Casper einzulegen. Und Osei reagiert wie von dem Intriganten geplant: Er fragt sich, welche Motivation Dee für die Fürsprache haben mag. Geht sie etwa mit Casper? In ihm keimt Eifersucht auf. Von Ians hinterlistigen Machenschaften ahnt er nichts und vertraut ihm weiterhin. 5. ("Der Neue") Gleichzeitig macht Ian gegenüber Osei vage Anspielungen, dass Dee vielleicht nicht das "saubere" Mädchen ist, für das sie alle halten, und deutet eine engere Beziehung zu Casper an. Oseis Eifersucht bekommt Nahrung, er beobachtet die beiden argwöhnisch. 6. ("Der Neue") Der Zufall hilft Ian: Osei musste an diesem ersten Schultag mit der rosafarbenen Erdbeerfedertasche seiner Schwester zum Unterricht gehen, da seine eigene zu Hause nicht auffindbar war. Dee, die bemerkt hat, dass ihm dies äußert peinlich ist, tauscht sie kurzerhand gegen ihre, vergisst sie jedoch in der Mittagspause. Als ihre Busenfreundin Mimi sie findet, übergibt sie den Fund auf sein Drängen Ian, der gerade mit ihr angebandelt hat. Der jedoch reicht das Mäppchen an Casper weiter, der mit Blanca geht, die gerne offen ihre Zuneigung zu dem Jungen zeigt. 7. ("Der Neue") Als Osei wenig später nach einem entsprechenden Hinweis von Ian das Erdbeertäschchen bei Blanca sieht, ist ihm klar, dass Casper etwas damit zu tun haben muss. Die einzige Möglichkeit besteht für ihn darin, dass Dee es ihm gegeben hat - die Federtasche seiner Schwester, eine Erinnerung an sie, die er seiner Freundin Dee anvertraut hat. 8. ("Der Neue") Für ihn bricht eine Welt zusammen. Er stellt Dee, die ihre Unschuld beteuert, zur Rede, schubst sie dabei wütend, sodass sie hinfällt. Doch gegenüber den herbeieilenden Lehrern nimmt sie die Schuld für den Sturz auf sich. Osei bittet sie nach Schulschluss zu einem klärenden Gespräch aufs Klettergerüst. Das Mädchen beteuert - wie auch schon zuvor - immer wieder, dass sie nichts mit Casper hat und gesteht, dass sie die Federtasche mittags in der Schule gelassen hat, sie ohne ihr Zutun den Weg zu Casper bzw. Blanca genommen haben muss. Doch vergeblich: Osei beschimpft sie als Hure, und Dee läuft völlig aufgelöst weg. 9. ("Der Neue") Dees Busenfreundin Mimi findet den aufgewühlten Osei auf dem Klettergerüst. Ihr ist mittlerweile klar geworden, welches perfide Spiel Ian getrieben hat, und erklärt dem verzweifelten Jungen die Zusammenhänge. Als sie zu ihm hochklettern will, zieht Ian sie mit Gewalt herunter, sodass sie auf den Asphalt knallt, wo sie schwer verletzt liegenbleibt. 10. ("Der Neue") Kurz darauf stürzt sich Osei vom höchsten Punkt des Gerüstes hinunter.

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Vita

Tracy Chevalier, 1962 in Washington, D. C. geboren, zog 1984 nach England. Sie arbeitete zunächst als Lektorin, begann dann aber zu schreiben. Der internationale Durchbruch gelang ihr mit „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in London.

Zur AUTORENSEITE

Sabine Schwenk

Sabine Schwenk, 1964 geboren, studierte Romanistik und Philosophie und übersetzt zeitgenössische Literatur aus dem Englischen und dem Französischen, darunter Bücher von Céline Curiol, Elizabeth Gilbert, Anne Tyler und Jeanette Winterson.

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Zitate

»‘Der Neue‘ ist die gelungene Adaption eines Klassikers in Jugendjagon.«

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